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Schleswig-Holstein

Niederlassung mit 51
Kämpferischer „Spätzünder“

Für einen niedergelassenen Arzt ist er ein Spätzünder - aber ein ungewöhnlich kämpferischer. Dr. Winnfried Freund war 51 Jahre alt, als er sich nach 19 Jahren Kliniktätigkeit niederließ. Dafür musste er einige Widerstände überwinden. Nach fünf Jahren in der Niederlassung zieht der Onkologe aus Rendsburg ein positives Fazit.

 
Hat den Schritt in die Niederlassung mit 51 Jahren nicht bereut: Dr. Winnfried Freund aus Rendsburg (Foto: di)  
„Ich würde mich wieder für die Niederlassung entscheiden und bin froh über diesen Schritt. Aber ich würde einiges anders machen“, sagt Freund heute. Dass er überhaupt noch den Schritt zum Praxisinhaber wagte, ist ungewöhnlich. Denn der in Dortmund aufgewachsene Arzt war dort als Oberarzt und Leiter der onkologischen Ambulanz in einer komfortablen existenziellen Lage. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen funktionierte. Doch Freund zog es erstens an seinen Studienort Schleswig-Holstein zurück und zweitens hatte er das Gefühl, in seinem Leben noch etwas Neues ausprobieren zu müssen. Im Norden sah er Bedarf für eine weitere onkologische Niederlassung, im Gegensatz zum Zulassungsausschuss. Freund belegte seine Auffassung mit Statistiken aus dem Landeskrebsregister und boxte eine Sonderbedarfszulassung auf juristischem Weg durch. Zum Jahresbeginn 2003 bezog er seine Praxisräume über einem ehemaligen Porzellangeschäft in der Rendsburger Innenstadt. Weil er keine bestehende Praxis übernehmen konnte, musste er sein Angebot über Annoncen und Vorstellungen bei Hausärzten bekannt machen. Im Laufe der ersten Woche kamen die ersten Patienten. Die Praxis entwickelte sich, die Zusammenarbeit mit den neun übrigen niedergelassenen Onkologen im Land verlief erfreulich. In Rendsburg selbst aber hatte der Neuling es in den etablierten Strukturen nicht leicht. „Natürlich werden auch Pfründe verteidigt, wenn sich ein neuer Arzt niederlässt. Das ist nachvollziehbar“, sagt Freund. So blieb er deutlich hinter den erlaubten Punktzahlobergrenzen zurück. Und es gab ein Problem: Nach fünf Jahren wird die Punktzahlgrenze gekappt - eine weitere Entwicklung wäre damit stark eingeschränkt. Freund wandte sich an die Klinik in Schleswig, um über eine Kooperation zu sprechen und wurde mit offenen Armen empfangen. Wo die Klinik morgens gynäkologische Patienten betreut, kann Freund an drei Nachmittagen pro Woche seine onkologische Zweitpraxis öffnen. „Diese Valenzen hatte ich, das ist zeitlich und personell kein Problem“, sagt Freund. Investieren musste er wenig, da die Ausstattung weitgehend vorhanden war. Das Volumen beziffert er auf rund 5 000 Euro. Auch bei der Miete für die Praxis kommt ihm die Klinik entgegen. Freund ist so organisiert, dass immer nur eine Praxis geöffnet hat. Wenn Freund zur Zweigpraxis fährt, bringt er seinen Rechner mit. Das Personal - in Schleswig zwei, in Rendsburg drei Teilzeitkräfte - ist nur an jeweils einem Standort tätig. Und die Patienten profitieren davon, weil sie sich den kürzesten Weg aussuchen können. Seit rund einem Jahr haben sich seine beiden Standorte so entwickelt, dass er zufrieden ist. Im Nachhinein würde er ein paar Dinge anders machen als zu seinem Start: „Ich habe erkannt, dass Information und Kommunikation für Kollegen extrem wichtig ist. Und ich würde mich heute intensiver über die bestehenden Strukturen am Praxisstandort informieren.“ (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2008

S. 38