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Medizin und Wissenschaft
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AOK setzt
auf High-Tech in der Nikotinentwöhnung
Um neue Zielgruppen zu erschließen und stärker als bisher das Potenzial des Internets als interaktive Kommunikationsform in der Raucherentwöhnung zu nutzen, ist die AOK Schleswig-Holstein neue Wege gegangen und hat als bundesweit erste GKV ein internetbasiertes liveonline Nichtrauchertraining durchgeführt. Mit dem Begriff liveonline wird eine internetbasierte Kommunikation beschrieben, in der die Personen über Mikrofon und Kopfhörer im Audio-Kontakt - ähnlich einer Telefon- oder Videokonferenz stehen. Alle können sich gegenseitig hören und jederzeit etwas sagen. Im Gegensatz jedoch zu internetbasierten Telefon- oder Videokonferenzen bietet die bei diesem Nichtrauchertraining eingesetzte liveonline-Software ein deutlich höheres didaktisches Potenzial. Es besteht u. a. die Möglichkeit, Folien zu zeigen, Dateien unterschiedlicher Formate direkt auf die PCs der Teilnehmer zu übertragen, schriftliche Fragen zu integrieren und eine gemeinsame Schreibfläche (ähnlich einer Tafel oder einem Flip-Chart) für Diskussionen zu nutzen sowie weitere virtuelle Seminarräume z. B. für Kleingruppenarbeit zu öffnen. Redebeiträge und Übungseinsatz werden durch den Seminarleiter moderiert. Durch den Webzugriff wird eine ortsunabhängige Teilnahme von zu Haus oder einem anderen beliebigen Ort aus möglich, Reisezeit und Reisekosten entfallen vollständig. Die im deutschsprachigen Raum bisher durchgeführten Online-Interventionen (u. a. Leopold, 2001; Bauer et al., 2005; Wolf et al., 2006) geschahen ausschließlich auf der Grundlage eines schriftlichen Austausches (Chat, E-Mail, asynchrones e-Learning). Ein liveonline und somit ein audio-synchroner und multimedialer Kontakt zwischen Arzt/Psychologe einerseits und Patient andererseits wurde hingegen bisher noch nicht kontrolliert angewandt. Es finden sich jedoch vergleichbare Beispiele aus der Wirtschaft, wo Unternehmen Teile der Aus- oder Fortbildung über Online-Klassenräume realisieren, die den in diesem Nichtrauchertraining enthaltenen liveonline-Sitzungen strukturell sehr ähnlich sind. Theoretische Basis des liveonline-Nichtrauchertrainings sind die kognitive Verhaltenstherapie sowie Grundprinzipien der Selbstkontrolle und Motivationspsychologie. Es werden die Schluss-Punkt-Methode, die Identifizierung und Umbewertung dysfunktionaler Kognitionen bzgl. des Rauchstopps, die Beratung zu medikamentösen Therapien, ein Fertigkeiten-Training, eine Rückfallprophylaxe sowie Maßnahmen zur Gewichtskontrolle eingesetzt. Das Seminar ist für maximal zwölf Personen und beinhaltet sechs Sitzungen à 90 Minuten. Die ersten fünf Seminareinheiten finden einmal wöchentlich statt, die sechste Sitzung ist eine Nachsorgeeinheit, die vier Wochen nach der fünften Seminareinheit stattfindet. In diesen vier Wochen haben die Teilnehmer die Möglichkeit, einen E-Mail-Support durch den Seminarleiter in Anspruch zu nehmen.
Die AOK Schleswig-Holstein hat dieses Nichtrauchertraining im letzten halben Jahr zweimal im Rahmen eines Pilotprojekts durchgeführt. Neue liveonline Nichtrauchertrainings sind im aktuellen Präventionsprogramm der AOK Schleswig-Holstein enthalten und starten ab Oktober 2007. Routinemäßig wurden während der Pilotierung zu Beginn des Seminars (t1) der aktuelle Rauchstatus und der Grad der Nikotinabhängigkeit (Fagerström-Test) erfasst. Weiterhin erfolgte eine Erhebung des Rauchstatus zum Seminarende (t2) sowie sechs (t3)/zwölf (t4) Monate nach Seminarende, wobei die sechs- bzw. zwölf-Monatskatamnesen noch ausstehen. Umfangreichere Forschungsaktivitäten sind für 2008 geplant. Es liegen zurzeit Datensätze von 15 Teilnehmern (sieben Männer, acht Frauen) vor. Das Durchschnittsalter betrug 44 Jahre, der jüngste Teilnehmer war 19, der älteste Teilnehmer 62 Jahre alt. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer war zu Beginn des Seminars gering nikotinabhängig, ca. 40 Prozent waren mittel- bis hochgradig nikotinabhängig (Fagerström-Test). Die Mehrheit der Teilnehmer rauchte zu Beginn des Seminars 18 und mehr Zigaretten täglich, bei einem Drittel lag der Tagesdurchschnittskonsum unter elf Zigaretten. Zum Ende des Seminars waren sechs der 15 Teilnehmer Nichtraucher. Fünf Teilnehmer haben zum Seminarende ihren Rauchkonsum um 60-80 Prozent gegenüber dem Seminarbeginn reduziert und einen Rauchstopp innerhalb des nächsten Monats angekündigt. Auch wenn diese Daten aufgrund des Studiendesigns und der geringen Stichprobengröße nicht repräsentativ sind, so zeigen sie doch erste Erfolge eines hoch innovativen Ansatzes in der Gesundheitsförderung, der in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird. Dr. phil. Jürgen Theissing, liveonline coaching, Schumannstr. 20 A, 34414 Warburg, E-Mail info@liveonlinecoaching.de Literatur Batra, A. (1996). Raucherentwöhnung - aktueller Stand und künftige Entwicklungen. Praxis der Klinischen Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 34, 73-77. Batra, A. (2002). Tabakabhängigkeit - evidenzbasierte Strategien der Behandlung. Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung, 96, 281-286. Bauer, S., Golkaramnay, V., & Kordy, H. (2005). E-Mental-Health. Psychotherapeut, 50, 7-15. Forschungsgruppe Wahlen Online GmbH (2006). Internet Strukturdaten - Repräsentative Umfrage IV. Quartal 2006, http://www.forschungsgruppe.de/Studien/Internet-Strukturdaten/web_IV_06.pdf. Leopold, C. (2001). Die Integration von Computertechnologien in die moderne Patientenschulung: Notwendigkeiten, Vorteile und Probleme. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 14, 120-128. Mucha, L., Stephenson, J., Morandi, N. & Dirani, R. (2006). Meta-analysis of disease risk associated with smoking, by gender and intensity of smoking. Gender Medicine, 3, 279-291. Wolf, M., Maurer,
W.-J., Dogs, P. & Kordy, H. (2006). E-Mail in der Psychotherapie -
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Schleswig-Holsteinisches
S. 64-66 |
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