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III Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Bundeswehrzentralkrankenhauses
Koblenz
Dermatophyten-Diagnostik
Anne-Marie Ksoll
und Bernhard Sorhage
Zusammenfassung
Krankheiten, die durch Pilze hervorgerufen werden, nehmen in der medizinischen
Praxis einen immer breiteren Raum ein. In diesem Beitrag sollen daher
dem Arzt Grundkenntnisse über die Methoden der medizinisch-mykologischen
Laboratoriumsdiagnostik (insbesondere über die Gewinnung des Untersuchungsmaterials,
die Herstellung und Beurteilung von mikroskopischen Nativpräparaten,
die Anzüchtung von Pilzen auf künstlichem Nährböden)
vermittelt und die unterschiedlichen kulturellen Wachstumsformen sowie
die jeweiligen mikroskopischen Erscheinungsbilder der medizinisch wichtigsten
Dermatophyten kurz beschrieben und optisch dargestellt werden.
Summary
Diseases caused by fungi assume an everbroader space in medical practice.
This article and the ones to follow are designed to give doctors basic
information on the methods of medical-mycological laboratory diagnostics
(especially on how examination material is obtained, how microscopic native
preparations are produced and evaluated, and on the growing of fungi on
artificial cultures). They also give a brief description and illustration
of the different cultural growth forms as well as the respective microscopic
images of skin fungi that are most significant in medical terms.
Gewinnung des Untersuchungsmaterials
Die Erfolgsquote bei der Beurteilung von Nativpräparaten sowie der
Anzüchtung, Isolierung und Identifizierung von Pilzen steht in direktem
Zusammenhang zur richtigen Materialentnahme.
Die Gewinnung des
Untersuchungsmaterials, die durch eine sehr gründliche mechanische
und chemische Oberflächenreinigung mithilfe von sterilen Mulltupfern
und 70%igem Ethyl- oder Isopropylalkohol eingeleitet wird (sog. Pilzherd-Toilette
nach Rieth ), ist jeweils von dem Untersuchungsort des mykoseverdächtigen
Krankheitsherdes abhängig.
Hautschuppen
Die pilzverdächtigen Hautareale werden mit einem Alkoholtupfer von
oberflächlichen Auflagerungen (Anflugkeimen, Krustenbildung und Schmutz)
weitgehend gereinigt. Anschließend werden ca. 40-50 Hautschuppen
(etwa 1mm kleine Teilchen) mit einem stumpfen Skalpell aus der Peripherie
des Herdes entnommen. "In dieser Zone lebhaften Pilzwachstums findet
man junges Mycel, das sich im Präparat besonders gut darstellen lässt."
( Seeliger u. Heymer, S. 14)
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Abb 1: Subunguale
Nagelpilzinfektion
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Abb
2: Oberflächliche Nagelpilzinfektion |
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Nagelmaterial
Man unterscheidet die subunguale und die oberflächliche Nagelpilzinfektion.
Beim subungualen Typ (Abb 1) werden Nagelspäne nach sorgfältiger
Oberflächenreinigung und Entfernung der leicht ablösbaren, bröckeligen
sowie grob veränderten Nagelanteile aus der Tiefe des Nagelbetts
(mit Brocque'-scher Kürette, scharfem Löffel oder Skalpell)
herausgelöst.
Beim oberflächlichen
Typ (Abb 2) sind Nagelspäne von der Nageloberfläche zu gewinnen.
Die Entnahme des Untersuchungsmaterials
(mindestens 20 kleine Nagelteilchen) sollte an Stellen erfolgen, wo krankes
Gewebe unmittelbar an gesundes Gewebe anschließt.
Haare
Bei Verdacht auf Pilzbefall von Kopf- oder Körperhaaren werden nach
sorgfältiger Reinigung der mykoseverdächtigen Areale etwa 20-30
Haarstümpfe einzeln und sehr vorsichtig mittels einer
Epilationspinzette vom Rande der Herde ausgezupft; Haare nicht mit der
Schere herausschneiden.
Mikroskopische
Direktuntersuchung
Für die mikroskopische Direktuntersuchung muss das Nativmaterial
entsprechend vorbehandelt werden.
