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Rezension


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Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus

Bibliographische Angaben: W. U. Eckart, V. Sellin, E. Wolgast (Hrsg.), Springer Verlag, Heidelberg 2006, 1 277 Seiten, ISBN 978-3-540-21442-7, 49,95 Euro

Es fällt heute noch vielen Menschen schwer, zu verstehen, warum das deutsche Volk einschließlich seiner Universitäten 1933 und in den folgenden Jahren bis auf eine kleine Minderheit so bereitwillig mit dem Nationalsozialismus zusammenarbeitete. Eine Erklärung dafür ist, dass es dem Bösen auf eine perfide Weise gelang, als das Gute und der Lichtträger zu erscheinen. In der Universität, so die Autoren, fehlte es oft an Zivilcourage, man leistete Gehorsam und befolgte Befehle. Macht, Glanz und Gloria des „Dritten Reiches“ schlugen viele Studenten und ihre akademischen Lehrer mit Dummheit. Es ist ein großes Verdienst der Herausgeber und der Autoren, dieses dunkle Kapitel der ältesten deutschen Universität nicht verdrängt, sondern sachverständig und kritisch dargestellt zu haben. Wir benötigen Geschichte, um vermeidbare Fehler nicht zu wiederholen, sondern aus ihnen zu lernen. Weil die Welt am deutschen Wesen genesen sollte, entstanden eine „neue deutsche Heilkunde“, eine „deutsche Physik“ unter Philipp Lenard und sogar „Deutsche Christen“. Alle 36 Autoren dieses sorgfältig verfassten Werkes geben wertvolle Einblicke in die nationalsozialistische Verstrickung der Universität Heidelberg. Wegen der Leserschaft dieser Zeitschrift beschränkt sich der Rezensent vor allem auf die Medizin. Doch zuvor ein Wort über die philosophische Fakultät. Nachdem der Arzt und Philosoph Karl Jaspers sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden ließ, wurde er entlassen, wie der Leser von Dominic Kaegi erfährt. Über einen befreundeten Arzt hatten sich Jaspers und seine Frau Zyankali beschafft, durch das sie vor dem Abtransport in ein Vernichtungslager, der am 14. April 1945 vorgesehen war, sterben wollten. Die Besetzung Heidelbergs durch die Amerikaner verhinderte das. Bereits 1933 kam es zu einer Welle von Entlassungen. Jüdische und politische missliebige Lehrkräfte wurden aufgrund des „Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus der Universität entfernt. Es war ein gnadenloser Aderlass, 20 Mitglieder allein aus der medizinischen Fakultät wurden zwischen 1933 und 1939 ausgestoßen, wie der Heidelberger Medizinhistoriker Wolfgang U. Eckart, einer der Herausgeber des Bandes, berichtet. „Rassenhygiene“ und „Erbgesundheitspflege“ hießen jetzt die Parolen. Gefordert wurde die Ausmerze geistiger Störungen derjenigen Anlagen, die die soziale und kulturelle Leistungsfähigkeit vermindern oder aufheben“. So die Forderung eines Heidelberger Chirurgen aus seiner Breslauer Zeit (Felix Sommer), „Schwachsinn, ... Taubstummheit oder das erbliche Verbrechertum“ sollten ausgerottet werden. Deshalb war die Zwangssterilisation ein wichtiges Thema gynäkologischer Kongresse sowie von elf Doktorarbeiten der Universitätsfrauenklinik (Ralf Bröer). Axel W. Bauer schreibt umfassend über Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie. Der Direktor der psychiatrischen Klinik, Prof. Wilmanns, wurde im April 1933 entlassen, weil er gesagt hatte, die Kriegserblindung Hitlers sei eine hysterische Reaktion gewesen (Maike Rotzoll und Gerrit Hohendorf). Der Nachfolger Carl Schneider unterstützte die Tötung der unheilbar kranken Anstaltspatienten. Diese unfreiwillige „Euthanasie“ ist unter dem Namen „T4-Aktion“ bekannt und führte zu mindestens 216 000 Opfern. Die bei den Ermordungen anfallenden Leichen wurden für den „wissenschaftlichen Fortschritt“, d. h. für pathologisch-histologische Gehirnuntersuchungen benutzt. Viele Leichen der Anatomie, Objekte für Präparierkurse, waren aus politischen Gründen Hingerichtete (Felix Sommer).

