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Nachrichten in Kürze


Faltblatt „Impfen gegen Grippe“

Die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. hat ein neues Faltblatt im Rahmen der Impfkampagne des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein herausgebracht. „Impfen gegen Grippe“ weist auf die Gefahren der schweren Grippe hin, informiert über den wirksamen Impfschutz für alle und gibt Tipps, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann. Der Flyer kann angefordert werden bei der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V., Flämische Str. 6-10, 24103 Kiel, Tel. 0431/94294, Fax 0431/ 94871, E-Mail lind@lvgfsh.de oder einfach im Internet heruntergeladen werden unter www.lv-gesundheit-sh.de. (Hilke Lind, LVGF)


Aktuelle Steuertipps
Gewerbliche „Infizierung“ von Arztpraxen

Nach §§ 140 a ff. SGB V werden zwischen Arzt und Krankenkasse bei einer integrierten Versorgung Verträge abgeschlossen, nach denen die Krankenkasse dem Arzt für die Behandlung der Patienten eine Fallpauschale zahlt. Diese Fallpauschale deckt sowohl die medizinische Betreuung als auch die Abgabe von Arznei- und Hilfsmitteln ab. Das bedeutet, dass sowohl freiberufliche als auch gewerbliche Tätigkeiten von dieser Pauschale abgedeckt werden. Eine Tatsache, die Folgen haben kann. Denn es stellt sich die Frage, ob die gesamten Einkünfte der Praxis durch diesen gewerblichen Anteil - also durch Abgabe von Arznei- und Hilfsmitteln - gewerblich „infiziert“ werden (i. S. v. § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG).
Die Vertreter der obersten Finanzbehörden der Länder und des Bundesministeriums der Finanzen haben in einer abgestimmten Verwaltungsauffassung festgelegt: Es kommt in diesen Fällen zu einer gewerblichen Infizierung der gesamten Tätigkeit der Gemeinschaftspraxen - sofern die von der BFH (Bundesfinanzhof)-Rechtsprechung ausgestellte Geringfügigkeitsgrenze (1,25 v. H.) überschritten ist (vgl. BFH-Urteil vom 11.08.1999, BStBl 2000 II S. 229 = StuB 1999, S. 1 106). (Ralph Böttcher, www.DanRevision.com)



Schleswig-Holstein
212 Euro pro Kopf und Jahr für Medikamente

Rund 13 Millionen Arzneimittelpackungen im Wert von 510 Millionen Euro haben Schleswig-Holsteins Ärzte ihren Kassenpatienten von Januar bis Juli 2007 verordnet. Dies teilte die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Kiel mit. Durchschnittlich hat jeder gesetzlich Krankenversicherte Rezepte für 5,3 Arzneimittelpackungen im Wert von rund 212 Euro erhalten und dabei etwa 14 Euro zugezahlt. Am häufigsten wurden Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschrieben. Mit 2,9 Packungen pro Versicherten verordneten die Allgemeinmediziner die meisten Arzneimittel, gefolgt von den Internisten (0,8 Packungen).

Die Statistiken zu den Arzneimittelverordnungen stehen im Internet unter www.gamsi.de (Arzneimittel-Schnellinformation der Krankenkassenverbände). (TK)


Wahrnehmung von Gesundheitskosten
Patienten schätzen Behandlungskosten häufig falsch ein

Im Gesundheitswesen gibt es eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Kosten und der Wahrnehmung der Kosten durch die Versicherten. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die vom Institut für Mikrodaten-Analyse, Kiel, durchgeführt wurde.

Dieser „Kostenschleier“ führe z. B. für GKV-Versicherte dazu, dass Kosten von Einzelleistungen zum Teil um den Faktor zehn überschätzt werden. Gleichzeitig aber werden die Kosten im Lebenszyklus deutlich unterschätzt.

Im Durchschnitt über die GKV-Versicherten wurden die Lebenszykluskosten auf rund 56 358 Euro (IST GKV ca. 142 413 Euro) geschätzt. Die Kosten für eine Blutdruckmessung auf 24,66 Euro (IST GKV ca. 7,41 Euro) und ein 10-minütiges Arzt-Patientengespräch auf 34,38 Euro (IST GKV ca. 7,67 Euro). Ein dreitägiger Krankenhausaufenthalt nach einer Blinddarm-OP wurde auf 2 561 Euro (IST GKV ca. 1 962 Euro) geschätzt und eine Blutuntersuchung nach einem Zeckenbiss auf 165,88 Euro (IST GKV 7,70 Euro).

Diese Ergebnisse liefern nach Ansicht der Autoren auch eine Erklärung für die Frage, warum ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform 2007 die Zahl der abgeschlossenen Wahltarife bei den gesetzlichen Krankenkassen gering ist. Zwar sei das Interesse an Wahltarifen groß, doch können Versicherte den Wahltarifen wegen des Kostenschleiers kaum einen Wert beimessen, d. h. eine individuelle Kosten/ Nutzen-Abschätzung der Wahltarife ist kaum möglich. (Institut für Mikrodaten-Anlayse, Kiel; Nachdruck aus „Der niedergelassene Arzt“ 10/2007)



Veranstaltungen zur Selbstuntersuchung der Brust in schleswig-holsteinischen Betrieben
BRUSTlife in Betrieben

In den letzten Wochen ist das Projekt BRUSTlife für Frauen in schleswig-holsteinischen Betrieben durchgeführt worden. Teilgenommen an der Aktion „BRUSTlife in Betrieben“ haben die Dräger Safety AG und die Dräger Medical Deutschland GmbH in Lübeck sowie die E.ON Hanse AG in Stockelsdorf. Zwei Schulklassen vom Bildungszentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, schlossen das Projekt mit zwei Veranstaltungen ab. Finanziert wurde die Aktion vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein.

Die Aktion „BRUSTlife in Betrieben“ steht in Zusammenhang mit dem Mammografie-Screening-Programm, das in der Screening-Region östliches Schleswig-Holstein im Mai dieses Jahres gestartet ist. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollen zukünftig regelmäßig im Abstand von zwei Jahren zur Mammografie-Screening-Untersuchung eingeladen werden.

