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Rezensionen


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Das Ärztehasserbuch. Ein Insider packt aus.

Bibliographische Angaben: Werner Bartens, Knaur, München 2007, 240 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 978-3-426-77976-7

Das zu besprechende Buch, dem das British Medical Journal eine ganze Seite widmet, erregt Aufsehen. 100 000 Exemplare sind bereits verkauft. Der Autor, Jahrgang 1966, war als Arzt in Universitätskliniken tätig. Heute ist er Medizinredakteur der Süddeutschen Zeitung. Werner Bartens geht es um die „vielen alltäglichen Grausamkeiten“ im Umgang mit Patienten, die er erlebt hat, um die „Gefühlskälte der Mediziner“. Das sei der Grund, warum er nicht mehr als Arzt arbeitet. „Hass ist ein großes Wort. Es ist eher eine Art Hassliebe, die in diesem Buch zum Ausdruck kommt. Eine Enttäuschung darüber, wie aus idealistischen jungen Studenten in wenigen Jahren zynische Ärzte werden können“. Andererseits erkennt er an, dass es viele gute Ärzte gibt. Der Autor spart nicht mit Selbstkritik: Eine ängstliche Patientin mit Diabetes und Thrombose fragte ihn, ob sie sterben müsse. Statt sich an ihr Krankenbett zu setzen und ihr einige tröstende Worte zu sagen, war seine coole Antwort: „Sterben müssen wir alle mal.“ Eine andere Patientin fühlt sich gedemütigt, als einem Arzt bei der Inspektion entfährt: „Mein Gott, Sie haben ja Stampfer!“ Die Frau hatte Varizen, die sie schon zweimal operieren ließ. „Die Medizin wäre eine schöne Disziplin“, sagte ein ärztlicher Kollege, „wenn nur die Patienten nicht wären“. Noch schlimmer als die Patienten waren aus der Sicht dieses Kollegen ihre Angehörigen, die absolut nichts verstehen wollten, den Ärzten die Zeit stahlen und immer nur die gleichen Fragen stellten ...“

Der Autor beanstandet die so genannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die von den Kassen nicht bezahlt werden, weil ihr Wert nicht bewiesen ist. Dazu zählen z. B. „Bioresonanztherapie“, „Vitalpräparate“, die den „Kunden“ für bis zu 300 Euro angeboten werden, „Anti-Aging-Check“ und Testung auf „Metallallergien“.

Bartens plädiert dafür, dass Patienten in der Sprechstunde und Klinik ihre Beschwerden ausführlich darstellen können, ohne schnell unterbrochen zu werden. „Viele Ärzte empfinden es als lästig, wenn zu den körperlichen Symptomen plötzlich die seelischen Nöte und sozialen Schwierigkeiten kommen.“ Gerade bei den so häufigen funktionellen Gesundheitsstörungen, zu denen das irritable Darmsyndrom gehört, ist eine Zweiteilung „in eine Medizin für Körper ohne Seelen und in eine Medizin für Seelen ohne Körper“ unglücklich. Die universitäre Ausbildung trage zu diesem Dualismus bei. Die während des Studiums fehlende Einübung in Anamnese und unmittelbare Untersuchung, in Empathie und soziale Kompetenzen führe zu Ärzten, „die sich vom Menschen abwenden, ihre Patienten ins CT stecken, ihnen Blut abnehmen und alle möglichen weiteren Tests anordnen, bevor sie die Kranken untersuchen“. Die vielen vom Autor erlebten Arzt-Patient Geschichten zeichnen ein düsteres Bild, und man kann als Leser verschieden darauf antworten. Ich glaube, dass es sich weniger um eine „kollektive Verunglimpfung“ der Ärzteschaft als um ein Leiden an der derzeitigen Medizin handelt. Der Rezensent hält den Titel „Das Ärztehasserbuch“ nicht für glücklich. Hass ist keine gute Grundlage für eine ausgewogene Darstellung. Wahrscheinlich muss ein Titel reißerisch und sensationell sein, damit ein Buch zum Bestseller und vom Boulevardblatt „Bild“ beachtet wird. Man kann auf die Kritik von Bartens ärgerlich reagieren, man kann sich aber auch fragen, was man selbst vielleicht falsch gemacht hat und welche Fehler beim Umgang mit den Kranken zu vermeiden sind. Weil das Buch dazu anhält, über das eigene Verhalten nachzudenken, empfehle ich es Kolleginnen und Kollegen, auch wenn sie wie der Rezensent nicht mit allen Aussagen einverstanden sind.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel

 


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Körper, Seele, Mensch.
Versuche über die Kunst des Heilens

Bibliographische Angaben: Bernd Hontschik, Suhrenkamp Verlag Frankfurt a. M., 144 Seiten, ISBN 978-3-518-45818-1, 6,50 Euro


