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Clostridium difficile:
Zum Stand der Meldungen schwer verlaufender Infektionen in Deutschland
In den vergangenen Jahren wurde in Europa einschließlich Deutschland
wiederholt über zunehmende Morbidität und Mortalität der
Infektionen mit Clostridium (C.) difficile berichtet.1,2 Nachdem
der Anstieg der Inzidenz der C.-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD)
in den europäischen Nachbarländern zumindest zum Teil auf das
Auftreten eines neuen Stammes (Ribotyp 027, Toxinotyp III, PFGE
NAPI) zurückgeführt wurde, wuchs die Besorgnis, dass diese Erregervariante
sich auch in Deutschland ausbreiten könnte und weiter zu dem ohnehin
schon deutlichen Anstieg der Inzidenz der vergangenen Jahre beitragen
könnte.3,4,5 Im Herbst 2007 bestätigten erstmals
labordiagnostische Nachweise das Auftreten des neuen C.-difficile-Stammes
PCR Ribotyp 027 auch in Deutschland.6,7 Eine Ausbruchsuntersuchung
in der Region Trier, Rheinland-Pfalz, ergab eine bereits endemische Verbreitung
dieses Stammes in der Region.8
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Danach sind
dem Gesundheitsamt zu melden:
Patienten mit pseudomembranöser Kolitis oder Patienten mit
Durchfall oder toxischen Megakolon mit C. difficile-Toxinnachweis
(A und/ oder B) oder Nachweis toxinbildender C. difficile mit
einer anderen Methode, die mindestens eines der vier Kriterien für
einen schweren Verlauf erfüllen:
- Notwendigkeit
einer Wiederaufnahme aufgrund einer rekurrenten Infektion,
- Verlegung
auf eine Intensivstation zur Behandlung der CDAD oder ihrer Komplikationen,
- chirurgischer
Eingriff (Kolektomie) aufgrund eines Megakolon, einer Perforation
oder einer refraktären Kolitis,
- Tod <
30 Tage nach Diagnosestellung und CDAD als Ursache oder zum Tode
beitragende Erkrankung
und/oder
Nachweis des Ribotyps 027.
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Meldepflicht
Um auch national den dramatischen Anstieg der Inzidenz einschließlich
der Verbreitung des neuen Stammes zu erfassen, hat das Robert Koch-Institut
(RKI) in Absprache mit den Seuchenreferenten der Länder Kriterien
zur standardisierten Erfassung schwerer Verläufe erstellt.9 Auf der
Basis § 6 Abs. 1, Nr. 5 a Infektionsschutzgesetz (IfSG) werden schwer
verlaufende Infektionen als bedrohliche Krankheit mit Hinweis auf eine
schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit gesehen. Für diese
Meldungen gilt die Übermittlungspflicht gemäß § 11
Abs. 1 IfSG (siehe Kasten).
Von großer Bedeutung
ist es, dass Isolate gewonnen und asserviert werden, um, falls erforderlich,
retrospektiv eine Typisierung des Stammes zu ermöglichen. Nur so
lassen sich im Nachhinein Infektketten aufdecken.
Stand der Meldungen
Von 2007 bis zum Ende des I. Quartals 2008 (Stand: 31.03.2008) wurden
163 Fälle, die den Meldetatbestand einer schwer verlaufenden CDAD
erfüllen, an das RKI übermittelt. Aus den erhobenen Daten geht
hervor, dass 88 Prozent (144 Fälle) der gemeldeten schweren Verläufe
Patienten betraf, die 65 Jahre oder älter waren, und dass ein höherer
Anteil an Frauen 89 Fälle (62 Prozent) in dieser Altersgruppe betroffen
waren. Dieser Umstand wird zumindest zum Teil durch die Tatsache erklärt,
dass es in der Allgemeinbevölkerung mehr ältere Frauen als Männer
gibt. Die Letalität unter den gemeldeten Fällen betrug 54 Prozent
(88 Fälle). Zu einem Großteil dieser Fälle sind Angaben
zum Ribotyp nicht verfügbar. Da der Nachweis des Ribotyps 027 ausreichendes
Kriterium für die Meldung ist, war für diesen speziellen Ribotyp
mit einem erheblichen Anteil auch leichter verlaufender Fälle unter
den Meldedaten zu rechnen. Für die 37 gesicherten Infektionen mit
Ribotyp 027 wurde lediglich ein Fall mit Todesfolge erfasst (2,7 Prozent).
Meldedaten zu diesem neuen Stamm wurden bislang ausschließlich aus
fünf im Südwesten Deutschlands gelegenen Bundesländern
erbracht (Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, Hessen und
Bayern). Die allein aufgrund klinischer Kriterien erfassten Fälle
einer schwer verlaufenden CDAD zeigen eine deutlich breitere geografische
Verteilung (s. Abb. 1; Meldungen aus 14 Bundesländern). Eine Aufschlüsselung
nach den zur Meldung führenden Kriterien für einen schweren
Verlauf der CDAD zeigt Tabelle 1.