BRUSTlife und das Programm Mammografie-Screening gehören zum Netzwerk Betrifft Brust (www.betrifft-brust.de), das Programme zur Förderung der Früherkennung, der Diagnostik und der Krankheitsbewältigung unter einem Dach zusammenfasst. Zu Betrifft Brust gehören auch das Programm QuaMaDi und das Disease-Management-Programm DMP-Brustkrebs. Alle Programme sollen die Früherkennung und Versorgung von Brustkrebs optimieren.

Weitere Infos zum Projekt BRUSTlife:
Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen in Deutschland. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Vor diesem Hintergrund finden seit dem Jahr 2001 die BRUSTlife-Seminare statt: Unter Anleitung von Frauenärzten(innen) will BRUSTlife zur monatlichen Selbstuntersuchung der Brust und jährlichen Untersuchung in der Arztpraxis motivieren. In einer kleinen Gruppe und unter Anleitung einer zum BRUSTlife-Programm geschulten Frauenärztin erlernen Frauen die richtige Technik zur Selbstuntersuchung der Brust anhand von Tastmodellen und Videos.

Die Kurse finden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Krankenkassen statt. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei und nicht an eine Mitgliedschaft in einer bestimmten Kasse gebunden.

Die Übersicht aller schleswig-holsteinischen Veranstaltungstermine in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Krankenkassen erhalten Sie bei der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung oder im Internet unter www.lv-gesundheit-sh.de. Hier gibt es auch weitere Informationen zu dem Projekt. (Hilke Lind, LVGF)



Inseminationen und Gewebegesetz


Seit dem 1. August 2007 ist das Gewebegesetz in Kraft getreten. Danach ist für alle Gewebe und Gewebezubereitungen - z. B. auch Sperma im Rahmen einer Fertilitätsbehandlung - für das Gewinnen, Be- und Verarbeiten, Konservieren und Lagern sowie für das Inverkehrbringen eine arzneimittelrechtliche Erlaubnis sowie für das Inverkehrbringen auch eine Genehmigung bzw. Zulassung erforderlich. Darauf wies das zuständige Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit des Landes Schleswig-Holstein hin. Auf Nachfrage der Ärztekammer wurde bestätigt, dass ausdrücklich hier auch die Durchführung von Inseminationen im Rahmen von Fertilitätsbehandlungen betroffen ist. Rückfragen bei der Ärztekammer beantwortet Dr. Edda Oppermann (04551/ 803-132). (V)



DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg
Neues DRK-Bildungszentrum in der Praxisklinik Mölln eröffnet

Nach nur viermonatiger Bauzeit zog das Bildungszentrum des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg von Ratzeburg nach Mölln um. In den neuen Räumen der Praxisklinik, dem früheren städtischen Krankenhaus, wurde auf rund 800 Quadratmetern so mancher Traum verwirklicht. Neben drei großzügig gestalteten Seminar-Räumen und einem nachgebauten Krankenzimmer für den praktischen Anschauungsunterricht können die Schüler neben einer Bibliothek auch ein kleines Internet-Café nutzen. Neben der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Altenpflege soll vor allem auch die Fort- und Weiterbildung einen großen Stellenwert erhalten, betonte Schulungsleiter Erich Wirth. (Dirk Andresen, DRK Krankenhaus)



Mit neuer Qualitätskoordinatorin

 
Mirza Sopp (Foto: DRK)  
Die Geschäftsführer des DRK-Krankenhauses Mölln-Ratzeburg sprachen einem Eigengewächs das Vertrauen aus: Seit September ist Mirza Sopp die neue Qualitätskoordinatorin, die die massiven Veränderungen im Gesundheitswesen und speziell am Krankenhaus-Standort Ratzeburg in den vergangenen 17 Jahren intensiv miterlebt hat. 1990 begann die damals 19-Jährige nach dem Abitur in Lübeck die Ausbildung zur Krankenschwester. Nach dem Einsatz auf der Intensivstation (vier Jahre), in der Anästhesie (acht Jahre), als OP-Pflegerin (zwei Jahre) absolvierte sie auch noch eine dreijährige Ausbildung zur Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen an der IHK in Lübeck. Die drei wesentlichen Ziele als neue Qualitätskoordinatorin sind die Sicherstellung einer hohen medizinischen und pflegerischen Leistungsqualität, Gewährleistung einer hohen Patientenzufriedenheit und einer hohen Mitarbeitermotivation. (Dirk Andresen, DRK Krankenhaus)



Dr. Andreas Hirn neuer Schmerzspezialist


 
  Dr. Andreas Hirn
(Foto: DRK)
Das DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg hat Dr. Andreas Hirn als leitenden Arzt für Schmerztherapie und Palliativmedizin eingestellt. „Eine erfolgreiche Behandlung chronischer Schmerzen ist heutzutage nur möglich, wenn der Schmerz als vielschichtiges Krankheitsbild gesehen wird“, weiß Dr. Hirn, der in der Klinik mit dem Psychosomatiker, den Physiotherapeuten und, wenn nötig, mit weiteren Spezialisten kooperiert. Gemeinsam können für jeden Patienten strukturierte Behandlungspfade entwickelt und umgesetzt werden. Ziel aller Beteiligten dabei ist einerseits die größtmögliche Schmerzverminderung bei akzeptablen Nebenwirkungen und andererseits die Begleitung der betroffenen Menschen.

Dr. Hirn ist in Innsbruck geboren und arbeitete nach Abschluss seines Studiums dort im Bereich Pharmakologie und Toxikologie in Südafrika. Nach seiner Ausbildung zum Allgemeinmediziner in Tirol begann er in Lemgo mit seiner Weiterbildung in der Anästhesie und Intensivmedizin. Von dort wechselte er an das Zentrum für Anästhesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin der Universität Göttingen. Neben seiner Tätigkeit in allen Bereichen dieses Zentrums arbeitete er für mehr als zwei Jahre im Rahmen eines Projektes der Ärztekammer Niedersachsen und des Bundesgesundheitsministeriums als Arzt eines Palliativ Care Teams. Ziel dieses so genannten Support-Projektes war nicht nur die Schmerzbehandlung, sondern auch die umfassende palliativmedizinische Versorgung schwerkranker Tumorpatienten. Dabei sollte herausgefunden werden, inwieweit eine Zusammenarbeit der Hausärzte, Pflegedienste und Angehörigen mit palliativmedizinischen Experten hilft, die betroffenen Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen und Krankenhauseinweisungen möglichst zu vermeiden. Die letzten zwei Jahre war Dr. Hirn als Schmerztherapeut im Team der Schmerzambulanz der Universität Göttingen tätig. (Dirk Andresen, DRK Krankenhaus)