Zwei Patienten haben die gleiche Osteoporose, eine ältere Wirbelfraktur und erhalten die gleiche pharmakologische Therapie. Aber der eine Patient wird schnell schmerzfrei, der zweite bekommt ein chronisches Schmerzsyndrom. Während der erste Kranke in stabilen sozialen und familiären Verhältnissen lebt, starb nach Beginn der Beschwerden der Ehepartner des zweiten Patienten, der seitdem hilflos, hoffnungslos und depressiv ist. Das Beispiel zeigt: Um die Beschwerden, z. B. die Schmerzen eines Kranken zu begreifen, muss die krankheitszentrierte (Osteoporose) durch eine patientzentrierte Medizin ergänzt werden. Darum geht es auch in dem vorliegenden Buch. Bernd Hontschik ist Chirurg. Es beginnt mit einer Beschreibung, wie eine Frau an Krücken in seine Praxis humpelt. „Als Chirurg“, sagt der Autor, „verbringt man mit seinen Patienten manchmal erstaunlich viel Zeit, so zum Beispiel beim Verbandswechsel, beim Gipsen, beim Operieren. Dabei kann man auch ins Gespräch kommen.“ Es geht ihm in seinem Buch „um das Unbehagen, das zurzeit immer stärker anwächst, beim Arzt und beim Patienten.“ Den Patienten in seinem Kranksein zu verstehen, verspreche heute „weder Profil noch Macht ... denn um das Gesundheitswesen zu einem profitablen Zweig der gesellschaftlichen Ökonomie zu transformieren, ist in der Medizin ein Menschenbild vonnöten, in dem der Mensch wie eine technische, physikalisch-chemische Maschine funktioniert.“ Hontschik zitiert einen der bekanntesten amerikanischen Internisten, Francis W. Peabody, der an einem Kranken mit Mitralstenose, der sich um seine Frau, Kinder und Zukunft sorgt, eindrücklich zeigt, dass naturwissenschaftliche und patientzentrierte Medizin sich gegenseitig benötigen. Aber in seiner chirurgischen Ausbildung sah es anders aus: „Das Erlernen von Techniken bildete den ausschließlichen Inhalt meiner Ausbildung.“ Da war es schwer, sich „mit der Kommunikation zwischen Arzt und Patient beschäftigen zu wollen ...“ Das sei auch der Grund für viele unnötige Appendektomien, deren Zahl der Autor in seiner früheren Klinik durch eine kritische Indikation „auf ein Viertel“ gesenkt habe. Im Kapitel „Placebo“ wird ausgeführt, dass jedes wirksame Medikament, überhaupt jede therapeutische Intervention zwei Seiten hat: eine chemische, bzw. physikalische und eine psychosoziale. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, was wir verordnen, sondern auch, wie wir es verordnen. Vertrauen des Patienten verstärkt die Heilwirkung, Misstrauen kann sie zunichte machen. Der teilweise Fachjargon des Buches erschwert den Zugang zu seiner Botschaft. Der Rezensent zweifelt, ob einer patientzentrierten Medizin durch ziemlich abstrakte Modelle gedient wird, die Semiotik (Zeichentheorie), Konstruktivismus (jeder „Ismus“ bleibt etwas Fragwürdiges) und Systemtheorie umfassen. Auch ist das Buch in der Nachfolge T. v. Uexkülls nicht ganz frei von psychogenetischen Deutungen und Spekulationen. Allzu viel Fantasie kann durch Schuldzuweisungen erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Trotz dieser Begrenzungen ist das Buch eines Chirurgen zu empfehlen, der im Zeitalter einer zunehmenden Gesundheitsindustrie die Bedeutung der individuellen Patient-Arzt-Beziehung aufzeigt.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel

 


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Hautkrebsprävention -
Früherkennung und Vorbeugung

Bibliographische Angaben: U. Reinhold, E. Breitbart, Schlütersche Verlagsgesellschaft 2007, 198 Seiten, 49,90 Euro, ISBN 978-3-89993-754-1

Kurze Inhaltsangabe: Eine gut gegliederte und übersichtliche Darstellung der Epidemiologie und Pathophysiologie der verschiedenen Hautkrebsarten. Besonderes Gewicht wird auf die Risikofaktoren gelegt, woraus sich dann die Ausführungen über präventiven Maßnahmen ergeben. Auch die Bedeutung der diagnostischen Möglichkeiten wird ausführlich dargestellt. Nach jedem der 15 Kapitel folgt eine Literaturübersicht.

Kritische Bewertung: Gerade auch die in diesem Buch dargestellte Epidemiologie des epithelialen Hautkrebses unterstreicht die Wichtigkeit dieser Zusammenstellung. Besonders weil das maligne Melanom sich nach wie vor durch eine gewisse Heimtücke auszeichnet und oft, obwohl es sich meist schon dem unbewaffneten Auge erschließt, zu spät erkannt wird. Im fortgeschrittenen Stadium ist es dann aber einer erfolgreichen Therapie nicht mehr zugänglich.

Sonstiges: So ist die Prävention in diesem Fall von ganz besonderer Bedeutung. Wie erfolgreich eine gute Prävention ist, konnte nicht zuletzt durch den groß angelegten Feldversuch in Schleswig-Holstein unter der Leitung des Autors dieses Buches wirklich eindrucksvoll belegt werden.

Empfehlung: So sollte dieses Buch nicht nur jedem Arzt, sonders durchaus auch dem Fachgebiet assoziierten Berufsgruppen und medizinischen Laien empfohlen werden, selbst wenn vielfach zu spezielle Einzelheiten dann nicht mehr verstanden werden. Allein die Zahlen und Tabellen sind beeindruckend genug.

Rezensent: Dr. Dr. rer. nat. Heinz-Eberhard Schlaak, Stadtweg 26-28, 24837 Schleswig


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2007

S. 26