zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Bad Segeberg

Kassenärztliche Vereinigung
Führungskrise dauert an
Dirk Schnack

Die Führungskrise in der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH) dauerte bis Redaktionsschluss an. Die Abgeordnetenversammlung hatte auf einer internen Sitzung am 13. Februar mehrheitlich entschieden, den Arbeitsvertrag mit dem KVSH-Vorsitzenden Ralf Büchner einvernehmlich aufzulösen. Dies war in der vorgegebenen Frist nicht gelungen.

Gemessen an der Länge der rund vierstündigen Klausurtagung der Abgeordneten fiel die offizielle Mitteilung der KVSH karg aus. Ganze sechs Sätze gab es für die Öffentlichkeit. „Das Vertrauen zwischen den Abgeordneten der KVSH und KVSH-Chef Ralf Büchner ist erheblich gestört“, hieß es. Nicht nur zu den Abgeordneten, auch zwischen Büchner und seinen Vorstandskollegen Dr. Ingeborg Kreuz und Dr. Ralph Ennenbach besteht bekanntlich schon seit Monaten kein vertrauensvolles Verhältnis mehr. Dies war bereits Gegenstand einer internen Diskussion im Herbst. Daraufhin hatten die Abgeordneten die drei Vorstandsmitglieder zunächst zu einer weiteren Zusammenarbeit verpflichtet. Dass Büchner nun gehen soll, beruht auf einer Mehrheitsentscheidung, die die Abgeordneten aufgrund des vom Plausibilitätsausschuss vorgelegten Ergebnisses über die Abrechnung Büchners im zweiten Quartal 2006 traf. Dabei waren Mängel festgestellt worden. Der Vorstand der KVSH hatte diese Ergebnisse der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, die ihre Untersuchungen aufnahm.

 

oben: Dr. rer. nat. Ralph Ennenbach, Dr. Ingeborg Kreuz (Fotos: KVSH)

links: Ralf Büchner (Foto: di)

 
     
Während die KVSH keine weiteren offiziellen Stellungnahmen abgab, verteidigte Büchner sich erneut offensiv. Zunächst im öffentlichen Teil der Versammlung in seinem Bericht zur Lage, einen Tag später räumte ihm der größte Zeitungsverlag des Landes eine komplette Seite für eine Darstellung der Dinge aus seiner Sicht. Den Vorwurf, falsch gehandelt zu haben, bezeichnete Büchner noch in seinem Bericht zur Lage als absurd und falsch. „Ich bin seit 18 Jahren Arzt in Klanxbüll und kein Betrüger“, sagte Büchner. Die festgestellten Mängel begründete er mit der Doppelbelastung während des Rücktritts seines Vorgängers Dr. Klaus Bittmann. In diesen Tagen war Büchner in Bad Segeberg und in seiner Praxis in Klanxbüll stark gefordert. Dass dabei Fehler aufgetreten sind, wollte Büchner nicht ausschließen. Die Abgeordneten reagierten auf seine Rede mit Schweigen - keine Nachfrage, kein Applaus. Dafür wogten die Emotionen in der Ärzteschaft in den Tagen danach umso höher. Die Ärztegenossenschaft warf dem dreiköpfigen KVSH-Vorstand vor, ihre Führungsaufgabe gegenüber den niedergelassenen Ärzten „auf sträfliche Weise“ vernachlässigt zu haben und stellte fest: „Persönliche Animositäten beeinflussen und belasten die Selbstverwaltung, aus vermeintlicher Rechtschaffenheit unter Hinzuziehung von Anwaltskanzleien und sogar der Staatsanwaltschaft.“ Von „selbstzerstörerischen Kräften“ war die Rede, die Genossen distanzierten sich öffentlich von der „derzeitigen Führung“, womit Büchners Kontrahenten Kreuz und Ennenbach gemeint waren. Der Schleswiger HNO-Arzt Dr. Burckhard Schürenberg brachte sein Entsetzen über die Vorgänge in Bad Segeberg in einem offenen Brief an die KVSH zum Ausdruck. „Angesichts dieser Vorgänge - zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren - fragen sich wohl immer mehr Vertragsärzte, was die Kassenärztliche Vereinigung eigentlich noch soll“, schrieb Schürenberg. An anderer Stelle wurde er noch deutlicher: „Für manches kann die KV nichts, aber wenn sie jetzt ihre Energien für Seifenopern verschwendet, ..., dann sage selbst ich als bisher eiserner Fürsprecher der KV: Ihre Zeit ist abgelaufen.“

 
  Dr. Tohomas Schang
(Foto: di)
In den Praxisnetzen schwankte die Stimmung zwischen Verunsicherung, Wut und Vertrauen in die Abgeordnetenversammlung. Alle aber erwarten Aufklärung über die Hintergründe. Kiels Netzvorstand Dr. Wolfgang Keil etwa bezeichnete die Vorgänge in Bad Segeberg als dubios. „Die Spekulationen müssen aufhören, die Wahrheit gehört auf den Tisch“, sagt Keil. Diskussionen im Kreis der Netzkollegen drehen sich nach seinen Angaben um die mangelnde Transparenz in dieser Sache. Rendsburgs Netzvorsitzender Dr. Helmut Scholz erwartet ebenfalls mehr Informationen. Er kritisiert eine nach seiner Meinung erfolgte öffentliche Vorverurteilung des KV-Vorsitzenden, sagt aber auch: „Wenn was dran ist an den Vorwürfen, muss man die Konsequenzen ziehen.“ Fest steht für ihn, dass die Vorwürfe gegen Büchner zu früh an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dr. Stefan Krüger aus dem Netzvorstand des Medizinischen Qualitätsnetzes Westküste (MQW) hält es für richtig, dass die Abgeordnetenversammlung die Vorwürfe gegen Büchner sorgfältig prüft. Für die KVSH sieht er schon jetzt eine entscheidende Schwächung ihrer Position, weil sich innerhalb von zwei Jahren erneut ein Vorsitzender gegen den Vorwurf des Abrechnungsbetruges wehren muss: „Wir brauchen Kontinuität in der Führungsspitze.“ Volles Vertrauen in die Abgeordnetenversammlung und in die zuständigen Gremien wie Plausibilitätsausschuss hat der Netzvorsitzende aus Eutin und Malente, Dr. Thomas Schang. „Die Abgeordnetenversammlung ist der Souverän, ihre Entscheidung ist zu akzeptieren. Bei der vergangenen Sitzung lagen noch nicht alle nötigen Informationen vor, jetzt offenbar schon“, deutet Schang die unterschiedlichen Entscheidungen der Abgeordnetenversammlung zwischen November und Februar. Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Dr. phil. Gitta Trauernicht stellte klar, dass es zu den Aufgaben der KVSH gehört, „jeglichem Verdacht falscher Abrechnungen nachzugehen“. Sie begrüßte es, dass die Staatsanwaltschaft zur Aufklärung des Sachverhaltes eingeschaltet wurde. Die Selbstverwaltung sei damit ihrer gesetzlichen Pflicht nachgekommen.

Dirk Schnack, Postfach 12 04, 24589 Nortorf


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 3/2008

S. 20