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Strahlentherapie
beim Glioblastom
Jürgen Dunst, Bernd Brandenburg, Arne Engel
Das Glioblastom ist einer der bösartigsten Tumoren. Die Prognose
ist grundsätzlich infaust, und die Lebenserwartung nach Diagnosestellung
beträgt oft nur Monate. Die mediane Überlebenszeit hat sich
im Lauf der letzten 20 Jahre zwar verbessert von weniger als einem Jahr
in den 80er Jahren auf heute ca. 15 Monate. Langzeitheilungen kommen aber
weiterhin praktisch nicht vor.
Wichtige Prognosefaktoren sind Alter (Risikofaktor: Alter über 70
Jahre) und Allgemeinzustand (schlechtere Prognose bei reduziertem Allgemeinzustand
oder ausgeprägten Paresen, günstigere Prognose bei Krampfanfall
als Erstsymptom ohne weitere neurologische Ausfälle)1.
Neuerdings gibt es Hinweise darauf, dass ein bestimmter histologischer
Subtyp (Glioblastom mit oligodendroglialer Differenzierung) bei multimodaler
Therapie sehr viel günstiger verläuft; leider ist diese Variante
vergleichsweise selten5.
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| Linksseitiges
Glioblastom mit Mittellinienverlagerung und Kompression des Seitenventrikels;
ausgeprägtes perifokales Ödem, zentrale Nekrose. (Quelle:
Jürgen Dunst) |
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Die Therapie besteht
aus Operation (sofern möglich) und Strahlentherapie. Die Operation
trägt im multimodalen Therapiekonzept vermutlich vergleichsweise
wenig zur längerfristigen Beherrschung der Erkrankung bei. Sie ist
aber wichtig, um den durch die Raumforderung verursachten Hirndruck schnell
zu beseitigen und verbessert damit neurologische Funktion und Lebensqualität.
Operable Patienten sollten deshalb grundsätzlich operiert werden.
Viele Patienten haben ein ausgeprägtes perifokales Hirnödem,
ausgelöst durch das schnelle Tumorwachstum. In diesen Fällen
ist die Ödembehandlung mit hochdosierten Corticoidgaben wichtig.
In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass die Überlebenszeit
durch eine Chemotherapie weiter verlängert werden kann, wobei sich
auf der Basis einer großen Studie das Medikament Temozolamid als
Standard durchgesetzt hat4.
Die wichtigste Maßnahme zur Verlängerung der Überlebenszeit
ist die Bestrahlung. Bei jüngeren Patienten (unter 70 Jahre) ist
dieser Effekt durch zwei randomisierte Studien gut belegt3,6. Bisher war
aber unklar, ob auch ältere Patienten von einer Strahlentherapie
profitieren. Da höheres Lebensalter ein wichtiger ungünstiger
Prognosefaktor ist und Alter ein möglicher Risikofaktor für
schlechte Verträglichkeit einer Radiotherapie sein könnte, war
die Frage der Behandlungsindikation bei alten Patienten schwierig zu beantworten.
Eine kürzlich publizierte randomisierte französische Studie
hat auch für diese Situation den Wert der Strahlentherapie klar bestätigt2.
In der Studie wurden Patienten über 70 Jahre mit gutem Allgemeinzustand
(Karnofsky-Index mindestens 70 Prozent) nach Biopsie (N = 44) oder Operation
(N = 37) entweder nur mit Supportivtherapie (Medikation mit Kortikoiden
und Antiepileptika nach Bedarf, physikalische Therapie, Betreuung durch
Palliativteam) oder Supportivtherapie plus Radiotherapie (lokale Bestrahlung,
50 Gy mit Einzeldosen von täglich 1,8 Gy) behandelt. Die Studie wurde
im Januar 2005 bei der ersten Zwischenanalyse vorzeitig beendet, weil
sich zu diesem Zeitpunkt ein signifikanter Vorteil für die Radiotherapie
zeigte. Die Zeit bis zur Tumorprogression war in der Bestrahlungsgruppe
erheblich verlängert, verbunden mit einem signifikanten Überlebensvorteil
(mediane Überlebenszeit 29,1 versus 16,9 Wochen, Hazard-Ratio für
Tod 0,47, p = 0,002). Die Strahlentherapie hatte keine negativen Auswirkungen
auf die Lebensqualität. Die palliative Bestrahlung von Glioblastomen
bewirkt also auch im höheren Lebensalter eine signifikante, wenngleich
moderate Verlängerung der Überlebenszeit und hat keinen nachteiligen
Einfluss auf die Lebensqualität. Der Effekt auf die Überlebenszeit
ist zwar wesentlich geringer als bei jüngeren Patienten, aber selbst
in dieser ungünstigen Population größer als der Effekt
der Chemotherapie mit Temozolamid in einer günstigeren Patientengruppe4.
Schlussfolgerungen: Die Strahlenbehandlung ist der wichtigste Bestandteil
der multimodalen Therapie von Glioblastomen. Auch alte Patienten in gutem
Allgemeinzustand profitieren von einer palliativen Bestrahlung mit 50
Gy.
Verein für Strahlentherapie Schleswig-Holstein e. V., Prof. Dr.
Jürgen Dunst, Universität zu Lübeck, Ratzeburger Allee
160, 23538 Lübeck, Dr. Bernd Brandenburg (Praxis für Strahlentherapie
Lübeck), Dr. Arne Engel (WKK Heide)
Literatur
- Curran WJ, Scott
CB, Horton J et al. Recursive partitioning analysis of prognostic factors
in three Radiation Therapy Oncology Group malignant glioma trials. J
Natl Cancer Inst. 85, 704-710 (1993).
- Keime-Guibert F,
Chinot O, Taillandier L et al.: Radiotherapy for Glioblastoma in the
elderly. N Engl J Med 356, 1527-1535 (2007)
- Kristiansen K,
Hagen S, Kollevold T et al. Combined modality therapy of operated astrocytomas
grade III and IV: confirmation of the value of postoperative irradiation
and lack of potentiation of bleomycin on survival time - prospective
multicenter trial of the Scandinavian Glioblastoma Study Group. Cancer
47, 649-652 (1981)
- Stupp R, Mason
WP, van den Bent MJ et al. Radiotherapy plus concomitant and adjuvant
temozolamide for glioblastoma.. N Engl J Med 352, 987-996 (2005)
- Vordermark D, Ruprecht
K, Rieckmann P et al. Glioblastoma multiforme with oligodendroglial
component: favorable outcome after postoperative radiotherapy and chemotherapy
with nimustine (ACNU) and teniposide (VM26). BMC Cancer 6, 247 (2006)
- Walker MD, Green
SB, Byar DP et al. Randomized comparison of radiotherapy and nitrosureas
for the treatment of malignant glioma after surgery. N Engl J Med 303,
1323-1329 (1980)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2008
S. 59/60
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