Der Rezensent wünscht dem Buch viele, nicht zuletzt jugendliche Leser, die wissen wollen, wie leicht selbst kluge Menschen von der Macht zu korrumpieren sind. Es wäre gut, wenn auch Universitäts-, städtische und Klinikbibliotheken dieses vorzügliche Standardwerk einer breiten Leserschaft anbieten könnten.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel


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Im Widerstreit -
25 Jahre Frauenarztpraxis im Spiegel der Zeit

Bibliographische Angaben: Dr. Klaus-Peter Runte, Verlag Murken-Altrogge, 90 Seiten, 18 Euro,
ISBN 3-935791-22-4

Fast 25 Jahre Frauenarztpraxis in einer norddeutschen Kleinstadt waren für den Autor Anlass und Grund seine Ansichten über einige Probleme in der Frauenheilkunde in einer kleinen Broschüre (90 Seiten) zu veröffentlichen. Im Wesentlichen besteht die Veröffentlichung aus dem Nachdruck von vier Artikeln in Allgemeinzeitungen - belegt durch Faksimile-Ausrisse. Das Buch ist im journalistischen Stil leicht lesbar geschrieben. Es ist schnell gelesen - bedarf aber einiger Zeit des „Nach“-Denkens. Es ist schon nicht nur für den Facharzt, sondern für alle Medizininteressierten wie für alle Frauen, Mütter und ihre Partner lesens- und reflektierenswert. Man findet die Probleme von Frucht- und Unfruchtbarkeit, von Abtreibung und Adoption, Ehemann im Kreißsaal oder nicht - Probleme die noch lange nicht ausdiskutiert und ständig neuer Überlegung wert sind.

Zu danken ist dem Autor für sein ausgiebiges Literaturverzeichnis - getrennt für Ärzte und Nicht-Ärzte. Besonders lobens- und beachtenswert ist die Auflistung von Vereinen, Fachverbänden und Selbsthilfegruppen, die in den angesprochenen Problemen Hilfe leisten können.

Zusammengefasst bietet der Autor keine kompletten Lösungen - so spiegelt es sich auch im Titel - sondern Denkanstöße.

Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Travemünde


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Die Organisation Krankenhaus im Wandel

Bibliographische Angaben: Eine dokumentarische Evaluation aus Sicht der ärztlichen Akteure. Werner Vogd, Verlag Huber, Bern 2006, 293 Seiten, Euro 29,95, ISBN 3-456-84356-9

Werner Vogd, ein Medizinsoziologe, hat seine Untersuchungen in einer chirurgischen und internistischen Krankenhausabteilung in den Jahren 2000/2001 und 2004/2005 absolviert. Zwischen diesen Jahren wurde 2003 das Diagnosis Related Groups (DRG)-System eingeführt: Nicht mehr die Liegezeit, sondern die Fallpauschale wird dadurch zum Finanzierungsmodus. Diese Veränderung der Krankenhausarbeit ist politisch gewollt, um zu höherer ökonomischer Effizienz und damit zur Senkung der Gesundheitskosten zu kommen. Der Autor arbeitet mit der Methode der „teilnehmenden Beobachtung“. Er begleitete Stationsärzte und Oberärzte, beobachtet „Chefvisiten“ und lässt vor allem Ärzte der untersuchten chirurgischen und internistischen Abteilung in zahlreichen Interviews ihre Meinung zu dem neuen DRG-System, das die Verweildauer der Kranken im Krankenhaus stark kürzt, sagen: Wie sind die Ergebnisse? Durch die DRG-Codierung haben die Ärzte eine medizinfremde und bürokratische Aufgabe zu erledigen, die neben der kurzen Verweildauer den Kontakt mit den Patienten einschränkt. Trotzdem identifizierten sich die Ärzte der chirurgischen Abteilung auch im Jahr 2004 mit ihrer Klinik. Allerdings machten chirurgische Stationsärzte wegen der Aufnahmestation nicht mehr ausführliche Anamnesen. Die Ärzte erlebten eine Verschiebung der institutionellen Macht zugunsten der Verwaltung. Dass die chirurgische Identität nicht bedroht scheint, führt der Autor darauf zurück, dass die Chirurgen durch eine exquisite Ausbildung im Operationssaal belohnt würden. Mehr Problemen begegnete Vogd auf der internen Abteilung. Im Vergleich zu 2000/2001 war 2004 die durchschnittliche Liegezeit von elf auf sieben Tage reduziert. Auch hier verließ man sich meistens auf die Diagnosen der Aufnahmestation. Anstelle der persönlichen Begegnung mit dem Patienten spielte die Patientenakte eine zunehmende Rolle. Aus Zeitgründen wird gleich zu Beginn eine ganze Batterie von technischen Untersuchungen angesetzt, obwohl es sich später ergibt, dass nicht alle nötig waren. Das DRG-System zwinge zu routinemäßig angeordneten Interventionen, die Folgeeingriffe, Nebenwirkungen und hohe Kosten verursachen. Da nur eine DRG abgerechnet werden könne, lohne es sich für das Haus nicht, verschiedene Krankheiten zu berücksichtigen. Der Internist strebt an, sich ein Gesamtbild seines Kranken und seiner Krankheiten zu machen. Das aber findet seine Grenzen in dem eng gewordenen Zeitrahmen. „Da das DRG-System so angelegt ist, die Abklärung verschiedener Krankheitsbilder nicht zu belohnen, ergibt sich eine Diskrepanz zwischen der internistischen Orientierung, verschiedene Differenzialdiagnosen abzuklären und der Forderung, die Untersuchung auf eine DRG zu konzentrieren.“ Polymorbide Kranke, die im Alter die Regel sind, werden zu einer Last für das ökonomisch denkende Krankenhaus: Die verschiedenen Krankheiten und ihre Therapie bei einem polymorbiden Patienten sind schwerer als früher zu integrieren, psychosoziale Aspekte können kaum noch berücksichtigt werden. Das könne „unter den neuen dynamischen Verhältnissen nicht mehr geleistet werden.“

