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Rezensionen


Sexualität
Störungen, Abweichungen, Transsexualität

Bibliographische Angaben: Brigitte Vetter, Schattauer Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7945-2463-1, 34,95 Euro

Im vorliegenden Buch „Sexualität“ untersucht Brigitte Vetter neben der normalen Sexualität und deren Störungen vor allem die Abweichungen, über die bislang selten wissenschaftliche Veröffentlichungen existieren. Als erfahrene Sexualtherapeutin steht sie allen Bereichen der normalen und abnormen Spielbreite des Themas mit einer erstaunlichen Gründlichkeit und systematischer Ordnung gegenüber. Ihre besondere Stärke zeigt sie auch in der Einbeziehung der Grenzbereiche: Psychiatrie und Psychotherapie. Hier hatte die Autorin bereits einmal ihre Fähigkeit zum Lehren bewiesen in der „Psychiatrie“, einem systematischen Lehrbuch für Heil-, Sozial- und Pflegeberufe, das 2007 bereits in der 7. Auflage erschienen ist.

Das jetzige Buch „Sexualität“ besticht geradezu durch seine breite Auffächerung der Paraphilien. Eine saubere, systematische Gliederung erleichtert die Orientierung. Das Besondere dieses Buches stellt die Einbeziehung der internationalen Diagnosesysteme ICD-10 und DSM-IV-TR für Psychotherapeuten und Ärzte dar, die auch hinsichtlich der Unterschiedlichkeit der Beurteilungen beider Systeme in den verschiedenen Störungsbereichen gründlich dargestellt werden.
Es fehlt weder der Blick in die Vergangenheit bis zur Gegenwart, noch die juristischen Aspekte bei den vielen Störungsgebieten. Besonders hilfreich ist die differenzierte Beurteilung von pädophilen Straftätern.

Die Therapiemöglichkeiten, sowohl im Hinblick auf körperliche Eingriffe, medikamentöse Maßnahmen oder Psychotherapie in tiefenpsychologischen und verhaltenstherapeutischen Ansätzen, werden sehr sorgsam gegeneinander abgewogen. Obsolet gewordene ältere Anschauungen zur Therapie oder zur Beurteilung von Paraphilien werden erwähnt und durch bessere Ansätze ersetzt. Man hat wirklich ein umfangreiches Fachbuch vor sich und kann sich in diesem Werk bestens orientieren.

Mir selber fehlen vielleicht Hinweise über die Auswirkungen der seelischen Störungen auf die Sexualität durch die beiden Weltkriege, die ganz offensichtliche Veränderungen bewirkten, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich sah sie vielleicht in ihren Äußerungen in Bezug auf die Veränderungen in der normalen Sexualität in letzter Zeit angedeutet, wo bei Männern die sexuellen Appetenzstörungen zugenommen zu haben scheinen, die sonst die Domäne der Frauen waren. Indessen sind viele bisherige Untersuchungsergebnisse kritisch zu hinterfragen in ihren Rückschlüssen auf die normale Bevölkerung, so die Autorin, weil solche Untersuchungen meistens in Kliniken und speziellen Instituten vorgenommen werden. Zudem krankten bereits ausländische Untersuchungen an unterschiedlichen Klassifikationen, sodass ein Vergleich kaum möglich ist. In ihren zahlreichen Tabellen leistet Brigitte Vetter hier hilfreiche Ansätze zu einer besseren Vergleichbarkeit. Im Anhang findet sich eine Ansammlung spezieller Fachausdrücke zur Sexualität.
Das Buch stellt eine moderne Fundgrube für Ärzte, Psychologen, Kriminologen, Pastoren und Sozialarbeiter zur Orientierung in Sachen Sexualität und ihrer Abweichungen dar bis hin zur Geschlechtsumwandlung und deren Beurteilung und therapeutische Begleitung heute.

Rezensentin: Dr. Herta Betzendahl, Yorckstr. 5, 24105 Kiel


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Dann fressen sie die Raben

Bibliographische Angaben: Dr. Dörte Stolle, BOD Verlag Norderstedt 2007, Taschenbuch, 389 Seiten, ISBN 978-3-8334-8167-3, 21,90 Euro

Krimis sind in, das weiß jede(r) Fernsehkonsument(in). Auch „in“ in der Literatur, wobei auffälligerweise immer mehr Frauen sich diesem Bereich zuwenden, Frauen und Erstautoren. So auch unsere Kollegin Dr. Dörte Stolle (Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und von 1987 bis 2004 Chefärztin in Schleswig).

Dörte Stolle weiß, wovon sie schreibt: Es ist ihr Milieu. In diesen ersten Roman fließt viel Wissen aus ihren vorherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ein. Nicht nur dieses Wissen ist in diesem Buch, insgesamt ist dieser Roman voller verwobener Geschichten: Rechtsextremismus, Migrantenprobleme, Menschen- und Drogenhandel. Die Autorin liebt detaillierte Schilderungen von Personen, ihrem Verhalten und ihrer Umgebung, wobei sie auch vor allzu Menschlichem keine Scheu hat. Auffällig ist der Stil der Autorin, der sich immer nahe an der Lyrik bewegt („... die Sonne ist nicht mehr bereit, sich zurückzuhalten. Wie eine Feuerzunge klebt sie auf den Dächern, den Türen der Klinik. Das Licht verdichtet sich zu einem Schleier und flimmert auf den Scheiben der Station J2.“).

Dieser Erstlingskrimiroman ist nicht nur für den Krimileser gedacht, die allgemeine Romanform wird manchen anderen Leser ansprechen. Bei der subtilen Darstellung der Klinikatmosphäre zeigt Dörte Stolle ihre hohe Kompetenz für das Geschehen im Krankenhaus, mitunter ist der Leser dann doch erstaunt.

Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2008

S. 55, 80