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Mein
Wille geschehe
Sterben in Zeiten der Freitodhilfe
Bibliographische
Angaben: Svenja Flaßpöhler, Wjs-Verlag, Berlin 2007,
158 S., 18,00 Euro, ISBN 9-783-037989-27-3
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Die
Schweizer Freitodhilfeorganisationen Exit und
Dignitas helfen Patienten bei ihrer Selbsttötung. Exit
begleitet im Gegensatz zu Dignitas keine Ausländer. 2006
nahmen 192 Menschen, darunter 118 Deutsche, die Hilfe von Dignitas
für ihren Suizid in Anspruch. Wenn gewisse Bedingungen wie Freiwilligkeit,
geistige Kompetenz und ärztliches Gutachten erfüllt sind, stellt
ein ehrenamtlicher Begleiter Natrium-Pentobarbital bereit, das die Patienten
trinken. Artikel 115 des Schweizer Strafgesetzbuches besagt, dass eine
Suizidhilfe zulässig ist, wenn keine selbstsüchtigen Motive
vorliegen. Die Autorin versucht abzuwägen: Für den Suizid spreche
die Selbstbestimmung, gegen ihn die Liebe zum Leben. Einleitend erzählt
Svenja Flaßpöhler die Geschichte des Suizids. Die Stoiker der
Antike sahen den Freitod bei unheilbarer Krankheit und unerträglichem
Schmerz als gerechtfertigt an. Das Mittelalter war weniger tolerant. Wer
durch Selbsttötung zeitlicher Pein entgehen wolle, meinte
der Kirchenvater Augustin, der falle der ewigen Pein, der Hölle,
anheim. Erst Robert Burton erklärte 1621 in The anatomy of
melancholy, dass der Suizid nicht durch satanische Besessenheit,
sondern durch Melancholie verursacht werde. Einfühlsam stellt die
Autorin Antragsteller auf Beihilfe zum Suizid vor, darunter eine Frau
mit einer schweren klinischen Depression und hartnäckigen Kopfschmerzen.
Depressionen können grundsätzlich geheilt oder gebessert werden.
Trotzdem wird ihr Antrag von Exit angenommen. Sie stirbt mit
der Assistenz eines Freitodbegleiters. Es geht also den Schweizer
Organisationen nicht nur um todkranke Patienten mit therapierefraktären
Beschwerden. Eine 40-jährige Frau hat ein fortgeschrittenes Mammakarzinom.
Sie lehnt weitere Chemotherapie ab. Ihr größter Wunsch war,
schnell zu sterben, weil sie den schmerzhaften Krebstod ihrer Mutter einst
erlebt hat. Obwohl keine quälenden körperlichen Symptome genannt
werden, wird ihr Natrium-Pentobarbital bewilligt. Einer weiteren Patientin
wird Suizidhilfe bei schwerer Osteoporose und Depression gewährt.
Svenja Flaßpöhler will die Freitodhilfe in der Schweiz verstehen
und nicht verurteilen, doch äußert sie Bedenken: Kann
jemand, der in wöchentlichem Rhythmus Menschen beim Sterben begleitet,
den einzelnen Fällen tatsächlich die Aufmerksamkeit und die
Sorgfalt angedeihen lassen, die erforderlich wäre? Wahrscheinlich
will die Autorin mit dem Titel ihres Buches Mein Wille geschehe
auf den Gegensatz zu der Bitte im Vaterunser anspielen, wo
es heißt Dein Wille geschehe. Der Rezensent ist nach
der Lektüre von Idee und Praxis der Schweizer Organisationen nicht
überzeugt, er fühlt sich unwohl. Sicher, es gibt unterschiedliche
Werte: Auf der einen Seite die Selbstbestimmung des Kranken. Auf der anderen
steht die Ehrfurcht vor dem Leben. Sollte nicht alles daran gesetzt werden,
durch palliative und Hospizbetreuung eine gewaltsame Beendigung des Lebens
zu vermeiden und den Patienten von seinem Wert zu überzeugen? So
wichtig die Selbstbestimmung des Kranken gegenüber dem früheren
Paternalismus geworden ist, so muss doch gefragt werden: Gibt es eine
zu schnelle Akzeptierung der Selbstbestimmung zum Tod, ohne dass Alternativen
gründlich und zeitaufwändig mit dem Patienten besprochen werden?
Das Buch ist zu empfehlen, weil es zum Nachdenken über diesen Themenkomplex
anregt.
Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159
Kiel
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Von
der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie
60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn
Bibliographische
Angaben: Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert
Loddenkemper (Hrsg.), Georg Thieme Verlag Stuttgart 2007, 114 Seiten,
49,95 Euro, ISBN 978-3-13-134651-3
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Inhaltsangabe
und kritische Bewertung: Zeitgerecht zum 60. liefert dieser
Band eine umfassende Darstellung zur Geschichte und Bedeutung dieses national
wie international führenden Zentrums für Pneumologie und Thoraxchirurgie.
In acht Abschnitten stellen 33 Autoren die Entwicklung vom Tbc-Notkrankenhaus
zum hochmodernen Kompetenzzentrum Lunge dar. Ergänzt
durch historische Fotos und Tabellen werden alle um die zentralen Disziplinen
Pneumologie und Thoraxchirurgie gruppierten Bereiche detailreich dargestellt.
Zwei Kapitel sind der Tbc und der Not dieser früheren
Volksseuche mit dem Fokus auf Berlin gewidmet. Kapitel drei stellt in
17 Abschnitten eingehend medizinische Abteilungen und Schwerpunkte vor.
Reichliche Quellenangaben machen eine Vertiefung in Einzelaspekte leicht
möglich.
Sonstiges: Die Kapitel Persönlichkeiten und Geschichten liefern
Anekdoten und liebevoll-humorige Skizzen zentraler Persönlichkeiten
und Begebenheiten. Abschnitte über wissenschaftliche Aktivitäten
und eine Standortbestimmung - Wo wir sind ist vorne - folgen
und eine tabellarische Übersicht zur Geschichte des Hauses mit Angaben
wissenschaftlicher Veranstaltungen und Habilitationen schließt den
Band ab. Lediglich die Anästhesie wird nur in verstreuten Einzelsätzen
skizziert. Hier fehlt eine Darstellung, wie sie z. B. für die Endoskopie
und Thoraxchirurgie vorliegen.
Empfehlung: Dieses überaus gelungene Buch kann uneingeschränkt
allen historisch und pneumologisch interessierten Lesern empfohlen werden.
Beispielhaft spiegelt die Geschichte von Heckeshorn den Weg der gesamten
Pneumologie aus der Tuberkuloseära in die Moderne wieder.
Rezensent: Dr. H. J. Klippe, Anästhesist, Pneumologe, Krankenhaus
Großhansdorf, Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie,
Wöhrendamm 80, 22927 Großhansdorf
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 5/2008
S. 46, 51
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