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Kassenärztliche
Vereinigung S.-H.
Suche nach einem Ausweg
Dirk Schnack
Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) sucht nach
einem Ausweg aus der Führungskrise - ohne den bisherigen KV-Vorsitzenden
Ralf Büchner, von dem man sich Mitte März einvernehmlich trennte.
Die weitere Ausrichtung der KVSH steht in erneut nicht-öffentlicher
Sitzung am 16. April auf der Tagesordnung der Abgeordnetenversammlung,
deren Mitglieder im Laufe der Führungskrise selbst in die Kritik
gerieten.
Das Vertrauensverhältnis war so zerrüttet, dass eine weitere
Zusammenarbeit mit Herrn Büchner nicht mehr möglich war. Das
gilt für die Abgeordnetenversammlung, für den Vorstand und die
Mitarbeiter im Hause, sagte Dr. Jochen-Michael Schäfer am Abend
nach der einvernehmlichen Trennung in Bad Segeberg. Die Entscheidung war
erst nach stundenlanger Klausur und unter den Augen von drei Vertretern
der Aufsicht gefallen. Einen Tag später informierte der Vorsitzende
der Abgeordnetenversammlung in Kiel die Öffentlichkeit über
Hintergründe und Modalitäten der Trennung.
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| Dr.
Joachim Pohl |
Dr.
Thomas Maurer |
Ralf
Büchner (Fotos: di) |
Ziel sei es gewesen,
weiteren Schaden von der KVSH abzuwenden, begründete
Schäfer die Entscheidung. Schaden drohte, weil die erforderliche
Zweidrittelmehrheit für eine Abwahl des Vorsitzenden als unsicher
galt. Ohne die einvernehmliche Trennung hätte Büchner dann schwer
angeschlagen im Amt bleiben können, obwohl zuvor schon 17 Abgeordnete
kein Vertrauen mehr zu dem KV-Vorsitzenden hatten. Der Landarzt aus Klanxbüll
erhält von der KVSH ein Übergangsgeld in einer Gesamthöhe
von unter 160 000 Euro, das gestaffelt ausgezahlt wird und etwa der Höhe
des restlichen Jahresgehalts entspricht. Schäfer machte deutlich,
dass die festgestellten Unregelmäßigkeiten in Büchners
Abrechnung nicht der Hauptgrund für die Trennung gewesen waren. Ausschlaggebend
sei das fehlende Vertrauen von Vorstandskollegen, Abgeordneten und Mitarbeitern
in Büchner gewesen. Ein Miteinander war nicht mehr möglich,
stellte Schäfer fest. Damit machte die KV erstmals öffentlich,
dass Büchners Arbeitsstil bei Mitarbeitern der KVSH auf Irritationen
gestoßen war. Zu diesem Punkt war auch die Personalvertretung des
Hauses in der nicht-öffentlichen Abgeordnetenversammlung befragt
worden. Spätestens danach war klar, dass ein Schlussstrich
gezogen werden muss, sagte ein Abgeordneter. Büchner hatte
zuvor noch versucht, das Verhältnis durch Gespräche mit Mitarbeitern
zu verbessern. Büchner selbst sieht sich als Opfer, in erster Linie
seiner beiden Vorstandskollegen Dr. Ingeborg Kreuz und Dr. rer. nat. Ralph
Ennenbach. Büchner wirft den beiden wie berichtet vor, gezielt nach
Unregelmäßigkeiten in seiner Abrechnung gesucht zu haben. Auch
Schäfer wirft Büchner Parteilichkeit vor.
Ob der abgetretene KV-Chef nun Täter oder Opfer war, darüber
gingen die Meinungen in der schleswig-holsteinischen Ärzteschaft
auch in den Wochen nach der Trennung auseinander. Die infolge der nicht-öffentlichen
Sitzungen entstandene Intransparenz erschwerte den Ärzten das Urteil.
Auch unter den Kreisstellenvorsitzenden der KVSH herrschte hierzu kein
klares Bild. Nach Ansicht des nordfriesischen Kreisstellenleiters Dr.
Thomas Maurer hat sich die Abgeordnetenversammlung als unfähig erwiesen,
die Führungskrise zur Zufriedenheit der Ärzte zu lösen.
Er hält deshalb einen Rücktritt der 30 Abgeordneten für
eine logische Konsequenz. Dr. Joachim Pohl, Kreisstellenvorsitzender
aus Plön, unterstützt ihn. Die Mehrheit der Abgeordneten
hat sich vor den Karren der Büchner-Kritiker spannen lassen und Beschlüsse
gefasst, die ich nicht teile. In meinen Augen haben sie sich disqualifiziert,
sagte Pohl. Die Kreisstellenvorsitzenden aus Flensburg und Schleswig-Flensburg,
Dr. Wolfgang Barchasch und Dr. Hans-Joachim Commentz, verteidigen dagegen
die Abgeordneten. Den Abgeordneten ist kein Vorwurf zu machen. Sie
haben verantwortungsvoll gehandelt und sich die Zeit genommen, die man
für solch eine weit reichende Entscheidung braucht, sagte Commentz.
Barchasch warnte vor einer mit dem Rücktritt der Abgeordneten verbundenen
Handlungsunfähigkeit der Körperschaft. Er kann in der Arbeit
der Abgeordneten keine Fehler entdecken. Problematisch sieht er nur den
langen Prozess bis zur einvernehmlichen Trennung von Büchner. Das
hat sich zu lange hingezogen, sagte Barchasch.
Als Grund für die Unzufriedenheit in den Kreisen vermuten Barchasch
und Commentz, dass die Abgeordnetenversammlung ihre Entscheidungen in
der Führungskrise unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen
musste. Dies bestätigte auch Schäfer, der die Kreisstellenleiter
aber soviel wie möglich einbinden möchte - etwa in der aktuellen
Sitzung zur strategischen Ausrichtung der KV. Die Klausurtagung findet
unter Beteiligung der Kreisstellenvorsitzenden statt. Aber bei den
Themen Personal und Finanzen geht das nicht - dafür haben wir die
Abgeordneten als Aufsichtsgremium, betonte Schäfer. Dass an
der Basis kein Verständnis für die internen Vorgänge in
der Körperschaft herrscht, verwundert Schäfer nicht: Der
normale Vertragsarzt kann gar nicht anders als böse sein, sagte
Schäfer.
Dirk Schnack, Postfach 12 04, 24589 Nortorf
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 4/2008
S. 22, 23
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