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Rezensionen
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Wenn man die
162 Seiten der Broschüre gelesen hat, Hausarzt oder Vertragsarzt
schlechthin, ist einem die Laune auf jeden Fall verdorben. In 32 Kapiteln
bzw. Abschnitten von der allgemeinen Notrufnummer bis Quartalsanfang zählt
der Autor auf, warum die Aufgabe des an sich schönen Arztberufes
heute im Argen liegt. Der Kollege Müller ist sehr gut informiert,
hat sehr gut recherchiert und dokumentiert (Quellenangaben!). Er schreibt
über die wirtschaftlichen Probleme des Vertragsarztes als selbstständiger
Unternehmer genau so wie über die Quartalsgebühr und über
die neuen Kartenlesegeräte. Es ist nicht nur so, das einem die Lektüre
die Laune verdirbt, nein, sie lässt auch Zorn aufkommen, Zorn auf
unsinnige Bürokratie und unsinnige Anordnungen. Eingebettet wird
der Text in den geschichtlichen Gesamtrahmen. + + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + +
Inhaltsangabe:
In diesem Buch schildert der Medizinstudent Sebastian Spinner seine Tätigkeit
im Praktischen Jahr 2004/2005 im Jooste Krankenhaus in Kapstadt sowie
im Coronation Krankenhaus und im Chris Hani Baragwanath Krankenhaus in
Johannesburg. Diese Kliniken liegen in den Townships, die für Weiße
üblicherweise No-go-Areas sind. Dort ist - fern aller
touristischen Highlights - das Leben geprägt von Armut, Aids und
alltäglicher Gewalt. Anhand seiner Begegnungen mit vielen Patienten
werden in eindringlicher Form Schicksale dargestellt, die für die
meisten von uns kaum vorstellbar sind. Die uns bekannten abstrakten Zahlen
epidemiologischer Studien aus dem südlichen Afrika bekommen dadurch
ein Gesicht, in welchem sich die Fratze Aids in erschreckender
Form anhand vieler erschütternder Einzelschicksale zeigt. Dem Autor
ist es dabei gelungen, das Gesehene nicht zu bewerten oder moralisch zu
verurteilen, sondern Fakten und Eindrücke für sich allein sprechen
zu lassen.
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Das vorliegende Buch,
ein erster Band, umfasst vor allem die Laborgeschichte der medizinischen
Universitätsklinik in der Ära der Direktoren Schittenhelm (1915-1934
Klinikleiter), Johannes Löhr (1934-1941) und Helmuth Reinwein (1942-1962).
Geplant ist ein Band 2, der von Hans-Dietrich Bruhn vorgelegt werden wird
und die Geschichte dieses Labors bis auf den heutigen Tag fortsetzt. Das
Buch gewinnt durch die Tatsache, dass Johannes Büttner nicht nur
Jahrzehnte als Professor für klinische Chemie lehrte und forschte,
sondern auch ein Experte der Medizingeschichte ist, die sich mit der naturwissenschaftlich-technischen
Entwicklung der letzten 150 Jahre befasst. Eine Voraussetzung der experimentellen
Forschung war die Entwicklung der Chemie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Parallel zum Fortschritt von Chemie und Physik entstand eine Vielfalt
neuer Messgeräte. Bereits um 1919 konnten Reststickstoff und Blutzucker
bestimmt werden. Wissenschaftlich beschäftigten sich Schittenhelm
und seine Schüler u. a. mit der Ödemkrankheit nach dem Ersten
Weltkrieg. Weitere Forschungsgebiete betrafen Vitamine und Schilddrüsenhormone.
Unter Johannes Löhr wurde vor allem der Jodstoffwechsel untersucht.
Durch seine politischen Aktivitäten ging allerdings, wie der Autor
zeigt, die experimentelle Forschung im Kieler Labor zurück. Wichtig
wurden linientreue Mitarbeiter. Dazu zitiert Büttner einen Brief
Löhrs an Schittenhelm über seinen Mitarbeiter Chrometzka: Chrometzka
... war mir als überzeugter Kathole und im Hinblick auf seine sonstige
politische Vergangenheit nicht der geeignete Mann, bei mir Oberarzt zu
werden.