Euroskin 2007 contra Sonnenstudios


 
  PD Dr. Alexander Katalinic (Foto: SH)
Die Teilnehmer der 5. Internationalen Konferenz „Reducing the Health Risks of Sunbed Use“ der Europäischen Gesellschaft für Hautkrebs-Prävention („Euroskin“) haben sich in Hamburg für eine strengere Regulierung der Benutzung kommerzieller Solarien ausgesprochen. Betreiber sollten ihre oft sehr strahlungsstarken Geräte freiwillig nach den Kriterien des Bundesamtes für Strahlenschutz zertifizieren lassen. Bisher haben dies nur wenige getan - in Hamburg vier von etwa 100.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde stellte eine Umfrage unter den Hautarztpraxen vor. Diese bestätigte den Verdacht, dass in letzter Zeit vermehrt solarienbedingte Hautverbrennungen von Jugendlichen behandelt werden mussten (in über 85 Prozent der rückmeldenden Praxen). Über drei Viertel der Dermatologen sprachen sich für ein Nutzungsverbot für Jugendliche aus.

Aus Schleswig-Holstein wies PD Dr. Alexander Katalinic hin auf die gute Datenlage im Krebsregister bei Hautkrebs durch das Netzwerk von 100 Hautpraxen, drei Kliniken und von pathologischen Instituten. (hk)


Ausbildung in Praxis Marczinkowski/Midlum

In dem Artikel „Die ersten Operationstechnischen Angestellten (OTAs) mit staatlicher Anerkennung“, Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 8/2007, wurde bei der Angabe zum Ausbildungsbetrieb nicht erwähnt, dass Sandra Lehmann die ersten 18 Monate ihrer Ausbildung in der Praxis Helmut Marczinkowski, Midlum/Föhr, absolviert hat. (Ga)


Gesundheitskampagne „mach2“

Die GEK (Gmünder Ersatzkasse) hat mit sechs Landessportbünden, darunter dem LSV Schleswig-Holstein, die Präventionskampagne „mach2“ gestartet. Es geht um speziell ausgearbeitete Kurse mit Bewegung und gesunder Ernährung, um Übergewicht zu beseitigen. Die Kurse können von der jeweiligen Krankenkasse bezuschusst werden. Anbieter sind insbesondere die großen Sportvereine (siehe www.mach2.de).

Der Hamburger Sportmediziner Prof. Dr. Klaus-Michael Braumann betonte die größere Bedeutung von Bewegung gegenüber der Ernährung. In den letzten Jahren seien einige aussagefähige Studien vorgelegt worden.

Wie der Initiator, der zum Jahresende bei der GEK (nicht jedoch bei der Hamburgischen Zimmererkasse HZK) ausscheidende Vorstandsvorsitzende Dieter Hebel danach in einem Gespräch mit dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt erläuterte, setze die GEK stark auf Prävention (Motto: „Uns geht’s gut!“). In einem ausführlichen Gutachten habe das Institut von Prof. Schwartz (Hannover) die Wirksamkeit solcher Präventionsmaßnahmen belegt. Auf ein - wieder einmal - geplantes Präventionsgesetz des Bundes wollten weder die Kasse noch der Sport (HSB-Sportpräsident Günter Ploß, ehemals VdAK/AEV in Kiel) warten. (hk)


Pfeffer auf gesundheitspolitische Defekte

Eine „Gruppentherapie“ für Leidtragende der Gesundheitsreform bot das Leipziger Traditionskabarett „Die Pfeffermühle“ am 14. Oktober im ausverkauften Augustinum Aumühle (Sachsenwald). Therapie, denn Gesundheit müsse nicht immer reformiert, sondern (sofern defizitär) therapiert werden. Ist ganz Deutschland ein Sanierungsfall? Was ist Morbus Merkel? So fragten die Alt-Komiker Dieter Richter, Hans-Jürgen Silbermann und als Gaststar Sharon Brauner in ihrem amüsant-bissigen Programm „Happy D - glückliches Deutschland“.

Mehr leisten, mehr Kosten sparen: „Wir sollen arbeiten, bis der Arzt kommt!“ Das demografische Problem (umgekehrte Alterspyramide) eventuell durch Auswanderung nach Ägypten lösen? „Hier stehen die Pyramiden noch richtig rum!“ Oder durch Schaffung von „Kopulationsbeauftragten der Bundesregierung“? Was können Hartz-IV-Empfänger tun? Zusätzliche Mittel beschaffen durch Blutspenden? Durch Samenspenden? Durch (illegalen) Organverkauf?

Wie soll es weitergehen? Vorbeugen ist besser als heulen - das war gestern. Die Selbstbeteiligung der Patienten steigern zum Do-it-yourself, zum Beispiel zu Kursen bei der Volkshochschule „Darmspiegelung selbst gemacht“? Und bei OBI solle es schon mehr Op-Bestecke als Fuchsschwänze geben ... Droht die Arzneilimitierung für Alte? „Wenn die über 70-Jährigen eines Tages keine Medikamente mehr bekommen dürfen - na ja, dann sterben wir wieder eines natürlichen Todes.“ Und wenn es kein Sterbegeld mehr gibt - „dann treten wir in Sterbestreik“! (hk)




 
Rudolf Henke (Foto: MB)  

112. Marburger Bund Hauptversammlung
Rudolf Henke neuer Vorsitzender des Marburger Bundes

Der Aachener Internist und Oberarzt Rudolf Henke ist neuer erster Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB). Auf der 112. MB-Hauptversammlung in Berlin erhielt Rudolf Henke 144 von 177 gültigen Stimmen, das sind 81,4 Prozent. Er löst Dr. Frank Ulrich Montgomery ab, der nicht mehr zur Wahl antrat. Montgomery und Henke hatten den Marburger Bund in den 18 Jahren seit 1989 als erster und zweiter Vorsitzender geführt. In dieser Zeit ist der Marburger Bund von 47 000 auf 108 000 Mitglieder gewachsen. Als neuer zweiter Vorsitzender hat die 112. MB-Hauptversammlung den Münchener Chirurg Dr. Andreas Botzlar gewählt. (MB)


Für Sie gelesen

Therapiefreiheit in der Inneren Medizin!

