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Bad Segeberg
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W. Büchner im SHÄ-Interview mit Dirk Schnack Natürlich würde ich meine Arbeit gern fortsetzen Zum zweiten Mal nach 2006 wird einem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) Abrechnungsbetrug vorgeworfen. Ralf Büchner kann sich - anders als vor zwei Jahren Dr. Klaus Bittmann - aber nicht auf den Rückhalt in der Abgeordnetenversammlung stützen, den damals Bittmann genoss. Im Gegenteil: Die Abgeordnetenversammlung hat mehrheitlich eine einvernehmliche Trennung vorgeschlagen, die im Februar aber nicht gelang. Als Folge drohte Büchner am 12. März gar eine Abwahl. Zuvor beantwortete der Allgemeinarzt aus Klanxbüll Fragen von Dirk Schnack für das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt. SHÄ: Herr Büchner, haben Sie noch Spaß an Ihrer Arbeit und an Ihrem Amt? Ralf Büchner: Bitte lassen Sie mich gleich zu Beginn unseres Gespräches klarmachen, dass ich persönlich als Ralf Büchner mit Ihnen spreche und nicht in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein.
Zu Ihrer Frage: Natürlich würde ich meine erfolgreiche Arbeit für die KVSH gern fortsetzen. Sie hat mir trotz aller Mühen und Widrigkeiten immer Spaß gemacht und selbst in diesen schwierigen Wochen glaube ich an den Sinn meines Engagements. Andererseits setzt eine erfolgreiche Arbeit voraus, dass sich die handelnden Personen mit Achtung und Respekt begegnen und ich die politische Unterstützung habe, ohne die eine erfolgreiche Arbeit kaum vorstellbar ist. SHÄ: Und diese Voraussetzungen sind derzeit nicht erkennbar, oder? Ralf Büchner: Es ist schwierig für mich, die Beschlüsse der Abgeordnetenversammlung vom 13. Februar zu deuten, weil der Vorstand an der mehrstündigen Diskussion nur anfangs teilnehmen konnte. Was die anderen Vorstandsmitglieder angeht, entspricht die Zusammenarbeit derzeit nicht meinen Vorstellungen. SHÄ: Damit spielen Sie auf die Umstände an, unter denen die Ihnen vorgeworfenen Unregelmäßigkeiten in Ihrer Abrechnung zu Tage gefördert wurden. Konkret lautete Ihr Verdacht, dass Ihre Vorstandskollegen gezielt nach Auffälligkeiten gesucht haben. Warum hätten sie dies machen sollen? Ralf Büchner: Auffällig ist doch, dass ausgerechnet während meines Urlaubs in Südtirol die beiden anderen Vorstandsmitglieder sich in einem Brief an den Vorsitzenden der Abgeordnetenversammlung gewandt und meine Amtsenthebung gefordert haben. Der Vorwurf lautete, ich sei nicht strategie- und teamfähig, würde meine Arbeit vernachlässigen oder schlecht machen. Zugleich wurden dann Vorwürfe über nicht plausibles Abrechnungsverhalten im zweiten Quartal 2006 erhoben, die jedoch nicht Gegenstand des Briefes sind. Diese Vorwürfe wurden dann wenig später öffentlich verbreitet. SHÄ: Für die Öffentlichkeit ist bei den gegenseitigen Vorwürfen schwer durchschaubar, wer die Verantwortung für die Führungskrise in der KVSH trägt. Fakt ist, dass Sie mit Dr. Ingeborg Kreuz und Dr. rer. nat. Ralph Ennenbach die anderen Vorstandsmitglieder gegen sich haben und Sie selbst den Vorsitzenden der Abgeordnetenversammlung, Dr. Jochen-Michael Schäfer, als parteiisch gegen sich eingestuft haben. Wie erklären Sie sich, dass Sie damit also die komplette KVSH-Führungsriege gegen sich haben? Ralf Büchner: Für die Öffentlichkeit ist sehr wohl durchschaubar, dass nicht ich Vorwürfe erhoben und in die Presse lanciert habe, sondern im Kontext sachfremder interner Befindlichkeiten und Differenzen plötzlich Abrechnungsvorwürfe aus längst abgeschlossenen Quartalen gegen mich in den Medien auftauchten. Außerdem bin ich als Vorsitzender unseren Mitgliedern und den Abgeordneten verantwortlich, von denen ich - trotz gegenteiliger Verlautbarungen - viel