zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein
Enge Verzahnung von Gesundheit und Tourismus

Gesundheit und Tourismus sollen in Schleswig-Holstein enger verzahnt werden. Ziel sind hochwertige Angebote, mit denen sich das Land von den zahlreichen Kampagnen anderer Regionen abgrenzen kann. Wie dies gelingen soll, stellten Gesundheitsministerin Dr. phil. Gitta Trauernicht und andere Beteiligte am 14. Mai im Kieler Landeshaus vor.

Dr. Thomas Wessinghage Dr. phil. Gitta Trauernicht
(Fotos: di)

„Mehr Gesundheit: Urlaub in Schleswig-Holstein“, heißt es auf einem Plakat, das eine blaue Welle zeigt. Dazu kleinere Bilder von medizinischen Anwendungen. Die Werbung in eigener Sache im Kieler Landeshaus zeigt, womit die Region bei Urlaubern künftig punkten will: Meer, Entspannung und Bewegung verknüpft mit dem Thema Gesundheit. Denn solche Angebote werden von Urlaubern immer häufiger gewünscht. „Zweidrittel der Bevölkerung will im Urlaub etwas für die Gesundheit tun“, sagte Trauernicht. Dieser Trend und die zunehmenden Zivilisationskrankheiten - bis zum Jahr 2014 wird die Zahl der Diabetiker in Deutschland von heute sechs auf dann zehn Millionen angestiegen sein - begründen den Handlungsbedarf. „Es werden immer mehr Programme nachgefragt, die hochwertig sind und auf langfristige Präventionswirkung zielen“, sagte Trauernicht. Um die Nachfrage stillen zu können, hat Schleswig-Holstein nach Ansicht der Beteiligten wie Heilbäderverband und Gesundheitsministerium beste Voraussetzungen. Rund 140 000 Menschen arbeiten derzeit im Gesundheitswesen, rund 130 000 Menschen in der Touristik. Beide Branchen sollen nun besser verzahnt werden. Ein Fachbeirat aus medizinischen und touristischen Experten hat unter Leitung von Dr. Thomas Wessinghage aus Damp Qualitätskriterien für Programme entwickelt, die die Gesundheitsurlauber ansprechen. Diese Programme sollen speziell die Prävention betreffen. Abgrenzen zu anderen Regionen will man sich durch die Besonderheiten wie Nähe zu den beiden Meeren, aber auch durch medizinische Kompetenz. Wer ein Programm anbietet, muss je nach Einordnung in ein Qualitätsschema einen Programmverantwortlichen benennen. Dieser muss schon in der niedrigsten Qualitätsstufe eine staatliche Anerkennung vorweisen, für höhere Stufen erfüllen nur Ärzte die erforderliche Qualifikation. Die Leistungsanbieter der Programme, dies können etwa Arztpraxen, Kliniken, Hotels oder Kurzentren sein, erhalten von der gemeinsamen Initiative
des Landes und des Heilbäderverbandes ein Produkt- und Qualitätshandbuch, das die Anforderungen an die Programme transparent darstellt. Den Kunden soll ein Gesundheitsreisepass ausgestellt werden, der alle zum Programm zählenden Schritte beschreibt und etwa durch weitere Untersuchungen beim Hausarzt später ergänzt werden kann.

Erfahrungen mit solchen Programmen hat die Damp-Gruppe gesammelt. Laut Wessinghage geht die Akzeptanz quer durch alle Altersgruppen. Schwierig sei es, Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss für die Teilnahme zu gewinnen. Auch einzelne Kurorte wie etwa St. Peter-Ording haben schon Programme wie „High Medical Wellness“ aufgelegt, um die Nachfrage nach hochwertigem Gesundheitstourismus zu stillen. Wie stark Gesundheit und Tourismus in den Kurorten bereits verzahnt sind, zeigen ebenfalls Zahlen aus St. Peter-Ording. 15 Prozent der Übernachtungen dort entfallen auf die sechs Kliniken im Nordsee-Badeort. Trauernicht machte im Landeshaus deutlich, dass für das Ziel, mehr Urlauber von den Angeboten in Schleswig-Holstein zu überzeugen, noch einiges getan werden muss. So riet sie etwa davon ab, den nach ihrer Ansicht schwammigen Begriff Wellness zu benutzen, da er ihrer Meinung nach ungeeignet ist, den hohen Qualitätsanspruch abzubilden. Und: Viele Hotels und Gastronomiebetriebe im Land müssen nach ihrer Beobachtung noch daran arbeiten, hochwertige Leistungen für einen bezahlbaren Preis anzubieten. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007

S. 27-28