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Unsere Nachbarn

Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, Rostock
Annäherung zwischen Alternativ- und Schulmedizin

Alternativ- und Komplementärmedizin werden für das Gesundheitswesen wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, sieht dafür sowohl die Bevölkerung, als auch Ärzte aufgeschlossen. Bei der dritten Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft am 24./25. Mai in Rostock wurde deutlich, dass trotz Meinungsverschiedenheiten Alternativ- und Schulmediziner nach einer Annäherung suchen.
Konferenzinitiator Prof. Horst Klinkmann bezeichnet sich selbst als „Dinosaurier der Schulmedizin“. Dass er eine Gesundheitskonferenz unter dem Schwerpunkt Alternativ- und Komplementärmedizin ausrichtet, zeigt die Annäherung. Die „ausgeprägte Arroganz“ beider Parteien gegenüber der anderen sei nicht angebracht, mahnte Klinkmann in Rostock. Dass diese Annäherung auch in anderen Kulturkreisen längst Alltag ist, zeigten Vorträge etwa aus der Mongolei und aus Island, dem diesjährigen Partnerland der Konferenz.

 
Hohes Potenzial für die Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch für ganz Deutschland: Ministerpräsident Harald Ringstorff (links) und Staatssekretär Klaus Theo Schröder  
Auch Schröder sieht keinen Grund für Arroganz auf einer der beiden Seiten. „Es gibt eine hohe Bereitschaft in der Bevölkerung, aber auch unter Ärzten, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, sagte Schröder in Rostock. Nach seinen Angaben arbeitet jeder 20. der insgesamt 4,3 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen im Bereich der Alternativ- und Komplementärmedizin. Einen weiteren Schub für alternative und komplementäre Verfahren erhofft er sich durch mehr Transparenz. „Wir haben es mit einer neuen Generation von Patienten zu tun, die differenzierte und klare Informationen nachfragen“, sagte Schröder. Um diesen Ansprüchen gerecht werden zu können, seien Daten etwa für Leitlinien in diesem Bereich notwendig. Zugleich ermunterte Schröder zu mehr Forschung in der Alternativ- und Komplementärmedizin. Als Vorbilder nannte er die Schweiz und die Vereinigten Staaten.

Deutlich wurde in Rostock auch, dass die hohen Erwartungen der Landesregierung in die Gesundheitswirtschaft eher noch zugenommen haben.

Aussteller auf der Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft - sie soll auch die kommenden fünf Jahre in Rostock stattfinden (Fotos: di)
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) bezeichnete das Gesundheitswesen als „strategischen Wachstumskern“ für das Land. „Wir bleiben kontinuierlich am Thema dran“, kündigte Ringstorff auf der Konferenz an. Nach seinen Angaben wurden im Nachbarland seit der Wende rund 1,7 Milliarden Euro in die Branche investiert. Wie hoch seine Regierung die Bedeutung der Branche für das Bundesland einschätzt, zeigte die Präsenz von Ringstorff, seines Wirtschaftsministers Jürgen Seidel (CDU) und seines Gesundheitsministers Erwin Sellering (SPD) in Rostock. Die Regierung erwartet, dass sich die Zahl von jetzt rund 86 000 Beschäftigten in der Branche mittelfristig um bis zu 15 Prozent steigern lässt. Dieses Ziel soll trotz starker innerdeutscher Konkurrenz um gesundheitliche Angebote erreicht werden. Seidel erwartet neue Kunden aber weniger zulasten von Regionen mit vergleichbaren Standortvoraussetzungen wie etwa Schleswig-Holstein. Mehr Potenzial sieht er unter Urlaubern, die bislang noch auf Sonnenurlaub im Süden setzen. Seidel setzt dabei auf einen Ausbau des Medical-Wellness-Bereichs mit Prädikaten. Er erwartet auch eine weitere Verzahnung mit anderen Branchen. Viele Investitionen in Gastronomie und Tourismus im Nordosten betreffen heute schon gesundheitliche Angebote. Die Branchenkonferenzen in Rostock sind für fünf weitere Jahre gesichert. Sie sollen auch in kommenden Jahren auf einen Kreis von rund 600 Experten beschränkt bleiben. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007

S. 77/78