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Laparoskopisches
Training: Leistenhernien leicht gemacht
Friedrich Kallinowski, Frank von Feldmann, Thomas Eibisch
Mehrere Jahre nach Einführung der Technik hat sich die laparoskopische
Hernienchirurgie endgültig etabliert (Bittner et al., 2006). Als
Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie gelten: weniger Schmerzen, geringere
Beeinträchtigung der Lungenfunktion, raschere Mobilisation, günstigere
Kosmetik. Die Nachteile der laparoskopischen Verfahren liegen im Wesentlichen
auf technischem und ökonomischem Gebiet. Allerdings wünscht
etwa die Hälfte der Patienten diese Versorgung, sodass das Angebot
einer minimal-invasiven Versorgung mit einem erhöhten Zuspruch einhergeht.
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| Abb. 1 |
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| Abb. 2 |
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| Abb. 3 |
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| Abb. 4 |
Die minimal-invasiven
Eingriffe sind operationstechnisch anspruchsvoller und benötigen
eine längere Lernkurve (Wojtyczka et al., 2003). Folgerichtig wurden
verschiedene Trainingssysteme entwickelt: Simulatoren mit Modellen virtueller
Realitäten, Präparationen menschlicher Kadaver und narkotisierte
Tiere (Giger et al., 2007, Schlegelmilch et al., 1999, Sun et al., 2007).
Diese Ansätze sind zum Teil sehr teuer, technisch oder organisatorisch
sehr aufwändig oder in der Zahl der verfügbaren Präparationen
begrenzt. Am Westküstenklinikum Heide wurde daher der Ansatz perfundierter
Organsysteme im Hinblick auf Leistenhernien-Präparationen weiterentwickelt.
Perfundierte Organsysteme wurden bereits mit großem Erfolg unter
anderem auf dem Chirurgenkongress zum Training von viszeralchirurgischen
Operationen eingesetzt. Ein Hernienmodell fehlte bislang.
Wo liegen die Probleme bei der laparoskopischen Hernioplastik?
Im Wesentlichen ist das Vorgehen durch ein Arbeiten auf begrenztem Raum
ohne direkten manuellen Kontakt zu den Strukturen bei fehlender dreidimensionaler
Darstellung geprägt. Dies trifft für alle endoskopischen Operationsverfahren
zu. Eingriffe an der Gallenblase, am Magen-Darmtrakt und am inneren weiblichen
Genitale lassen sich im Pelvitrainer simulieren, da nicht notwendigerweise
der gesamte Übungskörper (Schwein) in den Pelvitrainer verbracht
werden muss, sondern lediglich das zu therapierende Organpaket (Leber
mit Galle, Magen mit Ösophagus, Magen-Darm-Konvolut etc.) im Pelvitrainer
platziert werden kann. Durch einen Anschluss an eine Pumpe kann auch noch
eine Organperfusion und damit eine annähernd realistische Situation
geschaffen werden.
Bei Operationen an der Bauchwand ist dies nur schwer möglich, da
es einerseits wichtig ist, die Bauchwand in ihrer Gesamtheit zu erhalten,
um die einzelnen Schichten nicht zu zerstören und es andererseits
nicht möglich ist, einen vollständigen Kadaver in einen Pelvitrainer
zu platzieren. Es existieren Trainingskurse, bei denen ganze Schweine
narkotisiert und anschließend operiert werden. Abgesehen von Fragen
des Tierschutzes ist dies insbesondere mit hohen Kosten verbunden, um
die verständlicherweise hohen Auflagen insbesondere der Hygiene zu
erfüllen.
Die Arbeitsgruppe Laparoskopisches Training der Klinik für
Viszeral- und Gefäßchirurgie des Westküstenklinikums in
Heide hat sich im Rahmen des halbjährlich stattfindenden Laparoskopie-Trainingskurses
die Frage gestellt, wie man das Arbeiten auf engem Raum simulieren kann,
um die Präparation der Schichten, die Platzierung der Netze und ggf.
die Peritonealnaht realitätsnah zu üben.
Zunächst wurden in einer speziellen Technik Beckenpräparate
so erstellt, dass sie in einen speziell vorbereiteten Pelvitrainer passen.
(Abb. 1)
Die Entwicklung erforderte die Anpassung des handelsüblichen POP-Trainers,
d. h. die Bodenplatte musste entfernt und der Behälter so umgebaut
werden, dass eine Aufspannung der belassenen Bauchdecke möglich ist.
(Abb. 2)
Anschließend wurden, ausgehend von der mehrschichtigen Anatomie
des porcinen Pelvis, auf jeder Seite der Bauchwand je zwei Einbaumöglichkeiten
für Netze eröffnet. (Abb. 3)
Die Präparationen erlaubten äußerst wirklichkeitsnah das
Üben der TAPP-Technik. (Abb. 4)
Zur Evaluation der Akzeptanz wurde die Likert-Skala der Schweizer Kollegen
modifiziert (Giger et al., 2007). In der Umfrage unter den Teilnehmern
des laparoskopischen Trainingskurses PROCON in Heide ergab sich, dass
alle Teilnehmer diesen Kursteil mit gut und sehr gut
bewertet haben. (Abb. 5)
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| Abb.
5 |
In der Entwicklung
der Technik wurden frische und tiefgefrorene, aber wieder aufgetaute Präparationen
verglichen, ohne dass ein signifikanter Unterschied in dem Handling der
Präparate feststellbar war.
Zukünftig soll versucht werden, das Modell auch für die Übung
der TEP-Technik einsetzbar zu machen. Bei allen Anstrengungen ist die
Entwicklung der virtuellen Realität aufmerksam zu beobachten. Bislang
bietet allerdings einzig der Einsatz isoliert-perfundierter Präparate
eine vergleichsweise einfache Trainingsmöglichkeit. Patienten haben
somit den Vorteil, dass neue Techniken zunächst erprobt werden können.
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Laparoskopischer
Trainingskurs
(PROCON)
am 26. und 27. Mai 2008
im Bildungszentrum für Berufe im
Gesundheitswesen, Esmarchstr. 50, 25746 Heide/Holstein.
Veranstalter: Klinik für Visceral- und Gefäßchirurgie,
Westküstenklinikum Heide/Holstein
Kontakt: Angelika Nicol, Tel. 0481/ 785-2901, E-Mail anicol@wkk-hei.de
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Prof. Dr. Friedrich Kallinowski, Dr. Frank von Feldmann, Thomas Eibisch,
Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie, Westküstenklinikum
Heide, Esmarchstraße 50, 25746 Heide
Literatur
- Bittner R, Leibl
B, Ulrich M. Chirurgie der Leistenhernie. Karger, Basel, 2006
- Giger U, Fresard
I, Häflinger A, Bergmann M, Krähenbühl L. Laparoscopic
training on Thiel human cadavers: A model to teach advanced laparoskopic
procedures. Surg Endosc 10, New York 2007
- Schlegelmilch U,
Koch A, Gastinger I, Arnold W. Endoskopische Spondylodese des lumbosakralen
Überganges. Arthroskopie 12: 88 - 91, 1999
- Sun LW, Van Meer
F, Schmid J, Bailly Y, Thakre AA, Yeung CK. Advanced da Vinci Surgical
System simulator for surgeon training and operation planning. Int J
Med Robot 3: 245 - 251, 2007
- Wojtyczka N, Wente
MN, Wenning M, Kozianka J, Walesczek H. Chirurgen lernen Lernen. Chirurg
74(4): 353-9, 2003
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 3/2008
S. 62-64
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