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Rezensionen


Pschyrembel Sozialmedizin

Bibliographische Angaben: de Gruyter Verlag, 552 Seiten, 1. Auflage, ISBN 978-3-11-017605-6, 39,95 Euro

Kurze Inhaltsangabe: Multiprofessionell erarbeitetes Fachwörterbuch, das eine Brücke schlägt u. a. zwischen Medizin, rechtlichen Grundlagen der sozialen Sicherungssysteme, medizinischer Berufsorientierung, Rehabilitation, Begutachtung und Qualitätsmanagement. Es richtet sich nicht nur an überwiegend sozialmedizinisch Tätige, sondern letztlich an alle im Gesundheitswesen Handelnden als Orientierung in diesem zunehmend an Bedeutung gewinnenden Feld.

Kritische Bewertung: Für ein Erstlingswerk diesen Anspruchs beeindruckt es durch die knappe Klärung einer Vielzahl komplexer Begriffe nebst ergänzenden Hinweisen zur sozialmedizinischen Relevanz. Seine Stärke, die Sozialmedizin auf höchstem fachlichen Niveau nicht zuletzt unter Einbindung und Mitarbeit der Deutschen Rentenversicherung abzuhandeln, ist jedoch zugleich noch seine Schwäche: Den niedergelassenen oder klinisch tätigen Arzt holt es nicht genügend im Alltag ab. Vermutlich wird sich dies aber infolge der Rückmeldungen in den kommenden Auflagen ändern.

Empfehlung: Unter dem Strich lohnt sich für den Interessierten die Anschaffung, nicht zuletzt da ein vergleichbares Werk bisher nicht vorliegt.

Rezensent: Dr. Timo Specht, Segeberger Kliniken, Psychosomatik, Am Kurpark 1, 23795 Bad Segeberg

 


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Wirtschafts- und Betriebskunde für medizinische und
zahnmedizinische Fachangestellte

Bibliographische Angaben: Nuding, Nuding, Haller, Stollmaier, Runckel, Holland und Josenhans Verlag, 3. Auflage 2006, 424 Seiten, ISBN 3-7782-5896-6, 25,80 Euro

Kurze Inhaltsangabe: Das vorliegende Buch behandelt ausführlich die betriebswirtschaftlichen Inhalte einer Arzt- bzw. Zahnarztpraxis in sachlich klar gegliederter Form. Optisch ansprechende Texte und Bilder ermöglichen ein themenorientiertes Arbeiten mit dem Buch. Der im Anhang des Buches befindliche Lernfeldkompass erleichtert eine Zuordnung der Kapitel zu den Inhalten der entsprechenden Lernfelder des Rahmenlehrplans. Die textlichen Inhalte sind als Schaubilder übersichtlich zusammengefasst. Ergänzend mit den Arbeitsteilen und Prüfungsaufgaben ist ein vollständiges Erarbeiten der betriebswirtschaftlichen Inhalte möglich. Handlungsorientiert ausgerichtete Aufgaben ermöglichen eine Selbstkontrolle des Lernerfolges.

Kritische Bewertung: Im Rahmen der Aktualisierung hätte allerdings ein Kapitel Qualitätssicherung den berufsrelevanten Teil einer medizinischen Praxis vervollständigt.

Empfehlung: Insgesamt kann das Buch als ein gut strukturiertes, themenbezogenes Nachschlagewerk und Arbeitsbuch für die Ausbildung der Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten empfohlen werden.

Rezensent: Johann Tüchsen, Oberstudienrat, Fachbereichskoordinator Gesundheitsberufe an der Beruflichen Schule des Kreises Nordfriesland, Uhlebüller Str. 15, 25899 Niebüll


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Tod in Afrika. Mein Leben gegen AIDS
Mit einem Vorwort von Nelson Mandela

Bibliographische Angaben: Edwin Cameron, Verlag CH. Beck, München 2007, 256 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-406-54982-3

Inhaltsangabe und Bewertung: Nelson Mandela hat den Kampf gegen AIDS als nächste große Herausforderung Südafrikas nach dem Ende der Apartheid bezeichnet. Das dies nicht übertrieben ist, zeigt Edwin Camerons Buch, das in Südafrika sofort zum Bestseller wurde.