Gegen Eingriffe in die Therapiefreiheit beispielsweise durch Disease Management Programme und das „Arzneimittelverordnungswirtschaftlichkeits-Gesetz“ mit seiner Bonus-Malus-Regelung bei der Medikamentenverordnung protestierte Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin im UK S-H, Campus Kiel, mit dieser Begründung:

„In der Inneren Medizin müssen wir uns den komplexen Krankheitsbildern bei multimorbiden Patienten stellen. Diese Patienten bedürfen in vielen Fällen einer individualisierten und nicht einer standardisierten Medizin.“

(Herbstsymposium der Deutschen Ges. f. Innere Medizin - DGIM, 18. Okt. 2007, Wiesbaden) (hk)


Patientenfreundliches Licht

Ein schönes Beispiel für eine patientenfreundliche medizintechnische Innovation, die nicht übermäßig viel kostet, haben die Asklepios Kliniken und Philips im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek in Hamburg vorgestellt. Ein volldigitaler Angiografieplatz wurde erstmals mit farbiger animierter Beleuchtung ausgestattet. In Deutschland seien schon rund 60 weitere Großgeräte wie CT und Kernspin bei entsprechender Patientenbegeisterung farbig ausgestaltet worden - hoffentlich demnächst auch in Schleswig-Holstein. „Licht nimmt Angst - das ist unsere Botschaft“, sagten der (scheidende) Asklepios-Geschäftsführer Dr. Jörg Weidenhammer und Philips-Geschäftsführer Jochen Franke. (hk)


Buchtipps

Gesundheitsmarkt 2008

Wer sich für die Tarifverträge im Bereich der Kliniken interessiert, findet die wichtigsten im Taschenkalender Gesundheitsmarkt 2008 von Dr. Uwe K. Preusker (ehemals mb-Zeitung, jetzt Publizist und Moderator zu gesundheitspolitischen Themen auf Bundesebene). Es handelt sich um die - aus Sicht eines Freiberuflers erstaunlich reichhaltigen - TV-Ärzte (Uni-Kliniken), den Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern, den TVöD und den Tarifvertrag zur Zukunftssicherung der Krankenhäuser. Economica Verlag Heidelberg u. a., ISB 978-3-97081-529-5, 20 Euro.



Wenn die alten Eltern sterben


Die in Schleswig-Holstein lebende Autorin Barbara Dobrick hat jetzt eine völlig überarbeitete Ausgabe ihres viel beachteten Trauer-Buchs verfasst, das zu den palliativmedizinischen Diskussionen im Oktober/November bei uns passt:

„Wenn die alten Eltern sterben“. Das endgültige Ende der Kindheit. Kreuz Verlag 2007, 200 Seiten, ISBN 978-3-7831-2866-6, 17,95 Euro.


Dazu und ergänzend zum Bericht über die Jahrestagung der Ethik-Akademie (AEM) in der vorigen Ausgabe sei hingewiesen auf die zahlreichen guten Bücher zur Medizinethik im LIT-Verlag Münster, zum Beispiel H. A. Kick/J. Taupitz, Ethische Orientierung in Grenzsituationen des Lebens, 2004, 126 Seiten, ISBN 3-82258-7398-6.



Ach! Das kleine Buch vom großen Staunen

Ein schönes kleines Advents- und Weihnachtsgeschenk ist das Büchlein „Ach! Das kleine Buch vom großen Staunen“ (Vertrieb Hg. Andere Zeiten e. V., Tel. 040/47112727), ca. 60 Seiten, 7 Euro, mit guten Texten und Bildern aus den letzten Adventskalendern. (hk)



Weiterer Ausbau Palliativmedizin

Die mit der Krankenhausplanung befasste Beteiligtenrunde hat Einigkeit über den Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung in Schleswig-Holstein erzielt. Sie stimmte dem Antrag auf Einrichtung von sechs palliativmedizinischen Betten im Westküstenklinikum in Heide zu.

Die Planung in Schleswig-Holstein fokussiert sich darüber hinaus auf den Auf- und Ausbau einer ambulanten palliativmedizinischen Versorgung. Durch die Einrichtung so genannter Palliativ-Care-Teams soll inhaltlich und konzeptionell auf die Vernetzung von ambulanten und stationären Einrichtungen bzw. Versorgungsangeboten hingearbeitet werden. Außerdem sollen Kooperationen zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlich Tätigen in der Palliativmedizin und in Hospizen gefördert und verstärkt werden.
In einem nächsten Schritt ist ein weiterer Ausbau des palliativmedizinischen Angebots im Bereich Lübeck, Stormarn, Herzogtum Lauenburg geplant. (Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren)


Asklepios verspricht Qualität

„Asklepios Kliniken“, Deutschlands größte private Klinikgruppe mit Standorten auch in Schleswig-Holstein (Bad Oldesloe, Westerland, Bad Schwartau), verspricht weitere Qualitätsverbesserungen in der Krankenversorgung. „Hochqualifizierte medizinische Hilfe für Patienten, das ist unser Ziel, nicht eine Gewinnentnahme, die wir noch nie gemacht haben“, sagte Gründer und Gesellschafter Dr. Bernard große Broermann vor der Presse in Hamburg. In seinem ersten Hintergrundgespräch mit Hamburger Journalisten im Grand Elysee Hotel verteidigten Broermann und sein noch derzeit in Hamburg als Vorstandschef eingesetzter Spitzenmanager Elmar Willebrand die Rationalisierungspolitik in den ehemaligen LBK-Häusern der Hansestadt. Die Qualität der medizinischen Versorgung werde hier wie in den anderen Häusern noch verbessert. Das sei auch ablesbar an den Qualitätsberichten (mit Ergebnisqualität), die immerhin von der AOK als beste bewertet worden seien. Asklepios verwende über 50 Clinical Pathways, mehr als andere. Viele Kliniken böten Präventionsprogramme für Schüler aus benachbarten Schulen. Der „Ethische Salon“ in Hamburg werde fortgeführt. Die medizinische Online-Bibliothek sei die größte in Europa.

