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Ärztekammer Schleswig-Holstein
20 Jahre Internat Lohmühle des Edmund-Christiani-Seminars
Karl-Werner Ratschko, Hans-Werner Buchholz
Am 11. Januar 1988
wurde das Internat Lohmühle der Ärztekammer in der Kurhausstraße
in Bad Segeberg in Betrieb genommen.1 Damit ging eine Zeit
mühseliger Improvisationen mit großen Belastungen für
die Auszubildenden, aber auch die Lehrarzthelferinnen der ersten
Stunde zu Ende. Die Ärztekammer hatte zum 1. August 1986 eine
überbetriebliche Ausbildung für Arzthelferinnen in Bad Segeberg
eingerichtet und auch mit den Unterweisungen der Auszubildenden begonnen.
Die dazugehörigen Unterkunftsmöglichkeiten fehlten jedoch noch
und mussten erst durch den Bau eines Bettenhauses, später Internat
Lohmühle genannt, geschaffen werden.
1985 war
eine neue Ausbildungsordnung für den Beruf der Arzthelferin erlassen
worden, mit der zum einen die Ausbildungszeit von zwei auf drei Jahre
erhöht, zum anderen die Ausbildungsinhalte präzisiert und verbindlich
vorgeschrieben worden waren. Das Spektrum der Aufgaben von Arzthelferinnen
hatte sich in den Siebzigerjahren durch eine Modernisierungswelle in den
Arztpraxen deutlich verändert, die bislang eher unter direkter Anleitung
und Aufsicht arbeitenden Helferinnen erhielten mehr und mehr
Verantwortung.
Die fachliche Spezialisierung machte es vielen Arztpraxen fast unmöglich,
die vollständige Ausbildung zur Arzthelferin allein durchzuführen.
Der Austausch von Auszubildenden zwischen verschiedenen Praxen konnte
zwar Abhilfe schaffen, war jedoch wenig praktikabel und bei genauer kaufmännischer
Analyse oft auch zu kostspielig. Eingearbeitete Auszubildende hatten ihren
Wert im Praxisteam und wurden nur ungern abgegeben. Hieraus ergab sich
die Begründung für die Einrichtung der überbetrieblichen
Ausbildung in Bad Segeberg durch die Ärztekammer. In möglichst
kurzer Zeit sollten diejenigen Inhalte, die in vielen Arztpraxen nur schwer
oder gar nicht vermittelt werden konnten, in einer gut ausgestatteten
Ausbildungsstätte durch professionell arbeitende Lehrarzthelferinnen
vermittelt werden.2
Noch provisorisch begannen am 10. November 1986 die Unterweisungen. Vorgesehen
waren pro Ausbildungsjahr fünf Tage mit insgesamt 44 Unterweisungsstunden
in Bad Segeberg. Der normale Arbeitstag umfasste für
die Auszubildenden von Dienstag bis Donnerstag acht Zeitstunden entsprechend
zehn Schulstunden Unterweisungen, Montag und Freitag waren
wegen der An- und Abreise verkürzt. Die Unterbringung in Bad Segeberg
war noch nicht möglich. Soweit nicht der kostenaufwändige Weg
eines täglichen Bustransfers gewählt wurde, waren die Auszubildenden
in einer Jugendherberge untergebracht. Sowohl Bustransfer wie auch die
mehr provisorische Unterbringung konnten nur ein Notbehelf sein, da die
Belastungen der Auszubildenden durch die Unterweisungen nicht unerheblich
waren.
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| Das
Service-Team der Ärztekammer Schleswig-Holstein (Foto: Br) |
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Für die Ausbildungsstätte
wurden Unterweisungsräume und Unterbringungsplätze benötigt.
Die Unterweisung konnte in Kellerräumen der Kammer durch Umbau eingerichtet
werden, der übrige Teil fand Platz im Erdgeschoss des in der Kurhausstraße
96 in Bad Segeberg geplanten Bettenhauses. Gespräche mit dem Bundesinstitut
für Berufsbildung in Bonn, dem Sozialministerium des Landes Schleswig-Holstein
und der Oberfinanzdirektion Kiel führten zu einer Finanzierungszusage
über 75 Prozent der Kosten von 5,5 Millionen DM. 25 Prozent (ungefähr
1,375 Millionen DM) der Kosten für Internat, Umbauten in der Kammer
und Ausstattung wurden von der Ärztekammer zum größeren
Teil langfristig durch Kredite finanziert.
