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Fortschritte
in der hepatobiliären
Chirurgie Teil II:
Laparoskopische Chirurgie kolorektaler Lebermetastasen
Markus Kleemann, Phillipp Hildebrand, Lutz Mirow, Conny Bürk, Uwe
Roblick, Hans-Peter Bruch
Historische Entwicklung
Seit der Einführung der laparoskopischen Cholezystektomie im Jahre
19871 wurde die minimal invasive Chirurgie auf verschiedene Bereiche des
Gastrointestinaltraktes und auf parenchymatöse Organe wie die Milz,
die Nieren, das Pankreas und die Nebennieren ausgeweitet 2,3,4,5.
Als laparoskopischer Lebereingriff wurde bereits 1991 die Fenestration
von solitären großen Leberzysten beschrieben6. Ein
Jahr später folgte die laparoskopische Wedge-Resektion einer fokal-nodulären
Hyperplasie7. Die laparoskopische laterale Sektorektomie links
folgte 1996. Vier Jahre später wurde erstmals eine größere
Patientenpopulation mit laparoskopischer Leberresektion beschrieben8,
9. Die Rolle der laparoskopischen Chirurgie ist bei der Behandlung
von zystischen Lebererkrankungen wie z. B. kongenitalen Leberzysten untermauert
worden10. Trotz einzelner Berichte über die laparoskopische Leberteilresektion
bei malignen Erkrankungen ist dieses Vorgehen nach wie vor umstritten
und derzeit nicht abschließend beurteilbar11. Eine aktuelle
Multicenter-Studie untersuchte Machbarkeit, Sicherheit und Patientenoutcome
der laparoskopischen Resektionstechniken12. Insbesondere kleinere
Tumore in den linkslateralen Segmenten (II, III) und den anterioren Lebersegmenten
des rechten Leberlappens (IVb,V,VI) sind für den minimal-invasiven
Zugang geeignet (Abb. 1).
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| Abb. 1: Laparoskopisch
gut zugängliche linkslaterale und anteriore Segmente (grau unterlegt) |
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Vorteile und kritikale
Punkte des minimal-invasiven Zugangs
Auch an der Leber lassen sich die Vorteile der minimal invasiven Therapie
im Vergleich zur Laparotomie nachweisen: verringerte postoperative Analgesie,
bessere postoperative Lungenfunktion, Reduktion postoperativer immunologischer
Faktoren, zügigerer Kostaufbau, verkürzter Krankenhausaufenthalt
und schnellere Erholung der Serum-Transaminasen-Werte (Abb. 213).
Kontrovers diskutiert wird die Gefahr der Tumorzellverschleppung und der
Trokarkanalmetastasen bei malignen Prozessen. Vergleichende Untersuchungen
zur konventionellen offenen Leberchirurgie fehlen. Kurzzeitdaten belegen
jedoch, dass bei entsprechender Patientenselektion vergleichende Ergebnisse
wie bei offener Leberresektion erzielt werden können14. Der Gefahr
einer Gasembolie durch das Pneumoperitoneum kann mit entsprechenden Bauchdeckenhalterungen
ohne der Notwendigkeit eines Pneumoperitoneums begegnet werden. Auch die
Verringerung des intraabdominellen Druckes unter zehn mmHg, die intraoperative
Sonographie der linken V. hepatica und das engmaschige anästhesiologische
Monitoring des endexpiratorischen CO2-Gehaltes tragen zur sicheren Operation
und Qualitätskontrolle bei11. Die aktuellen Daten zeigen eine Mortalität
zwischen null und sechs Prozent bei laparoskopischem Vorgehen und eine
Morbidität von bis zu fünf Prozent. Die Blutung bleibt die häufigste
intraoperative Komplikation, ähnlich der offenen Operation, ist aber
minimal-invasiv erheblich schwieriger zu beherrschen und in 80 Prozent
der Fälle Grund zur Konversion*.
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| Abb.
