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Kammer-Info aktuell

Mentoring für Ärztinnen
Fördern, Ziele anvisieren, unterstützen
Maria Koch-Dörfler

Bundesweit steigt der Anteil der Frauen in der Medizin seit einigen Jahren kontinuierlich an, insbesondere bei den Studienanfängern liegt der Anteil der Studentinnen inzwischen deutlich über der 50 Prozent Marke. Auch in der Klinik ist zumindest auf Assistenz-Arzt-Ebene die Medizin deutlich weiblicher geworden. Gegen Ende der Facharztausbildung, zum Zeitpunkt der Übernahme leitender Positionen, sinkt im Krankenhausbereich die Zahl der Ärztinnen allerdings drastisch, nur jede zehnte leitende Stelle wird von einer Frau besetzt.

 
Maria Koch-Dörfler, Vorsitzende des Ausschusses Ärztinnen der Ärztekammer Schleswig-Holstein
(Foto: rat)
 
Überproportional sind Ärztinnen zu diesem Zeitpunkt als Praxisangestellte beschäftigt oder arbeiten in Teilzeit, denn jetzt ist für die meisten Kolleginnen der Zeitpunkt der Familiengründung. In einer Umfrage, die der Ausschuss Ärztinnen der Ärztekammer im Jahre 2004 durchführte, gaben 295 von 485 nicht erwerbstätige bis 60-jährige Medizinerinnen als Grund ihrer Arbeitslosigkeit Kind und Partnerschaft an. Dabei nannten die bis 45-jährigen Ärztinnen diesen Grund besonders häufig.

Lange schon steht die Forderung vieler Medizinerinnen nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit im Raum. Es gilt nach wie vor: Wer der hohen zeitlichen Belastung in der Medizin nicht frönen kann, bleibt auf unteren Hierarchie- und Verdienstebenen hängen.

Anderseits wurde in der Altersgruppe bis 45-Jährigen der Wunsch nach besserer Weiterbildungsmöglichkeit in der Klinik besonders stark vertreten.

Der Bericht „Frauen in der Medizin“ der Bund-Länderkommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung nennt Diskriminierung als Hauptbarriere im Karriereverlauf von Ärztinnen. Die Studienergebnisse zeigen: Das berufliche Selbstvertrauen berufstätiger Ärztinnen sinkt im Laufe der Zeit, das der männlichen Kollegen steigt. Sowohl Männer wie Frauen neigen dazu, die Fähigkeiten von Frauen unter-, die von Männern überzubewerten.

Nun aber stehen wir vor der Situation eines sich abzeichnenden Mangels an versorgenden Ärzten(innen), wobei der Nachwuchs überwiegend weiblich ist.

Aus Kreisen in die Zukunft schauender Kollegen in Leitungspositionen werden jetzt endlich auch kritische Stimmen laut, die die aufkommenden Schwierigkeiten klar beim Namen nennen. Denn soll die Patientenversorgung auch in Zukunft auf ähnlich hohem Niveau erhalten bleiben, müssen sich entweder die Arbeitsbedingungen, die Ärztinnen oder beides ändern.

Der Ausschuss Ärztinnen der Ärztekammer entwickelt Vorstellungen, die - im Rahmen der Möglichkeiten der Kammer - jungen Ärztinnen beim Berufsanfang stützend zur Seite stehen sollen. Aus den Erfahrungen anderer Ärztekammern und auch aus Projekten einiger bundesdeutscher Universitäten wird zurzeit im Bereich der Ärztekammer Schleswig-Holstein versucht, ein Mentorinnen-Netzwerk ähnlich dem des Deutschen Ärztinnenbundes aufzubauen. Ganz wichtig ist dabei, dass dieses Projekt nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr synergistisch auftreten soll.
Mentoring ist ein in der Wirtschaft bereits weit verbreitetes und lange etabliertes Mittel der Förderung in der Personalentwicklung.

Seine Ursprünge liegen in der griechischen Mythologie. Es ist Mentor, (dessen Gestalt die Göttin Athene annimmt), der von Odysseus beauftragt wird, sich während der Abwesenheit des Vaters um dessen Sohn Telemachos zu kümmern. Mentor erklärt sich bereit, Telemachos zu erziehen und beschützend auf seinem Weg des Erwachsenwerdens zu begleiten.

Und Telemachos ist bereit, aus den Erfahrungen des Älteren, des väterlichen Lehrers, zu lernen.
Die moderne Form des Mentorings übernimmt dieses Prinzip der persönlichen Beziehung zwischen zwei Partnerinnen mit unterschiedlichem Erfahrungshorizont und unterscheidet sich damit ganz wesentlich von so genanntem (kommerziellem) Coaching. Der Coach ist allgemeiner Karriereberater, die Mentorin als Spezialistin in ihrem Bereich gibt ihre spezifische Berufs- und Lebenserfahrung unentgeltlich und freiwillig an ihre Mentee/Partnerin weiter. Die Mentorin arbeitet auf einer höheren Hierarchieebene als die Mentee, sie ist bereits Mitglied in einem bestehenden Netzwerk des jeweiligen Berufsfeldes, in das die Mentee mit ihrer Hilfe eingeführt wird.

Zu Beginn des Mentoring, nachdem die Partnerinnen sich gefunden haben, werden Regeln und Zielvereinbarungen formuliert. An dieser Stelle wird der Ausschuss Ärztinnen bzw. ein von ihm eingesetztes Gremium aktiv. Er soll nach den bisherigen Plänen

1. die Mentees und Mentorinnen finden,
2. zusammenführen,
3. begleitend beraten.

Soweit die bisherigen Überlegungen des Ausschusses Ärztinnen.

In Vorbereitung dieses Projektes wird in Absprache mit dem Kammervorstand eine schriftliche Umfrage bei Ärztinnen des Kammerbereichs durchgeführt, um zu eruieren, ob Interesse an einer Teilnahme am Mentoring-Programm besteht.

Dabei sollen alle bis 45 Jahre alten Kolleginnen schriftlich befragt werden.

Der Ausschuss Ärztinnen hofft auf rege Beteiligung möglichst vieler Kolleginnen, um eine adäquate Entscheidung für oder gegen das Projekt treffen zu können.

Maria Koch-Dörfler, Städtisches Krankenhaus Kiel, Chemnitzstraße 33, 24116 Kiel


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007

S. 44-46