Unterstützung und Zuspruch erfahre. Auch von solchen in führenden Positionen der Selbstverwaltung, ob in den Kreisstellen, in Ausschüssen oder im Beirat. Was die von Ihnen genannte Führungsriege angeht, wäre es natürlich am besten, wenn Sie direkt dort nachfragen. Aus meiner Sicht müssen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen den aufgrund der politischen Situation nur allzu berechtigten kritischen Fragen - denken Sie an den Versuch der Hausärzte in Bayern aus dem System auszusteigen bzw. den spiegelbildlichen Versuch der AOK Baden-Württemberg, die Hausärzte aus dem System herauszukaufen - ihrer (Zwangs-!) Mitglieder ebenso stellen wie der öffentlichen Diskussion. Dabei geht es letztlich um die Frage, ob wir unsere Aufgaben überhaupt noch sinnvoll erfüllen und ob andere - oder der Markt, was auch immer darunter verstanden wird - das nicht eventuell besser oder effizienter könnten, also um die Existenzberechtigung des KV-Systems. Ich habe angesichts dieser Situation neue Wege beschritten, die auch unbequem waren und mir damit sicher nicht nur Freunde gemacht. Erste Erfolge z. B. in der Neuordnung des Notdienstes bestätigen mich. KV ist entweder die gestaltende Kraft für ihre Mitglieder und die medizinische Versorgung oder auslaufendes Modell. Engagierte, zielorientierte Arbeit muss gerade in einer solchen Situation konfliktfähig sein und Widerstände überwinden. Dabei habe ich mich immer auf den Grundkonsens im Vorstand verlassen, offensichtlich aber nicht immer alle Befindlichkeiten richtig eingeschätzt. SHÄ: Sie hatten selbst das Stichwort gegeben: Ihnen wurde mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen. Ralf Büchner: Natürlich gelingt Veränderung nur mit Mehrheiten und im Team. Ich bin ja nicht erst seit gestern berufspolitisch und in der Selbstverwaltung tätig, sondern seit fast zwanzig Jahren. Ob im NAV-Virchow-Bund oder in der Kreisstelle, ob im Kreisausschuss oder in der Kammer- und Abgeordnetenversammlung, ob im Ärztekammervorstand oder im ehren- und ersten hauptamtlichen KV-Vorstand, immer haben wir sachbezogen und vernünftig zusammengearbeitet, Konflikte konstruktiv und sportlich gelöst. So etwas wie jetzt habe ich noch nie - auch nicht in der Kommunalpolitik oder in meinem kirchlichen Engagement - erlebt, und bis vor einem halben Jahr hätte ich es auch nicht für möglich gehalten. Die jetzige Situation ist für mich deshalb so schwer nachvollziehbar, weil mir vorgeworfen wurde, nicht teamfähig zu sein, aber niemand offen auf mich zugekommen ist. Das wäre doch der sachlich und menschlich richtige Weg gewesen. Es gibt auch noch einen anderen Aspekt: Als ich nach dem Ausscheiden von Klaus Bittmann von einem Tag auf den anderen die Verantwortung in der KV übernehmen musste und gleichzeitig damit konfrontiert war, dass zum März 2006 meine Gemeinschaftspraxispartnerin aus persönlichen Gründen sehr kurzfristig ausscheiden musste, war ich in einer Weise gefordert, wie ich es noch nie erlebt hatte. Um den neuen Anforderungen - und das weitgehend allein - gerecht zu werden, habe ich oftmals die Nächte durchgearbeitet. Diese Monate haben mich geprägt, und vielleicht habe ich zu lange gebraucht, mich dann in der neuen Vorstandskonstellation von den Erfahrungen dieser Zeit zu lösen. Andrerseits war ich mir der Begrenztheit auch meiner persönlichen Ressourcen bewusst und habe mich auf das neue Vorstandsteam - ich nannte es damals sogar ein Dream-Team (SHÄ 7/2006, S. 18 ff.) - aufrichtig gefreut. Wie auch immer. Das alles erklärt einfach nicht, dass diejenigen, die mir die Teamfähigkeit absprechen, nicht frühzeitig mit mir gesprochen haben. SHÄ: Sie sehen sich in der Öffentlichkeit vorverurteilt und suchen zugleich die Öffentlichkeit, um Ihre Sicht der Dinge zu transportieren. Ist das