Die Forschung mit Eigen- und Drittmitteln laufe gut (koordiniert von „Proresearch“), da die Schwerpunktkliniken über viele geeignete Patienten verfügten. So sei Hamburg weltweit zum zweitgrößten Standort für klinische Forschung geworden.

Für die Zukunft seien weitere Verbesserungen geplant, etwa der Ausbau der Perinatalzentren, der Stammzelltherapie (St. Georg), der Stroke Units, von Herzkathetermessplätzen und der Langzeitbeatmung. (hk)


32. Interdisziplinäres Forum der
Bundesärztekammer
„Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“
10.-12. Januar 2008

Veranstaltungsort: Tagungszentrum Katholische Akademie, Hannoversche Str. 5 b, Berlin

Kongresseröffnung: Prof. Dr. Dr. h. c. Jörg-Dietrich Hoppe, Berlin, Dr. Franz Bartmann, Flensburg

Themen und Moderatoren:

  • Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen, Prof. Dr. Scholz, Kiel
  • Interdisziplinäre Aspekte der bildgebenden Diagnostik, Prof. Dr. Eckel, Hannover, Prof. Dr. Freyschmidt, Bremen
  • Kontrazeption - aktuelle Aspekte, Prof. Dr. Hepp, Buch am Ammersee
  • Sportmedizin und klinische Medizin: Widerspruch und Notwendigkeit? Prof. Dr. Löllgen, Remscheid, Prof. Dr. Dickhuth, Freiburg
  • Pädiatrische Arzneimitteltherapie, Prof. Dr.
    Ludwig, Berlin, Prof. Dr. Seyberth, Marburg

Weitere Informationen:
Bundesärztekammer, Dezernat Fortbildung und Gesundheitsförderung, Postfach 12 08 64, 10598 Berlin, Tel. 030/400456-415, -418, Fax 030/400456-429,
E-Mail cme@baek.de, Internet www.bundesaerztekammer.de



Kommunikationskongress der Gesundheitswirtschaft

Noch ein Kongress? Ja, aber eine Premiere in Deutschland: Erstmals trafen sich im Oktober in der Handelskammer Hamburg Vertreter von Gesundheitsunternehmen (darunter viele Krankenhäuser und auch Krankenkassen), mit Vertretern der Medien, von Presseagenturen und mit Pressesprechern zum beiderseitigen Informationsaustausch. Die Initiatoren aus dem Umkreis des Hauptstadtkongresses und des Gesundheitswirtschaftskongresses Hamburg: „Die dynamische Wachstumsbranche Gesundheitswirtschaft braucht zur Vermittlung die Medien, umgekehrt sind die Medien in hohem Maße an den Themen und Ereignissen der Gesundheitsbranche interessiert.“

Neben den Fachvorträgen z. B. über die Arbeitsweise seriöser Journalisten, über das Spannungsverhältnis zu den Medien („Patient beißt Arzt - oder was ist berichtenswert“) oder Krisenkommunikation in der Klinik drängten die 250 Teilnehmer zu den zwölf Redaktionsbesuchen. Alles in allem ein Auftakterfolg, mit dem eine neue Plattform für die Kommunikationsprofis der Branche installiert wurde. Den Machern war allerdings auch klar (so auf Nachfrage), dass eine freie, möglichst objektive Berichterstattung nicht einfach wie die Arbeit von PR-Textern instrumentalisiert werden kann. (hk)


Ausgaben für Medikamente steigen
Fiskus kassiert kräftig mit

Die Ausgaben für Medikamente steigen weiter. Die Krankenkassen in Schleswig-Holstein gaben von Januar bis September dieses Jahres über 600 Millionen Euro für Arzneimittel aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Steigerung von rund neun Prozent. Dies teilte die Techniker Krankenkasse (TK) in Kiel mit. Einen Grund für die gestiegenen Kosten sieht die TK in der Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Beginn des Jahres. Mit mehr als 97 Millionen Euro war der Fiskus an den Arzneimittelausgaben in den ersten neun Monaten beteiligt - knapp 20 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Die TK bezieht sich auf aktuelle Zahlen des Deutschen Apothekerverbandes.

Die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent belastet die Krankenkassen bundesweit allein bei den Arzneimittelkosten zusätzlich mit rund 700 bis 800 Millionen Euro pro Jahr. „Mit der Entscheidung zur Mehrwertsteuererhöhung wurde die Bundesregierung selbst einer der größten Kostentreiber im Gesundheitswesen“, sagte Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der TK in Schleswig-Holstein. Die TK setzt sich seit Jahren dafür ein, Medikamente nur mit dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent zu belegen. Brunkhorst: „Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb zum Beispiel Schnittblumen in den Genuss des ermäßigten Steuersatzes kommen, lebenswichtige Arzneimittel dagegen voll belastet werden.“ Während Deutschland im europäischen Vergleich beim regulären Mehrwertsteuersatz im Mittelfeld liegt, nimmt es beim Steuersatz für Arzneimittel einen Spitzenplatz ein. Es ist eines der wenigen Länder, das für Medikamente den vollen Mehrwertsteuersatz erhebt. Zuwächse bei den Ausgaben für Arzneimittel wirken sich automatisch einnahmeerhöhend aus - der Fiskus kassiert also kräftig mit. Die Mehrwertsteuer machte allein bei den im Jahr 2006 zulasten der Krankenkassen verordneten Medikamenten rund 3,6 Milliarden Euro aus. Seit 1996 sind auf diesem Weg 32 Milliarden Euro an den Fiskus geflossen. (TK)


Exzellenzinitiative
Lübeck, Kiel, Borstel und Geesthacht erfolgreich

 
Prof. Stefan Schreiber
(Foto: UK S-H)
 

In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen waren die Universitäten Kiel und Lübeck zusammen mit dem Forschungszentrum Borstel sowie das Forschungszentrum Geesthacht erfolgreich.

An das Exzellenzcluster „Entzündungsforschung an Grenzflächen“ mit 70 Forschergruppen in Kiel (dort der Sprecher Prof. Stefan Schreiber, zugleich seit Oktober neuer Dekan in Kiel), Lübeck (Prof. Enno Hartmann, Institut für Biologie) und Borstel (Prof. Rietschel) gehen in den nächsten fünf Jahren 35 Millionen Euro. Weitere fünf Millionen fließen an die in Lübeck geplante Graduiertenschule „Informatik in Medizin und Lebenswissenschaften“ - federführend Prof. Schweikard, Institut für Robotik und Kognitive Systeme der Universität.

