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Unsere Nachbarn
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Bundeskongress der
Medizinstudenten
Mit verschränkten
Armen sitzt Dr. Frank Ulrich Montgomery in der ersten Reihe. Zwischen
ihm und Ulla Schmidt sitzt noch Ärztin Dr. Vanessa Wennekes. Doch
Ulla Schmidt schafft es an diesem Abend im Universitätsklinikum Hamburg
Eppendorf (UKE) nicht nur, Montgomery aus seiner Abwehrhaltung zu locken.
Auch Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
und UKE-Chef Prof. Jörg Debatin kommen nicht umhin, der Ministerin
in vielen Aussagen zuzustimmen. Vor allem aber gelingt es Schmidt, die
Medizinstudenten aus ganz Deutschland, die den Hörsaal in der UKE-Frauenklinik
bis auf den letzten Platz füllen, zu überzeugen. Die Perspektiven
ihres Berufs stehen auf der Tagesordnung und Schmidt versteht es, diese
so zu schildern, dass sie dafür Szenenapplaus, donnernden Beifall
und am Ende zufriedene Gesichter der Studenten erhält.
Mit dem sicheren Instinkt
des Politprofis setzt sich Ulla Schmidt erst einmal zu den Jüngsten
im Saal: Drei Schülerinnen eines Gymnasiums haben einen vom Bundeskongress
der Medizinstudierenden ausgeschriebenen Wettbewerb, in dem die Aidsgefahr
thematisiert wird, gewonnen. Schmidt ist aber nicht nur für die Auszeichnung
der Preisträger gekommen. In ihrem Vortrag verschweigt sie nicht
die Probleme des Gesundheitswesens, vermeidet aber jede Schuldzuweisung
an die Adresse der Ärzte. Und sie spricht aus, was die Medizinstudenten
hören wollen: Hierarchien in den Krankenhäusern sollen abgebaut,
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Aufstiegsmöglichkeiten
von Ärztinnen verbessert werden. Sie bekennt sich zu einer flexibleren
Bedarfsplanung, zum Ziel einer besseren Vergütung und zu einer intensiveren
Kooperation mit anderen Berufen. Besonders gut kommt an, dass sie Respekt
vor der Berufsentscheidung der Studenten und der ärztlichen Tätigkeit
äußert: Sie werden in einem Beruf arbeiten, der hohes
Ansehen genießt, in dem aber auch permanent Hochleistung, Entscheidungsbereitschaft,
Qualifikation und Sensibilität gefordert sind, sagt Schmidt.
Vor allem aber macht
sie deutlich, dass die kommende Ärztegeneration in Deutschland dringend
gebraucht wird. Sie beschreibt den wachsenden Bedarf an medizinischen
und pflegerischen Leistungen und gibt zu verstehen, dass sie dabei die
gesamte Gesellschaft gefordert sieht: Durch Förderung der Prävention
und der Eigenverantwortung, aber auch durch höhere Ausgaben für
Gesundheit. Morbidität, so lautet ihre Botschaft, darf nicht zu Lasten
der Ärzte gehen. So etwas kommt nicht nur bei den Studenten an, auch
die Standespolitiker applaudieren.
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Schleswig-Holsteinisches
S. 70-71 |
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