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Bad Segeberg
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| Kammerversammlung
09.04.2008 Ärztemangel droht Dirk Schnack Der 111. Deutsche Ärztetag ab 20. Mai in Ulm warf seine Schatten voraus: Schon die Kammerversammlung am 9. April in Bad Segeberg beschäftigte sich mit dem Arztbild der Zukunft und der Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Damit sich die neun Delegierten aus Schleswig-Holstein in der Diskussion um das im Vorwege mehrfach geänderte Ulmer Papier auf ein breites Meinungsbild aus der Kammerversammlung stützen können, wurden einzelne Passagen des Papiers in Bad Segeberg beraten. Wie nötig diese Überarbeitung war, machte Kammerpräsident Dr. Franz Bartmann klar. Nach seinen Angaben war die bis Ende März gültige Version des Papiers nämlich ein Konglomerat aus bekannten fundamentalistischen Positionen durchsetzt von in der Tat für ärztliche Autorenschaft revolutionären Vorschlägen zu strukturellen Änderungen und Finanzierungsfragen des Gesundheitswesens. Die Delegierten für den Ärztetag erhielten während der Kammerversammlung aber nicht nur ein Meinungsbild der Kammerabgeordneten zu Fragen zur Rolle von Staat, Markt und Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, sondern auch detaillierte Daten zur Situation in den Krankenhäusern und in den Praxen. Vizepräsidentin Dr. Hannelore Machnik stellte den Kammerabgeordneten die Ergebnisse einer Umfrage in schleswig-holsteinischen Krankenhäusern vor. Danach sind kommunale, private und kirchliche Häuser vom drohenden Ärztemangel gleichermaßen betroffen. Die Landesvorsitzende des Marburger Bundes hatte 32 Krankenhäuser befragen lassen, von denen 18 Kliniken geantwortet haben. Von Problemen, frei werdende Stellen wieder zu besetzen, berichteten die Krankenhäuser besonders in der Inneren Medizin, in der Radiologie, Strahlentherapie und Anästhesie. Geringere Probleme gibt es laut Umfrage in der Allgemeinmedizin, Chirurgie, Gynäkologie, Urologie und Neurologie. Nicht länger ausgenommen von den Problemen sind nach Angaben Machniks Kliniken im Hamburger Umland, die wegen ihrer Nähe zur Metropole einen Standortvorteil für Bewerbungen junger Ärzte haben. Als Gründe für den ausbleibenden ärztlichen Nachwuchs wurden fehlende strukturierte Fort- und Weiterbildung, überbordende Dokumentationsaufgaben, Belastungen durch nicht ärztliche Aufgaben, fehlende Unterstützung und Begleitung bei Problemen des klinischen Alltags, unkalkulierbare Arbeitszeiten, hohe Belastungen durch Bereitschafts- und Rufdienste, schlechtes Betriebsklima, steile Hierarchien, mangelnde Wertschätzung der ärztlichen Leistung und zu wenig Arztsein genannt. Solange diese Bedingungen unseren Berufsalltag prägen, werden wir zunehmend Probleme mit unserem ärztlichen Nachwuchs bekommen und den Ärzteexodus aus den Kliniken beschleunigen, warnte Machnik. Deutlich wurde, dass selbst Kliniken, die aktuell noch keine Probleme bei der Stellenbesetzung haben, mit Sorgen in die Zukunft blicken. Denn auch diese Häuser berichten von deutlich rückläufigen Bewerbungen. Für Optimismus besteht nach Ansicht Machniks denn auch kein Grund. Tatsache ist, dass weniger approbierte Ärzte die Universitäten verlassen, sagte Machnik. Sie verwies auf eine Abbrecherquote von 28 Prozent im Medizinstudium und demotivierende Erfahrungen im praktischen Jahr. Als Vorbild nannte sie Häuser, die gezielt mit Aufwandsentschädigungen und einer ausgefeilten strukturierten Ausbildung locken, und kritisierte zugleich: An den Unikliniken in Schleswig-Holstein sind solche Anstrengungen nicht zu erkennen.
Die Umfrage bestätigte
auch die zuvor getroffene Einschätzung des Präsidenten, dass
nicht allein finanzielle Gründe für die Unzufriedenheit deutscher
Ärzte verantwortlich sind. Nicht alle Kolleginnen und Kollegen,
die ins Ausland gehen, tun dies wegen der momentan dort höheren Einkommenserwartung,
stellte Bartmann fest. Höhere Einkommen als in Deutschland erzielten
die Ärzte zwar in England und in der Schweiz, doch auch in diesen
Ländern sei kein konfliktfreies Arbeiten möglich, gab Bartmann
zu bedenken. Als Beispiele nannte er typische Fremdarbeiterressentiments,
denen sich ausländische Arbeitnehmer in vielen Ländern ausgesetzt
sehen. Dass immer mehr Ärzte dennoch das Arbeiten in fremden Ländern
vorziehen, stimmte nicht nur Bartmann nachdenklich. Auch Daten aus dem
niedergelassenen Bereich lassen vermuten, dass die Rahmenbedingungen für
die ärztliche Tätigkeit nicht stimmen. Bianca Hartz und André
Zwaka von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein berichteten,
dass derzeit 750 der insgesamt 4 500 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten
in Schleswig-Holstein an einer Übergabe ihrer Praxis interessiert
sind. Dieser hohe Anteil resultiert aus dem geringen Anteil junger niedergelassener
Ärzte. Über 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte sind
älter als 50 Jahre, über 20 Prozent gar älter als 60 Jahre.