Damit war Lübeck mit beiden Anträgen erfolgreich: „Damit kann sowohl der Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein im Allgemeinen als auch die Universität Lübeck im Besonderen einen großen und, wie ich meine, verdienten Erfolg feiern“, sagte Prorektor Prof. Peter Schmucker für das Präsidium. „... man darf sagen, dass wir uns gemeinsam geradewegs auf die Spitze der deutschen Universitätslandschaft zu bewegen.“

Auch Geesthacht (GKSS-Forschungszentrum) war erfolgreich: als Partner der Univ. Hamburg hat es teil an der Auszeichnung des meteorologischen Großprojekts eines Weltklimaforschungszentrums. Dazu gehört das vom GKSS initiierte Norddeutsche Klimabüro, das den Dialog mit der Öffentlichkeit fördern soll - vermutlich auch im Bereich Klima und Gesundheit. (hk)


Kieler Forscher entdecken neuen Transportweg in der Zelle

 
  In den blau eingefärbten Zellkernen sind die zellulären „Recyclingwerke“, die Lysosomen erkennbar, um den Zellkern herum sieht man die rot eingefärbten Enzyme, die von den gelblich-grünen Rezeptoren transportiert werden.
(Foto/Copyright: Saftig)
 
 
  Prof. Paul Saftig vom Biochemischen Institut, Dr. Michael Schwake, Dr. Judith Blanz und Jenny Schröder (v. l.) erforschen seit mehr als drei Jahren Enzyme in Zellen, die in gefrorenem Stickstoff bei -196 Grad Celsius aufbewahrt werden.
(Foto: Haacks, Copyright: CAU)

Einem Kieler Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. rer. nat. Paul Saftig ist es gelungen, einen bislang unbekannten Transportweg eines für den Körper wichtigen Enzyms in der Zelle zu identifizieren. Diese Entdeckung könnte Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien gegen Morbus Gaucher sein, einer vererbbaren Erkrankung, in der dieses Enzym defekt ist. Diese Krankheit ist zwar relativ selten, verläuft aber oft schon im Kindesalter tödlich. In der am 16. November erschienenen Ausgabe der renommiertesten zellbiologischen Zeitung „CELL“ ist die Forschungsarbeit erstmalig veröffentlicht, an der auch Wissenschaftler einer amerikanischen Firma beteiligt waren, die Medikamente zur Behandlung von Morbus Gaucher vertreibt.

Die Gaucher-Erkrankung ist eine vererbbare Fettspeichererkrankung. Fette aus der Zellmembran können nicht abgebaut werden, sondern reichern sich in den Zellen an und führen so zu einer Vergrößerung der Organe wie Leber und Milz. Im gesunden Zustand spaltet das untersuchte Enzym die Fette und wird von einem Rezeptor, dem biochemischen „Spediteur“, in die Lysosomen transportiert, den so genannten „Recyclingfabriken“ der Zelle, wo diese Fette abgebaut werden. Die Entdeckung des neuen Transportweges und des Rezeptors birgt u. a. die Chance, Medikamente gegen Morbus Gauches vereinfacht herzustellen. „Zu wissen, wie dieses Enzym transportiert wird, ermöglicht es, den Transport zu steuern“, so Prof. Saftig, „durch gezielte Manipulation kann so das Enzym zum Beispiel aus der Zelle herausbefördert, dort abgefangen und dann in großen Mengen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden.“ Diese Erkenntnisse sind aber nicht nur im Hinblick auf therapeutische Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Erkrankung, sondern auch für das generelle wissenschaftliche Verständnis von zellulären Transportprozessen von großer Bedeutung. Inwieweit auch andere zelluläre Eiweiße den neu identifizierten Transportweg benutzen und ob ein fehlerhafter Transport auch mit anderen Erkrankungen verbunden ist, wird derzeit im Labor von Prof. Saftig untersucht.

Prof. Saftig ist der Leiter der Arbeitsgruppe für Transgene Maus- und molekulare Zellbiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Mit beteiligt an der Studie waren Dr. Judith Blanz, Dr. Michael Schwake und Jenny Schröder. (CAU)


Entscheidung des Bundesgerichtshofes
Das 2,3-fache des Gebührensatzes für Normalfall möglich

In seiner Entscheidung vom 8. November 2007 hat sich der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs mit der immer wieder mal kontrovers diskutierten Frage nach der Wahl des richtigen Steigerungsfaktors bei Erbringung durchschnittlicher ärztlicher Leistungen befasst. Das Urteil selbst liegt in Textform noch nicht vor, aber der hierzu veröffentlichten Pressemitteilung lässt sich entnehmen, dass nach Ansicht des III. Zivilsenats ein Arzt das ihm nach § 5 Abs. 2 GOÄ eingeräumte Ermessen nicht verletzt, wenn er „nach Schwierigkeit und Zeitaufwand durchschnittliche ärztliche Leistungen mit dem Höchstsatz der Regelspanne“ (also im „Normalfall“ mit dem 2,3fachen des Gebührensatzes) abrechnet. Diese Klarstellung bringt mehr Rechtssicherheit. Der Vollständigkeit halber ist der weitere richterliche Hinweis nicht unerwähnt zu lassen, dass „der Arzt seine Leistungen nicht schematisch mit dem Höchstsatz der Regelspanne berechnen darf, sondern sich bei einfachen ärztlichen Verrichtungen im unteren Bereich der Regelspanne bewegen muss.“ (IIIa)



Krankenhaus
Umgang mit schwierigen Patienten

Mit „schwierigen Patienten“ im Krankenhaus kann man lernen umzugehen. Das sollte auch durch Fortbildung der Mitarbeiter besonders in kommunikativer Kompetenz angemessen geschehen, um sowohl die Interessen der Patienten wie der Mitarbeiter zu respektieren. So etwa ließe sich das Ergebnis einer Tagung im Berliner St. Joseph-Krankenhaus (Tempelhof), veranstaltet auch von der Ev. Akademie zu Berlin und der Kath. Akademie in Berlin, zu diesem Thema beschreiben. Über 150 Teilnehmer aus Berlin und darüber hinaus diskutierten am 3. November die ärztlichen, pflegerischen juristischen und ethischen Perspektiven.

