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Hilfen für die
Orientierung in Zeiten von Disease Management und Integrierter Versorgung
Nationale VersorgungsLeitlinien
Günter Ollenschläger, Monika Lelgemann, Sylvia Sänger
Warum VersorgungsLeitlinien?
Das Wissensmanagement im Gesundheitswesen wird immer komplexer. Der medizinische
Fortschritt und Vorgaben beziehungsweise Bedarf zur Organisationsentwicklung
in Klinik und Praxis steigern den Erkenntnisbedarf von Ärzten(innen).
Gleichzeitig nimmt die Überflutung - mit oftmals tendenziösen
- Informationsangeboten zu. Vor diesem Hintergrund wird ärztlichen
Leitlinien im In- und Ausland eine zunehmende Bedeutung zugesprochen.
Man erhofft sich von ihnen Optimierung und Erleichterung der Orientierung
im ärztlichen Alltag 1,2,3,4,5, und zwar durch Nutzung
von:
- aktuellen Erkenntnissen
und Belegen zu konkreten medizinischen Versorgungsproblemen (der so
genannten Evidenz aus Wissenschaft und Praxiserfahrung);
- ausgewogener Darstellung
gegensätzlicher Standpunkte und Konsens von Fachexperten zu praxisrelevanten
Fragen;
- systematisch erarbeiteten
Vorschlägen der medizinischen Fachgesellschaften zum derzeitigen
Vorgehen der Wahl unter expliziter Abwägung von Nutzen und Nachteilen
empfohlener Verfahren.
Leitlinien, die diesen
Eckpunkten entsprechen, sind unverzichtbarer Bestandteil des modernen
ärztlichen Informationsmanagements. Gleichzeitig können sie
als Hilfe für die gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient
zur angemessenen Patientenbehandlung dienen. Aus diesem Grund haben Fachgesellschaften
und ärztliche Selbstverwaltung die Entwicklung beziehungsweise Verbreitung
von Leitlinien seit 1995 zu einem Arbeitsschwerpunkt gemacht. Dabei konzentrieren
sich die Mitgliedsorganisationen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) auf so genannte Klinische
Leitlinien für fachspezifische Fragestellungen.
Zusätzlich wurde mit so genannten Nationalen VersorgungsLeitlinien
(NVL) 2002 von der Bundesärztekammer ein völlig neues
Informationsangebot für Ärzte und Patienten geschaffen (siehe
weiterführende Informationen im Internet unter www.versorgungsleitlinien.de).
Es handelt
sich dabei um Leitlinien für die strukturierte Krankenversorgung
im Rahmen von Disease Management und Integrierter Versorgung. Das NVL-Programm
wird seit 2003 gemeinsam von Bundesärztekammer (BÄK), AWMF und
Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) getragen und vom Ärztlichen
Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) koordiniert.
Ziele Nationaler VersorgungsLeitlinien sind vor allem:
- bestmögliche
medizinische Versorgung für jeden Patienten in seiner individuellen
Situation;
- Überwindung
der Fachgebietsgrenzen bei der Definition medizinischer Standards;
- Berücksichtigung
der Evidenz aus Wissenschaft und Praxis in der Patientenversorgung;
- Patientenbeteiligung
bei der Leitlinien-Erstellung und -Nutzung.
Zu diesem Zweck enthalten NVL
- Empfehlungen zum
Behandlungsablauf über die verschiedenen Versorgungsbereiche hinweg
- von der Prävention über die Akut-Versorgung bis hin zur
Rehabilitation und Dauer-Betreuung (Tab. 1);
- konkrete Handlungsanweisungen
und Aussagen zu empfehlenswerten Verfahren auf Grundlage des Konsenses
aller an einem Versorgungsproblem beteiligten wissenschaftlichen Fachgesellschaften
(Abb. 1);
- Analysen und Kommentare
zu den systematisch aufbereiteten Quellen und Begründungen für
die relevanten Empfehlungen;
- Hinweise und Hilfen
für die Berücksichtigung der Empfehlungen in der ärztlichen
Praxis.
