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Medizin und Wissenschaft

Neues aus der norddeutschen Onkologie

Beim diesjährigen (3.) FIT (Forum Innovative Therapien) von Life Science Nord/Norgenta, diesmal in Wedel bei Hamburg, war das Thema: „Onkologie in Norddeutschland - Neue Therapieansätze in Forschung und Praxis. Ziel war auch diesmal die Zusammenführung von Experten aus der medizinischen Therapie und Forschung (z. B. UKE, UK S-H), der biomedizinischen Industrie und aus benachbarten Bereichen, um letztlich eine schnellere Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis („Translational Medicine“) zu fördern. Referenten und Vorsitzende waren u. a. Prof. Dr. Carsten Bokemeyer (UKE), Prof. Dr. Hartmut Juhl (Indivumed), Prof. Klaus Pantel (UKE, Tumorbiologie). Aus Schleswig-Holstein referierten Prof. Dr. Wolfgang Jelkmann (Lübeck) über die Thematik „Tumorzellgerichtete Therapien“, speziell über Molekulare Bildgebung in der präklinisch-onkologischen Forschung Prof. Dr. rer. nat. Holger Kalthoff (UK S-H, Kiel) sowie Prof. Michael Kneba (II. Medizinische Klinik, Kiel). Zum 2. Themenkreis „Innovative Therapien“ sprachen u. a. Prof. Dr. Thomas Valerius (Kiel) und Prof. Walter Jonat (Direktor der Frauenklinik, UK S-H, Kiel).

Prof. Dr. Walter Jonat
(Foto: UK S-H)

Prof. Jonat zeigte sich bei seinem Thema „Optimierung der Behandlung von Mamma-Karzinomen“ optimistisch: „Wir stehen vor glänzenden Zukunftsaussichten, wir haben unglaubliche Therapieoptionen.“ Neue Therapien mit neuen Wirkstoffen aus einer Vielzahl potenzieller Moleküle seien zu entwickeln. Neue Biologicals, auch neue Chemotherapien seien zu erwarten. Die Entdeckung kleiner Tumoren durch verbesserte Bildgebung komme hinzu.

Bereits heute gebe es eine Erfolgsgeschichte. So sei die Sterblichkeit bei einer typischen Patientin (55 Jahre, Tumorgröße zwei Millimeter, Grad drei, zwei befallene Lymphknoten) in zehn Jahren von rund 60 auf unter 40 Prozent gesunken. Die Prävention habe gewirkt, sekundär etwa durch Mastektomie, Ovariektomie, Anwendung von Relaxifen und Aromatasehemmern. Die verbesserte ambulant-stationäre Therapie besonders in Schleswig-Holstein (QuaMaDi) habe sich bewährt - viel weniger größere Tumoren würden noch gefunden. In Zukunft werde wohl die Verbesserung der systemischen Behandlung noch wichtiger als die (Primär-)Prävention, die aber politisch favorisiert werde. So könne das Wächterknotenprinzip noch gesteigert werden, von kaum zehn auf vielleicht 70 Prozent.

In der Diagnostik könne die molekulare Zellforschung ebenfalls helfen, etwa um gut- und bösartige Tumoren besser differenzieren zu können. Über 1 000 Marker gebe es schon für das Mamma-Karzinom, viele Targets für potenzielle Wirkstoffe, über 200 Substanzen seien bekannt. Das Problem: „Wie soll diese Vielzahl klinisch geprüft werden? Eine klinische Studie für eine einzige Substanz würde bei 5 000 Patienten und zehn Jahren rund 100 Millionen Euro kosten...“ (hk)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2007

S. 64,65