Genomweite
Suche identifiziert Risikogen für Gallensteine
Anja Aldenhoff-Zöllner
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Prof.
Dr. Fred Fändrich
(Foto: SH) |
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Das renommierte Wissenschaftsmagazin
Nature Genetics berichtet in seiner aktuellen Onlineausgabe über die
Entdeckung eines Risikogens für das Gallensteinleiden. Wissenschaftler
des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein haben in Zusammenarbeit
mit Kollegen aus Köln, Greifswald und Chile eine Genvariante entdeckt,
die zu einem deutlich erhöhten Risiko für Gallensteine führt.
Gallensteine
sind ein sehr häufiges und relevantes Gesundheitsproblem in den Industrieländern.
Die Erkrankung hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen - heute
hat zum Beispiel jede zweite Frau über 60 einen Gallenstein. In der
Hälfte der Fälle macht der Gallenstein Probleme: Schmerzen, Entzündungen
der Gallenwege oder auch der Bauchspeicheldrüse können die Folge
sein. Am Ende steht dann meist die chirurgische Entfernung der Gallenblase.
Im Jahre 2005 wurden allein in Deutschland über 192 000 Gallenblasen
entfernt, erklärt der Direktor der chirurgischen Klinik am Campus
Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Fred Fändrich.
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Prof.
Dr. Ulrich Fölsch
(Fotos: UK S-H) |
Die entdeckte Genvariante
birgt ein für Volkskrankheiten ungewöhnlich hohes Risiko: Bei
den Anlageträgern bilden sich im Laufe des Lebens zwei- bis siebenmal
häufiger Gallensteine als in der übrigen Bevölkerung. Die
Kieler Forscher ließen in einem Kölner Spezialinstitut die gesamte
Erbsubstanz von 280 Patienten mit einem Genchip auf Krankheitsvarianten
untersuchen. Die vielversprechendsten Ergebnisse wurden dann an über
2 000 weiteren Patienten auf der genetischen Hochdurchsatzplattform des
nationalen Genomforschungsnetzes im Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie
überprüft. Wir hoffen auf weitere derartige Kooperationen
mit engagierten Klinikern, sagt der Leiter des Instituts, Prof. Dr.
Stefan Schreiber. Einen so deutlichen Einfluss der Genvariante hätten
wir nicht erwartet, erklärt der Kieler Internist Prof. Dr. Ulrich
Fölsch. Hier ist uns endlich mal ein richtig dicker Fisch ins
Netz gegangen, freut sich der Leiter des Cologne Center for Genomics,
Prof. Dr. Peter Nürnberg. Für den starken Effekt spricht auch,
dass Kollegen aus Bonn die Risikovariante bei 178 Patienten bestätigen
konnten.
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| Prof.
Dr. Stefan Schreiber |
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Dieser Erfolg wurde
durch die gute Kooperation am UK S-H und mit den regionalen Krankenhäusern
ermöglicht, erklärt der Projektleiter PD Dr. Jochen Hampe.
Vor zwei Jahren sind wir hier über Land gefahren und haben die
Chirurgen der umliegenden Krankenhäuser überzeugt, mit uns gemeinsam
nach den Genen für die Gallensteinentstehung zu fahnden, erinnert
sich der Kieler Chirurg PD Dr. Jürgen Tepel. Wir freuen uns,
dass die Kieler Biobank Popgen genutzt wurde, um die über 3 000 Patienten
für die Gallenstein-Studie zu rekrutieren, sagt der genetische
Epidemiologe Prof. Dr. Michael Krawczak. Die in Kiel entdeckte Genvariante
eröffnet erstmals die Möglichkeit, die Ursachen der Gallensteinerkrankung
neu zu verstehen. Die Mediziner hoffen nun, dass dieses Wissen in die Entwicklung
von Medikamenten mündet und dadurch Patienten mit Gallensteinleiden
in Zukunft auch ohne Operation geholfen werden kann.
Dr. Anja Aldenhoff-Zöllner, Pressesprecherin, UK S-H, Campus Kiel,
Brunswiker Straße 10, 24105 Kiel |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 10/2007
S. 50
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