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die Genomforschung den Gläsernen Menschen? Horst Kreussler Im Umfeld des von den Koalitionsfraktionen verabredeten Gendiagnostik-Gesetzes (vgl. Kritik dazu www.ethikrat.org vom 1.2.2007) wie auch der umstrittenen E-Card war die Sorge vor einem Gläsernen Menschen Thema eines Referats beim ökumenischen Pädagogisch-Ethischen Institut e. V. (PEI), Hamburg. Prof. Dr. rer. nat. Stefan Rose-John (Univ. Kiel) wies auf die Problematik einer unkontrollierten Transparenz bei der Gendiagnostik und auf die Verantwortung der Genomforschung hin. Diskussionsleiterin Dr. theol. Esther Bollag vom PEI erläuterte die Ausgangshypothese, dass in wenigen Jahren die biomedizinischen Analysemethoden so verfeinert sein könnten, dass das Genom eines Menschen in wenigen Stunden und kostengünstig sequenziert und so mühelos Risikoprofile für viele Krankheiten erstellt werden könnten. Große Sorge: Werden die Krankenversicherungen diese Tests für Beitrittswillige for- dern? Werden entsprechende Vorsorgeuntersuchungen verbindlich? Ist dies das Ende der solidarischen Krankenversicherung? Prof. Rose-John, der in Kiel eng mit der Klinischen Forschung (Prof. Stefan Schreiber, CED-Forschung) und Humangenetikern kooperiert, sagte, der Mensch werde seit Jahren immer transparenter, besonders seit der Kenntnis der Abfolge des menschlichen Genoms aus drei Milliarden Buchstaben (Typen A, T, C, G). Die monokausale Beziehung zwischen einem bestimmten Gendefekt (bei 25 000 menschlichen Genen) und einer Erbkrankheit (wie Zystischer Fibrose) sei das eine. Viel komplexer seien die derzeit erforschten Zusammenhänge zwischen zugleich mehreren veränderten biochemischen Strukturen (SNPs) und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit (z. B. 50-70 Prozent), eine körperliche Abnormität, Behinderung oder eine chronische Krankheit wie Morbus Crohn kongenital oder im Laufe des Lebens zu bekommen. Das tatsächliche Auftreten hänge auch davon ab, ob beide Eltern die gleichen genetischen Veränderungen aufwiesen, sonst könne die beim Menschen vorhandene gesunde Kopie des Gens (Allel) dies verhindern. Die Forschung über diese Fragen komme rasch voran, daher sei es jetzt geboten, nicht nur über die großen diagnostisch-therapeutischen Chancen nachzudenken, sondern auch über die Gefahren missbräuchlicher Nutzung, so der Tenor der anschließenden Diskussion. Wenn wir das nicht tun, werden uns andere zuvorkommen, warnte Rose-John. Er sei nicht sicher, dass dann alle Patienten nach den Grundsätzen von Gleichheit, Gerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit behandelt würden. Auf der anderen Seite dürfe das Solidarprinzip nicht überstrapaziert werden, sagte die Hamburger Allgemeinärztin (Psychotherapie) Dr. Mechthild Rohlffs. Eine ausreichende, stärkere Eigenverantwortung (zum Stichwort der krankmachenden Lebensweise) sei im Sinne des Subsidiaritätsprinzips zu fordern. Außerdem genüge eine Genreparatur nicht, wenn schädliche somatische und psychische Faktoren die Krankheit mitverursacht hätten: vor 100 Jahren sei Morbus Crohn wohl noch kaum aufgetreten. Am Ende schien Einigkeit zu herrschen, dass relevante gesellschaftliche Gruppen, insbesondere die Kirchen, aber auch die Ärzteschaft, die Problematik noch intensiver bedenken und darüber aufklären sollten. Dr. jur. Horst Kreussler, An der Karlshöhe 1, 21465 Wentorf |
Schleswig-Holsteinisches
S. 73 |