Die Aufbereitung des
Materials erfolgt mit 10%-, 15%- oder 20%-iger Kalilauge, die eine weitgehende
Mazeration der keratinhaltigen Proben sowie eine Aufhellung der Pilzelemente
bewirkt. Nach einer Einwirkungszeit von etwa 30 bis 60 Min. in der sog.
"feuchten Kammer" sind die Pilzfäden und Sporen in den
Hautschuppen, Nagelspänen und Haaren infolge Auflösung der Hornsubstanz
viel besser zu erkennen.
Zur raschen Orientierung
in der Praxis empfiehlt es sich, an Stelle der Kalilauge eine 10%-ige
Tetraethylammoniumhydroxyd-(TEAH-)Lösung zu verwenden. Durch diese
Lösung wird der
Mazerationsvorgang wesentlich beschleunigt, und die Pilzelemente können
in der Regel schon nach wenigen Minuten im Nativpräparat nachgewiesen
werden.
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Abb 3: Hyphen
im Nativpräparat (stark vergrößert)
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Abb
4: Mosaikfungi im Nativpräparat (stark vergrößert) |
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Die Nativpräparate
werden zunächst bei 10facher Objektivvergrößerung durchmustert.
Findet man eine suspekte Stelle, so ist anschließend eine Untersuchung
bei 40facher Objektivvergrößerung angezeigt.
In der parasitären
Phase ist das Erscheinungsbild im Gegensatz zur saprophytären (conidialen)
Phase extrem vereinfacht und die mikroskopische Beurteilung von Nativpräparaten
beschränkt sich ausschließlich auf den Nachweis von Pilzfäden
(Abb 3) und Sporen.
In den Nativpräparaten
findet man relativ häufig als chemisches Reaktionsprodukt infolge
KOH- oder TEAH-Einwirkung sog. "Mosaikfungi" (Abb 4). Diese
hyphenähnlichen Artefakte können von "Ungeübten"
gelegentlich mit echtem Mycel verwechselt werden.
Das Nativpräparat
sagt nichts über die Pilzart aus. Gewisse Anhaltspunkte erlaubt lediglich
das Wachstum auf Haaren, das endotrich (= im Haar) oder ektotrich (= auf
dem Haar) sein kann.
Zur genauen Differenzierung
benötigt man Kulturen auf speziellen Nährböden. Die Anzüchtung
erfolgt auf festen (Schrägagar-, Reagenzglas- und Petrischalen-Kulturen)
oder flüssigen Nährböden, die eine ausreichende Versorgung
mit organisch gebundenem Kohlenstoff und Stickstoff garantieren.
Pilznährböden
Der Kimmig-Agar ist ein mykologischer Universal-Nährboden, der ein
sehr gutes Wachstum aller Dermatophyten, Hefen (ausgenommen der Pityrosporum-Arten)
und Schimmelpilze ermöglicht.
Durch den geringen
Glucose-Gehalt wird die Bildung charakteristischer Mikrostrukturen der
meisten humanpathogenen Pilze stimuliert.
Der Sabouraud -Glucose-Agar
enthält bis zu 4% Glucose und wird ebenfalls sehr häufig für
die Anzüchtung, Isolierung und Identifizierung der Pilze verwendet.
Dieser Nährboden
fördert auf Grund seines relativ hohen Kohlenhydratanteils die charakteristische
Pigmentbildung sowie das Wachstum der Pilze.
Der Sabouraud -Pepton-Agar
(milieu de conservation) ermöglicht das Aufbewahren der Kulturen
über einen längeren Zeitraum und eignet sich infolgedessen insbesondere
für die Anlegung einer Mykothek.
Der Selektivagar für
pathogene Pilze hemmt das Wachstum zahlreicher Begleitkeime (Schimmel-
und Hefepilze sowie Bakterien) und sollte bei Verdacht auf starke Verunreinigung
des Untersuchungsmaterials parallel zu einem hemmstofffreien Nährboden
(z.B. Kimmig- oder Sabouraud -Glucose 2%-Agar) mitbeimpft werden.
CAVE!
