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Primärprävention
des Diabetes mellitus Typ 2 in Risiko-Gruppen - eine wichtige Zukunftsaufgabe
Klaus-Dieter Kolenda
Die diesjährige Jahrestagung der Schleswig-Holsteinischen Gesellschaft
für Diabetes (SHGD) am 21.04.2007 in Bad Bramstedt stand unter dem
Motto: Kontroversen in der Prävention. Als Vorsitzender
der Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein
e. V. (LAG) war ich als einer der Referenten der Veranstaltung eingeladen.
Meine Pro-Stellungnahme bei dieser Kontroverse ist im Folgenden dokumentiert.
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Prof.
Dr. Klaus-Dieter Kolenda ist Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft
Herz und Kreislauf in Schleswig-Holstein e. V., Geschäftsstelle
Winterbeker Weg 49, 24114 Kiel, Tel. 0431/64 86 290, E-Mail info@laghk.lsv-sh.de,
Internet www.herzgruppen-sh.de |
Adipositas und Diabetes auf dem Vormarsch
Die Tabelle 1 zeigt die heute gültige Klassifikation des Körpergewichts
nach dem Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 25 spricht man bekanntlich
von Übergewicht, ab einem BMI von 30 von Adipositas. Das Gesundheitsrisiko
bei einer Adipositas hängt jedoch nicht nur vom BMI, sondern auch
von der Verteilung der überschüssigen Fettdepots ab. Eine stammbetonte
abdominale Fettverteilung ist ein phänotypisches Merkmal des metabolischen
Syndroms und ist mit metabolischen und kardiovaskulären Komplikationen
vergesellschaftet. Ab einem Taillenumfang von 94 cm bei Männern und
80 cm bei Frauen besteht ein erhöhtes Risiko, ab 102 cm bei Männern
und 88 cm bei Frauen ein stark erhöhtes Risiko. BMI und Taillenumfang
werden heute als separate Risikoindikatoren hinsichtlich kardiovaskulärer
und metabolischer Komplikationen angesehen, die sich addieren bzw. potenzieren.
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| Tabelle
1: Klassifikation des Körpergewichts (BMI) und des Taillenumfangs |
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Die Adipositas hat in
den letzten Jahrzehnten deutlich an Häufigkeit zugenommen. Die Zahlen
für die Prävalenz, die man in der Literatur findet, sind jedoch
stark abhängig von der Datenbasis. Die Daten aufgrund des Mikrozensus,
bei dem es sich um eine Befragung einer einprozentigen Stichprobe der Bevölkerung
handelt, ergeben in der Regel niedrigere Werte als zum Beispiel der nationale
Gesundheitssurvey, bei dem objektive Messwerte an einer großen Stichprobe
zugrunde gelegt werden. Auf der Basis von objektiven Messwerten wurde 2004
veröffentlicht, dass im mittleren Alter (25 bis 69 Jahre) die moderate
Adipositas (BMI 30 bis 35) von 1985 bis 2002 bei Männern von 16,2 auf
22,2 Prozent und bei Frauen von 16,2 auf 23,2 Prozent angestiegen ist. Im
gleichen Zeitraum hat die Häufigkeit der starken Adipositas (BMI >
35) bei Männern von 1,5 auf 5,2 Prozent und bei Frauen von 4,5 auf
7,5 Prozent zugenommen1. Daraus ist abzuleiten, dass heute in
Deutschland in der mittleren Altersgruppe mindestens 28 Prozent der Männer
und 31 Prozent der Frauen adipös sind.
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Tabelle
2: Wichtige Begleit- und Folgeerkrankungen bei Übergewicht/Adipositas
(Auswahl; aus 2) |
Die Tabelle 2 gibt eine
Übersicht über wichtige Begleit- und Folgeerkrankungen bei Übergewicht
und Adipositas. Neben dem Diabetes mellitus Typ 2 sind das vor allem die
Hypertonie, das metabolische Syndrom und die koronare Herzkrankheit (KHK),
aber auch die cerebrale Ischämie, das Schlafapnoe-Syndrom und kolorektale
Karzinome, aber auch Mamma- und Endometriumkarzinome2. Der Zusammenhang
zwischen Übergewicht bzw. Adipositas und Typ-2-Diabetes ist besonders
eng. Die Adipositasepidemie hat zur Folge, dass das Lebenszeitrisiko für
Diabetes in der deutschen Bevölkerung inzwischen bei 30 Prozent liegt.
