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Bad Segeberg

Kunst in der Kammer
„Früher war auch die Zukunft besser“
Uta Kunze

In den letzten beiden Jahren hat die Ärztekammer zum Thema „Kultur in der Kammer“ die Musik sprechen lassen. Thema der diesjährigen gemeinsamen Veranstaltung von Ärztekammer und Akademie war die bildende Kunst.

 
Stellten ihre Werke vor: Dr. Jörn Pankow, Dr. Marion Scupin und Dr. Elisabeth Engelhardt (v. l.). Im Hintergrund Poster von Dr. Bernd Nemsmann (re.), der zur Ausstellungseröffnung leider nicht anwesend sein konnte. (Fotos: MW/Privat)
 

Zwei Kolleginnen und zwei Kollegen stellen bis zum 6. Februar in der Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in einem breiten Spektrum von Werken dar, wie sie mithilfe der Kunst den Ausstieg aus dem Berufsleben bewältigt haben. Das Spektrum reicht von der Ölmalerei über Collagen und Poster bis zur Porzellanmalerei.

Dr. Elisabeth Engelhardt, Initiatorin der Kunstausstellung, war vor ihrem Ruhestand niedergelassene Fachärztin für Innere Medizin. Sie beschäftigt sich seit dem Besuch im Museum of Modern Art (Moma) in New York 1994 und seit der Freundschaft ihrer Familie mit dem Schriftsteller und Collagenisten Wolfgang Hildesheimer in Poschiavo mit der Erstellung von Collagen. Von seiner Witwe hat Dr. Engelhardt zuletzt erstandenes Postermaterial zur Erstellung von Collagen erhalten. Gelegentlich besucht sie Kurse bei der Malerin Uta Kalthoff in Kiel. Collagen können reale Elemente wie Poster, Blätter aus Kunstkalendern, Photographien und andere Materialien einbeziehen. Durch die Kombination solcher Bildmaterialien, die ausgeschnitten, gerissen und neu arrangiert werden, entsteht eine andersartige, jenseits der Wirklichkeit angesiedelte Welt. Das Bild entwickelt sich erst im Verlauf der Arbeit, auf diese Weise entstehen leuchtende und faszinierende Objekte, die sich vielfältig interpretieren lassen.

Dr. Marion Scupin, im Westerwald geboren, hatte von Kind an großes Interesse an der bildenden Kunst. Sie studierte in Kiel Medizin und Psychologie. Die Ärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin war in den letzten 19 Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit Referentin für Gesundheitsförderung und Prävention im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren. Mit der Porzellanmalerei beschäftigt sich Dr. Scupin seit 1991, die ersten Farben bekam sie von ihrem Ehemann geschenkt, zunächst blieben sie zwei Jahre liegen, doch dann kamen die Farben zum Einsatz. Unterricht erhielt sie bei einem gelernten Porzellanmaler aus Thüringen. Anfänglich war die Porzellanmalerei nur ein Hobby, aufgrund der großen Nachfrage erwarb sie 1999 die Meisteranerkennung als Glas- und Porzellanmalerin und wurde in die Handwerksrolle zu Lübeck eingetragen. Somit ist Dr. Scupin Mitglied in zwei Kammern, der Ärzte- und der Handwerkskammer. Besonderen Spaß an der Porzellanmalerei bereitet Dr. Scupin, dass man Gebrauchsgegenstände nach eigenen Wünschen individuell gestalten kann.

 
Das schwarze Loch  

Dr. Bernd Nemsmann wurde in Wilhelmshaven geboren und war schon während seiner Schulzeit sehr kunstinteressiert. Erste Erfahrungen in der bildnerischen Gestaltung sammelte er in der Kohle-, Rötel- und Kreidemalerei. Nach einer Ruhephase wandte er sich der Ölmalerei und Photographie zu. Nach einer längeren künstlerischen Schaffenspause, die der beruflichen Aus- und Weiterbildung zum Chirurgen, zuerst unter Prof. Löhr, dann unter dessen Nachfolger Prof. Hamelmann galt, begann eine dritte Periode der bildnerischen Gestaltung durch aktive manuelle Bearbeitung von Photomaterial. Diese Bearbeitung entstand durch Zufall, weil Fotomaterial der für die Dokumentation in der chirurgischen Ambulanz angeschafften Sofortbildkamera in solch großen Mengen gekauft worden war, dass der Verbrauch nur einen Teil des begrenzt haltbaren Bildmaterials ausmachte. Es gab nur zwei Alternativen: Verwerfen oder Verbrauch außerhalb der Sofortbildkamera. Der junge Chirurg entschied sich für die 2. Variante und so entstand eine Technik der Postererstellung durch aktive manuelle Bearbeitung von Photomaterial, die einzigartig ist.

 
  Im Gespräch: Referentin Dr. phil. Eva Burchardt mit dem Vertreter des Vereins „Kultur in der Kammer“, Dr. Uwe Denker

Das einzige Fach, in welchem der in Bayern geborene Dr. Jörn Pankow in der Schule durchgehend gute Zensuren mit nach Hause brachte war das Fach Kunst. 30 Jahre war Dr. Pankow als Internist in Flensburg tätig. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand, aber noch als freiberuflicher Mitarbeiter bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein tätig. Für ihn stellt das Malen einen „Ort der Kontemplation“ dar. Für ein entstehendes Bild gibt es kein Konzept, er lässt sich vom Gefühl und den Farben leiten. Seit 15 Jahren ist er Mitglied einer künstlerischen Viererbande in Flensburg, die sich regelmäßig trifft.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit einem Vortrag „Wer fürchtet sich vorm ,schwarzen Loch’? - Brücken zum guten Leben im Ruhestand“.

 
Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Helga Pecnik, Dr. Cordelia Andreßen (Fotos: UK)  

Dr. phil. Eva Burchardt, Diplom-Psychologin am Institut für Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, beschrieb in ihrem sehr interessanten Vortrag die Faktoren, die beim Übergang in den Ruhestand Probleme bereiten können und zeigte auf, welche persönlichen Kompetenzen, Einstellungen und Verhaltensweisen diesen entgegenwirken können.

Sie sprach dabei sowohl Aspekte der Selbstentwicklung als auch den Einfluss von eigenen und gesellschaftlichen Erwartungen an und diskutiert Determinanten eines „guten Lebens“ im Ruhestand.
Bis zum 6. Februar 2009 sind die Kunstwerke der oben vorgestellten Künstler in der Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung im Rahmen wahrgenommener Fortbildung, aber auch gern nach telefonischer Vereinbarung, Tel. 04551/803-165, Dr. Uta Kunze, zu besichtigen.

Dr. Uta Kunze, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8-12, 23795 Bad Segeberg


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 11/2008

S. 26/27