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Schleswig-Holstein

Medizinisches Zentrum Itzehoe
An den Kapazitätsgrenzen

Das Medizinische Zentrum Itzehoe arbeitet an seiner Kapazitätsgrenze. Wegen der seit Jahren steigenden Patientenzahlen wartet man im Kreis Steinburg auf eine geplante Erweiterung. Verschiedene Baumaßnahmen sollen nun helfen, den Patientenandrang zu bewältigen.

Freuen sich über den hohen Patientenzuspruch in Itzehoe: Verwaltungschef Bernhard Ziegler, Chefarzt Prof. Dr. Helmut Paust, die Pflegekräfte Sabine Hoff und Brigitte Paulsen und der stellvertretende ärztliche Direktor Prof. Dr. Guido Schürmann (v. l. n. r.). (Fotos: di)
„Das Haus ist Rand voll und zum Teil selbst in den traditionell schwächeren Sommerwochen überbelegt“, sagte Klinikverwaltungschef Bernhard Ziegler in einem Pressegespräch am 16. August. In Zahlen ausgedrückt: Die 21 000 im vergangenen Jahr stationär behandelten Patienten bedeuten ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Steigerung in gleicher Größenordnung ist für dieses Jahr absehbar. Hinzu kommen rund 25 000 ambulant behandelte Patienten. Damit ist das Krankenhaus Itzehoe an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Im kommenden Jahr winkt Abhilfe: Ab Herbst erhält es 60 zusätzliche Betten, zwei Jahre später weitere 40 Betten. Ziegler erwartet, dass er im gleichen Zuge auch die Mitarbeiterzahl von derzeit rund 1 000 Vollzeitstellen um 60 bis 70 Beschäftigte aufstocken kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Haus die zusätzlich erbrachten Leistungen auch in vollem Umfang bezahlt bekommt. Und: Fachkräfte, besonders Ärzte, können sich die Arbeitsplätze derzeit aussuchen. Dies bestätigen auch der stellvertretende ärztliche Direktor Prof. Dr. Guido Schürmann und Chefarzt Prof. Dr. Helmut Paust. Um Itzehoe für Ärzte attraktiver zu machen, will man dort den Weiterbildungsassistenten den Weg zum Facharzt zügig ermöglichen und die Leistungsfähigkeit etwa in technischer Hinsicht weiter steigern. „Die Bezahlung ist nicht das einzige Kriterium für die Wahl des Arbeitsplatzes“, gab Paust zu bedenken. Schürmann verwies auf viele Kollegen, die sich im Laufe der beruflichen Tätigkeit niederlassen oder sich für andere Tätigkeiten außerhalb der Klinik entscheiden. Potenzial sieht man in Itzehoe noch durch eine verstärkte Einbindung weiblicher Ärzte - allerdings ist der Anteil der Frauen in manchen Abteilungen schon jetzt vergleichsweise hoch, die Hälfte der 150 in Itzehoe angestellten Ärzte sind Frauen. Deutlich entspannter ist die Lage derzeit im Pflegebereich. Wegen der hohen Nachfrage wird die Krankenpflegeschule ihre Ausbildungsplätze jedoch erhöhen.

Arbeiten an der Kapazitätsgrenze: In Itzehoe, hier das Hauptgebäude, steigt der Patientenandrang

Die steigenden Anforderungen an das Klinikum machen auch bauliche Veränderungen notwendig. In diesem Jahr werden oder wurden in der Kreisstadt etwa eine neue zentrale Aufnahme, eine Anlaufpraxis und eine ambulante geriatrische Versorgung in Betrieb genommen. Am auffälligsten sind die baulichen Veränderungen derzeit durch die Interimslösung in der Kinderklinik. Diese ist zwischenzeitlich in Raummodule mit einer Gesamtfläche von 650 Quadratmetern und insgesamt 14 Patientenzimmern umgezogen. Zwei Stationen wurden in den neuen Räumen zusammengefasst und erhielten eine direkte Anbindung an das Klinikgebäude. Die Kinderanlaufpraxis wurde im bereits fertig gestellten Ärzte- und Dienstleistungszentrum untergebracht. Zugleich haben die Bauarbeiten für die Kernsanierung und Aufstockung eines älteren Gebäudeteils begonnen. Mit Gesamtinvestitionen in Höhe von sieben Millionen Euro wird hier bis Herbst 2008 die Kinderklinik saniert, anschließend wird der Bau um Geriatrie und onkologische Tagesklinik aufgestockt. Ziele der Sanierung sind neben einer Modernisierung auch verbesserte Arbeitsabläufe und eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit. Trotz sinkender Geburtenzahlen in der Region erfreut sich die Itzehoer Kinderklinik steigenden Zuspruchs bei den Patienten. Zu den Baumaßnahmen zählt auch eine Sanierung der so genannten Wahlleistungsstation. Auch hier sollen die interdisziplinäre Kooperation und die Qualitätsstandards verbessert werden. Zugleich soll das Angebot erweitert und der Komfort für die Patienten verbessert werden. Dies geschieht in erster Linie wegen steigender Ansprüche der Patienten. Ziegler: „Die Erwartungshaltung der Patienten geht immer mehr in Richtung Hotel.“ (di)

rechts: Kinderaufnahme im Ärzte- und Dienstleistungszentrum
links: Interimslösung Kinderklinik, im Herbst 2008 soll eine neue Klinik in Betrieb genommen werden

 


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2007

S. 28-29