Andererseits besteht am Nutzen an der dauerhaften Gewichtsreduktion bei
Vorliegen einer Adipositas kein Zweifel. Wenn es einem Adipösen gelingt,
sein Körpergewicht dauerhaft um zum Beispiel zehn Kilogramm abzusenken,
kommt es zu messbaren günstigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel,
den Blutdruck und die Mortalität (Tabelle 3).
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| Tabelle
3: Überblick über die durch Gewichtsreduktion erzielbaren
Effekte auf laborchemische und klinische Parameter (nach 3) |
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Parallel zum Anstieg
der Adipositas ist in Deutschland der Diabetes mellitus Typ 2 epidemieartig
angestiegen. In den 45 Jahren seit 1960 ist es zu einem Anstieg des Diabetes
mellitus um mehr als das Zehnfache von 0,6 Prozent auf ca. sieben Prozent
2005 gekommen, sodass heute ca. sechs Millionen Diabetiker in Deutschland
bekannt sind4. Rechnet man eine Dunkelziffer von zwei bis drei
Millionen noch dazu, kann man davon ausgehen, dass mittlerweile zehn Prozent
der deutschen Diabetiker sind. 95 Prozent davon sind Typ-2-Diabetiker. Auch
bei Kindern und Jugendlichen ist es seit den 90er Jahren zu einem Anstieg
des Typ-2-Diabetes gekommen5. 2010 wird die Diabetes-Prävalenz
wahrscheinlich auf zehn Millionen Personen in Deutschland ansteigen. Der
moderne Lebensstil mit Fehlernährung und körperlicher Inaktivität
ist die Hauptursache für diesen besorgniserregenden Anstieg von Adipositas
und Diabetes mellitus.
Die medizinischen Folgen dieser Entwicklung sind schon derzeit eine der
größten Herausforderungen für unser Gesundheitswesen. Diabetes
mellitus Typ 2 zählt zu den Hauptrisikofaktoren für die Entstehung
einer Mikro- und Makroangiopathie. Bis zu 80 Prozent der Patienten mit Diabetes
mellitus Typ 2 sterben an Gefäßkomplikationen, wovon 75 Prozent
der Todesfälle durch Komplikationen der KHK bedingt sind6. So bekommen
Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eine KHK im jüngeren Lebensalter,
haben einen höheren Anteil an diffusen Mehrgefäßerkrankungen
und entwickeln häufiger eine Herzinsuffizienz. Weiterhin sind beispielsweise
28 000 Fußoperationen,
6 000 Erblindungen und 6 000 neue Dialyse-Fälle pro Jahr Folge des
Diabetes mellitus.
Auch die gesundheitsökonomischen Folgen sind enorm, da sich der Diabetes
mellitus Typ 2 zu den teuersten chronischen Krankheiten entwickelt hat.
Die Kosten belaufen sich auf ca. 22,3 Mrd. Euro pro Jahr4. Darin
sind ca. 14,6 Mrd. Behandlungskosten und ca. 7,7 Mrd. indirekte Kosten enthalten.
Die Behandlungskosten eines Typ-2-Diabetikers mit mikro- und makroangiopathischen
Komplikationen betragen ca. 5 500 Euro pro Jahr und liegen damit vierfach
höher als die durchschnittlichen Patientenkosten in der entsprechenden
Altersgruppe.
Neue Studien zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes
Von daher ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren eine Reihe
von randomisierten Studien zur Primärprävention des Typ-2-Diabetes
durchgeführt worden sind, um Wege zu finden, dieser gesundheitspolitischen
Herausforderung entgegentreten zu können. Die drei neuesten Studien
möchte ich kurz vorstellen.
Die wichtigste Studie ist die Diabetes Prevention Study (DPS) aus Finnland7.
In dieser rando-
misierten Interventionsstudie mit 522 Patienten mit Übergewicht bzw.
Adipositas betrug der durchschnittliche BMI 31. Das zusätzliche Eingangskriterium
für alle Patienten der Studie war eine gestörte Glukosetoleranz
(IGT). In der Interventionsgruppe wurde ein individuell abgestimmtes umfangreiches
Programm zur Lebensstil-Veränderung durchgeführt. Die Interventions-
und Studiendauer betrug 3,2 Jahre. In Tabelle 4 sind die fünf Interventionsziele
aufgeführt, die bei allen Patienten angestrebt wurden. Die Ergebnisse
dieser Studie waren erstaunlich. Nach 3,2 Jahren konnte in der Interventionsgruppe
eine relative Risikoreduktion (RRR) von 58 Prozent festgestellt werden,
das heißt, in der Interventionsgruppe war die Diabetesinzidenz mehr
als halbiert. Auch die absolute Risikoreduktion (ARR) lag mit zwölf
Prozent entsprechend einer number needed to treat (NNT) von 8,3 in einem
Bereich, der als sehr effektiv eingeschätzt werden muss. Hervorzuheben
ist, dass kein Patient der Interventionsgruppe einen Diabetes mellitus Typ
2 entwickelte, der mindestens vier von fünf der in Tabelle 4 aufgeführten
Therapieziele erreichte.
