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Schleswig-Holstein

Seeheilbad Friedrichskoog
In drei Jahren Badearzt gesucht

Er ist der einzige Arzt im Urlaubsort Friedrichskoog. Wenn Dr. Wolf-Günter Riesenkampff wie geplant in einigen Jahren aufhört, drohen der Gemeinde Konsequenzen - ohne Badearzt verliert sie ihren Status als Seeheilbad.

Dr. Wolf-Günter Riesenkampff und seine Frau Ingrid auf dem Friedrichskooger Deich. In drei Jahren wollen sie die Praxis abgeben - und fangen jetzt schon mit der Suche an. (Fotos: di)

300 000 Übernachtungen jährlich in einem Dorf mit 2 500 Einwohnern - ob die Statistik des Urlaubsortes Friedrichskoog bei Marne auch ohne den Status Seeheilbad noch so ausfallen würde, ist fraglich. Ohne Badearzt aber droht ihr der Verlust des begehrten Status.

Spätestens bis 2010 muss deshalb ein Nachfolger für Riesenkampff gefunden sein. Dann will der heute 63-Jährige aufhören und seine Praxis gern an einen Nachfolger übergeben. Wie schwer das ist, hat Bürgermeister Karl Heinrich Thomsen schon vor ein paar Jahren erfahren, bevor Riesenkampff sich für Friedsrichskoog entschied. „Meistens ist es an den Ehefrauen gescheitert - ihnen war der Weg nach Hamburg zu weit“, erzählt der Bürgermeister. Der Verlust des Badearztes hätte weitere Konsequenzen. Denn die Existenz der örtlichen Kurklinik ist wiederum an den Status Seeheilbad geknüpft.

In Friedrichskoog beginnt man deshalb schon heute, auf die frei werdende Praxis im Ort aufmerksam zu machen. Neben den ärztlichen Körperschaften und dem Seeheilbäderverband informieren Thomsen, Riesenkampff und seine Frau und Praxismanagerin Ingrid auch Kollegen im Kreis, die Medien, schauen sich in Praxisbörsen um und schalten das Westküstenklinikum Heide ein. Dass sie trotz der verhaltenen Nachfrage nach Arztpraxen in Dithmarschen optimistisch sind, liegt an folgenden Vorteilen des Standortes:

  • Die Praxis erwirtschaftet derzeit einen Jahresumsatz von rund 350 000 Euro. Dazu tragen je nach Saison 900 bis 1 200 Patienten im Quartal bei.
  • Der Urlaubsort verfügt über eine gute Infrastruktur mit Kindergarten und Grundschule, weiterführende Schulen gibt es im nur 14 Kilometer entfernten Marne.
  • In Friedrichskoog wohnt man praktisch direkt neben dem Wattenmeer. Das gemietete Haus der Riesenkampffs etwa steht direkt am Deich.
  • Weil ein Großkonzern das in Sichtweite gewonnene Nordseeöl in Friedrichskoog weiter verarbeitet, gibt es neben dem Tourismus weitere Arbeitgeber. Der Energiekonzern fördert externe Auszubildende - auch das Gehalt der Auszubildenden in der Arztpraxis wird vom Energiekonzern bezahlt.
  • In der Urlaubssaison ist zwar viel los in der Praxis, dafür gibt es außerhalb der Ferienzeiten weniger zu tun. Die Notdienste sind über eine Anlaufpraxis geregelt, eine Teilnahme daran ist freiwillig.
Die Arztpraxis in Friedrichskoog ist ausgeschildert - der Badearzt ist für den Urlaubsort auch wirtschaftlich von Bedeutung.

Riesenkampffs selbst haben sich erst 2004 für einen Umzug vom 40 Kilometer entfernten und kaum größeren Wesselburen entschieden. Dort waren damals elf Ärzte niedergelassen - nach Ansicht Riesenkampffs zu viele, denn die Umsätze in ihrer Praxis waren stark rückläufig. Schon im ersten Quartal am neuen Standort waren diese Sorgen verflogen, der Umsatz hatte sich schnell verdoppelt.

Potenzielle Interessenten für eine Praxis arbeiten etwa im Westküstenklinikum Heide, das gerade eine große Werbekampagne für junge Ärzte gestartet hat. Wenn sich dennoch kein Praxisnachfolger finden sollte, kann sich Ingrid Riesenkampff eine gemeinsame Lösung mit der Klinik vorstellen. Dessen Medizinisches Versorgungszentrum könnte den Arztsitz kaufen und einen angestellten Arzt im Seeheilbad beschäftigen. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 4/2007

S. 30-31