Durch Cycloheximid in den Selektivnährböden kann auch das Wachstum
einer Reihe fakultativ-pathogener Pilze z.B. Candida (C.) glabrata, C.
krusei, C. parapsilosis, C. tropicalis, Cryptococcus
neoformans, Trichosporon cutaneum und Aspergillus fumigatus gehemmt werden.
Der Dermatophyten-Selektivagar
nach Taplin enthält einen Indikator-Farbstoff, der durch intensive
Rotfärbung des Agars auf die Anwesenheit eines Dermatophyten hinweist.
Dieser Selektiv-
Nährboden ist jedoch nicht absolut dermatophytenspezifisch. Einige
keratinophile Schimmelpilze, wie z.B. Scopulariopsis- und Chrysosporiumarten,
können ebenfalls einen Farbumschlag des Indikators bewirken.
Anlegen der Kulturen
Das Nativmaterial wird mittels steriler Öse oder sterilem Impf-Haken
Stück für Stück einzeln auf die Agarplatte in einer Petrischale
verteilt und leicht eingedrückt, damit es guten Kontakt zum Nährboden
hat.
Es sind etwa 20-30
Hautschuppen oder 10-20 kleine Nagelteilchen zu inokulieren und mindestens
10 Haarstümpfe sorgfältig in den Agar einzubetten. Auf Schrägagar
wird das Nativmaterial an 5-6 Stellen im Winkel zwischen Agar und Glaswand
sowie in der Agarmitte verimpft.
Es empfiehlt sich,
von jedem Patienten vier Schrägagar- oder zwei Platten-Kulturen anzulegen.
Wird jeweils nur ein Röhrchen oder eine Petrischale beimpft, so besteht
die Gefahr falsch negativer
Untersuchungsergebnisse.
Um eine Kontamination
durch Luftkeime zu vermeiden, werden die beimpften Kulturplatten mit dem
Deckel nach oben bebrütet.
In der Praxis hat
es sich bewährt, die in den Kulturen wachsenden Pilze makroskopisch
grob orientierend in 1. Dermatophyten (D), 2. Hefen (H) und 3. Schimmelpilze
(S) einzuteilen.
Die Dermatophyten
zeichnen sich immer (ebenso wie die Schimmelpilze) durch Bildung von Luftmycel
aus und sind in der Regel nach 1-3 Wochen Bebrütung bei Zimmertemperatur
von 20-25°C zu identifizieren.
Identifizierung
der Dermatophyten
Die Bestimmung der Dermatophyten erfolgt auf Grund einer Vielzahl charakteristischer
makromorphologischer sowie vor allem gattungs- und artspezifischer mikromorphologischer
Merkmale.
Von diagnostischer
Bedeutung sind Koloniengröße, -form (Oberflächenstruktur,
Faltenbildung, Randbeschaffenheit) und -farbe (Ober- und Unterseite).
Entscheidend für die Abgrenzung (Differenzierung) der Dermatophyten
sind jedoch vor allem die Makro- und Mikroconidien, ferner Sonderformen
des Mycels (Spiral-, Tennisschläger-, "Kammzinken"- und
Bambushyphen,
"Geweih- und Kronleuchterformen") sowie Chlamydosporen.
Die gattungs- und
artspezifischen Mikrostrukturen werden in der saprophytären Phase
(in vitro) gebildet, die oft durch eine Fülle charakteristischer
Formelemente gekennzeichnet ist.
Entsprechend der Form
der Makroconidien unterscheidet man drei Dermatophytengattungen:
1. Gattung Trichophyton
Makroconidien glatt- und überwiegend dünnwandig, 3- bis 8-zellig,
von zylindrischer, länglicher, manchmal gedrungener, gewulsteter
oder unregelmäßiger Form.
Mikroconidien entlang
den Hyphen (Akladiumform) oder in Trauben (Botrytisform), rundlich bis
keulenförmig, meist sehr zahlreich.
2. Gattung Epider
mophyton
Makroconidien glatt- und dünnwandig, 2- bis 4-zellig, keulenförmig,
einzeln entlang den Hyphen angeordnet oder in Büscheln stehend. Es
werden keine Mikroconidien gebildet.