der richtige Weg? Ralf Büchner: Sie wissen, welche Meldungen im Oktober 2007 durch die Presse gingen, ohne dass ich mich hätte dagegen wehren können. Denn ich habe mich an die vereinbarte Vertraulichkeit gehalten, um eine interne Klärung zu ermöglichen. Danach ist für mich eine neue Situation entstanden. Was da öffentlich behauptet wurde, das durfte so nicht stehen bleiben. Dazu zu schweigen, hätte auch für die KVSH den Imageschaden nur vergrößert. Da hilft nur Offenheit und Transparenz. Das ist der richtige Weg, davon bin ich überzeugt, und dafür werde ich auch weiterhin sorgen. Denn - sehen Sie - egal wie ich mich verhalte, es kann mir immer angekreidet werden. Sage ich nichts, heißt es, er mauert. Sage ich etwas, heißt es, er verteidigt sich ja nur. Also sage ich immer zu viel, zu wenig oder das Falsche. Ich habe mich auch deshalb dafür entschieden, die Vorwürfe und Vorgänge offen zu machen, weil die Öffentlichkeit sonst nur diskret, aber gezielt gestreute Gerüchte zu hören bekommt. Und das ist zu wenig. Es muss erkennbar werden, worum es wirklich geht. Nur so entsteht die Chance für eine konstruktive Lösung der Krise. SHÄ: Jetzt droht Ihnen eine Abwahl - 20 von 30 Abgeordneten müssen dafür stimmen. Wie schätzen Sie selbst Ihren Rückhalt in der Abgeordnetenversammlung ein - immerhin hatten schon 17 Abgeordnete dafür gestimmt, wegen eines gestörten Vertrauensverhältnisses Ihr Arbeitsverhältnis zu beenden. Ralf Büchner: Am 5. Dezember 2007 haben sich - wie Sie wissen - 17 Abgeordnete dafür ausgesprochen, dass ich im Amt bleibe. Die Entscheidung ist für die Abgeordneten schwer, weil sie berücksichtigen müssen, dass sich etwas wiederholen könnte, was wir schon vor zwei Jahren durchgemacht haben. Ich glaube, dass dies für die Mehrheit der Abgeordneten ein Grund war, die einvernehmliche Trennung anzustreben. Gleichzeitig unterstelle ich, dass viele Abgeordnete ein großes Unbehagen verspüren über die Art und Weise, wie gegen mich vorgegangen wird. Die Koinzidenz zwischen dem Vorwurf der mangelnden Teamfähigkeit und dem der Abrechnungsunregelmäßigkeiten ausgerechnet im Quartal nach dem Rücktritt von Klaus Bittmann, wo ich in einer extremen Sondersituation war und wie dies in den öffentlichen Medien kolportiert wurde, hinterlässt sicher kein gutes Gefühl und eher einen schlechten Geschmack. Wenn die Staatsanwaltschaft dann in vielleicht einem oder zwei Jahren das Verfahren einstellen sollte, wird der Schaden, den der ständige Führungswechsel bei der KVSH angerichtet hat, kaum noch zu beheben sein. Auch muss die Frage erlaubt sein, ob es für eine Ärztin oder einen Arzt mit einem Bein in der Praxis überhaupt noch möglich sein wird, Vorsitzender der KV zu werden. Die von mir immer beklagte Überbürokratisierung unseres kassenärztlichen Handelns und auch unserer kassenärztlichen Abrechnung beinhaltet natürlich bei allen die Möglichkeit von Fehlern, es sei denn, sie sind nicht mehr ärztlich tätig oder keine Ärzte. SHÄ: Angenommen, es kommt nicht zur Abwahl, aber eine Mehrheit der Abgeordneten ist dafür - ist das für Sie noch eine Basis für eine weitere Zusammenarbeit? Ralf Büchner: Diese Frage stelle ich mir jeden Tag, die Antwort hängt von den Perspektiven ab. Ich kann mir eine weitere Zusammenarbeit mit den Leuten, die mich aus meiner Sicht ohne Not der Staatsanwaltschaft auf dem silbernen Tablett präsentiert haben und damit ihr ganz eigenes Verständnis von ärztlicher Selbstverwaltung gezeigt haben, nur schwer vorstellen. Ich sehe aber dennoch nach wie vor - und das mag Sie erstaunen - auch manche positive Seite bei den beiden anderen Vorstandsmitgliedern. Sie haben sich da leider verrannt und kommen aus eigener Kraft nicht mehr heraus. SHÄ: War es rückblickend ein Fehler, das Amt anzunehmen? Ralf Büchner: Nein, ich