Nationale VersorgungsLeitlinien wurden bisher für Asthma, COPD,
KHK fertig gestellt. Die Themen Depression, Diabetes, Herzinsuffizienz
und Rückenschmerz sind in Bearbeitung. Alle NVL-Dokumente und -Materialien
sind auf der Internet-Seite www.versorgungsleitlinien.de frei verfügbar
(Abb. 2).
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| Abbildung
1 |
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| Abbildung
2 |
Wie entsteht eine
NVL?
Die fast unüberschaubare Zahl in- und ausländischer Leitlinien
hat dazu geführt, dass es selbst für den Spezialisten immer
schwieriger wird, den Überblick zu behalten. Dabei unterscheiden
sich die von den unterschiedlichsten Interessenkreisen herausgegebenen
Leitlinien zum Teil gravierend hinsichtlich ihrer Zielsetzung, Entwicklungsmethode
und Qualität.
Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren Kriterien entwickelt, die
eine Beurteilung der methodischen Qualität von Leitlinien ermöglichen.
Ziel einer solchen Überprüfung ist es, als Nutzer von Leitlinien
möglichst schnell und effizient herauszufinden, ob die in den Leitlinien
abgegebenen Empfehlungen verlässlich sind. Zur Beurteilung der Qualität
stehen so genannte Checklisten zur Verfügung. Für Deutschland
wurde auf der Grundlage international konsentierter Qualitätskriterien3
das Deutsche Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung DELBI4
erarbeitet (Abb. 3).
Deutsches
Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI) - Kurzfassung
(Langfassung: www.delbi.de) |
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| Abbildung
3 |
Auf dieser Grundlage
werden Nationale VersorgungsLeitlinien durch Adaptation und Zusammenfügung
von Schlüsselempfehlungen bereits existierender hochwertiger, evidenz-
und konsensbasierter Leitlinien entwickelt7. Dabei werden insbesondere
Fragestellungen, die für die Versorgungskoordination relevant sind,
systematisch aufgearbeitet.
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| Abbildung
4 |
Die Entwicklung einer
NVL erfolgt in folgenden Schritten:
- systematische Aufarbeitung
und Zusammenstellung der besten verfügbaren Evidenz aus Leitlinien,
systematischen Reviews, Metaanalysen, Originalarbeiten;
- Herleitung des
in der Leitlinie empfohlenen Vorgehens aus der Evidenz;
- Auswahl der Schlüsselempfehlungen
einer Leitlinie und Vergabe von Empfehlungsgraden (Abb. 4) mithilfe
formalisierter Konsensusverfahren (Nominaler Gruppenprozess8);
- exakte Dokumentation
und Verfügbarkeit des Zusammenhangs zwischen der jeweiligen Empfehlung
und der zugehörigen Evidenz (Abb. 5);
- Beteiligung betroffener
Leistungsträger mithilfe multidisziplinär zusammengesetzter
Leitlinienautorengruppen;
- Beteiligung betroffener
Patienten mithilfe leitlinienbasierter Patientenleitlinien, ertellt
durch Vertreter der Patientenselbsthilfe;
- Beteiligung betroffener
Leitliniennutzer und interessierter Dritter durch formalisiertes,
internetgestütztes Konsultationsverfahren;
- Verbreitung der
NVL über Deutsches Ärzteblatt, Fachzeitschriften, Internet;
- Implementierung
der NVL durch leitlinienbasierte Fortbildungs- und Qualitätsmanagement-Projekte;
- regelmäßige,
bei Bedarf akute Aktualisierung der Leitlinien-Empfehlungen.
| Darstellung
der Nationalen VersorgungsLeitlinien im Internet: |
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| Aktive
Verknüpfung von Empfehlungen und Hintergrundinformationen
am Beispiel der NVL Asthma |
| Abbildung
5 |
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Wer ist beteiligt?
