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Unsere Nachbarn

Hartmannbund und NAV-Virchowbund
Mehr Verantwortung für Verbände?

Zusammenarbeit der Verbände im Gesundheitswesen forderte der Bundeschef des NAV-Virchowbundes Dr. Klaus Bittmann am 5. Mai in Schwerin - und sein Verband machte es gleich vor. Die NAV-Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern tagten zusammen mit den beiden Landesverbänden des Hartmannbundes. Hauptthemen waren der Wettbewerb im Vertragsgeschäft und der Einsatz Arzt entlastender Gemeindeschwestern.

 
Dr. Andreas Donner (Fotos: di)  
„Die Verbände müssen mehr Verantwortung übernehmen“, forderte Bittmann in Schwerin. Damit einhergehend sieht er eine stärkere Abgrenzung zu den Kassenärztlichen Vereinigungen. In einzelnen Bereichen könne dies auch zu Konkurrenzsituationen führen, stellte Bittmann fest. Mecklenburg-Vorpommerns NAV-Landeschef Dr. Andreas Donner sieht die Ärzte zumindest in seinem Bundesland aber gedanklich noch nicht so weit. „Die Ärzte verlassen sich noch zu stark auf die Kassenärztliche Vereinigung. Wir müssen sie stärker mitnehmen“, sagte Donner. Er kann sich eine Allianz auch mit anderen Verbänden im Norden vorstellen - ebenfalls mit der Folge, dass eine Konkurrenz zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV) entsteht.

 
  Prof. Wolfgang Hoffman
Bernd Sträßer von der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern betonte in Schwerin den Kooperationswillen seiner Körperschaft und warnte davor, dass sich ärztliche Organisationen gegeneinander ausspielen lassen. „Wir reichen die Hand“, sagte Sträßer. Der KV-Abteilungsleiter sieht die Konkurrenz zwischen den ärztlichen Organisationen als politisches Ziel der Bundesregierung, um sie insgesamt zu schwächen. Sträßer gab ein Beispiel, wie die Verhandlungsposition der Ärzte aus seiner Sicht stark bleiben kann: In seinem Bundesland verhandelt die KV im Auftrag des Hausärzteverbandes um Verträge für die hausarztzentrierte Versorgung - wie in Schleswig-Holstein auch. Dem ersten Vertrag mit einer Krankenkasse sollen dann andere Kassen nur noch beitreten können - neue Verhandlungen soll es aus Sicht der Ärzte nicht geben.

Zweites Schwerpunktthema der gemeinsamen Tagung war die Versorgung im ländlichen Raum. Das Institut für Community Medicine an der Universität Greifswald hat dazu Modellprojekte initiiert - Ärzte etwa auf der Insel Rügen werden durch eine Gemeindeschwester entlastet. Projektleiter Prof. Wolfgang Hoffman nutzte die Tagung, um für die von Ärzten kritisch beobachteten Projekte zu werben. Er stellte klar, dass die ärztlichen Budgets wegen der Gemeindeschwestern nicht belastet werden dürfen - vielmehr erfordere ihr Einsatz zusätzliche Mittel. „Das System wird durch die Gemeindeschwestern nicht billiger“, sagte Hoffmann. Er stellte auch klar, dass die Qualifikation der Gemeindeschwestern höher ist als etwa die einer Arzthelferin - und er deshalb auch eine bessere Bezahlung erwartet. Woher dieses Geld kommen soll, ließ er offen. Nach seiner Ansicht ist eine ablehnende Haltung der ärztlichen Organisationen zu diesem Thema unangebracht, da die Arzt entlastende Pflege schon im Koalitionsvertrag als Ziel verankert ist. „Komplette Verweigerung ist nicht angesagt, andere Länder sind da schon weiter“, stellte Hoffmann fest.

Zugleich räumte er mit einigen Missverständnissen auf. Eine Konkurrenz durch die Gemeindeschwestern soll weder zu Ärzten, noch zu Pflegediensten geschaffen werden. „Die Gemeindeschwester soll niemanden ersetzen, sondern entlasten. Es geht nicht um Medizin zum halben Preis“, sagte Hoffmann. Er warnte aber auch vor übertriebenen Erwartungen an die Gemeindeschwestern. Diese hätten einen klar definierten Tätigkeitskatalog, der etwa Blutdruckmessen oder Sturzprophylaxe umfasse. Eine Lösung der mit der demographischen Entwicklung entstehenden Probleme sei durch die Gemeindeschwestern nicht zu erwarten, nur eine Abmilderung. Hoffmann gab zu bedenken, dass die zunehmende Alterung der Bevölkerung zu einem deutlichen Anstieg von Demenz, Herzinfarkten, Krebs und Schlaganfällen führen wird. Dies führe zu Folgeproblemen wie etwa stärkere Engpässe an Blutkonserven. Zugleich stoße die Familienpflege an ihre Grenzen. Deshalb sei ein verstärkter Einsatz von Gemeindeschwestern sinnvoll. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007

S. 72