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Kammer-Info aktuell

Auswertung der anonymen ärztlichen Bescheinigungen nach KiTaVO
Impfschutz bei Aufnahme in den Kindergarten Schleswig-Holstein 2006
Hans-Martin Bader, Sabine Rasche

Impfstatus
Diphtherie:
Tetanus:
Keuchhusten:
Kinderlähmung:
Masern: anzugeben
Mumps: anzugeben
Röteln: anzugeben
Windpocken: anzugeb.
Hib:
Hepatitis B:
mindestens 3 mal
mindestens 3 mal
mindestens 4 mal
mindestens 3 mal
1 mal oder 2 mal
1 mal oder 2 mal
1 mal oder 2 mal
1 mal oder 2 mal
mindestens 3 mal
mindestens 3 mal
Tab. 1: Markierung des Impfstatus vor Aufnahme in eine Kindertagesstätte (Kindergarten) „vollständig geimpft”
 

Über die Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung” seit dem Jahre 2000, ihre Bedeutung (Information der Kindertagesstätten) und die Auswertung des Impfstatus bei Aufnahme von Kindern in Kindertagesstätten wurde zuletzt in Heft 9/2006 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes berichtet. Die Windpocken-Impfung (einmal oder zweimal) kann ab dem Kindergartenjahr 2006 im freien Feld festgehalten werden und ab Mitte 2006 in einer zugefügten Zeile. Die erweiterten Bescheinigungen kommen zunehmend in Umlauf. (Markierung des Impfstatus s. Tab. 1).

Der Impfschutz gegen zehn Infektionskrankheiten (DTP, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Hib, Hep B) wird nach vorgelegtem Impfpass oder nach ärztlichen Unterlagen in einfacher Form festgehalten (Markierung des Haus- oder Kinderarztes in „vollständig” oder „unvollständig/nicht geimpft” gemäß der STIKO-Impfempfehlung).

 
  Abb. 1: Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) SH 2000-2006

Die Einsenderate der einzelnen Kreise ...
ist sehr unterschiedlich, sie hat sich in einigen Kreisen und kreisfreien Städten deutlich verbessert (die niedrigste lag mit 62,7 Prozent im Stadtkreis [SK] Lübeck, die höchste wie in jedem Jahr mit 97,6 Prozent in Dithmarschen). Als Anhalt für die zu erwartenden Einsendungen konnte wieder die Anzahl der Schulanfängeruntersuchungen des gleichen Jahres 2006 aus dem landesweiten Gesundheitsbericht1 verwendet werden (n = 28 397). In 2006 besuchten 94,8 Prozent der Schulanfänger vorher einen Kindergarten (n = 26 923).

Tatsächlich gingen bei diesem Maßstab 81 Prozent der erwarteten Einsendungen ein (einschließlich der 246 schulpflichtigen Hortkinder und noch ohne weitere verspätete Eingänge). 95,7 Prozent der Einsendungen konnten ausgewertet werden (Auswertestichtag 26. Juni 2007). Die Einrichtungen der dänischen Minderheit sind in den jeweiligen vier Kreisen mit enthalten (erwartet: 539 Einsendungen).

Gesamtauswertung:
Einen Überblick über alle eingegangenen „Ärztlichen Bescheinigungen“ zeigt Tabelle 2:
Auswertbar n = 20 880, Alter 3 Mo. bis 13 J. 11 Mo., im gewichteten Mittel 3 J. 4 Mo.



Kindergarten (1 bis 5 Jahre)
Die Ergebnisse der Altersgruppe 1 bis 5 Jahre (n = 18 293) stehen im Mittelpunkt dieser Erhebung. Der Altersdurchschnitt (gewichteter Mittelwert) lag bei 3 J. 3 Mo. (im Vorjahr bei 3 J. 4 Mo., vor sieben Jahren bei 3 J. 7 Mo.). Wie schon in den letzten vier Jahren erkennbar, haben sich die geringen Unterschiede der Impfschutzraten (Tab. 3) beim Vergleich dieser Gruppe „Kindergarten“ mit der Gesamtgruppe „Kindertageseinrichtung“ (Aufnahme 3 Mo. bis 13 J. 11 Mo.) ausgeglichen: Je nach Impfung sind nunmehr die Raten der nachwachsenden jüngeren Kinder bei Aufnahme in den Kindergarten bis 0,7 Prozent höher (Pertussis) als in der Gesamtgruppe (für die zweite MMR-Impfung galt das bei Beginn der Erhebung im Jahr 2000 noch nicht).