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Tabelle
4: Die fünf Interventionsziele der finnischen Diabetes Prevention
Study (DPS) (nach 7) |
2006 wurde die Folgestudie
der finnischen DPS veröffentlicht6. Das Design war so, dass
in der Interventionsgruppe auf die drei- bis vierjährige Intervention
ein dreijähriges Follow-up ohne weitere Intervention folgte. Die Follow-up-Untersuchung
wurde nach insgesamt sieben Jahren durchgeführt. In der Interventionsgruppe
kam es in dem dreijährigen Follow-up ohne weitere Intervention trotzdem
zu einer weiteren RRR von 36 Prozent, sodass die Follow-up-Untersuchung
nach sieben Jahren eine RRR von insgesamt 43 Prozent in der Interventionsgruppe
ergab. Daraus lässt sich ableiten, dass die Lebensstil-Veränderungen,
die die Diabetesinzidenz verminderten, in der Interventionsgruppe auch nach
Beendigung der Intervention weitergeführt wurden.
Das Diabetes Prevention Program (DPP) aus den USA ist die größte
randomisierte Interventionsstudie mit 3 224 Patienten mit Übergewicht
bzw. Adipositas (mittlerer BMI 34) und zusätzlicher IGT9.
Die rekrutierten Patienten wurden in drei Studiengruppen aufgeteilt: eine
Lebensstil-Gruppe, eine Metformin-Gruppe und eine Kontrollgruppe. Die Lebensstil-Gruppe
erhielt ein umfangreiches Beratungsprogramm hinsichtlich Ernährung,
Bewegung und Verhaltensänderung. In der Metformin-Gruppe wurde eine
Behandlung mit zwei mal 850 mg Metformin pro Tag durchgeführt. Die
Studiendauer betrug 2,8 Jahre. Zu den Ergebnissen ist zu sagen, dass die
RRR in der Lebensstil-Gruppe (zufällig ebenfalls) 58 Prozent betrug.
Auch die ARR war beachtlich, die NNT in der Lebensstil-Gruppe betrug 6,9.
In der Metformin-Gruppe war die RRR mit 31 Prozent geringer als in der Lebensstil-Gruppe,
die NNT betrug hier 13,9.
Die dritte neuere Studie, die hier erwähnt werden soll, ist die internationale
STOP-NIDDM-Studie10. Es handelt sich um eine randomisierte Primärpräventionsstudie
mit 1 429 Patienten mit Übergewicht bzw. Adipositas (mittlerer BMI
31) und IGT. Die Interventionsgruppe erhielt drei mal 100 mg Acarbose pro
die, die Kontrollgruppe Placebo. Nach einer Studiendauer von 3,3 Jahren
ergab sich für die Interventionsgruppe eine RRR von 36 Prozent. Allerdings
war nach Stopp der Acarbose-Medikation in einer dreimonatigen Wash-out-Phase
ein abrupter Anstieg der Konversionsrate zum Diabetes mellitus Typ 2 festzustellen,
sodass anzunehmen ist, dass die medikamentöse Therapie nur so lange
wirksam ist, wie sie andauert.
Strategien zur Prävention des Typ-2-Diabetes
Aufgrund der dargestellten Studien wurde auch in Deutschland eine Strategie
zur Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt11,12,13.
Die Primärprävention soll dabei auf Bevölkerungsebene in
erster Linie durch mehr körperliche Bewegung und Reduktion oder Vermeiden
von Übergewicht bzw. Adipositas umgesetzt werden. Der Einsatz von Medikamenten
wie Metformin oder Acarbose hat einen geringeren Effekt und wirkt wahrscheinlich
nur so lange, wie die Medikamente eingesetzt werden. Deshalb kommen Medikamente
zur Primärprävention des Diabetes mellitus nur dann in Frage,
wenn die Patienten nicht für Lebensstil-Veränderungen gewonnen
werden können.