Vogd zeigt, dass das DRG-System eine Patienten-zentrierte Medizin bei Internisten bedroht. Sie erfahren „eine Deprofessionalisierung vom Arzt zum technokratischen Spezialisten“. Das Buch ist als eine Pionierleistung zu werten und jedem am Krankenhaus Interessierten zu empfehlen. Allerdings ist der soziologische Wissenschaftsjargon des Autors manchmal unnötig kompliziert und deshalb nicht stets gut verständlich.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel


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Mit Idealismus im Hamsterrad -
Traumberuf Hausärztin?

Bibliographische Angaben: Gisela Maintz, Books on Demand GmbH, 2006, 116 Seiten,
ISBN 3-8334-5293-5, 9,90 Euro

Kurze Inhaltsangabe: Biographie und Retrospektive einer überzeugten Hausärztin. Zeitspanne 1957 bis fast heute. War alles besser? Es war anders! Der Rezensent hat in etwa den gleichen Zeitabschnitt durch- und erlebt.

Kritische Bewertung: Im ersten Teil eine gut lesbare, locker geschriebene Biographie, fachlich und privat. Danach (leider nur etwas traurige) Geschichten aus der Praxis; gereimte und ungereimte Lyrik.

Sonstiges: Die Probleme einer Ärztin, Mutter und Ärztin sind en vogue und hier unproblematisch dargestellt.

Empfehlung: Für ältere Kollegen(innen) ein Déjà-vu, für junge eine Gelegenheit sich mit dem Berufswunsch auseinander zu setzten.

Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck


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Chirurgie systematisch

Bibliographische Angaben: Prof. Dr. Dieter Regensburger unter Mitarbeit zwölf weiterer Autoren, Uni-MED Verlag Bremen, 2. Auflage, 750 Seiten, ISBN 978-3-89599-161-5, 39,80 Euro


Kurze Inhaltsangabe: Es handelt sich um ein umfassendes Lehrbuch der Chirurgie, das sich in elf Kapitel untergliedert: allgemeine chirurgische Grundlagen, Viszeral-, Unfall-, Gefäß-, Thorax-, Herz-, Kinder-, Neuro-, plastische- und Transplantationschirurgie sowie ein Beitrag über juristische Aspekte. Es werden die wesentlichen Erkrankungen und modernen Therapiemaßnahmen dieser operativen Fächer in knapper Form erläutert.

Bewertung: Das umfassende Stoffgebiet der genannten operativen Fächer ist verständlich und präzise dargestellt. Diese Systematik der chirurgischen Erkrankung und deren Therapie ist nachvollziehbar gegliedert. Diagnostik und Therapie entsprechen dem neuesten Stand.

Sonstiges: Hervorzuheben ist die gute Bebilderung mit schematischen Darstellungen aller wesentlichen chirurgischen Erkrankungen und Operationen. Aufgrund der Übersichtlichkeit der kompakten Darstellung des breiten Stoffgebietes ist dieses Lehrbuch nicht nur für die Studenten und Assistenzärzte in der chirurgischen Ausbildung, sondern auch für die niedergelassenen Ärzte, die sich für spezielle chirurgische Fragestellung interessieren, zu empfehlen.

Rezensent: Prof. Dr. Peter Kujath, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 10/2007

S. 15, 20, 36, 76, 85