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Kettenbildung
und Franchising auch im Gesundheitswesen?
Kann das Unternehmenskonzept von Firmen wie Fielmann oder Burger King
auf das Gesundheitswesen übertragen werden? Zumindest wird über
Kettenbildung und Franchising auch im Gesundheitswesen nachgedacht - und
zum Teil auch schon praktiziert. Auf dem 8. Deutschen Medizinrechtstag
am 22. September in Hamburg wurde aber auch deutlich, dass Konzepte, die
bei Fastfood und Brillengestellen Erfolg haben, auf den Medizinsektor
nur schwer übertragbar sind.
Es gibt keinen Grund für Vorurteile, aber auch keinen für
Aktionismus, sagte Rechtsanwalt Sebastian Vorberg in Hamburg. Arzt-Franchising
ist für ihn noch ein kleiner Mythos. Bislang gibt es
nur wenige funktionierende Beispiele oder Pilotprojekte. Grund aus seiner
Sicht: Die zu klärenden Fragen vor Start oder Eintritt in ein Franchiseunternehmen
sind vielfältig. Vorberg nennt Fragen zur Anteils- und Umsatzbeteiligung
oder zum Einfluss des Franchisegebers. Der Rechtsanwalt sieht eine fließende
Grenze zu anderen Kooperationen wie etwa das Ärztenetz oder die Zusammenarbeit
in einer Kette unter gleichem Namen. Eine solche Gesellschaft ist beispielsweise
das bundesweit an zehn Standorten tätige Endokrinologikum. Das von
Ärzten aufgebaute Unternehmen verfügt über eine immer bekannter
werdende Marke und hat einen hohen Zuspruch unter Patienten mit Hormon-
und Stoffwechselerkrankungen. Dr. Bernard Frieling, Partner in der Kette,
sieht derzeit nur eine Wachstumsbremse für sein Unternehmen: Es gibt
bundesweit nur rund 300 Endokrinologen, von denen viele schon in den zehn
Zentren der Kette arbeiten. Andere Beispiele für Kettenbildungen
sind das Zentrum für Impf- und Reisemedizin (Z.I.R.M), Mac Dent oder
Mc Zahn, die ihre Konzepte ebenfalls an mehreren Standorten etablieren.
Die niederländische Versandapotheke Europa Apotheke setzt bei der
Filialisierung in Deutschland auf eine Zusammenarbeit mit der Drogeriekette
dm. Die Holländer wollen in mehr als 80 Filialen des Drogisten die
Bestellung und Auslieferung apothekenpflichtiger Präparate organisieren.
Klinikgruppen wie etwa die schleswig-holsteinische Damp Holding betreiben
keine Filialisierung, aber eine Standardisierung. Jedes Krankenhaus in
der Kette behält seinen Namen mit regionalem Bezug, damit die Identifikation
der Patienten mit ihrem Krankenhaus auch nach einer Übernahme
durch die Kette nicht gefährdet wird. Zugleich werden aber Vorteile
der Kette wie Wissenstransfer, höhere Effizienz im Marketing, Einkauf
und Vertrieb, zentrale Verhandlungen mit Kostenträgern oder bessere
Karrieremöglichkeiten für das Personal genutzt.
Trotz Vorbildern wie das Endokrinologikum sind die genannten Vorteile
im ambulanten Bereich des Gesundheitswesens schwerer zu realisieren. Walter
Plassmann aus dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg
ist skeptisch, ob sich Franchising im ambulanten Bereich durchsetzen wird.
Denn einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Ketten, das Marketing,
ist nach Beobachtung Plassmanns für Arztpraxen eher nebensächlich.
Ich kenne keine Praxis, die wegen ihres Marketings Erfolg hat,
sagte Plassmann auf dem Medizinrechtstag.
Außerdem könnten sich niedergelassene Ärzte die vom Franchisegeber
gebotenen Leistungen auch an anderer Stelle einkaufen, etwa das Startkapital
für eine Praxis oder die Beratung für die Betriebsführung.
Und ein einheitliches Erscheinungsbild interessiert nach seiner Einschätzung
viele Patienten nicht. Der Erfolg einer Arztpraxis hängt nach seiner
Beobachtung in erster Linie vom Ansehen des Arztes ab - und das wird sich
nach seiner Meinung kaum dadurch steigern lassen, dass der Arzt Franchisenehmer
wird. (di)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 10/2007
S. 73
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