Bisher fehlte der Nachweis, dass solche allgemeinen Präventionsprogramme
bei Personen ohne ein besonderes Risiko erfolgreich sind. Aufgrund der jetzigen
Studienlage, insbesondere aufgrund der finnischen Präventionsstudie
einschließlich der Folgestudie, scheinen solche Präventionsprogramme
jedoch bei Menschen mit erhöhtem Risiko, das heißt Vorliegen
von Übergewicht bzw. Adipositas und einer IGT, sehr effektiv zu sein.
Bei dieser Risikogruppe liegt die jährliche Konversionsrate zum Typ-2-Diabetes
bei 7-11 Prozent14. Der Grund für die Effektivität
der Behandlung dürfte sein, dass Patienten mit einem erhöhten
Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 wahrscheinlich
leichter zu den notwendigen Lebensstil-Veränderungen zu motivieren
sind als Patienten, die nur übergewichtig bzw. adipös sind und
sich dabei gesund fühlen.
Ausgehend von den vielversprechenden Diabetes-Präventionsstudien wurde
ein Leitfaden zur Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 in Deutschland
erstellt, der ein 3-Schritte-Konzept (Risiko erkennen - Lebensstil verändern
- Diabetes vermeiden) für Anbieter von Präventionsmaßnahmen
beinhaltet15. Erarbeitet wurde dieser Leitfaden von der AG Prävention
des Typ-2-Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Deutschen Diabetes
Stiftung und der Projektgruppe Prävention des Nationalen Aktionsforums
Diabetes mellitus (NAFDM), über den der Leitfaden auch zu beziehen
ist.
Das Konzept setzt sich aus den folgenden drei Schritten zusammen. Schritt
1 besteht in der frühzeitigen Risikoerfassung mittels eines geeigneten
Screenings. Dazu bietet sich der Findrisk-Risikofragebogen an, der im Rahmen
der finnischen Diabetes-Präventionsstudie entwickelt, im finnischen
Diabetes-Präventionsprogramm derzeit eingesetzt und in Deutschland
evaluiert wurde15 (Tabelle 5).
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| Tabelle
5: Der Findrisk-Risikofragebogen (nach 15) |
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Er verzichtet auf
Laborwerte und besteht aus acht einfachen Fragen, die mit Punkten bewertet
werden. Bei weniger als zehn Punkten besteht ein geringes Risiko für
die Entwicklung des Diabetes mellitus in den nächsten zehn Jahren
und es ist nur eine Information notwendig. Bei 10 bis 20 Punkten ist das
Risiko erhöht und es ist eine Prävention nötig. Bei mehr
als 20 Punkten besteht ein stark erhöhtes Risiko und es ist eine
weitere Abklärung zum Ausschluss eines schon bestehenden Diabetes
mellitus Typ 2 erforderlich. Falls dieser ausgeschlossen wird, sind die
Patienten ebenfalls für eine Diabetes-Präventionsgruppe geeignet.
Im anderen Fall sind sie als Diabetiker zu betreuen und sollten eventuell
an einem entsprechenden DMP-Programm teilnehmen.
Schritt 2 besteht in einer intensiven Intervention zur Diabetes-Prävention,
die zertifiziert und evaluiert sein sollte. Der Schritt 3 besteht in einer
kontinuierlichen weiteren Intervention zur Aufrechterhaltung der erzielten
Lebensstil-Veränderungen und in einer Qualitätskontrolle durch
regelmäßigen Kontakt und Überprüfung definierter
Parameter. Dabei werden in der Präventionsgruppe Lebensstil-Veränderungen
mit den in Tabelle 4 genannten Zielwerten angestrebt. Für die Betreuungszeit
in der Präventionsgruppe sind für Schritt 2 und Schritt 3 jeweils
sechs Monate angedacht, also insgesamt zwölf Monate.
Lokale Implementierung von Diabetes-Präventionsgruppen
Derartige Diabetes-Präventionsgruppen gibt es in Deutschland bisher
nur in Ansätzen. Es werden jedoch derzeit verschiedene Interventionsprogramme
evaluiert, zum Beispiel das Programm Prädias im süddeutschen
Raum oder das Programm aha! - ab heute anders, gesünder leben
im Norden im Kreis Schleswig-Flensburg16. Von Seiten der NAFDM sollen
2007 Pilot-Projekte im Bundesland Sachsen und Nordrhein-Westfalen durchgeführt
werden.