Abb. 2: Mind. 1 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) SH 2006 Abb. 3: 2 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) SH 2006


2006
1-5 Jahre
2000
2006
KiTa-gesamt
2000
Diphtherie
Tetanus
Polio
Pertussis
Hib
Hepatitis B

mind. 1 x Masern
2 x Masern
mind. 1 x Mumps
2 x Mumps
mind. 1 x Röteln
2 x Röteln
mind. 1 x MMR
2x MMR
96,3
97,0
95,6
92,8
94,1
90,2

93,0
78,3
92,8
78,2
92,7
78,1
92,6
78,1
96,0
96,3
93,5
89,7
89,2
75,0

88,2
14,4
87,9
14,3
85,4
14,1
84,8
14,0
96,0
96,7
95,2
92,1
93,5
89,6

92,4
77,9
92,2
77,8
92,1
77,6
91,9
77,6
95,8
96,1
93,3
89,0
88,5
73,2

92,2
15,4
91,9
15,3
91,5
14,8
91,2
14,8
Tab. 3: Impfschutz Aufnahme Kindergarten 1-5 Jahre (n = 18 283) und Kindertagesstätten gesamt SH 2006 (n = 20 880) im Vergleich zum Jahr 2000 (in Prozent)

Impfschutz gegen Masern
Die Rate für die Erst-Impfung (Abb. 1 und 2) gegen Masern liegt landesweit in diesem Alter bei 93,0 Prozent (Vorjahr 92,2 Prozent). Die Spannweite beträgt 89,1 Prozent (LK [Landkreis] Plön) bis 95,0 Prozent (LK Nordfriesland). Mumps und Röteln sind in der Einzeldarstellung fast gleich (Tab. 3) (feste MMR-Kombination). Die Impfrate gegen Röteln liegt um 0,3 Prozent niedriger gegenüber der gegen Masern (3,3 Prozent im Jahr 2000).

Die Zweit-Impfung gegen die Kombination MMR wurde vor sechs Jahren von der STIKO auf den früheren Zeitpunkt des zweiten Lebensjahrs vorgezogen (STIKO-Empfehlung Juli 2001). Für die Zweit-Impfung bei Aufnahme in den Kindergarten gegen Masern allein ist die Rate jetzt 78,3 Prozent (im Vorjahr 74,2 Prozent) (somit erneut eine Zunahme um 4,1 Prozentpunkte). Die Schutzrate ist jetzt fünfmal höher seit der Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung“ im Jahr 2000.

 
Abb. 4: Hep B-Impfung (mind. 3 x) Kindergarten (Aufnahme) SH 2000-2006  

Im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft zeigen sich die Unterschiede am deutlichsten bei der Durchführung dieser Wiederholungsimpfung: In den Landkreisen und kreisfreien Städten findet sich bei Aufnahme in die Kindertagesstätte eine regionale Spannweite für die zweite Masern-Impfung von 71,8 Prozent (LK Plön) bis 83,7 Prozent (SK Neumünster) (im Vorjahr 66,3 Prozent bis 82,9 Prozent)! Sieben von den 15 Land- bzw. Stadtkreisen haben die 80 Prozent-Grenze überschritten. Im Vorjahr waren es erst zwei, die diese für die Unterbrechung der Zirkulation des Masern-Virus wichtige Mindestschutzrate bei der zweiten Masern-Impfung vorweisen konnten.

 
  Abb. 5: Hepatitis B-Impfung (mind. 3 x) Kindergarten (Aufnahme) SH 2006

Die Impfungen gegen Varizellen wurden ab dem Kindergartenjahr 2006 erstmals miterfasst. Es konnten jedoch zunächst nur die Bescheinigungen berücksichtigt werden, auf denen nach der sukzessiven Einführung die eindeutige Möglichkeit zur Markierung als MMR-V gegeben war (n = 888 ausschließlich in der Gesamtgruppe). In dieser waren 44,4 Prozent der Kinder mindestens einmal gegen Varizellen geimpft. Ab 2007 wird zusätzlich eine Eingrenzung auf die Hauptgruppe bei Aufnahme in den Kindergarten (1-5 Jahre) möglich sein.

Impfschutz gegen Hepatitis B (Abb. 4 und 5)

Bei Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung ist die Rate landesweit mit 90,2 Prozent fast unverändert (Vorjahr 90,0 Prozent). In einem Kreis impfen die Niedergelassenen unverändert sehr zurückhaltend, wenn von Jahr zu Jahr auch in diesem um fünf Prozentpunkte höhere Raten messbar sind (Spannweite landesweit 74,9 Prozent [LK Plön] bis 94,7 Prozent [LK Dithmarschen], Vorjahr 69,2 bis 93,9 Prozent).

Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis und Hib (Tab. 3 und 4)

Die Darstellung der fünf Impfungen (Tab. 4) soll zeigen, dass in den einzelnen Gebieten je nach Impfart die Schutzraten zwischen 89,2 Prozent (Pertussis) und 97,9 Prozent (Tetanus) liegen. Landesweit haben diese Impfungen jedoch alle die Marge von 94 Prozent überschritten - nur in diesem Jahr erneut nicht die gegen Pertussis mit 92,8 Prozent.

