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Schleswig-Holstein

Ausstellung im Kieler Sankt Elisabeth Krankenhaus
800 Jahre Heilige Elisabeth
Jürgen Marx

Vor 800 Jahren, am 7. Juli 1207, wurde die Heilige Elisabeth von Thüringen geboren. Der Anlass für das Sankt Elisabeth Krankenhaus, Kiel, das Leben der heiligen Elisabeth durch eine Ausstellung zu würdigen. Die Exponate wurden vom Krankenhaus mit professioneller Hilfe selbst hergestellt. Zu besichtigen ist die Ausstellung noch bis zum 20.11.2007 im Königsweg 8 in Kiel.

Das Leben Elisabeths fasziniert noch heute viele Menschen auf der ganzen Welt. Durch ihren bekanntesten und heute noch geläufigen Ausspruch, „wir müssen die Menschen froh machen“ hat sie ein Ziel formuliert, das Mitarbeiter in Krankenhäusern und anderswo für ihre Tätigkeit motiviert und anspornt.

Die Heilige Elisabeth, Sieger Köder, Altar-Malerei, Pfarrkirche St. Stephanus, Wasseralfingen

Elisabeth ist die Namenspatronin des Krankenhauses und seiner Trägerin, der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth, die ihren Sitz in Reinbek bei Hamburg hat.

Das Leben Elisabeths lässt sich am besten beschreiben, wenn man es in fünf Epochen einteilt:

Die kurze Kindheit der Landgräfin

1207, überliefert ist der 7. Juli, wurde Elisabeth im ungarischen Sárospatak geboren. Sie war das zweite Kind des Königspaares Andreas II. und Gertrud von Andechs-Meranien.

Im Jahr 1211 wurde Elisabeth dem Thüringer Erbprinzen versprochen. Im gleichen Jahr, sie war gerade erst vier, wurde sie auf die 1 500 km lange Reise nach Thüringen geschickt und nach ihrer Ankunft mit dem Prinzen Hermann verlobt. Ihre Eltern sah sie nie wieder.

Die Kinderbraut - Vorbereitung auf die Hochzeit mit dem Thüringischen Erbprinzen Hermann
Elisabeth wuchs am Hof in Eisenach mit einer großen Kinderschar unbeschwert auf. Auffällig war bereits im frühesten Kindesalter ihre Frömmigkeit. 1216 starb ihr Verlobter Hermann, zu dem sie aber kaum Kontakt hatte. Mit dem Tod stellte sich auch die Frage, „wem nützt die Anwesenheit Elisabeths in Thüringen noch?“ Die politischen Verhältnisse hatten sich in sechs Jahren gewandelt. Die Ungarn passten den Thüringern eigentlich nicht mehr ins Konzept.

Neuer Erbprinz nach dem Tod Hermanns wurde dessen Bruder Ludwig, der oft mit Elisabeth spielte und mit der er sehr innig verbunden war. Im Jahre 1217 wurde Ludwig Regent von Thüringen. Er entschied, dass Elisabeth bleibt.

Die glücklichen Jahre mit Ludwig IV.
Bereits 1218 bekundeten beide ihre Liebe zueinander. Elisabeth war gerade elf und Ludwig 18 Jahre alt. Geheiratet haben sie im Januar 1221 in Eisenach. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Ludwig die Wartburg ausbauen lassen. Sie war fortan Sitz der thüringischen Herrscher.

Eine Liebesheirat war zu der Zeit in den herrschaftlichen Kreisen eher die Ausnahme. Beide galten als unzertrennlich und hatten ein grenzenloses Verständnis füreinander. Wenn Ludwig notwendige Reisen unternehmen musste begleitete Elisabeth ihren Mann.

Ludwig war ein typischer Vertreter seines Stammes. Er war ein Draufgänger, energisch, ehrgeizig und ein erstklassiger Militär. Gegenüber Elisabeth aber aufmerksam, der ihr von jeder Reise etwas mitbrachte und einfühlsam, weil er auf sie stets Rücksicht nahm und sie auch bei ihren eher unüblichen Aktionen unterstützte.

Zusammen bekamen sie drei Kinder. Hermann II. (1222), Sophie (1224) und Gertrud (1227). Bei der Geburt Gertruds war Ludwig bereits tot.

1224 gelobte Ludwig die Teilnahme an einem Kreuzzug. Bis kurz vor Beginn der Reise, im Jahre 1227, hielt er dieses Vorhaben vor Elisabeth geheim. Elisabeth begleitete Ludwig weit über die Landesgrenzen hinaus. Als der Abschied bevorstand, konnten beide nicht voneinander lassen. Beim Einschiffen im Hafen von Brindisi, wo das Schiff nach Palästina fuhr, hatte Ludwig bereits hohes Fieber. Er war nur kurze Zeit auf dem Schiff, als er an einer heimtückischen Infektion verstarb. Die Todesnachricht erhielt Elisabeth von ihrer Schwiegermutter ohne Umschweife: „Er ist tot“.

Nach Ludwigs Tod - Elisabeth verlässt die Wartburg
„Ludwig ist tot. Mit ihm ist die Welt gestorben“, waren Elisabeths Worte. Elisabeths Art, in der Nachfolge Christi zu leben, wurde vom Hof häufig heftig kritisiert. Nur Ludwig hielt seine Hand immer über sie.