Während der Zeit
Helmuth Reinweins wurde die Klinik mehrfach durch Bomben schwer geschädigt,
wie das beeindruckende Bildmaterial belegt. Johannes Büttner schildert
plastisch den Wiederaufbau der Klinik und die weitere Entwicklung des
Labors, das er von 1956 bis zu seiner Berufung 1969 nach Hannover leitete.
Anfang der 1960er Jahre wurde es z. B. möglich, mithilfe der Flammenphotometrie
Kalium, Natrium und Calcium schnell zu bestimmen. Gleichzeitig wurde vielfältig
geforscht. So beschäftigten sich Büttner und sein Arbeitskreis
u. a. mit der Pharmakokinetik, d. h. mit dem Schicksal der Pharmaka im
Organismus. Entsprechend den Interessen Reinweins wurde die diabetologische
und endokrinologische Forschung besonders gepflegt. Ein Kapitel des Buches
heißt: Die Kieler Medizinische Klinik in der Zeit des Nationalsozialismus.
Es ist ein besonderes Verdienst des Autors, die Verstrickung in den Nationalsozialismus
nicht verdrängt zu haben: Alfred Schittenhelm war seit 1933 Parteimitglied
und seit 1938 Standartenführer der SS, Johannes Löhr trat als
Alter Kämpfer bereits 1931 der NSDAP bei. Er leitete
das Rassenpolitische Amt in Schleswig-Holstein und wurde SS-Brigadeführer
auch Helmuth Reinwein wurde 1937 Parteimitglied. Das Buch regt zu Fragen
an: Wenn nicht die Klarheit und Schönheit der Naturwissenschaften
vor der Huldigung des Nationalsozialismus bewahrten, was dann? Waren
es elementarer Anstand und Menschlichkeit, die kein akademisches Studium
benötigen? Und zweitens: Braucht der ständige Fortschritt der
naturwissenschaftlich-technischen Diagnostik mehr kritische ärztliche
Überlegungen im Sinne Reinweins, damit es nicht zu einer Überdiagnostik
irrelevanter Befunde und zu einer ausufernden Medikalisierung des täglichen
Lebens kommt? Der Rezensent empfiehlt die Lektüre des besprochenen
Bandes auch deshalb, weil er am Beispiel eines lokalen Kieler Kliniklabors
die Entwicklung der modernen Medizin aufzeigt.
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Es ist eine gute Tradition
des NAV-Virchow-Bundes, dass jeweils am Ende der Amtsperiode einer seiner
Bundesvorsitzenden ein Buch als Retrospektive, Zustandsbeschreibung und
Vorausschau herausbringt. Jetzt hat sich der neue Vorsitzende, der Plöner
Kollege Klaus Bittmann, dieser Mühe unterzogen und legt einen kleinen
Sammelband vor. Vierzehn Koautoren beschreiben den (meist ökonomischen)
Zustand der heutigen Ärzteschaft mit Ausblicken und Vorschlägen
für die Zukunft. Die Autoren sind jeweils mit einem kurzen Lebenslauf
beschrieben. Das Buch ist lesenswert nicht nur für NAV-Mitglieder,
für die es Pflichtlektüre sein sollte, sondern auch für
alle standespolitisch interessierten Ärzte und solche, die es werden
wollen. So seien beispielsweise folgende Kapitel genannt: Stimmen
und Mehrheiten bestimmen Kosten und Leistungen, (Hartwig Boll),
Die Grenzen zwischen Kliniken und Praxen weichen auf (Dr.
Klaus Meyer-Lutterloh) und Das Unternehmertum lockt (Michael
Gneuss). Der Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich
Hoppe schreibt: Ärzte kämpfen gegen Degradierung
und der Beitrag des Herausgebers Klaus Bittmann ([Die] Bereitschaft
zur Eigenverantwortlichkeit wächst) ist ein relativ kämpferischer
Aufruf gegen die bestehenden Kassenärztlichen Vereinigungen (Bittmann
war sieben Jahre KV-Vorsitzender). |
Schleswig-Holsteinisches
S. 37 |
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