3. Gattung Microsporum
Makroconidien zumeist rauh- und -dickwandig, 4- bis 10-zellig (bei Microsporum
nanum jedoch nur 1- bis 3-zellig), spindelförmig oder ellipsoid.
Mikroconidien entlang
den Hyphen, gelegentlich auch in Traubenform, oval, birnen- oder keulenförmig.
Die Dermatophyten
sind durch das gemeinsame Merkmal der Keratinophilie (Bevorzugung der
Hornsubstanz) gekennzeichnet und verursachen nur Pilzerkrankungen der
Haut, der Haare und
der Nägel, die als Dermatophytosen bezeichnet werden.
Der Lebenszyklus einer
Reihe von Dermatophyten läuft in zwei verschiedenen Phasen ab. Man
unterscheidet eine imperfekte (unvollkommene, vegetative bzw. conidiale)
Form und eine perfekte (vollkommene bzw. ascogene) Form mit sexueller
Fortpflanzung, die für die Einordnung der Pilze in das Ordnungssystem
ausschlaggebend ist.
Nach ihrer ökologischen
Herkunft werden geophile, zoophile und anthropophile Dermatophyten unterschieden.
Gattung Trichophyton
In dieser Gattung sind 22 Arten, darunter die im westlichen Europa am
häufigsten vorkommenden Dermatophyten, Trichophyton rubrum, Trichophyton
interdigitale und Trichophyton mentagrophytes zusammengefasst.
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Abb 5: Trichophyton
ajelloi auf Sabouraud - Glucose-Agar. 15 Tage alte Drillingskultur
mit flacher, pudrig-körniger Oberfläche
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Abb
6: Makroconidien von Trichophyton ajelloi (stark vergrößert)
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Trichophyton ajelloi
Perfektes Stadium:
Arthroderma uncinatum
Makrokultur
Oberseite: gelb, gelbbraun, orangebraun oder braun, mit flacher, samtiger
bis staubig-gipsiger Oberfläche (Abb 5). Unterseite: rotviolett
Mikrokultur
Mikroskopisch charakteristisch für diese Pilzart sind zahlreiche,
relativ lange, dickwandige, zylindrisch-spindelförmige, 4 bis 9fach
septierte Makroconidien (Abb 6).
Mikroconidien sind
zumeist selten, oval bis birnenförmig gestreckt und in Akladiumform
angeordnet.
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Abb 7: Trichophyton
interdigitale auf Sabouraud -Glucose-Agar. 17 Tage alte, weiße
Monokultur mit flaumig-samtiger
Oberfläche
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Abb
8: Spiralhyphen und Mikroconidien von Trichophyton interdigitale (stark
vergrößert) |
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Trichophyton interdigitale
Makrokultur
Oberseite: weiß, von samtiger, flaumigflockiger oder watteähnlicher
Konsistenz (Abb 7). Unterseite: hellbraun bis rotbraun; auch ohne Pigment.
Mikrokultur
Makroconidien sind sehr selten, dünnwandig, zylindrisch-keulenförmig
und 2 bis 4fach septiert.
Mikroconidien sind
vereinzelt bis reichlich vorhanden, rundlich, oval oder birnenförmig,
überwiegend lateral entlang den Hyphen angeordnet, seltener traubenartig
in Haufen vorkommend. Spiralhyphen werden gelegentlich in älteren
Kulturen gebildet (Abb 8).
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Abb 9: 25 Tage
alte Primärkultur von Trichophyton mentagrophytes auf Sabouraud
-Maltose-Agar
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Abb
10: Mikroconidien, Spiralhyphen und Chlamydosporen von Trichophyton
mentagrophytes (Ölimmersion) |
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Trichophyton mentagrophytes
Perfekte Stadien:
- Arthroderma benhamiae
- Arthroderma vanbreuseghemii
Makrokultur
Oberseite: weißlich-cremefarben, mit flacher, fein- bis grobkörniger
Oberfläche (Abb 9). Unterseite: hellbraun bis braunrot.
Mikrokultur
Makroconidien sind selten, dünnwandig, zylindrisch-keulenförmig
und 3- bis 5-zellig.
Mikroconidien
sind sehr zahlreich, rundlich bis piriform und zumeist in Botrytisform
angeordnet.
