|
Schleswig-Holstein
|
|||||||
|
GKV-WSG
Schleswig-Holsteins
SPD-Chef Ralf Stegner verteidigte in Molfsee den Gesundheitskompromiss.
Der Innenminister verwies auf Merkmale in der Reform, in denen er eine
sozialdemokratische Handschrift erkennt. Dazu zählt Stegner
etwa, dass dies die erste Gesundheitsreform seit langem ohne Leistungskürzungen,
sondern mit Ausweitungen sei. Auch die allgemeine Versicherungspflicht
und die Öffnung der Kliniken für ambulante Leistungen zählt
Stegner dazu. Zugleich verschwieg Stegner nicht, dass die Reform auch
aus seiner Sicht Schwächen hat. Inhaltlich etwa stören ihn die
Wahltarife, die zu einer Schwächung des Solidarprinzips führen.
Das Solidarprinzip abschaffen geht an die Architektur unserer Demokratie,
warnte Stegner. Aber auch der Weg bis zur Verabschiedung des Gesetzes
hat ihm nicht gefallen. Das war sicherlich kein Musterbeispiel für
ein parlamentarisches Beratungsverfahren. In diese Kritik schloss
er auch diejenigen ein, die im Vorwege versuchten Einfluss zu nehmen -
was auch auf alle anderen an diesem Abend Geladenen einschließlich
des ASG-Vorsitzenden Dietmar Katzer zutrifft. Der VdAK-Leiter in Schleswig-Holstein
hatte vor der Reform wichtige Eckpunkte kritisiert. Nach der Verabschiedung
will Katzer die bestehenden Chancen des Gesetzes nutzen. Diese sieht er
etwa in einem leichteren Zugang zu Rehaleistungen, im Abbau von sektoralen
Schranken, in der Integration von bislang nicht Versicherten oder in der
flächendeckenden Umsetzung der integrierten Versorgung. Kritischere
Töne kamen von AOK-Chef Dr. Dieter Paffrath. Er machte deutlich,
dass das Gesetz zwar umgesetzt, aber so schnell wie möglich geändert
werden muss. Eine Aktentasche voll mit Änderungsvorschlägen
wirbt aus seiner Sicht nicht gerade für Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt und die handwerklichen Fähigkeiten ihres Ministeriums.
Paffrath kritisierte neben inhaltlichen Punkten wie Gesundheitsfonds und
Wahltarife die negative Einstellung der Bundesregierung zur Selbstverwaltung
im Gesundheitswesen. Der Tenor, die Selbstverwaltung habe versagt, sei
falsch. Dies unterstrich auch Prof. Günther Jansen. Als Vorsitzender
des Vereins Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein warnte der frühere
Landessozialminister die Politik davor, die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen
zu zerschlagen, die Kassen zu Marionetten staatlicher Mangelwirtschaft
zu degradieren und weiterhin die ärztlichen Organisationen
als Gegner zu begreifen. Die Politik und die Patienten werden dann
sehr bald merken, dass auch Freiberufler sich als genossenschaftliche
- oder wie auch immer - organisierte Marktmacht verbünden und wehren
können. Montgomery hat gezeigt, wie es geht, sagte Jansen.
Auch
Schleswig-Holsteins KV-Chef Ralf Büchner erneuerte seine Kritik am
Gesetz. Auf Leistungsausweitungen kann Politik gerade nicht stolz
sein, sagte Büchner. Er wünscht sich von Politikern das
Bekenntnis, dass in Zukunft weniger geht. Sonst drohe als
Konsequenz eine Demontage der Solidarität. Als Alternative empfahl
Büchner eine solidarisch finanzierte Grundversorgung mit privat zu
finanzierenden Wahlleistungen. Außerdem müssten sich Politiker
Gedanken machen, wie der Einstieg in eine Kapitaldeckung im Gesundheitswesen
gelingen kann. Bernd Krämer für die Krankenhäuser und Adolf
Popall für die privaten Pflegeanbieter machten deutlich, dass die
Leistungserbringer keine weiteren finanziellen Einschnitte verkraften.
Popall warnte vor einem Ausbluten besonders der ambulanten
Pflegedienste. Krämer gab zu bedenken, dass für die Ausgaben
im Gesundheitsbereich auch entsprechende Gegenleistungen erbracht werden.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nord, Peter Deutschland,
warnte vor einer Entsolidarisierung in der gesetzlichen Krankenversicherung,
etwa durch die Wahltarife - in dieser Einschätzung waren sich immerhin
alle Beteiligten an diesem Abend einig. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 23-24 |
||||||