2: Reduzierte postoperative immunologische Parameter nach laparoskopischer
Leberoperationen13. |
Indikation
Bei der laparoskopischen Resektion gilt als conditio sine qua non die
selben onkologischen Standards analog der offenen Resektion. Diese beinhalten
die No-Touch-Technik und die R0-Resektion mit Erreichen eines
1 cm freien chirurgischen Randabstandes. In der Tat wurden Langzeitüberlebensraten
von Patienten mit hepatozellulärem Karzinom oder auch kolorektalen
Lebermetastasen verglichen. Obwohl das Erreichen eines 1 cm Randabstandes
nicht zwingend zu höheren Raten an Langzeitüberlebenden führt,
muss doch das Erreichen eines tumorfreien Resektionsrandes als der entscheidende
Faktor einer jeden, so auch laparoskopischen Resektion angesehen werden.
Lagerung, anatomische Landmarken und Trokarplatzierung
Die Lagerung des Patienten erfolgt in Rückenlage. Der Zugang des
Optiktrokares erfolgt via Minilaparotomie, die weiteren, in der Regel
drei bis vier Trokare, unter laparoskopischer Sicht. Es erfolgt die Anlage
des CO2-Pneumoperitoneums bis zehn mmHg. Alternativ sind gaslose Retraktorsysteme
verfügbar. Ziel gasloser Retraktorsysteme ist die Vermeidung von
Gasembolien. Analog dem offenen Vorgehen erfolgt die Exploration des Tumors
in Relation zu den relevanten Pfortaderästen oder Lebervenen mittels
laparoskopischen Ultraschallsonden.
Laparoskopische Technik der Resektion solider Tumore
Laparoskopische Leberresektionen können als totale laparoskopische
Resektion oder als handassistierte Resektionen durchgeführt werden.
Bei der total laparoskopischen Resektion können folgende Schwierigkeiten
auftreten:
- die massive Blutung
und die Luftembolie,
- der Verlust der
taktilen Palpation,
- die Schwierigkeit
der Extraktion des malignen Präparates.
Deshalb wird in einigen
Zentren die handassistierte laparoskopische Leberchirugie (HALS) präferiert,
um diesen Problemen zu begegnen12,13. Der Vorteil der HALS
liegt in der besseren Exploration der Anatomie einschließlich der
palpatorischen Untersuchung der Leber. Stumpfes dissezieren ist möglich.
Darüber hinaus kann über den Handport eine sofortige manuelle
Blutstillung durch Kompression erfolgen, ebenso kann zur Vermeidung einer
Luftembolie die Lebervene komprimiert werden.
Die total laparoskopische Resektion solider Tumoren kann im vierhändigen
Verfahren durchgeführt werden, welches zwei Chirurgen zum simultanen
Arbeiten befähigt. Dies setzt jedoch eine enge Abstimmung im Team
voraus. Der Greifer wird von der linken Hand des ersten Chirurgen bedient.
Die rechte Hand des ersten Chirurgen bedient den laparoskopischen Ultraschall-Dissektor,
welchen er zur instrumentellen Dissektion des Leberparenchyms benutzt
und somit selektiv alle Gallengänge und Gefäße freilegt.
Die Funktion des zweiten Chirurgen besteht in der Kontrolle der vaskulären
und biliären Gefäßstümpfe, um das Risiko einer Blutung
oder einer CO2-Embolie zu minimieren.
Derjenige Chirurg, der die Resektion des Tumors ausführt, beginnt
mit der Durchtrennung des Lig. coronarium und des linken sowie rechten
Lig. triangulare, um die Läsion im korrespondierenden Leberlappen
zu lokalisieren. Mittels Elektrokauter wird die Glissonsche Kapsel zwei
Zentimeter von der Metastase eingeschnitten. Während der erste Operateur
die Leberoberfläche freilegt und das Parenchym disseziert, durchtrennt
der zweite Operateur alle freiliegenden vaskulären und biliären
Stümpfe mit Clips. Eine Blutungskontrolle an der Dissektionsfläche
kann mit einem Argon-Beamer erzielt werden. Kleinere Gefäße
und Gallengänge können auch mit Ultracisison verschlossen werden.
Größere Strukturen werden zwischen Clips durchtrennt. Die Lebervenen
können am besten mit einem linearen endovaskulären Stapler durchtrennt
werden. Die Anwendung von Fibrinkleber verbessert die Hämostase und
vermag vor Galleleckage zu schützen17, 18.
Laparoskopische laterale Sektorektomie links
Die häufigste laparoskopische Leberresektion, die Resektion des Sementes
II und III, wird im Folgenden genauer erläutert.
