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Schleswig-Holstein

Kieler Praxisnetz
Ärzte - Looser durch E-Card?

Technische Innovationen werden auch künftig Investitionen in den Praxen erfordern, gab Jan Meincke (re.) zu bedenken. AOK-Manager Gerhard Kruse (li.) sieht noch eine Lücke zwischen Theorie und Praxis. (Fotos: di)

Ärzte als „Looser“ bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte? Die Wortwahl, mit der das Kieler Praxisnetz seine Veranstaltung am 8. Mai in Kronshagen einleitete, trifft die Stimmung vieler niedergelassener Ärzte. Das Praxisnetz machte einen Versuch, Aufklärung zum Thema zu betreiben.

Rund 50 Ärzte waren gekommen, um sich bei Experten aus erster Hand zu informieren. Jan Meincke, Projektleiter in der Flensburger Testregion, Flensburgs Netzvorstand Dr. Eckehard Meissner, EDV-Experte Wolfgang Dahncke von der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Gerhard Kruse von der AOK standen Rede und Antwort. Einen leichten Stand hatten sie nicht - unter den Zuhörern, darunter auch klare Gegner des Kartenprojektes wie etwa der UnderDocs-Vorsitzende Dr. Svante Gehring aus Norderstedt - machten aus ihrer Skepsis keinen Hehl. Sie befürchten, dass Ärzte zu den „Nettozahlern“ zählen, während einige andere Akteure wie etwa die Krankenkassen vermeintlich von der Einführung der Gesundheitskarte profitieren. Für Allgemeinmediziner Siegfried Lauinger stand deshalb fest: „Das ganze ist ein gigantisches Wirtschaftsförderungsprojekt.“ Kiels fachärztlicher Netzvorstand Dr. Wolfgang Keil fasste eigene und die Bedenken seiner Kollegen so zusammen: „Wir brauchen die Sicherheit, dass unsere Geschäftsgrundlage in den Praxen nicht durch zu hohe Kosten und zu viel Bürokratie zerstört wird.“

Urologe Dr. Wolfgang Keil aus Kiel: Telematik darf nicht zu teuer und nicht zu bürokratisch für die Praxen werden.

 

Dr. Eckehard Meissner aus Flensburg: Elektronisches Rezept in der derzeitigen Form sprengt jeden Praxisbetrieb.
Meissner warnte aber davor, wegen berechtigter Kritik an Einzelprojekten die Vernetzung insgesamt abzulehnen. Er riet zu einer scharfen Trennung, was aus ärztlicher Sicht sinnvoll ist und was nicht. Aus seiner Sicht kann sowohl eine Vernetzung, als auch eine elektronische Patientenakte Vorteile bringen.

Von der Vernetzung profitieren nach seiner Ansicht die Fachärzte mehr als die Hausärzte, die viele Daten einzupflegen hätten, die von den Fachärzten genutzt werden können. Das elektronische Rezept dagegen bezeichnete Meissner als „Fluch“, weil es nach derzeitigem Stand für die Praxen nicht praktikabel ist. „In seiner jetzigen Form sprengt das jeden Praxisbetrieb. Bei uns in Flensburg hätte das elektronische Rezept keine Chance auf Durchsetzung.“ Meincke machte deutlich, dass er die vielen Vorbehalte wegen vermeintlicher datenschutzrechtlicher Probleme für übertrieben hält. Er verwies auf die „deutsche Gründlichkeit“ und die intensive Begleitung durch die Datenschützer. Gerhard Kruse von der AOK Schleswig-Holstein sprach dennoch von einer „Riesenlücke zwischen Theorie und Praxis“ - auch die Krankenkassen sehen durch die Telematik viel zusätzliche Arbeit auf sich zukommen. An
Interessierte Zuhörer
den angeblichen Benefit für die Kassen in Millionenhöhe glaubt er nicht. Ablehnen wollen die Kassen die E-Card aber nicht. Dr. Johann Brunkhorst von der Techniker Krankenkasse erinnerte an die Chance, über die Testregionen mit gestalten zu können - pure Ablehnung sei das falsche Signal. Keine Antwort konnten die Experten zu den Kosten geben. Auch die Frage nach möglichen Folgeinvestitionen konnte nicht beantwortet werden. Fest steht aber für Meincke, dass die ständigen Innovationen auch laufende Anpassungen in den Praxen notwendig machen. Die Experten konnten zwar zur Aufklärung beitragen, restlos zerstreuen konnten sie die Bedenken der Ärzte aber nicht - deutlich wurde dies in einer Resolution, die ein paar Tage nach der Veranstaltung verabschiedet wurde. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2007

S. 26-27