Ordensschwestern Sr. M. Clementia, Sr. M Hildegund & Sr. M. Hedwigis (von links) (Fotos: St. Elisabeth Krankenhaus)

Die Herrschaft über Thüringen wurde von Ludwigs Brüdern Heinrich Raspe und Konrad übernommen. Sie hassten Elisabeth, sodass das Leben auf der Wartburg für Elisabeth unerträglich wurde. Sie verließ die Wartburg eines Tages mit ihren Kindern bei Nacht und Nebel und ohne Hab und Gut - ob freiwillig oder durch Vertreibung ist nicht überliefert, aber auch unwesentlich. Niemand wagte sie aufzunehmen, aus Angst, bei den Herrschern in Ungnade zu fallen, sodass sie die erste Nacht in einem Schweinestall unterkamen. Menschen ihres bisherigen Lebenskreises wandten sich von ihr ab. Sie wurde verachtet und misshandelt.

In dieser schweren Zeit, in der Elisabeth nie den Lebensmut verlor, waren vor allem ihre Freundinnen Guda und Isentrud an ihrer Seite und ihr Beichtvater Konrad von Marburg.

Sie sagte sich am Karfreitag 1228 vollends von ihrem bisherigen Leben los und entschied, nur noch selbstlos Christus nachzufolgen. Das bedeutete auch die völlige Trennung von ihren Kindern.

Nachdem im Frühjahr 1228 Ludwig bestattet wurde, erreichte ihr Beichtvater Konrad, dass Elisabeth zumindest ihr Witwenteil bekam. Sie übersiedelte zu Konrad nach Marburg.

Neuanfang - Elisabeths Leben für Arme und Kranke
Elisabeth fühlte sich von Kindheit an hingezogen zu den armen, verwahrlosten Kindern, zu den Bettlern, Obdachlosen, Hilfsbedürftigen und Kranken. Sie war glücklich, wenn sie ihnen Freude bereiten konnte. Elisabeth verfügte durch die Auszahlung ihres Witwengeldes über ein erhebliches Vermögen, das sie ausschließlich für die Ärmsten und Kranken ausgab.

Mit einem Teil des Nachlasses wurde Ende des Jahres 1228 ein Hospital mit der dem heiligen Franziskus geweihten Kapelle in Marburg eröffnet. Namensgeber war der im gleichen Jahr heilig gesprochene Franz von Assisi. Elisabeth erhielt von Konrad das graue Gewand der Hospitalschwestern und arbeitete fortan als Pflegerin.

Die drei letzten Jahre des kurzen Lebens der heiligen Elisabeth waren eindeutig ihre glücklichsten, aber auch ihre anstrengendsten. Sie verrichtete die schmutzigsten und schwersten Arbeiten. Elisabeth setzte sich über das Verbot hinweg, Aussätzige aufzunehmen.

Im November 1231 waren Elisabeths Kräfte aufgezehrt. Sie starb am Morgen des 17. November. Noch zu Lebzeiten verehrten sie viele, die ihre Barmherzigkeit erfahren hatten. An Elisabeths Grab ereigneten sich wunderbare Heilungen. Viele Pilger kamen nach Marburg, um an Elisabeths Grab zu beten und um Heilung zu bitten.

Konrad von Marburg bemühte sich gleich nach dem Tod Elisabeths um die Heiligsprechung. Als Konrad 1233 erschlagen wurde, setzten andere seine Bemühungen fort. Am Pfingstsonntag 1235 wurde Elisabeth von Papst Gregor IX. heilig gesprochen. Als offizieller Festtag wurde der 19. November in der Urkunde bestimmt.

Dass solch ein Leben Beispiel ist und Nachahmer findet, ist fast zwangsläufig. Nach dem Vorbild der heiligen Elisabeth haben sich 1842 in Neisse vier Frauen, Clara Wolff, Maria und Mathilde Merkert sowie Franziska Werner, zusammen vorgenommen Armen und Kranken zu helfen. Daraus wurden die Schwestern von der heiligen Elisabeth, denen sich im Laufe der Zeit über
10 000 Schwestern anschlossen. Der Gründung des Schwesternvereins folgte nicht sogleich die staatliche Anerkennung. Diese Rechtsfähigkeit erhielt die Stiftung am 23. Mai 1864 durch Erteilung der Korporationsrechte per Erlass des Königs von Preußen und durfte sich fortan Katholische Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth nennen.

Am 1. April 1958 kauften die Grauen Schwestern, wie die Elisabeth Schwestern wegen ihrer Kleidung auch genannt wurden, das Krankenhaus im Königsweg von Dr. Rehr und nutzten es als Belegkrankenhaus. Ein Gebäude mit Tradition, hat doch 1885 Professor Gustav Adolf Neuber an gleicher Stelle als erster auf diesem Planeten die Asepsis verwirklicht.


Unser Leitmotto:
Der Mensch ist der Maßstab unseres Handelns!
Medizinische Spitzenqualität ist für uns selbstverständlich!

Jürgen Marx, kaufmännischer Direktor, Sankt Elisabeth Krankenhaus, Königsweg 8, 24103 Kiel


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2007

S. 29-32