Nationale VersorgungsLeitlinien sollen den interdisziplinären Konsens
aller an einem Versorgungsproblem beteiligten deutschen Fachgesellschaften
auf der Grundlage der besten verfügbaren Evidenz wiedergeben. Verantwortlich
für die Formulierung sind die Mitgliedsgesellschaften der AWMF, die
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und andere Organisationen,
die sich durch die Entwicklung hochwertiger Leitlinien in dem jeweiligen
Themenbereich hervorgetan haben oder unmittelbar davon betroffen sind.
Zu diesem Zweck entsenden die sich für ein bestimmtes Thema zuständig
fühlenden Fachgesellschaften und Organisationen Mandatsträger
in die entsprechenden Leitliniengruppen (Tab. 3). Die Beteiligung von
Patienten an der Entwicklung von NVL erfolgt in Abstimmung mit dem Patientenforum
bei der Bundesärztekammer. Das gesamte Verfahren wird vom Ärztlichen
Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag der Träger
BÄK, AWMF und KBV koordiniert.
Die Kosten des Programms werden von BÄK, AWMF, KBV sowie den beteiligten
Fachgesellschaften getragen.
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| Tabelle
3 |
Welche Themen werden
bearbeitet?
Das NVL-Programm zielt auf die Entwicklung und Implementierung von Leitlinien
zu ausgewählten Themen, deren Bearbeitung von BÄK, AWMF und
KBV gemeinsam als besonders bedeutsam angesehen wird. Bei der Themenauswahl
werden international akzeptierte Kriterien zur Prioritätensetzung
in der Medizin10 berücksichtigt.
Hierzu gehören unter anderem:
- Verbesserungspotenzial/-möglichkeiten
der Versorgungsqualität;
- Häufigkeit
des Gesundheitsproblems - Krankheitslast;
- sektorenübergreifender
Behandlungsbedarf;
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| Tabelle
2 |
- ökonomische
Bedeutung;
- ethische und soziale
Aspekte.
Auf dieser Grundlage
wurden bisher die in Tabelle 2 genannten Themen ausgewählt.
Begründete Vorschläge für weitere Themen können von
jedermann unter Bezug auf die oben genannten Priorisierungskriterien über
das Internet beim ÄZQ eingereicht werden.
Wie sieht eine NVL aus?
Ziel einer NVL ist die bessere Berücksichtigung wissenschaftlich
begründeter, allgemein konsentierter Empfehlungen zur guten ärztlichen
Praxis in einem speziellen Versorgungsbereich. Dadurch sollen Optimierungspotenziale
ausgeschöpft, Prävention, Diagnostik und Therapie auf eine rationalere
Basis gestellt und die Stellung des Patienten gestärkt werden (Tabelle
4 - Beispiel Asthma bronchiale).
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| Tabelle
4 |
Dementsprechend äußert
sich eine NVL zu allen Schlüssel-Komponenten des Versorgungs-Managements
wie Diagnostik, Pharmakotherapie, Patientenschulung, Notfallbehandlung
und Rehabilitation. In Hintergrundtexten werden ausführliche
Begründungen und Literaturbelege zu den einzelnen Empfehlungen gegeben.
Besonderer Wert wird auf die explizite Angabe von Maßnahmen gelegt,
die heutzutage trotz fehlender wissenschaftlicher Begründung immer
noch angewandt oder dem Patienten vorenthalten werden (Tab. 5).
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| Tabelle
5 |
| NVL-Algorithmen
zur Diagnostik - Beispiel Asthma |
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| Abbildung
6 |
Diagnostik: Die Eckpunkte
des diagnostischen Vorgehens sind in NVLn meist in Ablaufschemata dargestellt
(Abb. 6). Der Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der diagnostischen
Betreuung in der ambulanten Versorgung. Zu spezialistischen Maßnahmen
wird üblicherweise auf Leitlinien der zuständigen Fachgesellschaften
verwiesen.
Therapieempfehlungen: Eine NVL enthält Therapieempfehlungen in Form
konkreter Handlungsanweisungen und unter Angabe von Empfehlungsgraden
(Abb. 1), ergänzt durch Stufenschemata (Abb. 7), Dosierungsangaben,
Verhaltensempfehlungen, Schulungsmaßnahmen etc. Die Empfehlungen
umfassen jeweils auch klare Darlegungen zu nicht empfehlenswerten Therapeutika
mit unzureichendem oder fehlendem Wirksamkeitsnachweis.
