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Wie
viel Freiheit braucht der Arzt?
Das zweite medizinisch-philosophische Kolloquium in der Fortbildungsakademie
der Ärztekammer Hamburg zog noch erheblich mehr Teilnehmer an (ca.
60) als im Vorjahr, wohl auch dank dem Thema von der ärztlichen Freiheit
in einer Zeit zunehmender Bedrohung und Einengung dieser essenziellen
Kategorie. Zunächst legte Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut
für Medizinsoziologie des UKE dar, wieweit die ärztliche Entscheidungsfreiheit
bereits durch nichtmedizinische Faktoren wie Alter oder Geschlecht der
Patienten beeinflusst wird. Weiterhin sei zu fragen, wieweit Patienten
an medizinischen Entscheidungen beteiligt werden könnten. Dabei sei
die Kommunikation zwischen Arzt und Patient problematisch geworden, d.
h. die Frage, was wird kommuniziert und wie, also etwa in großen
Kassenpraxen weniger verbal als nonverbal durch Aushändigen von Befunden
und Rezepten.
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Dr.
Jürgen Philipp Furtwängler
(Foto: hk) |
Dr. phil. Gerd Achenbach
(Bergisch-Gladbach), Gründer der ersten philosophischen Beratungspraxis
vor über 20 Jahren, meinte, nicht von Arzt und Patient
sei zu sprechen, sondern umgekehrt von Patient und Arzt, weil
der Patient und sein Befinden interesseleitend für beide sei, nicht
primär der Arzt. Da Ärzte zunehmend als Apparatebediener und
spezielle Dienstleister fungierten, seien in Zukunft mehr Ärzte gefragt,
die mehr als Mediziner seien: Der Arzt ist mehr denn je als praktischer
Philosoph gefragt. Eine philosophische Grundhaltung sei geeignet,
die Schwierigkeiten des Patient-Arzt-Verhältnisses im konkreten Fall
leichter zu erkennen. Der Philosoph als Generaldilettant könne
dem Arzt dabei helfen.
In der vom Initiator des Seminars, Dr. Jürgen Philipp Furtwängler,
geleiteten Diskussion spielte die vielfältige Bedrohung der dyadischen
Qualität des Patient-Arzt-Verhältnisses eine große Rolle:
Wir Ärzte müssen lernen, uns selbst aus der Jammerecke
herauszuziehen. Die Philosophie biete mit ihren Argumenten, ihren
historischen Beispielen und ihrer geistigen, kritischen und relativierenden
Haltung eine nicht zu unterschätzende Hilfe für die Ärzteschaft,
sich auf einer höheren Ebene zu behaupten in der kruden, frustranen
gesundheitspolitischen Auseinandersetzung um Kosten und Nutzen, um Partikularinteressen,
um Geld, Macht und Ansehen. (hk)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 4/2007
S. 74
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