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Erforschung
der Wegenerschen Granulomatose
An der Universität zu Lübeck wird eine Klinische Forschergruppe
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingerichtet, die den Entstehungsmechanismus
der Wegenerschen Granulomatose aufklären soll. Die Wegenersche
Granulomatose (WG) ist eine äußerst schwerwiegende Autoimmunerkrankung
der Atemwege, der Niere und weiterer Organe, die zu schweren Organstörungen
und zum Tod führen kann. Die DFG fördert die Arbeit der Forschergruppe
mit rund drei Millionen Euro für zunächst drei Jahre.
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| Prof. Dr. Wolfgang
L. Gross |
Insgesamt 37 Wissenschaftler(innen)
der Universitäten Lübeck, Kiel, Hamburg und Bochum, des Forschungszentrums
Borstel und der Rheumaklinik Bad Bramstedt arbeiten vom Januar 2008 an
in sieben Teilprojekten in der Klinischen Forschergruppe KFO 170 zusammen.
Sprecher ist Prof. Dr. Wolfgang L. Gross, Leiter Prof. Dr. Peter Lamprecht,
beide Universitätspoliklinik für Rheumatologie Lübeck.
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| Prof. Dr. Peter
Lamprecht |
Erst seit Mitte der
1980er Jahre weiß man, dass es sich bei der Wegerner schen
Granulomatose um eine gegen einen bestimmten körpereigene Zellbestandteil,
die Proteinase 3, gerichtete Autoimmunerkrankung handelt. Es kommt, wie
bei der Erkrankungsgruppe der Vaskulitiden insgesamt, zur chronischen
Entzündung von Gewebe und Gefäßen, zur Bildung knotenartiger
Gewebewucherungen (Granulome) und in der Folge davon zur Schädigung
der durch die Gefäße versorgten Organe. Während der Pathomechanismus
der Autoimmunvaskulitis weitgehend geklärt ist, liegt die Induktion
der granulomatösen Entzündung nach wie vor im Dunkeln.
In der interdisziplinären Forschergruppe wird die frühe Phase
der Krankheitsentstehung mit genetischen, immunologischen und mikrobiologischen
Methoden sowie epidemiologischen Daten erforscht. Im Mittelpunkt des Interesses
steht dabei das zentrale morphologische Element, mit dem die Krankheit
im oberen Respirationstrakt beginnt: die Granulombildung. Nach wie
vor verstehen wir nicht, wie aus einem zunächst harmlos erscheinenden
Entzündungsprozess in der Nase eine lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung
wird, sagt Projektleiter Prof. Dr. Peter Lamprecht. Ziel unserer
Arbeit ist es, die molekularen Grundlagen dieser Reaktion zu entschlüsseln.
Besonderes Augenmerk legen die Lübecker Forscher dabei auf die Untersuchung
der Dangermoleküle bzw. Dangerrezeptoren,
zu denen beispielsweise die Proteinase 3 (PR 3) als Wegenersches
Autoantigen und deren erst kürzlich erkannte Rezeptoren PAR-2
und Liganden IL-32 zählen. Darüber hinaus soll die Rolle von
bekannten mikrobiellen Rezidivauslösern (Staphylococcus aureus) im
Hinblick auf die Granulomentwicklung sowie die Keimzentrumsentwicklung
im Granulom studiert werden. Patientenstudien sind ein wesentlicher Teil
des Forschungsprojekts.
Die zentrale wissenschaftliche Hypothese des Projekts ist in der Abbildung
veranschaulicht: Eine Barrierestörung am respiratorischen Epithel
führt u. a. zu einer S. aureus Besiedlung und Rekrutierung Neutrophiler
(PMN). PR3 aus PMN induziert über seinen Rezeptor PAR-2 auf dendritschen
Zellen (DC) eine DC-Ausreifung, mit konsekutiver TEM-Expansion, Th1-Antwort
und Granulombildung (= lokalisierte WG). In diesem primären
Granulom bilden sich im Weiteren lymphatische Strukturen als zelluläres
Korrelat der zur PR3-ANCA führenden Immunantwort und Vaskulitis.
Klinische Folge ist die Transition von der lokalisierten zur generalisierten
Krankheitsphase. Zu den prädisponierenden Elementen gehören
endogene HLA-DP (Granulom?), PTPN22 (PR3-ANCA) und exogene (S. aureus)
Faktoren. TEM = Effektor Memory T-Zellen. B = B-Zellen. M = Makrophagen.
Die Wegenersche Granulomatose ist nach dem Lübecker Pathologen
und Ehrendoktor der Universität zu Lübeck Dr. Dr. h. c. Friedrich
Wegener benannt, der die Erkrankung 1935 erstmals beschrieb.
Die an der Klinischen Forschergruppe beteiligten Wissenschaftler gehören
dem bundesweit einzigen Vaskulitis-Zentrum an. Es betreut das europaweit
größte Patientenkollektiv dieser Erkrankungen und ist mit allen
international bekannten Vaskulitis-Zentren vernetzt. Ziel des Zentrums
am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ist es, über die
Grenzen der einzelnen Fachrichtungen hinaus eine Optimierung der Erforschung
dieser Erkrankung und der Patientenversorgung zu erreichen.
Rüdiger Labahn, Universität zu Lübeck, Ratzeburger Allee
160, 23538 Lübeck
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2008
S. 49-50
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