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Schleswig-Holstein

Tellingstedt
MVZ sichert Nachfolge

Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland steigt. Nach jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gibt es bundesweit bereits 880 MVZ - eines davon steht in Tellingstedt. Das dort in Gemeinschaftspraxis niedergelassene Arztehepaar Dr. Ursula Horn-Herweg (praktische Ärztin) und Dr. Jochem Herweg (fachärztlicher Internist) sieht darin gemeinsam mit dem örtlichen Apotheker Udo Laskowski eine Möglichkeit, dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken.

 
Dr. Jochem Herweg, seine Frau Dr. Ursula Horn-Herweg und Apotheker Udo Laskowski (von links) haben gemeinsam das MVZ Tellingstedt gegründet und sorgen dafür, dass angestellte Kollegen in den Ort kommen. (Foto: di)  
„MVZ geben jungen Ärzten eine Chance, ohne Eigeninvestitionen in die ambulante Versorgung einzusteigen“, wirbt die KBV für MVZ. Eine junge Ärztin aus Schleswig-Holstein, derzeit nach einer Klinikanstellung in Elternzeit, wird diese Chance im MVZ Tellingstedt nutzen. Gut möglich, dass ihr demnächst noch ein männlicher Kollege folgt. Auch mit ihm führen die Herwegs und Laskowski - sie sind gemeinsam Gesellschafter des MVZ - derzeit Gespräche über eine Anstellung. Die Gründung des MVZ hätte sich damit schon gelohnt. Denn eines der wichtigsten Motive für die Gründung war die Hoffnung, Kollegen von einer Tätigkeit in Tellingstedt überzeugen zu können. Der kleine Ort zwischen Heide und Rendsburg hat ein Patienteneinzugsgebiet von rund 8 000 Menschen. Die meisten von ihnen werden in Einzelpraxen versorgt. Wenn ein Praxisinhaber seine ärztliche Tätigkeit einstellt, findet sich nur schwer ein Nachfolger. Die Perspektive für die Herwegs: Irgendwann wären sie vielleicht die einzige Arztpraxis in der Region gewesen - mit allen Vor- und Nachteilen eines Monopolisten. Zu den Nachteilen zählt, dass die Versorgung sich mit angestellten Kollegen im Praxisbudget nicht gerechnet hätte. Die höheren Spielräume im MVZ dagegen lassen erwarten, dass eine Versorgung mit angestellten Ärzten auch wirtschaftlich erfolgen kann. Deshalb machen die drei Gesellschafter schon jetzt weitere Pläne. „Mittelfristig können wir uns noch mehr angestellte Ärzte im MVZ vorstellen. Wir sind interessiert an einem Kinderarzt und an einem Gynäkologen“, berichtet Apotheker Udo Laskowski. Zugleich warnt er aber vor überhöhten Gehaltsvorstellungen. „Man kann nicht mehr erwarten als in der Klinik“, sagt Laskowski. Denn auch als Monopolist ist es für das MVZ schwer, mit den Erlösen aus der Kassenmedizin ein Arztgehalt zu erwirtschaften. Die MVZ-Partner planen aber, den Anteil der Erlöse aus der Kassenmedizin zu reduzieren. Über individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und Privatpatienten erwirtschaftet die Praxis derzeit rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes, diesen Anteil will man auf 30 Prozent steigern. Bei den zunehmend nachgefragten IGeL setzen sie besonders auf Prävention. „Wir bieten nur Leistungen an, von denen wir hundertprozentig überzeugt sind“, sagt Herweg. Das Konzept kommt bei ihren Patienten nach ersten Erfahrungen besser an, als sie selbst erwartet hatten. „Viele fragen sogar von selbst danach“, berichtet Herweg. Herzvorsorge, Chirotherapie und Schlagaderuntersuchungen sind derzeit die wichtigsten Leistungen der Praxis außerhalb der Kassenmedizin.

In der MVZ GmbH sind Praxis und Apotheke derzeit für ihre Abrechnungen noch voll getrennt, jeder Partner hat seine eigenen Einnahmen und Kosten. Mit der ersten Anstellung einer Ärztin wird sich dann einiges ändern: Die ausgelastete Praxis wird ergänzt durch neu angemietete Räume. Zugleich wird die Praxis von der GmbH übernommen und die jetzigen Praxispartner werden Angestellte der Praxis. Den Gewinn aus der Arbeit der Praxis erhält das Arztehepaar dann als Gesellschafter der GmbH. Solche wirtschaftlichen Details sind für die Patienten in Dithmarschen zweitrangig - für sie ist wichtig, dass die Versorgung in der Region langfristig gesichert ist. Nachdem die örtliche Zeitung über das MVZ berichtete, erhielten die Ärzte viele Nachfragen von Patienten, die erleichtert über die Perspektive für die ärztliche Versorgung in der Region waren. Auch die Gemeinde ist froh über die Perspektiven, die das MVZ bietet. Anders als andere Kommunen muss Tellingstedt nicht Hilfestellung bei der Suche nach Praxisnachfolgern leisten. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2008

S. 35/36