Typisch für
diese Pilzart ist vor allem das häufige Vorkommen von Spiralhyphen
(Abb 10).
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Abb 11: Trichophyton
mentagrophytes var. asteroides auf Sabouraud -Glucose-Agar. 19 Tage
alte, weiße Reinkultur mit pudrigkörniger Oberfläche
und sternförmig auslaufenden peripheren Hyphenbündeln
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Abb
12: Makroconidie von Trichophyton mentagrophytes var. asteroides (stark
vergrößert) |
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Trichophyton mentagrophytes
var. asteroides*
Makrokultur
Oberseite: weiß, mit flachem, pudrigkörnigem Mycelgeflecht
und sternförmig auslaufenden Hyphenbündeln (Abb 11). Unterseite:
anfangs gelblich, später kupferrot bis rotbraun.
Mikrokultur
Makroconidien sind je nach Stamm in unterschiedlicher Anzahl vorhanden,
dünnwandig, zylinderförmig, mit mehr oder weniger spitz zulaufenden
Enden; die Zahl der Kammern schwankt zwischen 4 und 7 (Abb 12).
Mikroconidien sind
reichlich vorhanden, überwiegend rundlich, entlang den Hyphen oder
in Traubenform angeordnet. Spiralhyphen werden vor allem in älteren
Kulturen sehr zahlreich gebildet.
* Trichophyton mentagrophytes
var. asteroides wurde mit Trichophyton mentagrophytes zusammengelegt.
Trichophyton mentagrophytes
var. quinckeanum
Makrokultur
Oberseite: weiß, von flaumiger oder pudrig-samtiger Konsistenz.
Die Primärkulturen sind meist durch eine ausgeprägte Oberflächenfaltung
gekennzeichnet (Abb 13). Unterseite: anfangs tief gelb, später orange
bis braun.
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Abb 13: Trichophyton
mentagrophytes var. guinckeanum auf auf Kimmig-Agar. 12 Tage alte,
radiär gefurchte Drillingskultur mit weißer, pudrig-samtiger,
dichter Oberfläche
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Abb
14: Makro- und Mikroconidien von Trichophyton mentagrophytes var quinckeanum
(stark vergrößert). |
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Mikrokultur
Makroconidien sind selten, dünnwandig, zylinderförmig, mit abgerundeten
oder spitz zulaufenden Enden und 4- bis 6-zellig.
"Fadenförmige
Mycelfortsätze sind typisch für diese Variante." (Seeliger
u. Heymer, S. 14)
Mikroconidien sind
zahlreich, rund, oval, birnenförmig oder länglich und vorwiegend
in Akladiumform angeordnet (Abb 14).
Trichophyton rubrum
Makrokultur
Oberseite: weißflaumig, mit hutförmig erhabenem Zentrum und
breitem, flachem Rand (Abb 15). Unterseite: gelbrot bis rotbraun; manchmal
mit ringförmig auftretendem Pigment (Abb 16).
Mikrokultur
Makroconidien fehlen (Ausnahme: granulöse Varianten). Mikroconidien
sind zumeist selten, birnen-
oder zapfenförmig und in Akladiumform angeordnet (Abb 17).
Trichophyton schoenleinii
Makrokultur
Oberseite: grau-weiß, vielfältig gewunden, radiär ausstrahlend,
glatt, wachsartig oder mit sehr feinem Flaum bedeckt (Abb 18). Unterseite:
weiß bis hellbraun.
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Abb 18: Trichophyton
schoenleinii auf Kimmig-Agar. 32 Tage alte, weißliche, tief
gefurchte und gefaltete Monokultur mit wachsartiger Oberfläche
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Abb
19: Dichotome Hyphenverzweigung von Trichophyton schoenlleinii (stark
vergrößert)
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Mikrokultur
Makrokonidien fehlen in der Regel. Mikroconidien sind sehr selten, 1-,
2- und 3-zellig; man erhält sie auf feuchten Reiskörnern (vgl.
Seeliger u. Heymer , S. 140). Diagnostisch wegweisend sind dichotome Verzweigungen
(Abb 19), "Geweih- und Kronleuchter"- Hyphen sowie terminale
und intercalare Chlamydosporen.