„Sie klingeln alle fünf Minuten, diskutieren ohne Unterlass und werden gewalttätig. Sie verweigern die Einnahme der nötigen Medikamente, waschen sich nicht und belästigen andere Patienten und das Personal, obwohl sie nicht offenkundig psychisch krank sind ...“ Dazu gehören nicht nur einfache Menschen, die ihre Bedürfnisse nicht gut artikulieren können, sondern ein Querschnitt der Bevölkerung - und als besonders anspruchsvolle Gruppe zunehmend auch alte Patienten mit demenziellen Problemen, so Dr. Hans Willner, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des St. Joseph-Krankenhauses. Sehr wichtig seien der Zusammenhalt im multiprofessionellen Team und das arbeitsteilige Vorgehen in erster Linie mit Gesprächspsychotherapie. Dazu gehörten Basisfertigkeiten wie die Kongruenz mit sich selbst, die Akzeptanz des Gegenübers, einfühlendes Verstehen der Problematik des anderen. In extremen Fällen müsse man sich nach der notwendigen medizinischen Versorgung von dem Patienten trennen. (hk)


St. Adolf-Stift
Elisabeth-Ausstellung verlängert

Bis zum 13. Januar 2008 hat das Reinbeker St. Adolf-Stift die Ausstellung aus Anlass des 800. Geburtsjahres der heiligen Elisabeth verlängert.

Die Ausstellung zeigt ca. 85 Exponate aus der Lebensgeschichte der Landgräfin von Thüringen, Stammmutter des hessischen Landgrafen-Hauses sowie Patronin des Deutschen Ordens und auch der Kongregation der Schwestern von der hl. Elisabeth, die Rechtsträgerin des Reinbeker St. Adolf-Stiftes ist. Höhepunkte der Ausstellung sind zwei faksimilierte Urkunden aus dem 13. Jahrhundert.

Zum einen handelt es sich um eine Urkunde vom 1. Juli 1234, mit der Papst Gregor IX. die Übergabe des 1228 von Elisabeth gegründeten Franziskus-Hospitals in Marburg an den Deutschen Orden bestätigte. Im Oktober 1234 trat Konrad von Thüringen, ein Schwager Elisabeths, in den Deutschen Orden ein und wurde 1239 dessen Hochmeister. Bis zur Auflösung der Marburger Niederlassung des Deutschen Ordens im Jahre 1809 gehörte die Marburger Elisabeth-Kirche dem Ritterorden. Bei der zweiten Urkunde handelt es sich um die päpstliche Kanonisationsbulle, mit der Papst Gregor IX. zu Pfingsten 1235 Elisabeth in Perugia heiligsprach. (St. Adolf-Stift, Reinbek)

Die heilige Elisabeth,
Sieger Köder, Altar-Malerei,
Pfarrkirche St. Stephanus, Wasseralfingen

4K-Kliniken im Programm zur Senkung der Frühgeburtenrate
„Hallo Baby“

Im November 2007 haben sich die Krankenhäuser des 4K-Verbundes, Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide gGmbH, Medizinisches Zentrum Klinikum Itzehoe und Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster GmbH dem BKK-Vertrag „Hallo Baby“ angeschlossen und bieten damit nun auch für Schwangere und Entbindende eine integrierte Versorgung an. Dieses BKK-Vorsorgeprogramm baut auf einer Versorgungsstruktur auf, bei der zzt. 117 niedergelassene Frauenärzte in Schleswig-Holstein mit regionalen Perinatalzentren und besonders qualifizierten Geburtskliniken nach aktuellen medizinischen Leitlinien zusammenarbeiten.

Rund jedes zwölfte Kind in Deutschland wird zu früh, d. h. vor der 37. Schwangerschaftswoche, geboren. Diese Frühgeburtenrate zu senken und für einen gesunden Schwangerschaftsverlauf zu sorgen, ist Ziel von „Hallo Baby“. Dabei geht es u. a. um die rechtzeitige Erkennung und Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes, Infektionen und vorzeitigen Wehen, wie es in den Mutterschaftsrichtlinien empfohlen wird. Diese Früherkennung soll durch eine umfassendere Begleitung und Aufklärung der Schwangeren und eine enge Zusammenarbeit zwischen Frauenärzten und den begleitenden Krankenhäusern erreicht werden.

Das integrierte Versorgungs-Programm basiert auf wissenschaftlich gesicherten Informationen und beinhaltet u. a. die Ermittlung der Risikofaktoren für eine Frühgeburt, ausführliche Beratungsgespräche über individuelle Risikofaktoren, Informationsmaterial, Testhandschuhe zur pH-Wertmessung und im Bedarfsfall die Betreuung der Schwangeren in Perinatalzentren/geburtshilflich-neonatologischen Krankenhäusern. Teilnehmen können alle schwangeren BKK-Versicherten in Schleswig-Holstein. (4K-Kliniken und BKK)


DFG fördert Forschungsprojekt des UK S-H zur Immuntherapie

Die Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten des UK S-H, Campus Kiel, erhält für die kommenden drei Jahre Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Höhe von 250 000 Euro. Das geförderte Projekt beschäftigt sich mit der Herstellung und funktionellen Testung so genannter rekombinanter IgA-Antikörper, um deren immuntherapeutisches Potenzial zu ermitteln.

Die Immuntherapie mit monoklonalen Antikörpern bietet heute eine nebenwirkungsarme Möglichkeit, sehr gezielt in die Entstehung unterschiedlicher Krankheiten einzugreifen. Bisher sind alle therapeutisch zugelassenen Antikörper vom Typ Immunglobulin G. Im Körper werden jedoch mengenmäßig mehr Antikörper vom Typ Immunglobulin A produziert. Dabei nimmt man an, dass die normale Funktion dieser speziellen Antikörper vor allem dem Immunschutz in Magen-Darm-Trakt und Lunge dient. Diese Antikörper können nämlich dort aktiv vom Körper ausgeschüttet werden. Bisher ist jedoch nur wenig untersucht, welche Funktion diese Immunglobuline im menschlichen Körper haben.

Eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein unter der Leitung von Dr. Michael Dechant und Prof. Dr. Thomas Valerius wird zukünftig spezielle Antikörper vom Typ Immunglobulin A herstellen und deren Funktionsweise untersuchen. Dabei werden sie sich beispielsweise mit der Funktion dieser Antikörper bei der Therapie von Tumoren befassen.

Enge Kooperationen bestehen dabei zu den Arbeitsgruppen von Prof. Jan van de Winkel (Genmab und University Medical Center, Utrecht, Niederlande) und Prof. Martin Glennie (University Southampton, England). (Dr. Anja Aldenhoff-Zöllner)


Bernd Schloer in Ruhestand verabschiedet

 
Bernd Schloer (Mitte) mit Ehefrau bei seiner Verabschiedung am 31. Oktober 2007 im Sozialministerium (Foto: rat)  

Mit Ablauf des Monats Oktober ist der Leiter der Gesundheitsabteilung im Ministerium für Soziales, Familie, Jugend und Senioren, Ministerialdirigent Bernd Schloer, in den Ruhestand getreten. Am 4. März 1974 wurde er nach seinem 2. juristischen Staatsexamen als Regierungsrat eingestellt. 1977 wurde er dann als Oberregierungsrat persönlicher Referent des damaligen Kultus- und Sozialministers Prof. Dr. Braun, später dann auch von Sozialministerin Gräfin von Brockdorff. 1987 stieg er zum stellvertretenden Leiter der Gesundheitsabteilung auf. Am 25. März 1993 wurde er unter dem damaligen Sozialminister Prof. Günther Jansen zum neuen Abteilungsleiter der Gesundheitsabteilung ernannt. Heute ist das kaum noch vorstellbar: Damals war es eine ungewöhnliche Entscheidung, einen „Nichtarzt“ mit der Leitung einer Gesundheitsabteilung zu betrauen, da diese Tätigkeit bis dahin mit einer Ausnahme immer Ärzten vorbehalten geblieben war.

In der Abteilungsleiterzeit Bernd Schloers gab es mehrere Ministerwechsel. Günther Jansen folgte von März bis Mai 1993 Claus Möller, dann für die längste Zeit seiner Tätigkeit bis April 2004 Heide Moser und seitdem Dr. phil. Gitta Trauernicht. In seine Amtszeit fallen viele unterschiedliche Probleme, die von ihm immer einer souveränen, unaufgeregten Bearbeitung zugeführt wurden. Die Vorbereitung der einschlägigen Gesetzgebung gehörte zu seinen Zuständigkeiten, wie, um nur einige aus den letzten Jahren zu nennen, das Maßregelvollzugsgesetz, das Leichen-Bestattungsgesetz, das Krebsregistergesetz und nun erst jüngst das Heilberufegesetz. Dazu kommt eine Flut von Stellungsnahmen und Vermerken zu den zahlreichen Gesundheitsgesetzgebungsverfahren des Bundes.
Sein besonderes Interesse galt der Krankenhausplanung in Schleswig-Holstein, die Bernd Schloer über viele Jahre außerordentlich gefordert hat. Seine von allen sehr geschätzte Stärke ist seine ruhige, unbeirrbare Art, mit der er auch festgefahrene Vorhaben wieder gangbar machen konnte, wie zuletzt die Ausbildungsverordnung zum Operationstechnischen Angestellten. Bernd Schloer wird auch im Ruhestand keine Ruhe geben: Neben seinen Hobbys und Ehrenämtern wird er neue Aufgaben übernehmen, mit denen seine beruflichen Kernkompetenzen nicht brachliegen müssen. (Ratschko)





Resolution der Kammerversammlung der Ärztekammer Schleswig-Holstein, 19.09.2007

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein fordert eine vergütungsrechtliche Gleichbehandlung von Ärztinnen und Ärzten in Forschung, Lehre und Krankenversorgung an den Universitäten des Landes. Im Tarifvertrag der Länder werden an den Universitäten Ärzte in der Forschung in die Entgeltgruppen 13 bis 15 eingestuft. In der Entgeltgruppe 13 wird ein Berufsanfänger bei gleicher wöchentlicher Arbeitszeit etwa 300 Euro monatlich niedriger vergütet, als ein frisch approbierter Arzt in der universitären Krankenversorgung, der im arztspezifischen Tarifvertrag nach Ä 1 eingruppiert wird.
Noch extremer wird die Differenz, wenn die Facharztvergütung entsprechend Ä 2 mit der Vergütung eines forschenden Facharztes, z. B. in der Physiologie, der in der Entgeltgruppe 14 eingestuft würde, verglichen wird: Hier beträgt die Differenz über 1 000 Euro monatlich zu Ungusten des Forschenden.

Diese Ungleichbehandlung setzt sich mit zunehmender Qualifizierung fort und gefährdet dadurch die klinisch-theoretische und klinische Forschung in der Medizin. Dies gilt auch für beamtete Ärzte, die als W2-Professoren häufig oberärztliche Tätigkeiten ausführen, jedoch trotz zusätzlicher Dienstaufgaben in Forschung und Lehre deutlich schlechter als Oberärzte ohne akademische Aufgaben vergütet werden.

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein fordert die Tarifgemeinschaft der Länder deshalb auf, alle Ärzte an den Universitäten nach dem arztspezifischen Tarifvertrag TV-Ä oder im Äquivalent zu vergüten.



 

Leserbrief

Leserbrief von Dr. med. vet. Anita Idel zum Leserbrief von Dr. Hermann Dahm, SHÄ 10/2007, S. 13, zum Artikel „Traditionelle Chinesische Arzneimitteltherapie“, SHÄ 8/2007, S. 36 ff.

 
Dr. Idel (Foto: Privat)  

Schade, schade. Stellt euch vor, einer will ernsthaft über TCM diskutieren, und keiner geht hin ... Keiner? Keiner! Denn Dr. Dahm setzt sich nicht mit dem Artikel von Dr. Xiaoyun Liang und Udo Lorenzen auseinander, sondern arbeitet sich an tatsächlichen Schmonzetten aus der Friseurauslage ab. Oder ist das ein Auftragsartikel der Redaktion, rein rhetorisch, zum Anheizen der Diskussion? Schön wärs.

Dr. med. vet. Anita Idel, Projektmanagement Tiergesundheit und Agrobiodiversität, Monumentenstr. 3, 10829 Berlin


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2007

S. 5-17