zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Rezensionen


Älter werden. Notizen.

Bibliographische Angaben: Silvia Bovenschen, Fischer Verlag, gebunden, 144 Seiten, ISBN 3100035127, 17,90 Euro

Die Autorin ist eine in Berlin lebende Schriftstellerin, die das Altern aus der Sicht einer sechzigjährigen Frau, aus ihrer eigenen Sicht, beschreibt: „Sechzig! Das ist eine böse Zahl. Da ist nichts mehr zu machen. Mit sechzig ist man alt. Noch immer. Frauen sind mit sechzig älter als Männer mit sechzig.“ Dazu kommt, dass Silvia Bovenschen multiple Sklerose hat und gehunfähig wird. Sie kauft sich ein Elektromobil, um „wenigstens die nähere Umgebung“ ihrer neuen Wohnung kennen lernen zu können. Charakteristisch für das Altern sei neben „der Verlangsamung und dem Rückzug auf gesicherte Gebiete auch ein ökonomisches Verhältnis zur Zeit“. Wenn wir alt sind und uns die anderen auch für alt halten, erkennt die Autorin, glauben wir jünger zu sein. Sie zitiert dazu Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799): „Wenn man selbst anfängt alt zu werden, so hält man andere von gleichem Alter für jünger, als man in früheren Jahren Leute von eben dem Alter hielt ... Mit anderen Worten: Wir halten uns selbst und andere noch in den Jahren für jung, in welchen wir, als wir noch jünger waren, andere schon für alt hielten.“ Das Buch ist eine erfrischende Mischung von Erkenntnissen über das Alter, lebensnahen Alltagsbeobachtungen und biographischen Rückblicken, z. B. auf die sexuell verklemmten fünfziger Jahre mit der Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft und auf die durch die „Pille“ bewirkte „sexuelle Revolution“ zwanzig Jahre später. In der Jugend sagt Silvia Bovenschen, kommt es einem nicht in den Sinn, sich Erinnerungen zuzuwenden. Erst nach ihrem fünfzigsten Geburtstag erinnert sie sich bewusst. Im Alter rückt das Vergangene näher. „Das Wissen, dass die Zukunft kürzer sein wird als die Vergangenheit, trägt vermutlich auch zu dieser Aufwertung des Vergangenen bei.“ Älterwerden bringt Beschwerlichkeiten, Verluste und Funktionseinbußen, vor allem wenn es, wie bei der Autorin, mit chronischer Krankheit verbunden ist. Und doch, sagt sie ohne Wehleidigkeit, freut man sich, dass man älter geworden ist, „weil man sonst schon tot wäre“. Ihre persönliche Tapferkeit ist bewundernswert. Sprache und Stil sind locker, frei und nüchtern. Man liest die unverschnörkelten Sätze dieses Buches gern. Zwar glaubt Silvia Bovenschen nicht, dass Älterwerden automatisch weise macht. Bei der Lektüre gewinnt man aber den Eindruck, dass sie Gedanken und Ideen entwickelt, die erstaunen und aufhorchen lassen. Mit dem Erstaunen beginnt nach Aristoteles die Philosophie. Es lohnt sich, dieses leicht und beschwingt geschriebene Buch zu lesen. Vieles überrascht in seiner überzeugenden Einfachhheit, wenn die Autorin fragt und ihre unkonventionelle Antwort gibt. Welche Menschen und Dinge machen es beispielsweise leichter, das Leben trotz einer chronischen Krankheit besser zu ertragen? Der Leser wird auf eine nicht oberlehrerhafte Weise belehrt, unterhalten und bereichert. Das Buch kann allen Lesern sehr empfohlen werden.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel


+ + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + BUECHER + +


Taschenatlas der Immunologie
Grundlagen - Labor - Klinik

Bibliographische Angaben: Antonio Pezzutto, Timo Ulrichs, Gerd-Rüdiger Burmester, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2007, Taschenbuch, 362 Seiten mit 152 Farbtafeln, 34,95 Euro, ISBN 3-13-115382-2

Kurze Inhaltsangabe: Die Darstellung der Grundlagen ist von 65 auf 87 Seiten, die der Labormethoden von 22 auf 26 und die der Klinik von 160 auf 190 Seiten erweitert worden. Relativ zur 1. Auflage ist also der Grundlagenteil besonders gewachsen; er umfasst die immunrelevanten Zellen, die Mechanismen ihrer physiologischen Interaktionen und die pathologischen Immunmechanismen. Der weitaus ausführlichste, klinische Teil beginnt mit den Immundefekten, behandelt wichtige immunologische Aspekte von hämatologischen, Tumor-, transplantationsmedizinischen, rheumatologischen und den verschiedensten Organ-Erkrankungen und schließt mit einem erheblich erweiterten Überblick über die Immunpharmakologie.

Kritische Bewertung:
Das Prinzip der verbalen Darstellung auf der linken Buchseite und der bildhaft-schematischen auf der jeweils gegenüberliegenden Seite ist unverändert sehr begrüßenswert und offenbar bestens akzeptiert - siehe die Vielzahl der Übersetzungen. Dieser „Taschenatlas“ konkurriert nicht mit gängigen Lehrbüchern und hat seine Orientierung an klinischen Problemen, jetzt besser gegliedert und ergänzt. Dennoch: Im Gegensatz zu der richtigen Betonung der Bedeutung von Infektionskrankheiten und der Impfungen im Vorwort findet sich außer ein paar kurzen Hinweisen auf Impfstoffe praktisch nichts darüber.

Sonstiges:
Bei den Grundlagen ist bedauerlich das Auseinanderreißen von „Zellen der unspezifischen Abwehr“ und „Angeborene Immunität“ sowie die keineswegs volle Würdigung der letzteren in ihrer Bedeutung für die erworbene Immunität. Die Tumorimmunologie (im klinischen Teil des Inhaltsverzeichnisses 2 x vertreten) kann besser gegliedert werden. Bei den Angaben über „weiterführende“ Literatur erscheinen mir manche Bücher aus dem vorigen Jahrhundert weniger passend. Anmerkung: Die 1. dt. Auflage erschien 1998, erste Auflage in sechs europäischen Sprachen erschien 2003-2005 bzw. ist in russisch, chinesisch und japanisch in Vorbereitung.

Empfehlung:
Insgesamt, trotz der notwendigen kritischen Hinweise, möchte ich die Autoren zu ihrer neuen Auflage beglückwünschen und diesen „Taschenatlas“ sehr empfehlen. Er bietet allen an der Immunologie in ihren klinischen Bezügen Interessierten in handlicher Form und zu einem sehr moderaten Preis eine geordnete und bestens visualisierte Fülle.

Rezensent:
Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Müller-Ruchholtz, em. Direktor des Instituts für Immunologie, UK S-H, Campus Kiel, Niemannsweg 4, 24105 Kiel


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2008

S. 33, 69