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Bad Segeberg
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Die Abgeordnetenversammlung hat Ihnen mit deutlicher Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Ist das nach den langen Querelen das Votum, das Sie sich beide für eine Fortführung Ihrer Arbeit erhofft hatten oder sind Sie doch enttäuscht, dass Sie nicht alle Abgeordneten überzeugen konnten? Dr. Ingeborg
Kreuz: Wir sind sehr zufrieden mit diesem deutlichen Ergebnis. Dies
ist eine gute Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Toll
wäre es natürlich, wenn wir durch unsere Arbeit so
überzeugen, dass am Ende noch mehr Abgeordnete und natürlich
auch unsere Mitglieder davon überzeugt sind, dass wir die richtigen
Leute am richtigen Ort sind und dass sich die Debatte am Ende gelohnt
hat.
Sie haben vor dem öffentlichen Teil erneut zwei Stunden mit den Kreisstellenleitern hinter verschlossenen Türen diskutiert. Zuvor war die Öffentlichkeit nur unzureichend informiert worden. Die Ärzte haben über die Führungskrise monatelang nur die Ausführungen von Ralf Büchner und Informationen aus der Presse erfahren, während Sie sich selbst einen Maulkorb verpasst haben. Warum das lange Schweigen?
Die Vorwürfe gegen Ralf Büchner waren doch aber durch verschiedene Zeitungsartikel ohnehin bekannt. Wäre in dieser Situation nicht eine offensivere Informationspolitik der KV hilfreich für alle Seiten gewesen? Dr. Ralph Ennenbach: Zumindest für die KV wäre der Schaden wohl noch größer gewesen, wenn wir auf jeden Vorwurf öffentlich reagiert hätten. Was ist daran positiv, wenn man hauptsächlich über die Presse kommuniziert? Wir haben intern alles angesprochen, das war ein steiniger Weg und für unsere Vertragsärzte nicht immer nachvollziehbar, aber leider sehe ich hierzu keine Alternative, auch wenn wir uns mitunter auf die Zunge beißen mussten. Dr. Ingeborg Kreuz: Beim Thema Abrechnung musste die KV genauso handeln wie bei jedem anderen Vertragsarzt auch - wir dürfen uns zu diesem Punkt öffentlich nicht detaillierter äußern. So haben Sie sich die Gelegenheit genommen, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Ralf Büchner wirft Ihnen beiden vor, gezielt nach Unplausibilitäten in seiner Abrechnung gesucht zu haben. Also: Sind Sie tatsächlich - wie von ihm dargestellt - in den KV-Keller gestiegen, um Belastungsmaterial zu sammeln? Dr. Ingeborg Kreuz: Nein, das sind wir nicht. Eine Kombination von Ereignissen hat uns gezwungen, Büchners Abrechnung zu prüfen; Herr Büchner hatte uns bis dato getrennt unterrichtet, dass Probleme mit Blick auf die Wirtschaftlichkeitsprüfung bestünden. Ein orientierender Blick auf Standardinformationen warf für uns zwar Fragen auf, ausschlaggebend war jedoch eine dem Vorsitzenden der Abgeordnetenversammlung vorliegende schriftliche Erklärung von Herrn Büchner, im fraglichen Zeitraum praktisch ausschließlich in der KV und nicht in seiner Praxis tätig gewesen zu sein. Das war der Ausgangspunkt der internen Prüfungen, deren Ergebnis die Abgeordnetenversammlung im Februar zur Kenntnis nahm. Der andere Streitpunkt betrifft den Umgang Büchners mit Ihnen und mit den Mitarbeitern - eine weitere Zusammenarbeit war offenbar nicht möglich. Wieso waren Sie nicht in der Lage, eine Eskalation zu verhindern? Dr. Ralph Ennenbach: Wenn Mitarbeiter unter Vorgesetzten leiden, äußern sie dies mit dem Wunsch nach Anonymität. So haben sich Mitarbeiter an uns mit der Bitte um Rat gewandt. Dies ist seit dem vierten Quartal 2006 häufiger der Fall gewesen. Ich habe Herrn Büchner noch in meiner Funktion als Hauptgeschäftsführer auf solche Probleme angesprochen. Er verlangte, Ross und Reiter zu nennen. Als ich das abgelehnt habe, hat er weitere Gespräche zu diesem Thema verweigert. Dr. Ingeborg Kreuz: Wir haben zunächst gehofft, die Probleme vorstandsintern lösen zu können. Vielleicht hätten wir Herrn Büchner die Konsequenzen seines Stils noch deutlicher aufzeigen müssen und auch sagen müssen, zu welcher Konsequenz wir letzten Endes bereit sind. Speziell zum Klima im Umgang mit Mitarbeitern wurde der Personalratsvorsitzende in der internen Abgeordnetenversammlung befragt. Herr Büchner hat Mitarbeiter so massiv unter Druck gesetzt, dass sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben mussten. Wie teilen Sie sich jetzt die Aufgaben, die zuvor Ralf Büchner wahrgenommen hat? Dr. Ralph Ennenbach: Wir wollen Schwerpunkte bilden. Meiner gilt der Vertragsarbeit und Frau Kreuz kommt der berufspolitische Part zu. Wir versuchen, das Fehlen eines Vorstandsmitglieds durch noch mehr Teamarbeit und durch Delegation auf leitende Mitarbeiter zu kompensieren. Die KV Schleswig-Holstein ist auf dieser Ebene sehr kompetent besetzt - wir sehen keine Probleme, in dieser Konstellation weiterzuarbeiten. Welche Themengebiete stehen bei Ihnen auf der Agenda? Dr. Ingeborg Kreuz: Vorrangig bleibt das Ziel einer flächendeckenden und wohnortnahen Versorgung. Und dafür ist die Politik durch uns zu verpflichten, die erforderlichen Ressourcen bereitzustellen. Kurzfristig müssen wir die ausstehenden Verträge unter Dach und Fach bringen. Dr. Ralph Ennenbach: Dazu kommt das Megathema Honorar 2009. Die in Aussicht gestellte Honoraranpassung von mindestens 2,5 Milliarden Euro zeigt, dass das Thema Untervergütung in der Politik angekommen ist. Wir müssen bei dieser Anpassung die berechtigten Interessen der schleswig-holsteinischen Ärzte und Psychotherapeuten vertreten. Schließlich geht es bei der zentralistischen Reform auch darum, regionale Spielräume zu bewahren. Was ist mit der Ärztegenossenschaft? Die einstige Parallelorganisation hat sich immer mehr zu einem Konkurrenten entwickelt. Werden Sie auf die Genossen zugehen, um eine neue Grundlage der Zusammenarbeit zu finden? Dr. Ingeborg Kreuz: Wir streben in der Tat eine völlig neue Art der Zusammenarbeit an, die den Gründungsgedanken der Genossenschaft wieder in den Mittelpunkt rückt. Demzufolge wird die Ärztegenossenschaft insbesondere dort tätig, wo die KV nicht kann oder will. Hier sehe ich sehr konkrete und interessante Handlungsfelder für die Genossenschaft, auf denen sie ihr Potenzial auch unter Beweis stellen kann. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 29-31 |
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