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Bad Segeberg
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| Abgeordnetenversammlung
der Kassenärztlichen Vereinigung Keine Routinesitzung Dirk Schnack Die von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) verschickte Tagesordnung für die Abgeordnetenversammlung ließ für den 11. Juni eine Routinesitzung vermuten. Doch die Lageberichte der beiden Vorstandsmitglieder Dr. Ingeborg Kreuz und Dr. rer. nat. Ralph Ennenbach enthielten Punkte, die die Zukunft der niedergelassenen Ärzte im Norden entscheidend verändern könnten.
Da können und wollen wir nicht tatenlos zusehen, sagte Kreuz. Das Modell der KVSH sieht zunächst Gespräche mit Ärztegenossenschaft, Kreisstellen und Praxisnetzen vor, um die genaue Ausgestaltung und mögliche Partnerschaften abzusprechen. Den Ärzten soll über das Modell der Schritt in die Niederlassung erleichtert werden. Denn immer mehr junge Ärzte scheuen das wirtschaftliche Risiko einer Niederlassung. Hier setzt das Modell an: Wer die volle Selbstständigkeit scheut, soll künftig Anteile an einem Praxissitz erwerben können. Was primär mit der Anstellung beginnt, endet dann oft mit der unternehmerischen Übernahme, nur eben um einige Jahre versetzt, sagte Kreuz. Wer das Risiko minimieren will, kann einen möglichst geringen Anteil erwerben. Wenn er nach einigen Jahren feststellt, dass die Niederlassung wirtschaftlich rentabel ist, kann er seine Anteile aufstocken bzw. die Praxis ganz übernehmen. Die aufgekauften Praxissitze sollen in ein ärztliches Versorgungszentrum, das eine wohnortnahe Versorgung gewährleistet, integriert werden.
Ennenbach gab den Abgeordneten einen Ausblick auf die Zukunft der Krankenkassen. Und die wird übersichtlich: Wenige Krankenkassen mit hoher Marktmacht, auf die Ärzte nach Ansicht Ennenbachs mit Geschlossenheit reagieren müssen. Wir brauchen eine Besinnung auf mehr Geschlossenheit, sagte Ennenbach. Seinen Appell verband er mit der Aufforderung, nicht länger reflexartig auf jede Entscheidung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit Kritik zu reagieren. Dieser Appell kam allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt - denn in der gleichen Sitzung regten sich die Abgeordneten über die neuen Arzt- und Betriebsstättennummern auf. Ennenbach ging aber noch weiter und beschwor auch ein engeres Zusammenrücken von stationär und ambulant - also von Leistungsanbietern, die sich derzeit nicht nur als Kooperationspartner, sondern in manchen Teilbereichen als Konkurrenten empfinden. Warum Ärzte in Praxis und Klinik künftig einheitlicher auftreten sollten, machte Ennenbach an der bevorstehenden Entwicklung im Krankenkassenbereich deutlich. Dort werden nach seiner Erwartung nur drei Kassen mittelfristig die neuen Bedingungen mit Gesundheitsfonds, Verlust der Haushaltsautonomie, neuen Insolvenzregelungen und der neu definierten Rolle des Spitzenverbands der Krankenkassen überstehen. Dies ist nach Ansicht Ennenbachs politisch so gewollt. Denn statt der Länder kommt der Spitzenverband in die Haftung bei Kasseninsolvenzen. Zugleich macht der Spitzenverband Vorgaben an die Kassenarten zur Risikodeckung, kann andere Kassenarten zur Haftung heranziehen und sogar Fusionen Not leidender Kassen anordnen. Dass es zu solchen Situationen kommen wird, steht für Ennenbach außer Frage. Denn wenn die Kassen ab dem kommenden Jahr nicht mehr ihre Beiträge selbst festlegen können, ist es für ihn nur noch eine Frage der Zeit, wann die ersten von ihnen fusionieren müssen. Am Ende dieser Entwicklung stünde ein Kassen-Oligopol, dem Ärzte mit entsprechend hoher Marktmacht gegenüber treten müssten. Dabei wird es nach seiner Meinung auch zu verstärkten Kooperationen zwischen den Regional-KVen kommen. Erneute Änderungen stehen beim Notdienst an. Dr. Hans-Joachim Commentz stellte als Notdienstbeauftragter die Zahlen für das Jahr 2007 vor. Danach ist die Arbeit in den Anlaufpraxen fast zwei Millionen Euro teurer als geplant. Um das Defizit abzubauen, wird das ärztliche Stundenhonorar von 50 Euro in der Nacht ab null Uhr halbiert. Zugleich werden für diese Zeit neue Zuschläge pro Einsatz eingeführt. Wer schlafen kann, verdient also weniger. Wer zu Einsätzen gerufen wird, wird ungefähr auf das gleiche Honorar wie zuvor kommen. Commentz stellte weitere Änderungen in Aussicht, die aber das Gesamtkonzept nicht infrage stellen. Zu Recht, wie Ennenbach klarstellte: Das Konzept ist ein Erfolg. Den erhofft sich die KVSH auch von ihrer neuen Wartezimmer-Plakataktion unter dem Slogan Qualitätsmedizin in Schleswig-Holstein hat ein Gesicht. Dafür können sich die niedergelassenen Ärzte von der KV für ein Plakat in ihrer Praxis fotografieren lassen, wenn sie bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllt haben. Ziel ist es, die Beziehung zwischen Arzt und Patienten damit zu festigen. Die Patienten sollen erkennen, dass sie bei ihrem Arzt in guten Händen sind, heißt es in der internen Projektbeschreibung. Auch die Beziehung zwischen Ärzten und Körperschaft soll mit der Aktion gestärkt werden. Zugleich will sich die KVSH als Gütesiegelgeber und Qualitätsgarant in der Öffentlichkeit bekannt machen. Im Zentrum des Plakats aber steht der Praxisinhaber mit einem Portraitfoto, wahlweise als Einzelperson oder mit einem Patienten. Dazu kann der Arzt mit einem Satz seine Praxisphilosophie beschreiben. Wer sich für das Plakat bewirbt, muss unterschreiben, dass gegen ihn keine Plausibilitäts- oder Wirtschaftlichkeitsprüfung läuft. Dirk Schnack, Postfach 12 04, 24589 Nortorf |
Schleswig-Holsteinisches
S. 23, 24 |
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