Rehabilitation: Eine NVL bezieht klar Stellung zur Frage der Indikationsstellung
für die Rehabi-
litation, zu deren möglichen positiven Effekten sowie der notwendigen
Einbindung von rehabilitativen Maßnahmen in eine suffiziente
Vor- und Nachsorge. Die NVL-Langfassungen enthalten im Hintergrundtext
die Schilderung beispielhafter Situationen, in denen eine solche Einbindung
aller Maßnahmen im Sinne einer Rehabilitationskette durchgeführt
wird.
| NLV-Stufenschemata
- Beispiel "Medikamentöse Asthma-Therapie bei Erwachsenen" |
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| Abbildung
7 |
Patientenbeteiligung - was ist wichtig?
Dass Patienten an Entscheidungsprozessen im Gesundheitswesen und an der
Definition von Versorgungsstandards beteiligt werden, ist heute nicht
mehr Gegenstand der Diskussion. Patientenbeteiligung findet statt und
zwar auf den verschiedensten Ebenen des Gesundheitssystems, von der Mitwirkung
im Gemeinsamen Bundesausschuss bis hin zur Begutachtung und Mitentwicklung
ärztlicher Leitlinien.
Die systematische Patientenbeteiligung wird im NVL-Programm seit 2005
praktiziert. Dabei handelt es sich sowohl um Mitarbeit in den Leitliniengruppen
als auch um die Erstellung spezieller Patientenleitlinien
zu den einzelnen NVLn. Die inhaltliche Gestaltung wird von den Patientenverbänden
im Patientenforum12, einer Interessengemeinschaft, zusammengesetzt
aus Vertretern der Selbsthilfedachverbände sowie von BÄK und
der KBV, verantwortet.
Alle im Rahmen des NVL-Programms erstellten Patientenleitlinien sind nach
dem gleichem Schema aufgebaut. Sie enthalten die folgenden Elemente:
- evidenzbasierte
Empfehlungen für Patienten: die auf der Basis der vorliegenden
Evidenz gegebenen Empfehlungen zur Behandlung und Versorgung aus der
NVL;
- Hintergrundwissen:
Erklärungen zu anatomischen Gegebenheiten und physiologischen Vorgängen
im gesunden und kranken Organismus;
- Versorgungsstrukturen:
Erklärungen zur bestmöglichen medizinischen und falls erforderlich
psychischen und psychosozialen Versorgung unter besonderer Berücksichtigung
der Schnittstellen zwischen den einzelnen Versorgungsbereichen;
- Selbstmanagement:
Informationen zum Umgang mit der Erkrankung, zu möglichen Beiträgen
des Patienten, um die eigene gesundheitliche Situation möglichst
dauerhaft zu verbessern sowie zum Umgang mit Notfällen und Gefahrensituationen;
- Arzt-Patienten-Kommunikation:
Anleitungen und Hilfestellungen für das Arzt-Patienten-Gespräch,
(z. B. Abb. 8);
- Unterstützung
und Hilfen: Adressen von Selbsthilfeorganisationen und medizinischen
Fachgesellschaften, Verweis auf qualitativ hochwertige Informationen
in Printform und im Internet.
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| Abbildung
8 |
Können Leitlinien
die Versorgungsqualität beeinflussen?
Mit dem Programm für Nationale Versorgungs-Leitlinien wurde ein bundesweites
Forum für die Vereinheitlichung der Entwicklung, Implementierung
und Fortschreibung inhaltlicher Grundlagen für die strukturierte
medizinische Versorgung geschaffen. Ein erster Erfolg dieses neuen Konzeptes
spiegelt sich in der Wahrnehmung der bisher publizierten VersorgungsLeitlinien
wider: Zum Beispiel war die NVL Asthma im letzten halben Jahr die gefragteste
Publikation im Internet-Leitlinienregister der AWMF (www.awmf-leitlinien.de).