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Abb 20: Trichophyton
soudanense auf Kimmig-Agar. 30 Tage alte, flache Drillingskultur
mit strahlenförmigem Randsaum
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Abb
21: Gegenläufig wachsende Seitenhyphen von Trichophyton soudanense
(stark vergrößert) |
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Trichophyton soudanense
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Makrokultur
Oberseite: intensiv gelb oder aprikosenfarben, mit knopfartigem Zentrum
und dichter, samtähnlicher, gefurchter Oberfläche. Der Kolonienrand
ist von sehr feinen, strahlenförmig auslaufenden Hyphenbündeln
umgeben (Abb 20). Unterseite: weißgelb bis karottenrot.
Mikrokultur
Makroconidien fehlen. Mikroconidien sind selten, 1- und 2-zellig, überwiegend
birnenförmig und in Akladiumform angeordnet.
Charakteristische
Mikrostrukturen sind Hyphen mit gegenläufigen Seitenverzweigungen
(Crossing-Over- Phänomen) (Abb 21).
Typisch für diese
Pilzart ist außerdem das zahlreiche Vorkommen von Chlamydosporen
und ein frühzeitiger Zerfall der Hyphen in Arthrosporen.
*Trichophyton soudanense
wurde mit Tr. violacceum zusammengelegt
Trichophyton terrestre
Perfekte Stadien:
- Arthroderma quadrifidium
- Arthroderma lenticularum
- Arthroderma insigulare
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Abb 22: Trichophyton
terrestre auf Kimmig- Agar. 7 Tage alte, weiße Drillingskultur
mit grobkörniger bis gipsiger Oberfläche
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Abb
23: Makroconidien, 2- und 3-zellige Intermediärformen und Mikroconidien
von Trichophyton terrestre (stark vergößert; Ölimmersion) |
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Trichophyton terrestre
ist ein weltweit verbreiterter, nahezu apathogener Dermatophyt.
Makrokultur
Oberseite: weißlich-cremefarben, mit feinkörniger bis gipsiger
Oberfläche, die stellenweise von zartem Flaum überzogen wird
(Abb 22).
Intensiver, charakteristischer
Geruch. Unterseite: beige, manchmal gelbbraun bis rotbraun.
Mikrokultur
Typisch für diese Pilzart sind zahlreiche birnenförmige bis
längliche, in Akladiumform angeordnete Mikroconidien, die kontinuierlich
über 2- und 3-zellige Intermediärformen in mehrfach septierte
(4- bis 6-kammerige), dünnwandige, meist zylindrisch-keulenförmige
Makroconidien übergehen (Abb 23).
Andere charakteristische
Mikrostrukturen, wie Spiralhyphen und Chlamydosporen, werden gelegentlich
gebildet.
Trichophyton tonsurans
Makrokultur
Oberseite: am häufigsten weißlich, cremefarben oder schwefelgelb,
mit zentraler zerklüfteter Delle und kurzflaumiger, samt- oder wildlederähnlicher
Oberfläche (Abb 24). Unterseite: rötlichbraun, braun oder mahagonifarben.
Trichophyton tonsurans
tritt in vier verschiedenen Varianten auf, nämlich "crateriforme",
"sabouraudii", "epilans" und "sulfureum".
Mikrokultur
Makroconidien sind selten, dünnwandig überwiegend zylindrisch-keulenförmig
und 2- bis 4-, selten bis 9-zellig (Abb 25).
Mikroconidien sind
sehr zahlreich, von unterschiedlicher Form (z.T. gestielt) und Größe,
lateral entlang den Hyphen oder in einfacher Traubenform angeordnet.
Chlamydosporen (Abb
26) und Spiralhyphen werden ebenfalls gebildet und sind je nach Stamm
und Alter der Pilzkultur in unterschiedlicher Anzahl vorhanden.