Der erste Chirurg führt eine linkslaterale Segmentektomie durch,
indem er zuerst das Lig. falciforme und danach das linke Lig. triangulare
durchtrennt, bis er die V. cava inferior identifizieren kann. Der Operateur
unterfährt die Leber mit einem Fächerretraktor um die Leber
unterhalb zu mobilisieren. Die linke Lebervene wird an der Mündungsstelle
in die Vena cava inferior vorsichtig mittels Stieltupfer und Kellyzange
freigelegt. Ein Faden der Stärke 0 wird um die Lebervene gelegt und
dieser mit der intrakorporalen Knüpftechnik ligiert. Falls der retrohepatische
Verlauf der Lebervene zu kurz erscheint und die Dissektion damit gefährdet,
sollte der Operateur nicht versuchen die linke Lebervene extrahepatisch
zu kontrollieren. Die Dissektion des Lig. hepatoduodenale erfolgt mit
der bipolaren Schere. Ein Tourniquet wird um die Leberpforte gelegt, um
das Pringle-Manöver vorzubereiten, welches bei eventuellen intraoperativen
Blutungen durchgeführt werden muss. Die Leberkapsel wird anschliessend
1 cm links vom Lig. falciforme auf der anterioren und inferioren Seite
eingeschnitten. Das Parenchym kann mit dem Ultracision und einer der Fingerfracturetechnik-ähnlichen
Methode disseziert werden. Die vaskulären und biliären Stümpfe
von Segment II und III werden eindeutig identifiziert und nacheinander
mit Clips verschlossen. Die bereits ligierte linke Lebervene wird innerhalb
des Leberparenchyms mit der laparoskopischen Schere durchtrennt. Der hämodynamische
Status, das endexpiratorische CO2, sowie die Sauerstoffsättigung
werden kontinuierlich überwacht, um eine CO2-Embolie frühzeitig
zu erkennen und zu behandeln. Das Präparat wird dann über eine
quere Oberbauchinzision entfernt.
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| Abb.
Semicirculärer Zugang für laparoskopische Lebereingriffe
(Berends FJ, Meijer S, Prevoo W, Bonjer HJ, Cuesta MA, Surg Endosc
2001, 15:794-798) |
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Komplikationen
Prinzipiell ist die laparoskopische Chirurgie der Leber den gleichen Komplikationen
ausgesetzt, wie die offene Leberchirurgie. Im Folgenden beschreiben wir
daher die typisch laparoskopischen Komplikationen. Eine der gefürchtetsten
Komplikation ist die Verletzung großer venöser Strukturen der
Leber mit der Gefahr der massiven Blutung, eine weitere die Luftembolie
mit dem Risiko des plötzlichen Herztodes. Bei offenen Resektionen
würde bei einer derartigen Verletzung eine sofortige manuelle Kompression
erfolgen, sodass Zeit für weiteres geplantes und umsichtiges Handeln
bleibt und der Blutverlust begrenzt bleibt. In der Laparoskopie kann die
notfallmäßige Konversion schwierig sein und jegliche Verzögerung
kann fatale Folgen haben. Der handassistierte Zugang macht die rasche
Konversion zum offenen Vorgehen deshalb erheblich leichter, ermöglicht
er doch die manuelle Kompression der Blutung und damit einen Zeitgewinn.
Das Risiko einer Gasembolie durch das CO2-Pneumoperitoneum ist in der
Literatur vielfach erwähnt. Das Risiko scheint jedoch bei der Durchsicht
der aktuellen Literatur einer von uns durchgeführten Reviewanalyse
sehr gering zu sein, da nur vereinzelt Fälle zitiert werden19. Möglicherweise
führt der intraabdominelle Druck zu einem Kollaps der verletzten
Vene durch Druck von Außen, und verhindert dadurch die Luftembolie.