Wünschenswert wäre, wenn möglichst bald in allen Bundesländern
auf der Basis des Leitfadens Prävention Diabetes mellitus Typ 2 des
NAFDM ein Netz von Diabetes-Präventionsgruppen geschaffen werden
könnte. Dazu reicht es nicht aus, sich an die Apotheker zu wenden,
so wertvoll deren Mitwirkung auch sein kann. Die Mitwirkung der niedergelassenen
Ärzte ist unbedingt erforderlich. Dazu gehören insbesondere
Hausärzte, Internisten, Diabetologen und Sportärzte. Diese könnten
ohne großen Aufwand in ihren Praxen auf der Basis des Findrisk-Risikofragebogens
geeignete Patienten für Diabetes-Präventionsgruppen herausfinden
und motivieren. Diese könnten dann im Rahmen einer Gruppe von 10-15
Personen von so genannten Präventionsmanagern entsprechend Schritt
2 und 3 des Konzeptes für die Diabetes-Prävention intensiv betreut
werden. Diese Präventionsmanager, für die derzeit ein Curriculum
von der NAFDM erarbeitet wird, sollten am besten auf Landesebene in ausreichender
Zahl ausgebildet werden.
Diese Ausbildung könnte in Schleswig-Holstein im Rahmen einer Kooperation
erfolgen, an der sich neben der SHGD beispielsweise auch die LAG Herz
und Kreislauf in Schleswig-Holstein e. V., der Landessportverband und
die Abteilung Sportmedizin des Instituts für Sport und Sportwissenschaften
der Universität Kiel beteiligen könnten. Hier könnte an
die Erfahrungen und Inhalte der Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern
für ambulante Herzgruppen in Schleswig-Holstein angeknüpft werden.
In den letzten 20 Jahren wurden von der LAG in Schleswig-Holstein mehrere
100 Übungsleiter für die ambulanten Herzgruppen aus- und weitergebildet,
von denen sich wahrscheinlich auch eine große Anzahl für die
Weiterbildung zum Präventionsmanager für Diabetes-Präventionsgruppen
interessieren und eignen würde. Diese Präventionsmanager müssten
allerdings für ihre Tätigkeit eine angemessene Vergütung
von Seiten der Krankenkassen auf der Basis des § 20 oder § 43
SGB V erhalten, wie das derzeit bei den ambulanten Herzgruppen der Fall
ist. Geeignete Räumlichkeiten für die regelmäßigen
Treffen der Diabetes-Präventionsgruppen sind notwendig und würden
sich wahrscheinlich relativ einfach finden lassen, zum Beispiel in Arztpraxen,
bei Krankenkassen oder in anderen Einrichtungen.
Zusammenfassung
Parallel zum Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas
ist auch die Prävalenz des Diabetes mellitus Typ 2 in den letzten
45 Jahren um mehr als das zehnfache angestiegen. Die damit verbundenen
medizinischen und ökonomischen Probleme sind eine der größten
gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Neuere Studien
zur Primärprävention des Diabetes mellitus Typ 2 haben ergeben,
dass bei Risiko-Gruppen durch Lebensstil-Veränderungen etwa 50 Prozent
der Prävalenz vermieden werden kann. Auf der Basis dieser Studien
hat das nationale Aktionsforum Diabetes mellitus (NAFDM) kürzlich
einen Leitfaden zur Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 veröffentlicht.
Es handelt sich um ein 3-Schritte-Konzept (Risiko erkennen - Lebensstil
verändern - Diabetes vermeiden) für die Anbieter von Präventionsmaßnahmen
mit Qualitätskontrolle und Evaluation. Die Risikoerkennung erfolgt
mit dem Findrisk-Risikofragebogen, der aus acht Fragen besteht und ohne
Laborwerte auskommt. Mit dessen Hilfe können die behandelnden Ärzte
auf einfache Weise Risiko-Patienten für eine Typ-2-Diabetes erkennen
und versuchen, sie für die Teilnahme an einer Diabetes-Präventionsgruppe
zu motivieren. Für die Organisation der Präventionsgruppen wären
Präventionsmanager zuständig, die in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit
zwischen der Schleswig-Holsteinischen Gesellschaft für Diabetes (SHGD)
und anderen Organisationen wie der Landesarbeitsgemeinschaft Herz und
Kreislauf in Schleswig-Holstein e. V. (LAG), dem Landessportverband und
dem Lehrstuhl Sportmedizin des Instituts für Sport und Sportwissenschaften
der Universität Kiel ausgebildet werden könnten.
Prof. Dr. Klaus-Dieter Kolenda, Villenweg 21, 24119 Kronshagen
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Anbieter von Präventionsmaßnahmen. Anschrift: Projektmanagerin
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19, 82152 Martinsried, Tel.: 089 / 57 95 79 20, E-Mail: ulrike.gruhl@nafdm.de
- Internet: www.ab-heute-anders.de
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007
S. 61-66
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