würde es wieder tun. Ich bin von der Notwendigkeit des Engagements von Ärztinnen und Ärzten in der ärztlichen Selbstverwaltung überzeugt. Ich habe dazugelernt und würde heute einiges anders machen. Insbesondere würde ich versuchen, mehr Zeit für den informellen Austausch zu finden. Hauptamtlichkeit erfordert wohl eine neue und nüchternere Basis als die Arbeit in einem ehrenamtlichen Vorstand. Vielleicht habe ich noch zu lange das Bild unserer alten kollegialen Werte vor Augen gehabt, danach gehandelt und mich auf diese gemeinsame Basis verlassen. SHÄ: Halten Sie nach einer Abwahl vom KV-Amt eine Rückkehr in die Standespolitik für möglich oder werden Sie sich auf Ihre Arbeit als Landarzt konzentrieren? Ralf Büchner: Diese Frage kommt für mich viel zu früh. Fest steht für mich, dass ich persönlich unbeschadet aus der Sache herauskommen will - auch wenn es lange dauern wird. Und ob ich dann noch im Amt bin, weiß ich nicht. Aber ich bin nicht nur überzeugt von der Notwendigkeit des Engagements in ärztlicher Selbstverwaltung, sondern auch mit Leib und Seele Landarzt. Denn dafür brauchen wir die KV doch, um auch in Zukunft unsere Arbeit in der eigenen Praxis machen zu können. Ich kann folglich gut mit dieser Perspektive leben, und auch die Patienten würden sich - das höre ich immer wieder - darüber freuen. SHÄ: Wenn Sie die Möglichkeit haben, weiter als KV-Vorsitzender zu arbeiten: Wo sehen Sie Schwerpunkte für die künftige Arbeit? Ralf Büchner: Wir müssen unsere Arbeit gut machen, dabei kreativ und innovativ die uns verbleibenden Freiheiten ausgestalten. Dazu gehören einerseits Verlässlichkeit und Stabilität im Kerngeschäft, wie zum Beispiel die pünktliche Abrechnung des 2. Quartals 2005 trotz EBM 2000plus, guter Service und neue Wege in der Qualitätssicherung und in der Unterstützung ärztlichen Qualitätsmanagements, wo wir jetzt noch enger mit Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kooperieren. Dazu gehört andrerseits auch die Notdienstreform, die bundesweit ihresgleichen sucht. Das ist ein wichtiges Beispiel, aber erst der Anfang. KV muss sich auch unternehmerisch aufstellen. Sie muss sowohl den Mitgliedern ein attraktives Angebot machen können, die freiberuflich und unternehmerisch tätig sein wollen, als auch jenen, die eher eine Teilzeit- oder angestellte Tätigkeit im ambulanten Bereich suchen. Es kann nicht sein, dass Klinikketten über ihre Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) einen Arztsitz nach dem andern aufkaufen und wir sehen dem Ausverkauf der ambulanten Versorgung einfach tatenlos zu. Hier sind wir gefordert und müssen schnellstens aktiv werden. Unsere Notdienst- und Sicherstellungs-Gesellschaft kann dabei hilfreich sein. Schließlich müssen wir unsere ärztliche Definitionsmacht und echte Selbstverwaltungskompetenz durch gezielte und beharrliche Einflussnahme auf die Politik und die kontinuierliche Darstellung unserer Arbeit in den Medien wiedergewinnen. Dabei ist eine gute Verwaltung wichtig, aber nicht alles. Die Zukunftsfähigkeit der (kassen)ärztlichen Vereinigungen entscheidet sich an ihrem unverwechselbar ärztlichen Profil, ihrer Kreativität und ihrer Innovationskraft. Denn nur so bleiben wir identitätsstiftend und wirtschaftlich erfolgreich für unsere Mitglieder und unverzichtbar für die Gesellschaft. Frei nach unserem Logo: Für die Ärzte und die Menschen im Land. Das war unsere Stärke in der Vergangenheit, das was nur wir können, und das wird auch zukünftig unsere Stärke sein. Vorausgesetzt, wir bleiben uns selber treu und haben die Kraft, unsere Strukturen entsprechend zu reformieren. Dazu möchte ich auch in Zukunft gern meinen Teil beitragen. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 21 |
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