|
|
Nach langem,
bangem Winterschweigen
Willkommen, heller Frühlingsklang!
Nun rührt der Saft sich in den Zweigen,
Und in der Seele der Gesang.
|
Es
wandelt unter Blütenbäumen
Die Hoffnung übers grüne Feld;
Ein wundersames Zukunftsträumen
Fließt wie ein Segen durch die Welt |
Liebe Kolleginnen
und Kollegen,
leider war der Traum nur sehr kurz. Fast nur wenige Redesekunden, die
die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in der Eröffnungsveranstaltung
des 110. Deutschen Ärztetages in Münster am 15.05.2007 brauchte,
um von der Ankündigung, leistungsgerechte Arzthonorare in Euro und
Cent einführen zu wollen bis zu der Aussage: Selbstverständlich
müssten die damit verbundenen Mehrkosten an anderer Stelle eingespart
werden zu kommen.
Also doch alles beim Alten.
Es gibt zwar mehr Marmelade - dafür aber keine Butter mehr auf die
Stulle. Ein typisches Phänomen von Planwirtschaft, wo doch eigentlich
marktwirtschaftliche und wettbewerbliche Ideen ins Gesundheitswesen Eingang
finden sollten.
Beide Wirtschaftsmodelle verkennen allerdings gleichermaßen sträflich,
dass der Versorgungsbedarf der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen
Variablen unterliegt, die sich weder im Voraus planen noch im Wettbewerb
regulieren lassen.
Deshalb hatte der 108. Dt. Ärztetag in Berlin beschlossen, die Versorgungsforschung,
die den tatsächlichen Bedarf der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland
an medizinischer Zuwendung möglichst objektiv untersuchen soll, nicht
nur ideell, sondern auch finanziell mit zu unterstützen. Immer mehr
kristallisiert sich heraus, dass dieser Beschluss mit zu den weiseren
zählt, die Deutsche Ärztetage zu fassen in der Lage sind. Auch
der diesjährige Beitrag des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates
der Bundesärztekammer, Professor Scriba, gab ein beredtes Beispiel
sowohl für die Möglichkeiten dieses Instrumentes als auch für
die Akzeptanz, die dieses Institut nach anfänglich sehr kontroverser
Diskussion sich mittlerweile in der verfassten deutschen Ärzteschaft
erworben hat.
Aber auch ein aktueller Beschluss unter dem TOP 5 des diesjährigen
110. Deutschen Ärztetages - Tätigkeitsbericht - erfordert Respekt
und Aufmerksamkeit.
Es geht um den mit großer Spannung erwarteten Diskurs über
die Einführung des Telematik-Projektes nach § 291 a SGB V.
Im Vorfeld des Ärztetages waren zunehmend Stimmen aus der Ärzteschaft
nach einem kompletten Ausstieg aus dem Telematikprojekt laut geworden.
Die Beschlussvorlage der Bundesärztekammer hatte dagegen auf der
Basis einer gemeinsamen Verbändeerklärung die weitere Mitarbeit
von der Erfüllung unabdingbarer Forderungen abhängig gemacht.
Positiv abgestimmt wurde dann aber letztendlich ein verbal weitergehender
Alternativvorschlag. Demnach lehnt der Deutsche Ärztetag die Gesundheitskarte
in der bisher vorgestellten Form ab und fordert dann ebenfalls
eindeutige Aussagen und Festlegungen des Bundesgesetzgebers als Voraussetzung
für die aktive Unterstützung bei der Einführung. Dies betrifft
neben der Umsetzung des § 291 a vor allem eine eindeutige und perspektivische
Aussage zum Umgang mit gespeicherten Patientendaten.
Es ist mehr als verständlich, dass viele Ärztinnen und Ärzte
der Politik nicht von hier bis da über den Weg trauen. Wer daraus
allerdings den Schluss zieht, man solle gar nicht erst den Versuch unternehmen,
als Selbstverwaltung zumindest mitzugestalten und stattdessen die Politik
handeln zu lassen, um danach umso machtvoller dagegen protestieren zu
können, unterliegt ebenfalls süßen Zukunftsträumen.
Übrigens: Das komplette Gedicht Frohe Botschaft von Emanuel
Geibel können Sie in der Rubrik Aktuelles auf unserer
Website www.aeksh.de einsehen.
Mit freundlich-kollegialen
Grüßen
Ihre
 |
 |
Dr.
med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident |
Dr.
med. Cordelia Andreßen
Hauptgeschäftsführerin |
|

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
6/2007
S. 3
|