Ob das eigentliche Ziel von Leitlinien, nämlich bestmögliche
medizinische Versorgung für jeden Patienten unter Berücksichtigung
der Evidenz aus Wissenschaft und Praxiserfahrung durch Nationale
VersorgungsLeitlinien überhaupt erreicht werden kann, ist völlig
ungeklärt.
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| Tabelle
6 |
Tabelle
7 |
Bisherige Untersuchungen
zur Akzeptanz und Berücksichtigung von Leitlinien in der deutschen
Versorgungsroutine stimmen eher skeptisch13. Demnach überwiegen
zurzeit in der Ärzteschaft Unkenntnis oder Vorbehalte gegenüber
Leitlinien. Zwei Drittel der Berliner Hausärzte nutzen derzeit -
unter anderem aus den in Tabelle 7 genannten Gründen - Leitlinien
selten oder gar nicht.
Die Anwendung von Leitlinien bedeutet häufig eine Änderung des
bisherigen Verhaltens. Um Ärzte(innen), Patienten(innen) hierzu zu
motivieren, bedarf es - selbstverständlich neben der Erstellung und
Verbreitung hochwertiger Leitlinien - eines breit angelegten Konzepts
mit multimodaler Strategie, die gleichermaßen auf Wahrnehmung, Einstellungen,
Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhalten zielt. In jedem Fall muss die
ärztliche Selbstverwaltung unter Einbindung anderer ärztlicher
Institutionen als Speerspitze vorangehen. Dabei ist überzeugend und
transparent zu kommunizieren, dass Leitlinien tatsächlich den Versorgungsalltag
in Klinik und Praxis sowie die Versorgungsergebnisse positiv beeinflussen
können. Die Debatte um Leitlinien ist einzubetten in die Debatte
um Qualität im Gesundheitswesen insgesamt14.
Zusätzlich zu dieser Grundsatzdiskussion müssen aber Instrumente
geschaffen werden, die es dem praktizierenden Arzt überhaupt erst
möglich machen, im Berufsalltag Leitlinien anzuwenden. Hierzu gehören
einfache technische Maßnahmen wie leitliniengestützte
Kitteltaschenversionen, Praxisposter, Patientenflyer aber auch komplexe
Hilfsmittel, wie etwa elektronische Entscheidungshilfen im Praxisverwaltungssystem
oder die Integration von Leitlinienempfehlungen in Qualitätsmanagement-Programme.
Solche Instrumente sind für die Nationalen VersorgungsLeitlinien
über die Internet-Seite www.versorgungsleitlinie.de bereits verfügbar
oder werden gerade entwickelt (z. B. Leitlinien-Module für das QEP
[Qualität und Entwicklung in Praxen]-Qualitätsmanagementprogramm
der KBV).
Die Verantwortlichen des NVL-Programms gehen davon aus, dass sich diese
Bemühungen künftig positiv auf die Qualität der Patientenversorgung
und die berufliche Situation von Ärzten(innen) auswirken werden.
Entsprechende Studien zur Überprüfung dieser Hypothese sind
derzeit in Vorbereitung.
Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Zeitschrift Berliner Ärzte,
Heft 11/2006, sowie Unterstützung des Grafik-Büros Sehstern
Grafik-Design, Berlin
Prof. Dr. rer. nat. Dr. Günter Ollenschläger,
Monika Lelgemann,
MSc Dr. PH Sylvia Sänger,
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Wegelystr.
3, 10623 Berlin
Literatur:
(ausführliche Literatur beim Verfasser)
- BÄK und KBV
1997
- AWMF und ÄZQ
2001
- Europarat 2001
- AWMF und ÄZQ
2006
- Kopp et al 2006
- Internet: www.asthma.versorgungsleitlinien.de
- Ollenschläger
et al 2006
- Delbecq et al 1976
- Internet: www.versorgungsleitlinien.de
- Zentrale Ethikkommission
2000
- Lelgemann et al.
2006
- Auerswald et al
2003
- Schneider et al
2001
- Kunz 2005
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 2/2007
S.69-77
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