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Schleswig-Holstein
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Jahresempfang
der Freien Berufe
Ministerpräsident
Peter Harry Carstensen (CDU), Prof. Dr. phil. Wolfgang Kersting (Direktor
des Philosophischen Seminars der Kieler Universität) und Dr. Ulrich
Oesingmann (Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe) waren
die Gäste auf dem Jahresempfang des Landesverbandes der Freien Berufe
(LFB) in Schleswig-Holstein - entsprechend unterschiedlich fielen die
an diesem Abend diskutierten Themen aus. Der LFB-Vorsitzende
Dr. Eckhard Weisner konnte am 10. Mai im Kieler Schloss zahlreiche Gäste
aus Politik und aus den eigenen Reihen begrüßen. Der Ministerpräsident
sparte ihnen gegenüber nicht mit Lob: Viele von Ihnen sind
dem Gemeinwohl auf besondere Weise verbunden. Sie sind Träger von
Verantwortung im Gesundheitssystem, Rechtssystem oder im Kulturleben,
hob Carstensen hervor. Er verwies auf rund 30 000 Freiberufler in Schleswig-Holstein,
die als Antriebskräfte für einen gut positionierten Mittelstand
für Beschäftigung und Ausbildungsplätze sorgen. Zugleich
versprach Carstensen, dass das Land sich um eine Entlastung der Selbstständigen
bemühen wird - durch weniger Vorschriften, mehr Transparenz und geringere
Kosten.
Oesingmann
hob neben den Themen EU-Dienstleistungsrichtlinie und Ausbildungssituation
in den freien Berufen auf die Diskussion um die Verschwiegenheitsverpflichtung
freier Berufe ab und kritisierte den aktuellen Gesetzentwurf, der diese
Verpflichtung erheblich aufweicht. Aus seiner Sicht ist es fraglich, ob
diese Eingriffe mit den Grundrechten vereinbar sind.
Welche Aufgaben sollte der Staat aus Sicht Kerstings wahrnehmen? Er sollte eine Grundversorgung für diejenigen, die zur Selbstversorgung unfähig sind, und ein institutionelles Rahmenwerk bieten, das gleiche Lebenschancen gewährleistet. Stichwort Chancengleichheit: Hier geht es für Kersting darum, einen offenen Wettbewerb um Ämter, Positionen und Arbeitsstellen zu ermöglichen und diskriminierende Regeln, Praktiken und Sichtweisen zu verhindern - mehr nicht. Über diese Dimension der Chancengleichheit aber ist der Sozialstaat heutiger Prägung längst hinausgegangen. Die von Kersting formulierte Chancengleichheit verlangt eine Neuorientierung des Sozialstaates, mit der Ermutigung zur Selbstständigkeit und Förderung individueller Autonomie. Möglichst viele Menschen müssen in den Wettbewerb zurückgeführt werden - ob die meisten Bürger diese Freiheiten allerdings wünschen, bezweifelte der Philosoph. Denn die zurückliegenden Dekaden haben Menschen nach seiner Beobachtung zunehmend unfähig gemacht, selbst
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Schleswig-Holsteinisches
S. 24-26 |
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