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Medizin und Wissenschaft

Krebsregister unterstützt
Evaluation des Mammografie-Screenings
Alexander Katalinic, Annika Waldmann

Das Krebsregister hat im Juni 2008 erstmals epidemiologische Basisdaten für die Bewertung der Qualität und Effektivität des Mammografie-Screenings in Schleswig-Holstein bereitgestellt. Damit wird den Anforderungen der Krebsfrüherkennungsrichtlinie für das Mammografie-Screening nachgekommen, die explizit eine Einbindung der regionalen Krebsregister in die Evaluation vorsehen.

Ausgewertet wurden die im Krebsregister erfassten Daten der schleswig-holsteinischen Brustkrebspatientinnen der Jahre 2000 bis 2006 für die Altersgruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen, also für die Altersgruppe, die Anspruch auf die Teilnahme am Mammografie-Screening hat. Berücksichtigt wurden sowohl der invasive Brustkrebs als auch die nicht invasive Form. Die Analysen wurden für die Regionen der vier Screeningeinheiten (SE1: KERN-Region, SE2: Region östliches Schleswig-Holstein, SE3: Region südwestliches Schleswig-Holstein, SH4: Region nördliches Schleswig-Holstein) getrennt durchgeführt.

Abb. 1: Verlauf der Brustkrebsinzidenz 2000 bis 2006 in der Altersklasse der 50- bis 69-jährigen Frauen (Datenquelle: Krebsregister Schleswig-Holstein, 2008)

Der Schwerpunkt der durchgeführten Analysen lag auf der Ermittlung der Basisinzidenz für Brustkrebs und der Tumorstadienverteilung in der Zeit vor dem Mammografie-Screening. Nach den europäischen Richtlinien zum Mammographie-Screening (EUREF, siehe auch www.euref.org) soll mit dem Beginn des Screenings eine Verdreifachung der Inzidenz in der Population der mammografierten Frauen eintreten. Die bevölkerungsbezogene Brustkrebsinzidenz vor dem Screening wird als Basis für diese Bewertung herangezogen. Die Tumorstadienverteilung ist ein weiterer Indikator für die Effektivität des Screenings. Der Anteil von Frauen mit einem Tumor kleiner als zwei Zentimeter soll über 70 Prozent liegen, der Anteil nicht invasiver Tumore bei etwa zehn Prozent. Auch hier dienen die Krebsregisterdaten als Referenz und später als Indikator für die bevölkerungsbezogenen Auswertungen des Screeningprogramms.

Insgesamt erkrankten in der das Mammografie-Screening betreffenden Altersklasse im Zeitraum 2000 bis 2006 etwa 9 700 Frauen neu an Brustkrebs. Dies entspricht 52 Prozent der 18 600 Brustkrebserkrankungen aller Altersgruppen.

Aus Abbildung 1 lässt sich der Verlauf der Brustkrebsinzidenz (invasiv und in situ) für die 50- bis 69-jährigen Frauen in den vier Screening-Regionen ablesen. Die Basisinzidenz vor dem Screening liegt im Mittel bei etwa 400 Neuerkrankungen pro 100 000 Frauen. Interessant ist der Abfall der Brustkrebsinzidenz ab dem Jahr 2002/3, der mit einer verringerten Nutzung der Hormonersatztherapie in Verbindung gebracht wird.

Abbildung 2 zeigt als Beispiel die Tumorstadienverteilung für die T-Kategorie (Tumorausdehnung) des TNM für den Zeitraum 2000 bis 2001 und 2005 bis 2006. Der Anteil der Tumoren kleiner zwei Zentimeter liegt bei 52 Prozent bis 65 Prozent, wobei sich als günstigste Region die KERN-Region zeigt. Hier läuft seit 2001 die Qualitätsgesicherte Mammadiagnostik (QuaMaDi), in der dem Screening vergleichbare Qualitätsanforderungen an die indikationsbezogene mammografische Untersuchung gestellt und realisiert werden.

Abb. 2: Tumorstadienverteilung (T-Kategorie) in der Altersklasse der 50- bis 69-jährigen Frauen in den Jahren 2000/1 und 2005/6 (Datenquelle: Krebsregister Schleswig-Holstein, 2008)

Auch in der Zukunft wird das Krebsregister bei der Beurteilung von Qualität und Effektivität des Mammografie-Screenings eine wichtige Rolle spielen. Werden sich die gewünschten Effekte, ein Ansteigen der Inzidenz und eine günstigere Tumorstadienverteilung, wirklich einstellen? Und wird das Screening tatsächlich zu einer Reduktion der Brustkrebs-Sterblichkeit in der Zielbevölkerung beitragen? Auf Basis der Daten des Krebsregisters werden sich diese Fragen beantworten lassen.
PD Dr. Alexander Katalinic, Dr. Annika Waldmann, Institut für Krebsepidemiologie e. V., Beckergrube 43-47, 23552 Lübeck, E-Mail info@krebsregister-sh.de, www.krebsregister-sh.de


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 7/2008

S. 73, 74