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Übergewicht und
Gehirn
Energieverwaltung
falsch programmiert
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| Abb. 1 a: Neuroanatomische
Strukturen im Energie-Stoffwechsel: Die beiden zerebralen Hemisphären,
durch den Balken verbunden, projizieren zu Amygdala und Hippokampus.
Diese beiden Hirnanteile, bekannt als Zentren, die emotionales und
deklaratives Gedächtnis formieren, regulieren auch den Energiestoffwechsel.
Der Hypothalamus koordiniert die äußeren und inneren Energieflüsse. |
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Abb. 1 b: Energie
auf Anforderung: Die zerebralen Hemisphären generieren ein Energie-Anforderungs-Signal.
Daraufhin koordiniert der Hypothalamus die Ingestion (Aufnahme mit
der Nahrung) und Allokation
(d. h. Verteilung) von Glukose. |
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| Abb. 1 c: Allokation
von Glukose im Organismus: Glukose gelangt über die Nahrung in
die Blutzirkulation. Das Gehirn teilt die Glukose entweder sich selbst
oder den peripheren Geweben (Muskel, Fett) zu. Glukose passiert die
Bluthirnschranke via Glukose-Transporter 1 (GLUT1), die Membranen
von Muskulatur und Fettgewebe via GLUT4. Überall im Gehirn gibt
es Sensoren, welche die zerebralen Energie-Konzentrationen monitoren
und die weitere zerebrale Energie-Anforderung regulieren |
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) hat weitere 2,5 Millionen für die Selfish-Brain-Forschergruppe
an der Universität zu Lübeck bewilligt. Das teilte die DFG nach
einer Zwischenbegutachtung des seit drei Jahren geförderten Projektes
am 14. Dezember mit.
Das interdisziplinäre Expertenteam unter Leitung von Prof. Dr. Achim
Peters aus der Lübecker Medizinischen Uniklinik I untersucht, inwieweit
das menschliche Gehirn die Energieverteilung auf die einzelnen Organe
kontrolliert und sich dabei recht eigensüchtig verhält.
Weil das Gehirn zuerst seine eigene Versorgung sicherstellt und weil dafür
nur Energieverteilung und Nahrungsaufnahme infrage kommen, fällt
die Wahl zumeist auf das Essen - und in der Folge entsteht Übergewicht.
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Prof. Dr. Achim Peters hat mit seinem originellen Selfish-Brain-Konzept
und seiner integrativen Arbeit ein völlig neuartiges Forschungsteam
mit 17 Projektleitern(innen) zusammengestellt. Sie stammen aus der Inneren
Medizin (Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Dr. Isabel Pais), der Psychiatrie
(Prof. Dr. Fritz Hohagen, Prof. Dr. Ulrich Schweiger, PD Dr. Kerstin Oltmanns,
Dr. Kamila Jauch-Chara), der Neuroradiologie und Bildgebung (Prof. Dr.
Dirk Petersen, Prof. Dr. Ferdinand Binkofski, Dr. Uwe Melchert), der Neuroendokrinologie
(Prof. Dr. Jan Born, Dr. Manfred Hallschmid), der Pharmakologie (PD Dr.
Olaf Jöhren), der Mathematik (PD Dr. Dirk Langemann), der Chemie
(Prof. Dr. Thomas Peters), der Biochemie (Prof. Dr. Rolf Hilgenfeld, Dr.
Jeroen Mesters) und der Physiologie (Prof. Dr. Luc Pellerin; Universität
Lausanne, Schweiz).
Seit 2004 hat die Forschergruppe Selfish Brain folgende Erkenntnisse
gewonnen:
- wie das Gehirn
seinen eigenen Zuckergehalt so eigensüchtig aufrecht
hält (deshalb engl. Selfish Brain),
- wie das Gehirn
in kritischen Stressbelastungen immer mit einem größeren
Energieanteil versorgt wird als der Körper,
- wie bei übergewichtigen
Menschen der zerebrale Stellmechanismus, welcher die Energie im Körper
verteilt, verstellt ist,
- wie bei chronischer
Stressbelastung die Energieströme zwischen Gehirn und dem Körper
fehlgeleitet werden und so Übergewicht entsteht.
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| Prof. Dr. Achim
Peters hält die neue Professur inne, die eigens für die
Leitung der klinischen Forschergruppe Selfish Brain an
der Medizinischen Fakultät der Universität zu Lübeck
eingerichtet worden ist. (Fotos/Abb.: Uni Lübeck) |
Die Entscheidung
der DFG gibt uns die Möglichkeit, wichtige offene Fragen zu klären,
wie z. B. die Belohnungssysteme des Selfish Brain funktionieren
und wie diese bei übergewichtigen Menschen zur falschen Programmierung
der Energieverwaltung führen, sagte Prof. Achim Peters. Ungeklärt
ist weiterhin, wie die Umlenkung von Stoffwechselströmen gelernt
und antrainiert werden kann; wie tröstendes Futter (engl.
comfort food) sich auf Stressreaktionen auswirkt und wie der
Gehirnbedarf an Zucker in Stresssituationen gesteigert ist. Die Gruppe
untersucht außerdem, wie Gehirnzellen bei Bedarf (just-in-time)
Zucker anfordern und ob sogar Viren die entsprechenden Stellen im Gehirnstoffwechsel
blockieren können.
Die bereits erhobenen
Befunde wollen die Ärzte der klinischen Forschergruppe auch in die
Praxis umsetzen: Da nach der Selfish-Brain-Theorie Übergewicht im
Kopf entsteht, versuchen sie bei der Therapie auch genau da anzusetzen:
Train the brain. Es ist der Versuch, gegen ein pathologisches
Muster anzutrainieren. Der interdisziplinäre Ansatz dieser Forschergruppe
Selfish Brain wird von den führenden Experten des Fachgebiets
als in der Welt einzigartig angesehen.
Universität zu Lübeck, Pressestelle, Rüdiger Labahn,
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2008
S. 51-52
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