Edwin Cameron, geboren 1953 in Südafrika, begann seine Karriere als Anwalt für Menschenrechte im Kampf gegen die Apartheid. In Nelson Mandelas Südafrika stieg er schnell in hohe Richterämter auf und wirkte beim Aufbau der neuen Institutionen mit. Heute ist er Richter am obersten Berufungsgericht Südafrikas und zugleich einer der führenden AIDS-Aktivisten Afrikas.

Edwin Cameron hat AIDS. Für einen Südafrikaner ist das eigentlich ein Todesurteil. Denn dort erhält nur ein Bruchteil der etwa vier bis fünf Millionen Menschen mit HIV oder AIDS eine angemessene medizinische Versorgung. Ohne eine antiretrovirale Therapie beträgt die Lebenserwartung nach Beginn der AIDS-Erkrankung selten mehr als einige Jahre. Doch Edwin Cameron lebt, obwohl AIDS bei ihm bereits 1997 diagnostiziert wurde. Denn er ist privilegiert. Er ist weiß, hat eine gut dotierte Tätigkeit und seine Krankenversicherung zahlt die lebensrettenden Medikamente, mit denen die HI-Viren in Schach gehalten werden können.

Aber Edwin Cameron möchte nicht privilegiert sein. Er möchte, dass alle Menschen mit AIDS, in Südafrika und anderswo, ob reich oder arm, medizinisch adäquat versorgt werden, damit das massenhafte vorzeitige Sterben ein Ende hat. Dafür setzt sich Edwin Cameron seit vielen Jahren in Vorträgen, bei Konferenzen und auf Rundreisen in Südafrika und anderen Ländern ein.

2005 hat er das Buch geschrieben, das nun endlich auf Deutsch erschienen ist. Darin klagt er diejenigen an, die die Verantwortung für das Massensterben tragen. Allen voran sind dies die westlichen Pharmakonzerne, die sich weigern, die Preise für die antiretroviralen Medikamente ausreichend zu senken und mit Unterstützung ihrer Regierungen die Einhaltung von Patentschutzregelungen durchzusetzen versuchen, die enorme Profitraten sicherstellen. Aber auch die südafrikanische Regierung um Präsident Mbeki trägt Schuld, da sie sich jahrelang die Position der so genannten AIDS-Dissidenten zu eigen gemacht hatte, wonach AIDS nicht durch das HI-Virus hervorgerufen werde, sondern eine Armuts- und Umweltkrankheit sei oder das Ergebnis des „Lebensstils“ vieler Schwuler (zu viel Sex, zu viele Partys, zu viele Drogen). Auch die antiretroviralen Medikamente wie AZT werden als AIDS-Verursacher in Betracht gezogen.

Nicht nur aufgrund seiner persönlichen Erfahrung setzt sich Edwin Cameron mit den Positionen der AIDS-Dissidenten und der ANC-Regierung in dieser Frage offensiv und mit Herzblut auseinander. Seinen Argumentationen ist auch anzumerken, dass er sich intensiv mit den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen auseinandergesetzt hat, aus denen abzuleiten ist, dass AIDS die Folge einer Zerstörung des Immunsystems durch das HI-Virus ist und aufgehalten werden kann durch eine antiretrovirale Kombinations-Therapie.

Es gibt noch ein weiteres Übel, gegen das Cameron anschreibt, nämlich die Stigmatisierung derjenigen, die an AIDS erkranken. Die soziale Ächtung führt zu Diskriminierung und Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt. Das Stigma hat so eine enorme Kraft, weil AIDS eine sexuell übertragbare Erkrankung ist. Edwin Cameron hat selbst viele Jahre gebraucht, bevor er seine Erkrankung öffentlich machte.

Nelson Mandela schreibt am Schluss seines Vorwortes: „Mit dem öffentlichen Bekenntnis zu seiner HIV-Infektion hat Edwin Cameron großen Mut bewiesen. Er gibt uns allen ein Beispiel dafür, dass man mit dieser Infektion leben und weiterhin Großes zur Verbesserung des Lebens aller leisten kann.“ Und die Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer schreibt zu diesem Buch: „Wenn Wahrheit Schönheit ist, dann ist dieses brillante und unnachgiebig hoffnungsvolle Buch schön. Es ist ein Text, nach dem wir leben können, wenn wir nach der Möglichkeit eines besseren Lebens für alle streben.“ Diesem Lob kann ich mich nur anschließen.

Rezensent: Prof. Dr. Klaus-Dieter Kolenda, Villenweg 21, 24119 Kronshagen


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 5/2007

S. 36, 55