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Mecklenburg-Vorpommern Gemeindeschwestern
übernehmen keine Pflegeaufgaben. Sie entdecken Pflegebedarf und sorgen
dafür, dass Patienten eine Pflegestufe bekommen, sagte der
Initiator der Gemeindeschwester-Projekte, Prof. Wolfgang Hoffmann. Nach
Ansicht des Arztes von der Universität Greifswald könnten ambulante
Pflegedienste damit sogar von der Arbeit der Gemeindeschwestern profitieren. Gemeindeschwestern
werden derzeit in mehreren Regionen Deutschlands unter verschiedenen Namen
erprobt.
In einem Modellprojekt
in Mecklenburg-Vorpommern wird die Gemeindeschwester in Anlehnung an eine
frühere DDR-Fernsehfigur als Schwester Agnes bezeichnet. In diesen
Modellprojekten werden Praxismitarbeiterinnen von Hausärzten zu den
Patienten geschickt. Ein geplantes Curriculum speziell für medizinische
Fachangestellte ist bereits angedacht, diese fortgebildete Praxismitarbeiterin
wird sich dann Community Health Assistance (CHA) nennen. Im Gegensatz
dazu nennen sich fortgebildete Krankenschwestern Community Medicine Nurse
(CMN). Die ersten von ihnen haben an der Fachhochschule Neubrandenburg
ihre Prüfung abgelegt. Vorher standen jeweils 274 Stunden Präsenzunterricht
und Selbststudium sowie ein zwölfwöchiges Praktikum in Arztpraxen
an. Von den Ärzten wurden sie auf Hausbesuch zu Patienten geschickt.
Eine von ihnen ist
Simone Lehmann aus einer Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes in Zinnowitz.
Mein Arzt hat festgestellt, dass er stark entlastet wurde,
berichtet Lehmann. Sie machte etwa Beratungen zur Sturzprophylaxe oder
überprüfte den Medikamentenbestand im Haus der Patienten. Die
ebenfalls frisch gebackne CMN Ute Kolbe hat in ihrer Praktikumszeit erfahren,
dass manche der besuchten Patienten trotz Bedarfs noch keine Pflegestufe
hatten. Ihre Beratung hat mit dazu beigetragen, dass die Patienten neu
eingestuft wurden. Ihre Kollegin Karin Neumann, wie Kolbe als Pflegekraft
tätig, lobte die gute Zusammenarbeit mit den Arztpraxen. Es gab aber
auch Vorbehalte. So lehnten es zwei Patienten ab, dass statt des Arztes
die CMN sie besuchen sollte. Die Gesamterfahrungen der Absolventinnen
fassten die Organisatoren der Fortbildung so zusammen:
Hoffmann stellte in Greifswald klar, dass der Einsatz von Gemeindeschwestern außerhalb von Modellprojekten nach seiner Ansicht dort erfolgen sollte, wo nicht genügend Hausärzte praktizieren. In solchen Regionen erwartet Hoffmann frei werdende Mittel für die Gemeindeschwestern. Forderungen der Ärzte, die Gemeindeschwestern müssten zusätzlich und ausschließlich von den Krankenkassen bezahlt werden, hält er für unrealistisch. Den Arbeitsmarkt für CMA beurteilt Hoffmann optimistisch, auch wenn derzeit nur Modellprojekte laufen. Inzwischen wurde im Projekt Agnes (hierunter fallen Erprobungen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen) die 1.000. Patientin betreut. Derzeit sind in diesen drei Bundesländern zwölf Gemeindeschwestern für 26 Hausärzte im Einsatz. Sie haben insgesamt rund 4.500 Hausbesuche durchgeführt. Die Patienten haben ein Durchschnittsalter von 80 Jahren. 60 Prozent von ihnen haben zwar noch keine Pflegestufe, sind aber nur eingeschränkt mobil. Die Projekte laufen bis Ende 2008. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 71-73 |
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