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Abb 27: Trichophyton
verrucosum auf Kimmig- Agar. 36 Tage alte, weißlich-cremefarbene,
in der Peripherie leicht bräunliche Monokultur mit samtiger,
gefurchter Oberfläche
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Abb
28: Arthrosporen-Hyphe von Trichophyton verrucosum (stark vergrößert)
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Trichophyton verrucosum
Makrokultur
Oberseite: weiß bis ockerfarben, von fester Konsistenz, gefaltet,
warzenartig oder scheibchenförmig, mit fast glatter Oberfläche
(Abb 27). Unterseite: farblos
Mikrokultur
Makro- und Mikroconidien fehlen in der Regel. Die Bildung von Mikroconidien
kann auf thiaminhaltigem Nährboden stimuliert werden. Typisch für
diese Pilzart sind Arthrosporen-Hyphen (Abb 28) sowie terminale und intercalare
Chlamydosporen, die vor allem in älteren Kulturen sehr zahlreich
gebildet werden.
Trichophyton violaceum
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Abb 29: Trichophyton
violaceum auf Kimmig-Agar. 31 Tage alte Monokultur mit kurzflaumiger,
gefalteter Oberfläche
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Abb
30: Chlamydosporen von Trichophyton violaceum (stark vergrößert)
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Makrokultur
Oberseite: rotviolett, rosa, gelegentlich auch weiß, mit wachs-
oder samtähnlichem, bei pleomorphen Kulturen weißflaumigem,
stark gefaltetem Mycelgeflecht (Abb 29). Unterseite: dunkelviolett.
Mikrokultur
Makroconidien sind sehr selten, dünnwandig, von unterschiedlicher
Form und Größe; die Zahl der Kammern schwankt zwischen 3 und
5.
"Mikroconidien
sind selten, gelegentlich sind sie auf Trypsin- bzw. Thiaminangereichertem
Sabouraud -Dextrose-Agar zu finden." (Seeliger u.
Heymer, S. 14)
Terminale und intercalare,
dickwandige Chlamydosporen sind vor allem in älteren Kulturen sehr
zahlreich vorhanden (Abb 30).
Gattung Epidermophyton
Epidermophyton
floccosum
Epidermophyton floccosum
ist die einzige humanpathogene Pilzart dieser Gattung.
Makrokultur
Oberseite: ocker bis olivfarben, nach 1-2 Wochen treten jedoch weiße,
pleomorphe Flöckchen (flaumige Degeneration) auf der feinfransigen,
samt- oder wildlederähnlichen, zentral gefalteten Oberfläche
auf (Abb 31). Unterseite: beige-braun.
Mikrokultur
Makroconidien sind selten bis zahlreich, glatt- und dünnwandig, keulenförmig,
2- bis 4-zellig, einzeln oder in Haufen vorkommend (Abb 32). Mikroconidien
sind nicht vorhanden. Chlamydosporen werden sowohl terminal als auch intercalar,
vor allem in älteren Kulturen auffällig häufig gebildet
(Abb 33).
Gattung Microsporum
Die Gattung Microsporum umfasst 15 Arten. Von humanmedizinischer Bedeutung
sind insbesondere Microsproum canis, Microsporum audouinii und Microsporum
gypseum.
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Abb 34: Microsporum
audouinii auf Kimmig-Agar. 9 Tage alte, weiße Drillingskultur
mit lockerem, watteähnlichem Luftmycel
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Abb
35: Endständig gebildete Chlamydospore von Microsporum audouinii
(stark vergrößert)
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Microsporum audouinii
Makrokultur
Oberseite: weiß bis weißbräunlich, von samtiger, feinflaumiger
oder watteähnlicher Konsistenz und manchmal angedeutetem radiärfaltigem
Oberflächenprofil (Abb 34). Unterseite: beige, orange oder rötlichbraun.
Mikrokultur
Makroconidien sind selten, dick- und rauhwandig, unregelmäßig
spindelförmig und 1 bis 7fach septiert. Mikroconidien sind ebenfalls
selten, keulenförmig und in Akladiumform angeordnet.
Diagnostisch wegweisend
für diese Pilzart sind Tennisschläger- und "Kammzinken"-
Hyphen sowie vor allem zahlreiche, überwiegend terminal gebildete
Chlamydosporen (Abb 35).