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| Tab. 1: Dem RKI
übermittelte Fälle schwer verlaufender CDAD, nach den zur
Meldung führenden Kriterien, 01.01.2007-31.03.2008, Deutschland,
(Mehrfachangaben möglich). * Für die ausführliche Definition
der Kriterien siehe Kasten |
Die Zahlen der Meldedaten
belegen, dass der neu eingeführte Meldetatbestand eine breite Akzeptanz
gefunden hat. Unsicherheiten bestehen jedoch noch in Bezug auf die zur
Meldung führenden Kriterien. Bei einem erheblichen Teil der an das
RKI übermittelten Meldungen sind keine Angaben gemacht, die eine
Zuordnung zu einem der Kriterien für einen schweren Verlauf erlauben.
Des Weiteren besteht für das Bundesland Sachsen schon seit dem Jahr
2002 eine eigenständige Meldepflicht. Da für die Übermittlung
aber keine formale Falldefinition besteht, werden Angaben zu klinischen
Kriterien für einen schweren Verlauf kaum erfasst.
Zusammenfassung
Der in den letzten Jahren zu beobachtende Anstieg der Morbidität
und Mortalität bei Infektionen mit C. difficile, der durch das Auftreten
eines neuen Stammes möglicherweise noch weiter verstärkt wird,
erfordert zunehmende Aufmerksamkeit. Um Planung und Evaluierung von angemessenen
Präventions- und Kontrollmaßnahmen zu ermöglichen, Ausbruchsgeschehen
frühzeitig zu erfassen und Daten zur Ausbreitungsdynamik und klinischen
Relevanz neu auftretender Erregervarianten zu erhalten, wurde eine Meldepflicht
für schwer verlaufende Infektionen mit C. difficile eingeführt.
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| Abb. 1: Dem RKI
übermittelte Fälle schwer verlaufender CDAD, 01.01.2007-31.03.2008,
Deutschland |
Erste Daten bestätigen
eine mit dieser Erkrankung assoziierte hohe Mortalität und belegen
das Potenzial zur raschen Ausbreitung neu auftretender Erregervarianten.
Um die Virulenzfaktoren des Erregers und deren Einfluss auf den klinischen
Verlauf besser zu charakterisieren, sind Anstrengungen zur regelmäßigeren
molekularen Typisierung der Stämme erforderlich. Inwieweit der Ribotyp
027 aber auch andere vergleichsweise häufig auftretende Ribotypen
tatsächlich epidemisch virulente Hospitalstämme darstellen,
muss erst durch weitere Arbeiten zur Populationsstruktur von C. difficile
geklärt werden, die unter anderem auch am Bereich Wernigerode des
RKI durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die
Erprobung von verlässlicheren und höher diskriminierenden DNA-Polymorphismen.
Bericht aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI,
Fachgebiet 32 Surveillance, erarbeitet von Dr. Niels Kleinkauf
(E-Mail KleinkaufN@rki.de) und Dr. Tim Eckmanns (E-Mail EckmannsT@rki.de),
die beide als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung des Epidemiologischen Bulletin,
Heft 15/2008, Robert Koch-Institut (RKI), Nordufer 20, 13353 Berlin
Literatur
- Kuijper EJ, Coignard
B, Tull P: Emergence of Clostridium difficile-associated disease in
North America and Europe. Clin Microbiol Infect 2006; 12 Suppl 6: 2-18
- Vonberg RP, Schwab
F, Gastmeier P: Clostridium difficile in discharged inpatients, Germany.
Emerg Infect Dis 2007; 13: 179-180
- Reichardt C, Chaberny
IF, Kola A et al: Dramatic increase of Clostridium difficile-associated
diarrhea in Germany: has the new strain PCR-ribotype 027 already reached
us? Dtsch Med Wochenschr 2007; 132: 223-228
- Burckhardt F,
Friedrich A, Beier D et al: Clostridium difficile Surveillance Trends
Saxony, Germany, Emerg Infect Dis 2008 ; 14 (4): 691
- Schneider T, Eckmanns
T, Ignatius R et al: Clostridium Difficile Associated Diseases - an
Emerging Problem. Deutsches Ärzteblatt 2007; 104: A 1588-1594
- Robert Koch-Institut:
Erster Nachweis von Clostridium difficile, Ribotyp 027 in Deutschland
- Erreger mit hoher Virulenz. Epid Bull 2007; 41: 386
- Zaiss NH, Weile
J, Ackermann G et al: A case of Clostridium difficile-associated disease
due to the highly virulent clone of Clostridium difficile PCR ribotype
027, March 2007 in Germany, Eurosurveillance 2007; Nov 15: 12 (11)
- Kleinkauf N, Weiss
B, Jansen A et al: Confirmed cases and report of clusters of severe
infections due to Clostridium difficile PCR ribotyp 027 in Germany.
Eurosurveillance 2007; Nov 15: 12 (11)
- Robert Koch-Institut:
Schwer verlaufende Infektionen mit Clostridium difficile: Zur Meldepflicht.
Epid Bull 2007; 46: 424
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2008
S. 46-48
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