Kreisfreie Stadt/
Landkreis
KFZ-Kenn-
zeichen
Diphth.
%
Tet.
Polio
Pert.
Hib
Flensburg
Lübeck
Kiel
Neumünster
Dithmarschen
Steinburg
Nordfriesland
Stormarn
Ostholstein
Pinneberg
Plön
Rendsburg-
Eckernförde
Herzogtum
Lauenburg
Segeberg
Schleswig-
Flensburg
FL
HL
KI
NMS
HEI
IZ
NF
OD
OH
PI
PLÖ
RD

RZ

SE
SL

96,7
96,9
95,9
97,5
97,7
96,1
97,4
95,5
95,5
96,5
93,7
96,2

96,4

96,4
97,2

97,0
97,3
96,2
97,9
97,8
97,2
97,5
96,6
96,1
97,8
94,7
97,0

97,3

97,2
97,4

96,5
96,6
95,0
97,5
96,8
94,7
96,8
94,9
95,0
95,9
93,1
95,5

95,4

95,0
96,7

92,3
94,4
90,3
94,1
92,6
93,2
95,2
90,8
93,6
92,4
89,2
93,9

93,7

92,2
94,1

93,5
95,5
93,4
96,4
95,9
92,9
95,1
93,1
94,4
94,2
91,2
94,3

94,0

94,1
94,9

Schleswig-
Holstein
SH ges. 96,3 97,0 95,6 92,8 94,1
Tab. 4: Impfschutz bei Aufnahme Kindergarten (1-5 Jahre). SH 2006 regional
 

Zusammenfassung über den siebten Jahrgang
Die ermittelten Impfschutzraten sind wie bisher Ausdruck der Aktivität ausschließlich der niedergelassenen Ärzteschaft. (Der ÖGD in Schleswig-Holstein kommt aktiv erst ab der Schuleintrittsuntersuchung ins Spiel) und umfasst gesetzlich und privat Versicherte. Gegen Varizellen waren 44,4 Prozent der Kinder in einer Teilgruppe mindestens einmal geimpft. Der Kindergartenjahrgang 2006 zeigt im Vergleich zum Vorjahr wieder einen Zuwachs der Impfschutzrate um vier Prozent-Punkte bei der zweiten MMR-Impfung (Kombination 78,1 Prozent), der jährliche Anstieg bei der Hep B-Impfung ist kaum erkennbar (von 90,0 Prozent auf jetzt 90,2 Prozent).

Noch werden diese Impfraten im Vergleich zu den Vorgaben der STIKO erheblich verzögert erreicht. Das zeigt eine erste Längsschnittuntersuchung von der Geburt bis zum Alter von 24 Monaten über den Zeitraum 2003 bis 2005 nach Abrechnungsziffern der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (Tab. 52). So haben mit 19 Monaten die erste Masern-Mumps-Röteln-Impfung erst 80,8 Prozent GKV-versicherter Kinder und mit 24 Monaten erst 61 Prozent die zweite MMR-Impfung erhalten. Spätestens mit 24 Monaten hätte die Rate von > 95 Prozent nicht nur für beide Masern-Impfungen erreicht sein müssen. Das gilt auch für die Komponenten der aP-haltigen Sechsfachimpfstoffe (kompletter Impfschutz bei vier Dosen).

Danksagung an das Gesundheitsministerium MSGF/Kiel, Firma Novartis Behring/ Marburg, Marita Harder/KJÄD im Gesundheitsamt Flensburg und Holger Harder/ Jarplund-Weding.

Dr. Hans-Martin Bader und Dr. Sabine Rasche für die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- u. Jugendärztlichen Dienste (KJÄD) in Schleswig-Holstein, c/o KJÄD des Gesundheitsamtes Flensburg.

Korrespondenzanschrift: Dr. Sabine Rasche, Gesundheitsamt, Norderstr. 58-60, 24939 Flensburg, E-Mail rasche.sabine@stadt.flensburg.de


Literatur:

(1)Thyen, U., Meyer, C. und Brehm, S.: Kindergesundheitsbericht des Landes Schleswig-Holstein aus den Schuleingangs-Untersuchungen 1999 – 2006, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erstellt im Auftrage des MSGFJS des Landes Schleswig-Holstein. 2006 (in Vorbereitung)

(2)Robert Koch-Institut: Impfungen bei Kindern bis zu 24 Monaten. Eine Erhebung in Schleswig-Holstein nach Abrechnungsziffern der Kassenärztlichen Vereinigung für 2003-2005. Epid. Bull. Nr. 34, 316-321, 2007.


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2007

S. 45-49