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Abb 36: Microsporum
canis auf Sabouraud-Glucose-Agar. 14 Tage alte, gelblichweiße
Reinkultur mit strahlenförmig auslaufenden Hyphenbündeln
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Abb
37: Makroconidien von Microsporum canis |
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Microsporum canis
Perfektes Stadium:
- Nannizzia otae
Makrokultur
Oberseite: weiß bis orange-gelb, mit flaumig-wolliger, feinstrahliger,
im Zentrum etwas dichterer Oberfläche (Abb 36). Unterseite: gelb,
gelbbraun oder orange.
Mikrokultur
Makroconidien sind je nach Stamm in unterschiedlicher Anzahl vorhanden,
dick- und rauhwandig, spindelförmig und 4 bis 9fach septiert (Abb
37).
Mikroconidien sind
selten, birnen- oder keulenförmig und in Akladiumform angeordnet.
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Abb
38: Microsporum cookei auf Kimming-Agar. 13 Tage alte, weißlich-cremefarbene
Drillingskultur mit pudrig-körniger Oberfläche und feinstrahligem,
schmalem Randsaum
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Abb
39: Makroconidien von Microsporum cookei (stark vergrößert) |
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Microsporum cookei
Perfektes Stadium:
- Nannizzia cajetana
Makrokultur
Oberseite: weißlich-cremefarben bis hellgelb mit flacher, pudrig-körniger
Oberfläche und schmalem, feinstrahligem, oft rötlich pigmentiertem
Randsaum (Abb 38). Unterseite: gelb, gelbbraun oder purpurrot.
Mikrokultur
Microsporum cookei bildet zahlreiche dick- und rauhwandige gedrungen wirkende,
spindelförmige, meist 5- bis 7-, selten 10-zellige Makroconidien
(Abb 39).
Mikroconidien sind in unterschiedlicher Anzahl vorhanden, oval bis birnenförmig
und in Akladiumform angeordnet.
Microsporum gypseum
Perfekte Stadien:
- Nannizzia fulva
- Nannizzia incurvata
- Nannizzia gypsea
Makrokultur
Oberseite: weißgelb, sandfarben oder zimtbraun, mit flacher, anfangs
leicht flaumiger, später jedoch pudrig-körniger bis gipsiger
Oberfläche (Abb 40). Unterseite: gelblich bis rotbraun (Abb 41).
Mikrokultur
Typisch für diese Pilzart sind auffällig viele, sehr breite,
dünn- und überwiegend rauhwandige, spindelförmige, 4 bis
6-zellige Makroconidien, die oft büschelförmig zusammenstehen
(Abb 42).
Mikroconidien sind
selten, oval bis birnenförmig und in Akladiumform angeordnet.
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Abb 43: Microsporum
nanum auf Kimmig-Agar. 19 Tage alte, weiße Monokultur mit
pudriger Oberfläche
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Abb
44: Makroconidien von Microsporum nanum (stark vergrößert).
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Mikrosporum nanum
Perfektes Stadium:
- Nannizzia obtusa
Makrokultur
Oberseite: weiß, manchmal auch hellgelb bis ockergelb, von feinflaumiger
bis pudrig-körniger Konsistenz (Abb 43).
Der Kulturhabitus
ist dem von Microsporum gypseum sehr ähnlich. Unterseite: orange
bis rotbraun
Mikrokultur
Mikroskopisch charakteristisch für diese Pilzart sind zahlreiche,
rauhwandige, relativ kleine, ovale, 1- bis 3-zellige Makroconidien (Abb
44).
Mikroconidien sind
selten, birnen- oder keulenförmig und in Akladiumform angeordnet.
Besonderer Dank gebührt Herrn A.Weidner , Fotograf am Bw.-Zentralkrankenkhaus
KOBLENZ, für die Aufnahmen der Pilzkulturen der in diesem Beitrag
beschriebenen Dermatophyten.
Mit freundlicher
Nachdruckgenehmigung der Wehrmedizinischen Monatsschrift 51 (2007), Heft
8/2007
Anne-Marie Ksoll, Fachlehrerin und Fach-MTA, Dr. med. Bernhard Sorhage,
Oberfeldarzt, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, Abteilung III Dermatologie,
Venerologie und Allergologie, Rübenacher Str. 170, 56072 Koblenz
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