|
Die Geister, die
sie riefen ...
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein neues Jahr hat begonnen. Prognosen zum Jahreswechsel sind immer gewagt.
Mit manchen läuft man aber kaum Gefahr, danebenzuliegen.
Wenn im kommenden Jahr der Hausarztvertrag nach § 73 b SGB V zwischen
der AOK Baden-Württemberg einerseits und der Hausärztlichen
Vertragsgemeinschaft e. G. (HÄVG), der Mediverbund Dienstleistungs
GmbH und den unterstützenden Landesverbänden andererseits in
der vorgesehenen Form zustande kommen wird, wird das die politische und
berufspolitische Landschaft radikaler verändern, als alle so genannten
Gesundheitsreformen diverser politischer Gruppierungen in den vergangenen
Jahrzehnten dies vermocht haben.
Wer glaubt, dass dies nur die Kassenärztlichen Vereinigungen betrifft,
deren Spielraum durch den Budget-Abzug aus der Gesamtvergütung erheblich
eingegrenzt wird, irrt. Die Sicherstellung und Überwachung der von
den Vertragspartnern geforderten Qualitätskriterien, die eigentlich
als hoheitliche Aufgaben den Selbstverwaltungen freier Berufe im Kammersystem
zugeordnet sind, werden hier zumindest partiell von den Vertragspartnern
definiert. Und dies ist erst der Anfang!
Und es ist sicher auch kein Zufall, dass in der Geschäftsführung
des neuen Dachverbandes, der unter anderem auch das Abrechnungsgeschäft
wahrnehmen soll, eine enge personelle Verflechtung mit der Industrie angelegt
ist, die für die AOK Baden-Württemberg und eine bundesweit agierende
Ersatzkasse die im Vertragsfalle verpflichtende Führung der Bürgerakten
genannten Krankendateien anbietet.
Eine interessante Konstellation!
Die externe Speicherung von Patientendaten auf zentralen Servern der
Industrie im Auftrage von Krankenkassen
Da dies natürlich die Frage der Datensicherheit auf den Plan rufen
muss, hat der Software-Anbieter von vorneherein auf das nach Meinung von
Datenschützern derzeit sicherste Konzept gegen Datenklau gesetzt:
das Krytographiekonzept der im Moment auch von Betroffenen der neuen Verträge
noch heftig befehdeten elektronischen Gesundheitskarte. Die absolute Kompatibilität
mit der Spezifikation der Betreibergesellschaft Gematik lässt dies
als eine sehr wahrscheinliche Option erscheinen. Man darf gespannt erwarten,
wie die Verbandsführer dies ihren Mitgliedern erklären werden.
Sicher scheint auch, dass mit dem Verlassen der Behüteten Werkstatt
Kassenärztliche Vereinigung (Zitat eines ehemaligen Vorsitzenden
der KVSH) für viele, betriebswirtschaftlich unzureichend auf ein
freies Unternehmertum vorbereitete Ärztinnen und Ärzte noch
härtere Zeiten anbrechen werden. Denn es geht durchaus noch schlimmer
als in der Gegenwart erlebt. Und eine unbeschadete Rückkehr in ein
Kollektivvertragssystem, das in der ersten Hälfte des vergangenen
Jahrhunderts aus guten Gründen hart erfochten wurde, ist eher unwahrscheinlich.
Allerdings ist es längst nicht ausgemacht, dass eine ausreichende
Zahl von Ärztinnen und Ärzten den Versuchungen, die die neuen
Einzelverträge zunächst versprechen, erliegt und unterzeichnen
wird. Deshalb sei hier auch nur prophylaktisch auf die Lektüre eines
häufig zitierten Standardwerkes eines der größten Dichter
und vermutlich auch eines der bekanntesten Hypochonder der deutschen Geschichte
verwiesen: Goethes Zauberlehrling.
In diesem Sinne wünschen wir allen unsern Leserinnen und Lesern beruflich
und privat ein gutes und erfolgreiches neues Jahr 2008!
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Ihre
 |
 |
Dr.
med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident |
Dr.
med. Cordelia Andreßen
Hauptgeschäftsführerin |
|

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
1/2008
S. 3
|