Doch nicht nur fehlende Ärzte, auch die herkömmlichen Regeln
der Bedarfsplanung erschweren eine gleichmäßige Versorgung,
wie Zwaka und Hartz deutlich machten. Ein Beispiel: Die ambulante chirurgische
Versorgung im Kreis Ostholstein. Dort ist der Planungsbereich mit einem
Versorgungsgrad von 421 Prozent gesperrt. Nach diesen Zahlen muss
man davon ausgehen, dass alle Bewohner eine optimale chirurgische Versorgung
erhalten, sagt André Zwaka von der KV. Erst ein genauerer
Blick auf die Zahlen zeigt, dass trotz des hohen Versorgungsgrades Probleme
bestehen. Denn gleich sechs niedergelassene Chirurgen haben ihre Praxis
in Bad Schwartau, also am untersten Zipfel des Kreises. In vergleichbaren
Städten wie etwa Eutin oder Neustadt ist dagegen nur ein Chirurg
niedergelassen - die Versorgung ballt sich also im südlichsten Zipfel
des Kreises. Wenn jetzt außerhalb Bad Schwartaus Chirurgen ihre
Praxis aufgeben, könnte es trotz eines hohen Versorgungsgrades zu
Engpässen kommen.
Mit einer kleinteiligeren
Bedarfsplanung, die den KVen durch ein Programm der Kassenärztlichen
Vereinigung ermöglicht wird, können inzwischen kleinere Versorgungsbereiche
analysiert und so verzerrte Eindrücke über kreisweite Versorgungsgrade
korrigiert werden. Auch neue Parameter wie etwa durchschnittliche Wegezeit
zum nächsten Arzt, Morbiditätsrisiken der Einwohner einer Region
und Zahlen zur demografischen Entwicklung fließen in die Analyse
ein.
Erfreulicher als die
Arztzahlanalysen fielen die Berichte über die Haushaltsabschlüsse
für 2007 in den Kammereinrichtungen und beim Versorgungswerk aus.
Dr. Hans Köhler, Vorsitzender des Finanzausschusses präsentierte
die Zahlen für Ärztekammer, Akademie und Edmund-Christiani-Seminar
(ECS). Der Kammerhaushalt schließt bei einem Volumen von 6,5 Millionen
Euro mit einem Überschuss von 360 000 Euro ab. Das positive Ergebnis
resultiert in erster Linie aus zwei außerordentlichen Einnahmen,
nämlich der Auflösung einer Pensionsrückstellung und der
Kostenerstattung der Bundesärztekammer für Programmierarbeiten
durch die Segeberger EDV-Abteilung. Hinzu kamen steigende Einnahmen aus
den Beiträgen. Bei der Akademie konnte der Fehlbetrag aus dem Vorjahr
mit nun rund 86 000 Euro halbiert werden. Ein Ergebnis, hinter dem
mehr Arbeit, Kreativität und Engagement steckt als viele vielleicht
vermuten werden, gab Köhler zu bedenken. Mit der bereits beschlossenen
Erhöhung des Kammerzuschusses sieht er künftig auch die Akademie
auf einem guten Weg zur Stabilisierung der Finanzen. Eine
Punktlandung gelang beim ECS, wo die Aufwendungen 0,26 Prozent
unter und die Erträge 1,5 Prozent über dem Haushaltsvoranschlag
lagen. Im Ergebnis gelang ein Überschuss von rund 35 000 Euro. Die
Versorgungseinrichtung der Ärztekammer Schleswig-Holstein erzielte
im vergangenen Jahr mit ihren Kapitalanlagen eine durchschnittliche Verzinsung
von sechs Prozent. Insgesamt erreichten die Kapitalanlagen einen Wert
von über zwei Milliarden Euro, wie Dr. Dr. jur. Michael Steen als
Vorsitzender des Verwaltungsrates der Versorgungseinrichtung berichtete.
Dabei wurde ein Vermögensertrag von insgesamt 117,7 Millionen Euro
erzielt, womit das Vorjahresergebnis um zwei Prozent überschritten
wurde. Die Bilanzsumme stieg um 7,9 Prozent auf 2,119 Milliarden Euro.
Zugleich wurde aber auch mehr Geld für Versorgungsausgaben benötigt
- insgesamt 105,5 Millionen Euro (plus 5,1 Prozent). Die Zahl der Versorgungsempfänger
stieg auf 1 718 (plus zehn Prozent). Die meisten von ihnen (1 571) erhalten
Altersruhegeld. Außerdem zahlt das Versorgungswerk 665 Witwengelder,
147 Renten wegen Berufsunfähigkeit und Leistungen für 567 Kinder.
Die Zahl der Mitglieder stieg um vier Prozent auf 13 707 Ärzte (davon
11 989 Anwartschaften). Die Verwaltungsausgaben der Versorgungseinrichtung
liegen unverändert bei 0,8 Prozent. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 25-27 |
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