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Schleswig-Holstein
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| Integrationsfachdienste Tipps im Praxisalltag Stefan Meyer-Kaven Berufliche Perspektiven, Einkommenssicherung und die damit verbundene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind Kernthemen menschlicher Existenz. In der Begleitung ihrer Patienten haben Ärzte oft direkt damit zu tun: Wenn einem Patienten im Verlaufe einer langwierigen Erkrankung der Verlust des Arbeitsplatzes droht. Oder wenn es die Gewissheit gibt, dass neue berufliche Chancen die Gesundheitsentwicklung einer Patientin entscheidend positiv beeinflussen könnten. Guter Rat und unbürokratische Unterstützung sind näher, als viele bislang wissen. In allen Kreisen und kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins gibt es gemeinnützige Integrationsfachdienste (IFD), die beim beruflichen Wiedereinstieg helfen und bei Problemen am Arbeitsplatz begleiten.
Die Erfahrungen überall zeigen: Bislang erfahren Hilfesuchende oft sehr spät von den Möglichkeiten, die mit den IFD geschaffen wurden. Nicht selten hat es mit dem Haus- oder Facharzt bereits Austausch über den zentralen Wunsch nach Erhalt des Arbeitsplatzes oder Aufnahme einer Tätigkeit gegeben - aber keine aktiv gestaltbare Perspektive. Die Not, die aus Verlust und Isolation entsteht, wird für die Patienten zur zusätzlichen Belastung bei der Bewältigung von Krankheit oder Behinderung. Darum appellieren wir an Ärzte und beteiligte Fachkräfte: Schon in der frühen Phase einer Behandlung, ambulant oder stationär, sollte über Unterstützung bei der Regelung beruflicher Fragen gesprochen werden. Nicht weniger gilt das für Patienten, die - womöglich konkret wegen ihrer Beeinträchtigung - nicht arbeiten, es aber wollen und dazu fähig sind. Wenn die Betroffenen den Weg zum Integrationsfachdienst erst einmal gefunden haben, stehen die Chancen für eine Besserung der Situation gut. Zunächst hilft die niedrige Schwelle: Das Erstgespräch ist für die Hilfesuchenden mit keinerlei Bürokratieanforderung verbunden. Speziell geschulte Integrationsberater(innen) helfen dabei, den Ist-Zustand zu bestimmen, Wünsche und Ziele zu definieren und berufliche Möglichkeiten so abzustecken, dass die Belange der Beeinträchtigung ihr angemessenes Gewicht erhalten - aber nicht mehr als alles blockierendes Element im Raum stehen. Ist der Arbeitsplatz gefährdet, bieten die IFD die Begleitung in den Betrieb an. In Gespräche mit dem Arbeitgeber, in denen sie nicht als Anwälte auftreten, sondern als Moderatoren, die dazu beitragen können, Konflikte und Unsicherheiten aufzuarbeiten. Sofern erforderlich, können Aufgabenbereiche neu beschrieben, Abläufe geändert, Arbeitsplätze anders ausgestattet oder Fortbildungen organisiert werden. Möglicherweise wird im Betrieb sogar ein ganz anderer Arbeitsplatz gefunden. Arbeitgeber werden in Fragen der Bezuschussung von Investitions- und Lohnkosten beraten. Manchmal kann es auch sein, dass die Orientierung hinein in neue Berufsbereiche sinnvoller ist. Jeder Erfolg ist individuell, immer aber das Ergebnis gewissenhafter Arbeit, die ohne das Wollen und Zutun aller Beteiligten nicht gelingen kann. Wir sind stolz sagen zu können, dass es diese Erfolge gibt. Es gelingt, Arbeit und Perspektiven zu erhalten, auch wenn eine Beeinträchtigung einst drohte, alles aus den Angeln zu heben. Auch bei der Durchführung des gesetzlich vorgeschriebenen betrieblichen Eingliederungsmanagements nach langer Erkrankung können Unternehmen sich das Know-How der IFD einkaufen. Ähnlich sieht es aus bei der Vermittlung in Arbeit. In ihren jeweiligen Landkreisen und Städten sind die Integrationsberater viel unterwegs, damit für die Klienten Praktikumsplätze, Fortbildungs- oder Umschulungsmöglichkeiten und im besten Falle Arbeitsplätze gefunden werden können. Die verlässliche Arbeit der Integrationsberater(innen) ermöglicht Netzwerke auch mit solchen Betrieben, in denen früher über Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung nicht nachgedacht wurde. Die Männer und Frauen, die sich bei der Jobsuche vom IFD begleiten lassen, treiben ihre persönliche Entwicklung aktiv voran: Wünsche und Grenzen werden im Training herausgearbeitet, die Berufswahl überdacht, bis hin zum Auftreten im Bewerbungsgespräch an Feinheiten geübt. Oft hat dieser Prozess vorher nicht für möglich gehaltene Ergebnisse bewirkt. Eine blinde Bauzeichnerin arbei- tet schließlich in einer Druckerei, der langjährige Besucher einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen hält die Grünanlagen einer Senioreneinrichtung in Schuss, eine am Herzen erkrankte junge Frau findet einen Kollegenkreis, der sie nicht wegen der ab und an nötigen Pausen mobbt. Positive Gestaltungsmöglichkeiten im Lebensbereich Arbeit brauchen Information. Jeder Hinweis auf die Integrationsfachdienste im Lande ist somit schon ein wichtiger Beitrag für die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben. Weitere Informationen und Ansprechpersonen in den genannten Kreisen unter www.bruecke-sh.de. Stefan Meyer-Kaven, Brücke Schleswig-Holstein gGmbH, Muhliusstraße 94, 24103 Kiel, E-Mail s.meyer-kaven@bruecke-sh.de |
Schleswig-Holsteinisches
S. 25-26 |
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