Es entstand damals
das Internat mit insgesamt 48 Plätzen in vier Einzel-, zehn Doppel-
und acht Zimmer mit drei Betten, Küche, Speiseraum, Aufenthaltsräumen
und zwei Unterweisungsräumen. Weitere drei Unterweisungsräume
sowie der Pausenraum wurden im Kammergebäude erstellt.
Für die Durchführung der überbetrieblichen Ausbildung galten
bestimmte Qualitätskriterien, die in der Folgezeit den Erfolg dieser
zunächst von manchem niedergelassenen Arzt kritisch gesehen Neuerung
begründeten:
- Keine Theorie,
sondern praktische Ausbildung an entsprechend ausgerüsteten Arbeitsplätzen,
- nicht mehr als
zwölf Teilnehmer pro Gruppe,
- 44 Ausbildungsstunden
pro Woche mit einem Abschlusstest,
- praxisnahe Ausbildung
durch Arbeit an den in Arztpraxen üblichen Geräten und Instrumenten,
- Unterweisung durch
besonders qualifizierte, praxiserfahrene und pädagogisch eingewiesene
Lehrarzthelferinnen.
So ist es nicht verwunderlich,
dass nach einigen Jahren noch eine Ergänzung der überbetrieblichen
Ausbildung erfolgte. Zweimal drei Tage wurden zusätzlich für
diejenigen Auszubildenden verbindlich eingeführt, die in Praxen von
Spezialisten nicht die Möglichkeit hatten, die allgemeinärztlich
orientierten Grundlagen ihrer Tätigkeit praktisch zu erlernen.
In diesem Zusammenhang wurde die Bettenzahl im Internat auf 60 erhöht,
die Ausbildungsstätte fand einen neuen Platz nicht weit von der Kammer
und dem Internat entfernt in der Esmarchstraße.
Mittlerweile musste das Internat Lohmühle schon einmal gründlich
renoviert werden, auch von außen hat es im vorigen Jahr einen neuen
Anstrich bekommen. Es gehört zu den Einrichtungen der Ärztekammer
Schleswig-Holstein, die sieben Tage in der Woche genutzt werden: montags
bis freitags durch die Teilnehmerinnen an der überbetrieblichen Ausbildung,
am Wochenende und bei freier Kapazität in der Woche durch die an
den vielfältigen Fortbildungsveranstaltungen der Akademie und des
Edmund-Christiani-Seminars teilnehmenden Ärzte(innen) und deren Mitarbeiter(innen).
Einige Zahlen mögen dies verdeutlichen: 2006 gab es im Internat insgesamt
9 178 Übernachtungen, davon 6 136 durch Auszubildende und 3 042 durch
Seminarteilnehmer(innen) der Akademie und des Edmund-Christiani-Seminars.
20 Jahre Unterbringung von Teilnehmern von Einrichtungen der Ärztekammer
angebotenen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen mit insgesamt weit über
150 000 Übernachtungen, das ist eine respektable Leistung. Sie war
nur möglich durch das von Helena Willhöft geleitete Team der
Lohmühle, das nicht nur die Hotellerie der Lohmühle,
sondern auch die übrigen Bereiche der Ärztekammer hauswirtschaftlich
betreut. Herzlichen Dank für den hohen Einsatz, oft auch zu Unzeiten
(sprich: abends und an Wochenenden), ein Einsatz, der von Mitarbeiterinnen
erbracht wird, die teilzeitbeschäftigt sind und fast immer auch noch
ihre Familie zufriedenstellen müssen.
Dr. Karl-Werner Ratschko, Havkamp 23, 23795 Bad Segeberg, Hans-Werner
Buchholz, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8-12, 23795
Bad Segeberg
1 Der Name
Lohmühle wurde von dem baufälligen Hotel übernommen,
das dem Internat weichen musste. Er bezieht sich auf den hinter dem Internatsgebäude
befindlichen in den letzten Jahren zu einem jüdischen Gemeindehaus
ausgebauten Mühlenstumpf.
2 Ausführlich
informiert die Informationsbroschüre der Ärztekammer Edmund-Christiani-Seminar,
Berufsbildungsstätte für Arzthelferinnen, die kostenlos
bei der Ärztekammer angefordert werden kann.
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 3/2008
S. 27
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