Pathophysiologische Untersuchungen fehlen hierzu gänzlich. Zusätzlich
vermindert ein anästhesiologisch gesteuerter, erniedrigter zentralvenöser
Druck während der Parenchymdissektionsphase analog der offenen Chirurgie
den intraabdominellen Blutverlust. Besteht der Verdacht auf eine Gasembolie
muss die verletzte Vene rasch kontrolliert, der Patient in Rechtsseitenlage
mit Trendelenburgposition** (Kopf tief - Fuß hoch) versetzt und
aggressiv bewässert werden. Über einen eingelegten zentral-venösen
Katheter kann der Anästhesist versuchen Luft zu aspirieren. Das erweiterte
intraoperative Monitoring mittels permanenter Echokardiographie erleichtert
und sichert die Diagnose.
Aus der Schwierigkeit heraus laparoskopisch Zug- und Gegenzug aufzubauen,
können Parenchymeinrisse resultieren. Leberparenchymeinrisse können
bereits in der offenen Leberchirurgie entstehen, sie entstehen noch leichter
in der laparoskopischen Leberchirurgie durch den Verlust der taktilen
Information, den Verlust der Tiefeninformation und der eingeschränkten
Funktionalität der laparoskopischen Leberretraktorsysteme. Die Benutzung
des Handports entstand aus genau diesen Überlegungen heraus, um die
Machbarkeit solcher Operationen zu ermöglichen. Die Hand des Operateurs
bleibt der beste und schonendste Leberretraktor, sie vermittelt die taktilen
Informationen der Leberoberfläche und etwaige Resistenzen und kann
sanften Zug ausüben. Weiterhin kann der Operateur in der Metastasenchirurgie
den Sicherheitssaum besser einschätzen.
Unentdeckte Verletzungen der Gallengänge wegen schlecht platzierter
Clips oder brüske laparoskopische Dissektionen können im mechanischen
Ikterus mit Cholangitis oder biliärer Leckage münden. Während
biliäre Lecks in der offenen Chirurgie durch direkte visuelle Kontrolle
auffallen oder kleinere Leckagen im Rahmen der Operation durch gallige
Auflagerungen aus dem Leberparenchym evident werden, kann dies laparoskopisch
wegen fehlender Farbtreue bzw. Farbechtheit der Monitore schwierig sein.
Weiterhin erfolgt die visuelle Kontrolle oft aufgrund der eingeschränkten
laparoskopischen Freiheitsgrade aus einem suboptimalen Blickwinkel.
Fazit
Die laparoskopische Resektion kolorektaler Lebermetastasen ist an einem
ausgewählten Patientenklientel sicher durchführbar und die Ergebnisse
sind mit denen der offenen Metastasenchirurgie zu vergleichen. Nachgewiesen
sind ebenfalls die immunologischen Vorteile für den Patienten und
die postoperativen Vorteile eines minimal-invasiven Zugangs bezüglich
der postoperativen Lungenfunktion und des postoperativen Schmerzmittelbedarfs.
Insbesondere Metastasen in den linkslateralen Segmenten II und III sind
laparoskopisch sehr gut zugänglich, als auch in den anterioren Segmenten.
Zentrale und dorsale Befunde bleiben meist der offenen Resektion vorbehalten.
Inwieweit der Status der laparoskopischen Chirurgie der Leber bei malignen
soliden Tumoren in Zukunft bewertet sein wird, bleibt Aufgabe weiterer
Studien. Die Einführung von dreidimensionaler prä- und intraoperativer
Bildgebung in Verbindung mit der ultraschallgeführten Navigationstechnologie
kann Nachteile der minimalinvasiven Operation wie Fehlen der Taktilität
und zweidimensionale Orientierung aufheben.
Dr. Markus Kleemann, Dr. Philipp Hildebrand, Dr. Lutz Mirow, PD Dr.
Conny Bürk, Dr. Uwe Roblick, Prof. Dr. Hans-Peter Bruch, Klinik für
Chirurgie, UK S-H, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
**1 1870 propagierte der Arzt Friedrich Trendelenburg diese Lagerung zur
besseren Zugänglichkeit der Beckenorgane bei chirurgischen Eingriffen.
Sein Kollege Walter Cannon empfahl diese Lagerung während des 1.
Weltkrieges als Maßnahme gegen Schock.
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 11/2007
S. 62-66
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*Tabelle 1: Literaturübersicht
laparoskopische Leberresektionen mit einer Fallzahl von 15 oder mehr.
Zwei Multicenterstudien können Daten anderer Publikationen enthalten
(Gigot 2002 und Descottes 2003 )
Literatur:
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